Dienstag, 19.September


Heute haben
William Golding * 1911
Carlo Fruttero * 1926
Stefanie Zweig * 1932
Wiktor Jerofejew * 1947
Gerhard Köpf * 1948
Geburtsag
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Klabund
Liebeslied

Hui über drei Oktaven
Glissando unsre Lust.
Laß mich noch einmal schlafen
An deiner Brust.

Fern schleicht der Morgen sachte,
Kein Hahn, kein Köter kläfft.
Du brauchst doch erst um achte
Ins Geschäft.

Laß die Matratze knarren!
Nach hinten schläft der Wirt.
Wie deine Augen starren!
Dein Atem girrt!

Um deine Stirn der Morgen
Flicht einen bleichen Kranz.
Du ruhst in ihm geborgen
Als eine Heilige und Jungfrau ganz.
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Kia Vahland: „Farbe bekennen
Alte Bilder, neue Zeiten
Insel-Bücherei € 15,00

Die Kunsthistorikerin und -kritikerin Kia Vahland schreibt u.a. für die Süddeutsche Zeitung und unterrichtet am Kunsthistorischen Institut der Ludwig-Maximilians-Universität München und an der Deutschen Journalistenschule. Ihre Bücher, Leonardo da Vinci und die Frauen, Schattenkünstler, Von Caravaggio bis Velázquez und Gartenreich Wörlitz wurden mehrfach ausgezeichnet.
In dieser sehr schönen Ausgabe in der Insel-Bücherei können wir einige Ihrer Kolumnenbeiträge wiederfinden.
Die letzten Jahre waren geprägt von einer Pandemie, drastischen Veränderungen des Klimas, unerwartete Veränderungen in Demokratien, einem Krieg in Europa und vielen Unsicherheiten im alltäglichen Leben für uns in Mitteleuropa. Kia Vahland zieht zu einzelen Bereiche Bilder alter Meister zurate und beginnt mit Pablo Picassos Guernica als Symbol gegen den Krieg. Vermeers Straße in Delft stellt sie unter das Motto „Gegen die urbane Ödnis“ und wie vor vielen Jahren ein gemeinsamen Leben und Wohnen in einer kleinen Straße, unter einem Dach, möglich war. Raffaels Portäts des Papstes „Julius II.“ nimmt sie als Zeichen, wie es um unsere Machtpersonen bestellt ist. Nicht als mächtigen Herrscher und Tyrannen stellte Raffael den Papst dar, sondern als einen nach vorne gebeugten, alten Mann. Ein Herrscher nicht als Feldherr, sondern einer, der nachdenkt. „Nicht wir müssen den Regierenden gefallen, sondern sie uns“, schreibt die Autorin am Ende des Beitrages.
Kasimir Malewitschs Sportler steht unter dem Motto „Die vielen Farben der Revolution“. Es folgen u.a. Bilder von Artemisia Gentileschi, Peter Paul Rubens, Tizian, Leonardo Da Vinci, Rembrandt und Charlotte Salomon, deren Ausstellungen gerade im Lenbachhaus in München zu Ende gegangen ist. „Das Leben als Leben feiern“ überschreibt Kia Vahland ihren Artikel zum Bild Singspiel aus dem Zyklus „Leben? oder Theater?“. Charlotte Salomon wurde 26jährig, schwanger, gleich nach ihrer Ankunft in Auschwitz ermordet. „Es ist das Leben, das zählt. Und wer unter den Heutigen das Glück hat, es zu genießen, sollte dies tun.“, so Kia Vahland.
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Heute um 10 Uhr wird die Shortlist zum Deutschen Buchpreis bekanntgegeben. Vielleicht ist ja eine, oder einer unserer eingeladenen AutorInnen dabei. Wir sind gespannt.

Mittwoch, 23.August


Heute haben
Alfred Lichtenstein * 1889
Georges Perros * 1923
Ephraim Kishon * 1924
Nelson DeMille * 1943
Ilija Trojanow * 1965
Geburtstag
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Alfred Lichtenstein
Sommerabend

Faltenlos sind alle Dinge,
Wie vergessen, leicht und matt.
Heilighoch spült grüner Himmel
Stille Wasser an die Stadt.

Fensterschuster leuchten gläsern.
Bäckerläden warten leer.
Straßenmenschen schreiten staunend
Hinter einem Wunder her.

… Rennt ein kupferroter Kobold
Dächerwärts hinauf, hinab.
Kleine Mädchen fallen schluchzend
Von Laternenstöcken ab.
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Die Longlist für den Deutschen Buchpreis 2023 ist veröffentlicht worden.

Die drei Debütant*Innen, die wir zu Veranstaltungen eingeladen haben sind mit auf der Liste.
Wie toll ist das denn.


Donnerstag, 22.Februar 2024, 19 Uhr,
Elena Fischer: „Paradise Garden“

Lesung bei uns in der Buchhandlung

Longlist für den Deutschen Buchpreis 2023

Der Deutsche Buchpreis hat die 20 Titel umfassende Longlist für die Auszeichnung veröffentlicht. Seit Ausschreibungsbeginn wurden dafür 196 Titel gesichtet, die zwischen Oktober 2022 und dem 19. September 2023 (Bekanntgabe der Shortlist) erschienen sind oder noch erscheinen.

Die nominierten Romane (in alphabetischer Reihenfolge):

  • Tomer Dotan-Dreyfus: Birobidschan (Verlag Voland & Quist, Februar 2023)
  • Raphaela Edelbauer: Die Inkommensurablen (Klett-Cotta, Januar 2023)
  • Sherko Fatah: Der große Wunsch (Luchterhand Literaturverlag, August 2023)
  • Elena Fischer: Paradise Garden (Diogenes Verlag, August 2023)
  • Charlotte Gneuß: Gittersee (S. Fischer Verlag, August 2023)
  • Luca Kieser: Weil da war etwas im Wasser (Picus Verlag, August 2023)
  • Angelika Klüssendorf: Risse (Piper Verlag, August 2023)
  • Sepp Mall: Ein Hund kam in die Küche (Leykam Verlag, August 2023)
  • Terézia Mora: Muna oder Die Hälfte des Lebens (Luchterhand Literaturverlag, August 2023)
  • Thomas Oláh: Doppler (Müry Salzmann Verlag, Februar 2023)
  • Angelika Overath: Unschärfen der Liebe (Luchterhand Literaturverlag, April 2023)
  • Necati Öziri: Vatermal (claassen, Juli 2023)
  • Teresa Präauer: Kochen im falschen Jahrhundert (Wallstein Verlag, Februar 2023)
  • Anne Rabe: Die Möglichkeit von Glück (Klett-Cotta, März 2023)
  • Kathrin Röggla: Laufendes Verfahren (S. Fischer Verlag, Juli 2023)
  • Tonio Schachinger: Echtzeitalter (Rowohlt Verlag, März 2023)
  • Sylvie Schenk: Maman (Carl Hanser Verlag, Februar 2023)
  • Clemens J. Setz: Monde vor der Landung (Suhrkamp Verlag, Februar 2023)
  • Tim Staffel: Südstern (Kanon Verlag Berlin, September 2023)
  • Ulrike Sterblich: Drifter (Rowohlt Verlag Hundert Augen, Juli 2023)

Jurysprecherin Katharina Teutsch kommentiert die Auswahl: „Eine Longlist ist nicht einfach nur eine Liste mit Titeln, die eine Jury preiswürdig findet. Sie bildet einen kollektiven Leseprozess ab. Was treibt uns an? Was finden wir wichtig? Welche literarischen Entdeckungen haben wir gemacht? Unsere Auswahl ist auch in diesem Jahr wieder der Beweis dafür, dass die deutschsprachige Gegenwartsliteratur voller Überraschungen ist. Newcomer*innen stehen selbstbewusst neben etablierten Autor*innen; kleine Verlage wechseln sich mit großen Verlagen ab; Geschichten von tragischem Ernst stehen neben Kapriolen der Fantasie. Wichtig war der diesjährigen Jury, auch den literarischen Humor zu würdigen. Er ist in vielen der ausgewählten Titel nicht nur Treibstoff des Erzählens, sondern auch Ausdruck eines sympathisch undogmatischen Weltverhältnisses, das uns besonders in dieser Zeit beeindruckt hat.“

Diese Jury traf die Auswahl:

  • Shila Behjat (Journalistin und Publizistin)
  • Heinz Drügh (Goethe-Universität Frankfurt am Main)
  • Melanie Mühl (Frankfurter Allgemeine Zeitung)
  • Lisa Schumacher (Steinmetz’sche Buchhandlung, Offenbach)
  • Katharina Teutsch (freie Kritikerin)
  • Florian Valerius (Gegenlicht Buchhandlung, Trier)
  • Matthias Weichelt (Zeitschrift Sinn und Form)

Um eine „größtmögliche Unabhängigkeit der Auszeichnung“ zu gewährleisten, wählt die Akademie Deutscher Buchpreis die Jury in jedem Jahr neu. Eine mehrmalige Jurymitgliedschaft ist möglich.

Shortlist am 19. September

Im nächsten Schritt wählen die Jurymitglieder aus den Titeln der Longlist sechs Romane für die Shortlist aus, die am 19. September 2023 veröffentlicht wird. Erst am Abend der Preisverleihung erfahren die sechs Autorinnen und Autoren, an wen von ihnen der Deutsche Buchpreis geht. Für den Sieg gibt es ein Preisgeld von 25.000 Euro; die fünf Finalisten erhalten jeweils 2500 Euro. Die Preisverleihung findet am 16. Oktober 2023 zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse im Kaisersaal des Frankfurter Römers statt und wird live übertragen.

Mit dem Deutschen Buchpreis zeichnet die Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins jährlich zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse den deutschsprachigen „Roman des Jahres“ aus. Ziel des Preises ist es, über Ländergrenzen hinaus Aufmerksamkeit zu schaffen für deutschsprachige Autorinnen und Autoren, das Lesen und das Leitmedium Buch. 

Dienstag, 18.Oktober


Heute haben
Adolf Müllner * 1774
Heinrich von Kleist * 1777
Henri Bergson * 1859
Tibor Déry * 1894
Mihail Sebastian * 1907
Jan Wagner * 1971
Geburtstag
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„Ein freier, denkender Mensch bleibt nicht da stehen, wo der Zufall ihn hinstößt; oder wenn er bleibt, so bleibt er aus Gründen, aus Wahl des Bessern.“
Heinrich von Kleist an Ulrike von Kleist; Frankfurt (Oder), Mai 1799.
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Foto: dpa

Kim de l’Horizon gewinnt mit „Blutbuch“ den Buchpreis 2022.

Foto: Arne Dedert/dpa (Foto: dpa)


Ein kurzes, informatives Video zu Kim de l’Horizon, seinem Buch, seiner Dankesrede und seiner Solidaritätsaktion finden Sie hier:
https://www.tagesschau.de/multimedia/video/video-1102131.html
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Andrej Kurkow erhält den Geschwister-Scholl-Preis für seinTagebuch einer Invasion

Jurybegründung:

„Zwei Wochen nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine notiert Andrej Kurkow in seinem ‚Tagebuch einer Invasion‘: ‚Mich schaudert es dabei, die folgenden Worte niederzuschreiben, aber ich werde es trotzdem tun: Die Ukraine wird entweder frei, unabhängig und europäisch sein, oder es wird sie überhaupt nicht mehr geben.‘ Auch wenn vielen Menschen inzwischen deutlicher geworden ist, dass der 24. Februar 2022 eine tiefe historische und politische Zäsur markiert und dass die zivilisierte Welt eine Mitverantwortung dafür trägt, ob die Zerstörung der Ukraine verhindert wird, so fehlt es nach wie vor vielfach an einem tieferen Verständnis dafür, was in diesem Krieg alles auf dem Spiel steht.
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Am Sonntag erhält Serhij Zhadan den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels


Morgen, Mittwoch, den 19.Oktober liest Clemens Grote Serhij Zhadans Erzählung:
„Laufen ohne anzuhalten“ bei uns in der Buchhandlung.


Beginn 19 Uhr
Eintritt frei

Dienstag, 4.Oktober


Heute haben
Jeremias Gotthelf * 1797
Max Halbe * 1865
Frans Bengtsson * 1894
Anna Rice * 1941
Luis Sepúlveda * 1949
Geburtstag
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„Wer mit sich selbst nicht zufrieden sein kann, der kehrt gerne seine Unzufriedenheit gegen alle anderen Leute, statt gegen sich selbst.“
Jeremias Gotthelf
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Der Herbst kann kommen und bis zum Winter sind wir schon gut vorbereitet:


Sabine Lohf: „Das große Natur-Bastelbuch
Gerstenberg Verlag € 20,00
Sachbilderbuchbuch ab 4 Jahren


Einmal durch das ganze Jahr mit über 100 kreativen Bastelideen von Sabine Lohf.
Was brauche ich dafür? Einfach Augen auf und raus in die Natur. Dazu noch ein paar Gegenstände aus dem Haushalt und los gehts.
Löwenzahndrachen im Frühling, Muschelnixen im Sommer, Blättergirlanden im Herbst und Nussrentiere im Winter. Dazu noch Spielideen und Knobelaufgaben.
Ein prallvolles Bilderbastelbuch schon für die Kleinen.
Und wem das noch nicht reicht: Sabine Lohf hat einen ganzen Schwung solcher Bastelbücher zusammengestellt. Eine schöne Auswahl und einen Katalog liegt bei uns im Laden aus.

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Heute, Dienstag, 4.Oktober ab 19 Uhr gibt es bei uns wieder ein Shortlistlesen.
Clemens Grote liest aus den sechs Büchern, die auf der Shortlist zum Deutschen Buchpreis stehen und wenn wir Lust haben, stimmen wir ab, welches der Bücher unser Favorit ist.
Eintritt frei.

Montag, 3.Oktober


Heute haben
Alain Fournier * 1886
Carl von Ossietzky * 1889
Segej Jessenin * 1895
Louios Aragon * 1897
Thomas Wolfe * 1900
Gore Vidal * 1925
Klaus Merz * 1945
Alois Hotschnig * 1959
Leila Slimani * 1981
Geburtstag
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„Wir Anhänger des Friedens müssen immer wieder darauf hinweisen, dass der Krieg nichts Heroisches bedeutet.
Carl von Ossietzky
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Am Dienstag, 4.Oktober ab 19 Uhr gibt es bei uns wieder ein Shortlistlesen.
Clemens Grote liest aus folgenden Büchern und wenn wir Lust haben, stimmen wir ab, welches der Bücher unser Favorit ist.

Mittwoch, 21.September


Heute haben
HG Wells * 1866
Leonard Cohen * 1934
Klaus Kordon * 1934
Stephen King * 1947
Frédéric Beigbeder * 1965
Geburtstag
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Winfried Hermann Bauer
Sonnwend

Leise
Schmirgelt Väterchens Schleiflied
Über das Antlitz der Kleinen
Arglos entwölkt er Spiegel
Welterweiternd
Und hofft auf ein Lichtbad
Am Morgen

Der Narr
Ahnt nicht die Macht
Wild wachsender Klarheit
Und kein Schimmer
Warnt ihn vor Blendwerk
In stockdunkler
Nacht…
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Die Shortlist zum Deutschen Buchpreis ist veröffentlicht.
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Am Dienstag, den 4.Oktober gibt es bei uns ab 19 Uhr
(im Rahmen der 1.Seite) ein Shortlistlesen.
Es liest Clemens Grote

Am Montag, den 17.Oktober wird ab 18:55 die/der Preisträger:in bekannt gegeben.
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Und hier kommen die sechs Bücher der Shortlist:

Kommentar der Jury

Eckhart Nickel gelingt mit seinem Roman „Spitzweg“ Großes: was als Schülergeschichte beginnt, wandelt sich zu einer meisterhaften Reflexion über die Beziehung von Kunst und Leben. Sehr bewusst setzt er sich mit ästhetischen Fragen auseinander, und indem er die Leser*innen zu Schüler*innen macht, werden auch komplexe Diskurse verständlich. Sprachlich souverän und voller Ironie spielt „Spitzweg“ mit einer übertriebenen Gelehrsamkeit, mit verschachtelten Satzkonstruktionen und einem antiquiert anmutenden Vokabular. Dabei ist der Roman aller philosophischen Tiefe zum Trotz äußerst temporeich, in manchen Passagen gar komödiantisch. Ein großes intelligentes Lesevergnügen, das uns veranschaulicht, wie auch über Kultur diskutiert werden kann.

Kommentar der Jury

Die Blutbuche im Garten ist Ursprung und Fluchtpunkt im Leben von Kim, der non-binären Hauptfigur dieses Romans. Gepflanzt wurde sie zur Geburt der Großmutter – der Großmeer, wie sie im Berndeutschen genannt wird. Im Meer dieser Überfigur droht das Kind Kim zu versinken, gleichzeitig ist sie aber von einer magischen Faszination. Als die Großmeer ihr Wissen und ihre Dominanz an die Demenz verliert, beginnt Kim eine eigene Sprache zu bilden: für Identität und Körperlichkeit, für Herkunft und Prägung. Da es in diesem Gemenge keinen geraden Weg gibt, kann die Form des Romans nicht linear sein. Sie ist experimentell und gewagt, in einem Moment jäh derb und obszön, im nächsten wieder zart und intensiv. Sie nutzt überraschende Ebenen und Sichtweisen. Ein Roman, der berührt und bewegt.

Kommentar der Jury

Jan Faktors Roman „Trottel“ verbindet Zeitgeschichte und Lebensgeschichte auf sehr besondere Weise: Er beschreibt den Weg eines Außenseiters von Prag nach Berlin, vom Arbeitnehmer im realexistierenden Sozialismus zu einem Schriftsteller, der literarische Trauerarbeit leistet. Im Kern des Romans steht der Verlust eines Sohnes. Faktor gelingt das große Kunststück, mit einer Geschichte über Trauer Witz zu erzeugen. Er zielt auf die DDR ebenso wie auf die bundesdeutsche Gegenwart, auf den Literaturbetrieb und nicht zuletzt auf das eingestandene „Trotteltum“ seines Erzählers. Dabei entsteht ein provokanter, bisweilen verstörender Schelmenroman über die Frage, „ob ein Trottel im Leben glücklich werden kann“. Es ist ein Buch, das auch gnadenlose, aber sehr hilfreiche Kritik an unserer Gesellschaft übt.

Kommentar der Jury

Hunsrück, Mitte der 1980er Jahre, ein deutsches Frauenleben in der Provinz. Eigentlich hatte die Tochter schlesischer Flüchtlinge mehr vom Leben gewollt, doch der karrierebewusste Ehemann kontrolliert mittlerweile alles: die Haushaltsfinanzen, den tagtäglichen Streit, ihr Übergewicht, für das sich selbst das eigene Kind schon schämt. Die Fassade der kleinbürgerlichen Aufsteigerfamilie zerbröckelt endgültig, als die Mutter in einem skurrilen Akt der Notwehr ihr Erbe verschleudert und den Herren des Hauses aussperrt. Daniela Dröscher erzählt ihre von essayistischen Einschüben unterbrochene literarische Mikrosoziologie aus der Kinderperspektive. Beendet ist die Geschichte vom nicht mehr wunschlosen Unglück der Mutter erst, wenn ein neues Spiel beginnt – das der eigenen Familie.

Kommentar der Jury

Die Keramikkünstlerin Julia führt eine liebevolle Partnerschaft, leidet aber unter ihrem unerfüllten Kinderwunsch. Astrid, Mutter von drei erwachsenen Söhnen, will sich langsam aus dem Berufsleben als Ärztin zurückziehen. Meisterhaft zeigt Kristine Bilkau anhand der Schicksale zweier Frauen in der norddeutschen Provinz, welche Abgründe in einem scheinbar alltäglichen Leben lauern. Die Stärke dieses subtil erzählten Romans liegt in den Details und den kleinen Kippmomenten – zwischen Fruchtbarkeitskliniken und verschwundenen Müttern, traumvergessenen Landschaften und illegalen Müllkippen, zwischen Stillstand und Veränderung. Nicht nur den Figuren, auch den Lesenden wird immer wieder der scheinbar sichere Grund unter den Füßen weggezogen. Doch dass Leben ohne Vertrauen nicht gelingen kann, auch davon erzählt „Nebenan“.

Kommentar der Jury

Hüseyin Yilmaz war Gastarbeiter der ersten Generation in Westdeutschland. Nach 30 Jahren pausenloser Schufterei stirbt er in dem Moment, als er mit Rentenbeginn seinen Traum einer eigenen Wohnung in Istanbul verwirklicht hatte. Sein Tod vereint die teilweise zerstrittene Familie in dieser Wohnung – mit ihren Ängsten, Hoffnungen, ihrer Verzweiflung. Aydemir lüftet ihre Geheimnisse präzise und einfühlsam. Die Perspektiven der einzelnen Familienmitglieder zeigen, dass sie trotz der Unterschiede, die die Generationen trennt, in mindestens einer Sache nah beieinander sind: dem Gefühl der Heimatlosigkeit. „Dschinns“ vereint Fragen nach Identität, Geschlecht und Herkunft ebenso wie die Themen Rassismus und Diskriminierung, während gleichzeitig ein Teil jüngerer deutscher Geschichte behandelt wird, der bisher kaum in der Literatur zu finden ist.
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Wir schließen unseren Buchladen von 15 Uhr bis 17 Uhr und streiken mit.
Von 17 Uhr bis 18 Uhr haben wir wieder geöffnet.,

Mittwoch, 24.August

Heute haben
Jean Rhys * 1890
Jorge Luis Borges * 1899
AS Byatt * 1936
Joshua Sobel * 1939
Paulo Coelho * 1947
Stephen Fry * 1957
Michael Kleeberg * 1959
Geburtstag
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Joseph von Eichendorff
Treue

Wenn schon alle Vögel schweigen
In des Sommers schwülem Drang,
Sieht man, Lerche, dich noch steigen
Himmelwärts mit frischem Klang.

Wenn die Bäume all verzagen
Und die Farben rings verblühn,
Tannbaum, deine Kronen ragen
Aus der Öde ewiggrün.

Darum halt nur fest die Treue,
Wird die Welt auch alt und bang,
Brich den Frühling an aufs neue,
Wunder tut ein rechter Klang!
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Esther Hagenmaiers wunderschöner Katalog


Esther Hagenmaier
BILDFALLEN

Hardcover, Fadenheftung
26 x 21 cm, 116 Seiten, 91 Abbildungen
Texte von Gerhard Glüher und Helga Sandl
Deutsch / Englisch
Gestaltung: lahaye tiedemann gestalten
ISBN 978-3-00-071316-3
30,00 Euro
inkl. MwSt., zzgl. Versandkosten

Esther Hagenmaier erschafft mit ihrer Kunst neue Bildräume
und hinterfragt dabei auf ebenso subtile wie ästhetische
Weise unsere Wahrnehmung. Die Publikation „Bildfallen“
präsentiert einen Überblick über Hagenmaiers Arbeiten der
letzten 10 Jahre und umfasst die Werkgruppen der shaped
photographies, der kameralos in der Dunkelkammer erzeugten
Fotogramme und ihre ortsspezifischen Raumzeichnungen.

Die mehrfach ausgezeichnete Künstlerin entwickelt die
Ideen der konkreten Kunst weiter zu einer eigenständigen
fotografischen Position. Mit welcher unglaublichen Präzision
sie dabei vorgeht, zeigen ihre shaped photographies. Für diese
unterzieht Esther Hagenmaier fotografierte Architekturausschnitte
einem konzentrierten Prozess des Wegnehmens und der Reduktion.
Indem sie ihre Fotografien radikal beschneidet, generiert sie eine
neue Bildordnung und erhebt den Umriss zum Gestaltungselement.
Es entstehen frei geformte, objekthafte Fotografien, die die Frage
nach unserer Idee von Raum aufwerfen.

Das hochwertige Katalogbuch wurde von lahaye tiedemann gestalten
in Zusammenarbeit mit der Künstlerin aufwändig und anspruchsvoll
gestaltet und produziert.

Mit einem Essay von Gerhard Glüher, Professor für Philosophie
an der Fakultät für Design und Künste der Freien Universität
Bozen und einem Beitrag der Kunsthistorikerin und Kuratorin
Helga Sandl.

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evtl. interessante Fakten:
Papier : 160 g/m. Enviro Clever U, matt ungestrichen, aus 100 % Altpapier, mit bis zu 1,25-fachem Volumen, alterungsbeständig, Ausgezeichnet mit: FSC® Recycled, EU Ecolabel, Blauer Engel

Beteiligte
Gestaltung / Design: lahaye tiedemann gestalten
Fotografien / Photography: Esther Hagenmaier
Bildbearbeitung / Picture Editing: Hans Wolfgang Leeb
Texte / Texts: Gerhard Glüher, Helga Sandl
Übersetzungen / Translations: Kunstbüro 22
Lektorat / Text Editor: Simone Kimmel

Förderungen

Das Projekt wurde gefördert durch ein Projektstipendium des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, die Arno Buchegger Stiftung und die LBBW Stiftung.
Mit freundlicher Unterstützung von Kunstverein Schwäbisch Hall e.V., SMUDAJESCHECK München,
BEGE Galerien Ulm, Kunstverein Wolfenbüttel e.V..
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Die Longlist für den Deutschen Buchpreis 2022 ist veröffentlicht.
Deutscher-Buchpreis.de
Buchliste

Mittwoch, 22.September

Heute haben
Rosemunde Pilcher * 1924
Fay Weldon * 1931
Lutz Rathenow * 1952
Peter Prange * 1955
Geburtstag.
Aber auch Hans Scholl (Weiße Rose)
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261
Rumpeln und Ratschen, und Klapperkappen, Stulpen und Buchsstecken, mit eingeübten Grußphrasen, mit Stocherstöcken, um Brunnen zu überspringen, Säbelfedern, auf aufgebückter Krempe ohne Kragen (Bändergehänge, Spiegel und farbige Glasperlen) und sogar verlarvende Verleumdungen meiner Person in krauserem Fellwams vielärmelig sowie häufig auch anderer. Oft wird mir unterstellt, dass ich es sei, der dies alles sage und schreibe.

aus: Oswald Egger, „Entweder ich habe die Fahrt am Mississippi nur geträumt, oder ich träume jetzt“
Suhrkamp Verlag 2021 € 28,00
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Abstimmung zum Deutschen Buchpreis 2021

Die Shortlist ist veröffentlicht und normalerweise veranstalten wir ein Shortlistlesen.
Dafür fehlt mir allerdings der Platz im Buchladen und deshalb habe ich mir das hier ausgedacht.
Dies ist allerdings ein Versuch.
Ob das allerdings so funktioniert, wie ich mir das denke, weiss ich nicht.
Also: Einfach mal klicken und abschicken.
Dann sehen wir weiter.
Danke.

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Eine böse, witzige und gleichzeitig todernste Sendung, hier zum Nachschauen.

Donnerstag, 16.September

Heute haben
Hans Arp * 1887
Werner Bergengruen * 1892
Friedrich Torberg * 1908
Esther Vilar * 1935
Breyten Breytenbach * 1939
Geburtstag
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Winfried Hermann Bauer
Sommernacht

Geliebte, Freundin
Nimm dir eine Handvoll
Leben Aus der Nacht
Und halt deine Nase
Hinaus in den Wind
Pollenflugweit
Frag nicht nach gestern
Oder übermorgen
Gib dem Feenstaub eine Chance
Irgendwann
Wird deine Welt sowieso
Explodieren
In den Wehen des Lichts
Und tausend bunte Schmetterlinge
Werden
wagemutig leicht
Mit dir
Aufsteigen
Den Sternen zu…
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Unser Musiktipp:


Vikingur Olafsson: „Mozart & Contemporaries
Mit Werken von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791), Baldassare Galuppi (1706-1785), Carl Philipp Emanuel Bach (1714-1788), Domenico Cimarosa (1749-1801), Joseph Haydn (1732-1809)
Deutsche Grammophon € 22,99

„Der neue Superstar des klassischen Klaviers“, nannte ihn der Daily Telegraph.

Mich haben seine ersten drei Alben mit Musik von Philip Glas, Bach, Debussy und Rameau begeistert.
Seine Art, wie er alte und neue Musik miteinander verbindet, sie auf den Alben hintereinanderstellt, seine Leichtigkeit zu Spielen, sind schon sehr besonders.
Jetzt also späte Musik von Mozart, in Verbindung mit seinen Zeitgenossen Haydn, C. P. E. Bach und auch der Italiener Galuppi und Cimarosa, die selten in Aufnahmen zu hören sind.
Ólafsson sagt: „In dieser Phase brachte Mozart nicht nur die klassische Tradition zum Höhepunkt, sondern unterlief sie auch ganz subtil … Die Schatten sind dunkler, die Nuancierungen und Zweideutigkeiten tiefgründiger.“
Eine CD, die ich in den letzten Wochen immer wieder angehört habe und merke, wie gut sie mir tut.



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Heute Abend ist es so weit.
Donnerstag, 16.September, 19.30 Uhr
Stadtbibliothek Ulm
„Blinddatelesung“
Ein/e Autor:in aus der Longlist zum Dt.Buchpreis kommt zu uns.
Kommen Sie vorbei und lassen Sie sich überraschen.

Karten für € 5,00 gibt es an der Abendkasse.
Es gelten die aktuellen Corona-Regeln.
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Am kommenden Sonntag sind wir im Club Orange der vh Ulm.
Um 11 Uhr stellen wir im Rahmen unserer „1.Seite“ vier aktuelle Romane vor.
Es liest Clemens Grote.

Diesmal mit dabei:
Helga Schubert: Vom Aufstehen
Caleb Azumah Neslon: Freischwimmen
Jo Lendle: Eine Art Familie
Shida Bazyar: Drei Kameradinnen

Bitte pünktlich erscheinen, da wir die Einganstüre nach Beginn schließen müssen.
Wir freuen uns auf Ihr/Euer Kommen.
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Mittwoch, 15.September


Heute haben
La Rochefoucauld * 1613
Karl Philipp Moritz * 1756
James F.Cooper * 1789
Ina Seidel * 1885
Agatha Christie * 1890
Liselotte Welskopf-Henrich * 1901
Gerd Gaiser * 1908
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Freude preßt Wehmut aus über die Kürze des Lebens. Traurigkeit macht, dass seine Länge uns überdrüssig wird. Mühe und Arbeit allein machen uns das Leben erträglich.
Karl Philipp Moritz
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Bilder des Monats von Albert Cüppers

„Landschaftsarchipel“
„Blauweg“


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Morgen, Donnerstag, 16.September um 19:30 in der Stadtbibliothek:
„Blind Date Lesung“

Zwanzig Nominierte stehen auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis.
Eine/r davon kommt nach Ulm in die Stadtbibliothek zur Lesung!

Freuen Sie sich auf ein Blind Date mit einer/m dieser hochkarätigen Autor(inn)en. Wer kommt, sehen Sie erst vor Ort. Lassen Sie sich also überraschen. Nur so viel sei verraten: Überraschendes geschieht in dem Roman.

Ob der Roman es auf die Shortlist schafft, erfahren wir ein paar Tage später, am Di., 21. September.

Eintritt: € 5,00
Karten an der Abendkasse