Dienstag, 7.März

Heute haben
Alessandro Manzoni * 1786
Paul Ernst * 1866
Milo Dor * 1923
George Perec * 1936
Robert Harris * 1957
Breat Easton Ellis * 1964
Joanne Harris * 1964
Geburtstag
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Paul Ernst
Völker und Zeiten im Spiegel ihrer Dichtung
Indische Lyrik 1911


Berauscht vom Honig sät im Mangobaum
Der Kuckuck Küsse auf die Blüten nieder,
Die Bienen überm Lotus summen schwärmend
Und taumeln trunken tief in den Geliebten.
Die Mango-Blütenzweige schwanken tief,
Die rötlichen, von Blumentrauben schwer;
Ein sanfter Wind bewegt sie und bewegt
Der Frauen Sinn zu lauter Liebeslust.

Das letzte Geheimnis fremder Lyrik wird ja niemand erraten, denn das liegt in der Sprache verborgen, und die schönste Übersetzung kann immer nur eine Ahnung von ihm geben, etwa wie die Photographie von einem Bilde. Aber auch so gewährt das zierliche Heft eine reine dichterische Freude und einen schönen, klaren Genuß.
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David Van Reybrouck:Zink
Aus dem Niederländischen von Waltraud Hüsmert
Suhrkamp Verlag € 10,00

Die Zinkhütte von Kelmis im Mikrostaat Neutral-Moresnet / Quelle: SSPL via Getty Images

Im Mittelpunkt der 70 Seiten steht Neutral-Moresnet, eine Mikronation zwischen den Niederlanden bzw. Belgien und Preußen bzw. dem Deutschen Reich, die von 1816 bis 1919 Bestand hatte. Schon die wechselnden Namen der Nachbarstaaten erinnern an die kriegerische Vergangenheit des Kontinents.
Van Reybrouck erzählt die Geschichte des knapp vier Quadratkilometer umfassenden Territoriums einerseits sehr persönlich. Er nimmt sich einzelne Schicksale vor und verfolgt sie von der Geburt bis zum Tode. Er geht in Altersheime, redet mit uralten Bewohner des kleinen Landes, das so oft hin und her gerissen worden ist, wie seine Mitbewohner.
Gleichzeitig hat er wohl auch viele Akten und Archive durchforstet, Lexika gewälzt und im Netz recherchiert. Was dabei herauskam, ist eine aberwitzige Geschichten mitten in Europa, mitten in der Geschichte zwischen den zwei Weltkriegen. Wirtschaft, Politik, Esperanto, Leben und Sterben, Schmuggel und Prostitution baut er zu einem großen Kosmos im Kleinen zusammen und läßt uns erahnen, wie es diesen Menschen in diesem kleinen Flecken Erde ergangen sein mag. Skuril für uns nach all der langen Zeit, dramatisch sicherlich für die Menschen, die plötzlich gegen Freunde und Bekannte in den  Krieg ziehen mußten, weil die Staatsangehörigkeiten zu konfus waren.
Daß es das Land des Esperanto werden sollte, klingt dagegen schon sehr entspannt und es hätte dann „Amikejo“ geheißen: „Ort der Freundschaft“.

Mehr über das Buch erfahren sie sachkundig in der Buchbesprechung des SWR.
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Werner Färber Ungereimtheit der Woche
Allergische Reaktion

Allergisch war er gegen Nüsse
schon seit einer Ewigkeit.
Zugleich genoss er ihre Küsse,
egal zu welcher Tageszeit.
Nach intensivem Nussgenuss
verführte sie zum Schmusen ihn.
Nach ihrem langen, heißen Kuss
fand er kein Antihistamin …

Samstag

Heute haben
Pavel Kohout * 1928
Uwe Johnson * 1934
und
Carlos Santana * 1947
Geburtstag
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Zu Ehren von Carlos Santana gibt es hier einen kleinen Konzertmitschnitt. Und vielleicht holen Sie für heute abend nochmals die alten LPs aus dem Regal. Aber wo ist bloß der Plattenspieler?


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In diesem Werbe-Clip der deutschen Marine zeigt sich ihre Wichtigkeit.
Sie schießen unseren Bananen den Weg frei.
Denn ohne die deutsche Marine blieben in den Supermärkten die Regale leer.
Es ist kaum zu glauben, wer auf solche Ideen kommt und wenn das dann auch noch produziert und als Werbung in’s Netz gestellt wird. Na dann: Gute Nacht.
„Bananen kommen über’s Meer!“, „Unser Wohlstand hängt wesentlich vom Handel über die Weltmeere ab.“, „Der Handel über die Weltmeere erfordert sichere Seewege.“, „Eine starke Marine schützt diese Seewege.“ Dies sind Zitate aus dem Filmchen, in dem geballert und gelahct wird, als gäbe es kein Morgen.
Ich frage mal nach, ob mein Bodenseeobst auch mit einem Konvoi nach Ulm kommt.


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Sehr seriöser geht es bei meinem Buchtipp zu.
Das Sachbuch zum Thema „Kongo“ ist mehrfach ausgezeichnet worden und zeigt nicht nur die Geschiche Kongos und des afrikanischen Kontinent, sondern wie wir alle damit drinhängen und von den Querelen in diesem Land provitieren.

David Van Reybrouck ist mehr als ein dutzend mal in den Kongo gereist, hat mit Menschen dort gearbeitet, mit Kindersoldaten zusammengelebt und sich von Frauen ihre Schicksale erzählen lassen. Das ist auch das Besondere an diesem Buch: Es kommen die Betroffenen Menschen zu Wort. U.a. ein Mann der 1882 geboren wurde und als außergewöhnlcuher Zeitzeuge vieles zu berichten weiß. Es wird nicht über die Menschen geschrieben aus der Sicht eines belgischen Weissen, der dies in Europa am Schreibtisch zusammenträgt. Wir hören die vielen Stimmen der Menschen, sind hautnah dabei, wenn sie uns ihre Schicksale erzählen. Van Reybrouck war einerseits abgestoßen von der großen Brutaliät im Kongo, aber sagt, dass er noch nie eine solche Herzlichkeit erleben hat.
In diesem dicken Buch, dass ganz aktuell als Taschenbuch erschienen ist und bei uns auf dem Büchertisch liegt, erfahren wir zu Beginn einiges über den Beginn der Menschheit überhaupt. Wie es vor tausenden Jahren zur Entstehung erster Zivilisationen gekommen ist. Er schildert also nicht aus der Sicht der ersten europäischen Forscher, die das Land entdeckt und dann unterdrückt haben, sondern lässt dieses Land selbt zu Wort kommen. Van Reybrouck schildert, wie der König von Belgien, Leopold der Zweite, Anfang des 20. Jahrhunderts das Land wegen seines Kautschuks ausgebeutet hat. Es war ein Massaker, ein Blutbad, was dort angerichtet wird. Und so wie es damals um diesen Bodenschatz geht, sind es heute andere, von denen das große Land so voll ist, wie z.B. Kupfer und Coltan, die für unsere Handys und PCs unerbehrlich sind. Somit sind wir mittendrin in der Globalisierungsdiskussion und bei der deutschen Marine. 1960 wurde das Land in die Unabhängikkeit entlassen. Allerdings völlig unvorbereitet und auch ohne große Unterstützung von anderen Ländern, die immer noch an der Ausbeutung der Bodenschätze interessiert sind. Mobutu putscht sich 1965 an die Macht, nennt es Zaire, und der Terror geht wieder los. Oder vielleicht hat er auch gar nie aufgehört.
Van Reybrouck war in den höchsten Kreisen unterwegs, befand sich selbst oft in großer Gefahr. Dies soll jetzt nicht heissen, dass es sich hier um einen reisserischen Titel handelt, sondern vielmehr zeigt es die Authentizität die er gesucht und gefunden hat. Er hat sich mit diesem Buch in die Reihe der großen Journalisten wie Richard Kapuzinski hineingeschrieben und wir können viel davon lernen.

Kongo

David Van Reybrouck: „Kongo – Eine Geschichte
Suhrkamp Verlag € 14,00
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