Dienstag, 3.März

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Heute haben
Gudrun Pausewang * 1928
Josef Winkler * 1953
Nicholas Shakespeare * 1957
Isabel Abedi * 1967
Geburtstag.
Aber auch Jan Garbarek, Miriam Makeba, Antonio Vivaldi und Gesine Cresspahl, die von D.E. einen handgeschriebenen Brief bekommt.

„Du sollst nicht mich heiraten, du sollst mit mir leben. Von Sollen sprichst du; ich meinte Wünschen.“
aus: Uwe Johnson: Jahrestage
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Claudia Wiltschek empfiehlt:

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Isabelle Autissier: „Klara Vergessen“
Aus dem Französischen von Kirsten Gleinig
mare Verlag € 24,00

Murmansk, nördlich des Polarkreises. Juri kehrt nach langer langer Zeit in seine Heimatstadt zurück. Sein Vater liegt im Sterben und er hat gebeten, seinen Sohn zu sehen, der damals vor ihm, einem herrischen und hartherzigem Vater nach Nordamerika geflüchtet ist. Juri, mittlerweile ein ambitionierter Ornithologe, betritt mit gemischten Gefühlen das Krankenzimmer. Sein Vater, ein immer noch verbitterter alter Mann, bittet ihn das Rätsel um seine damals verhaftete Mutter zu lösen. Als vierjähriges Kind wurde sie vor seinen Augen mitgenommen. Er blieb mit seinem Vater allein. Sie kam niemals mehr zurück. Juri sperrt sich, er möchte sich nicht mit seiner Vergangenheit auseinandersetzen, verspricht es aber dann doch und macht sich auf die Suche nach alten Akten. Vor Juri öffnet sich allmählich eine Welt voller Entbehrungen, Unterdrückung und Verbannung.
Seine Großmutter war zur Zeit Stalins eine Geologin. Sie wird als Spionin verdächtigt und verhaftet. Russland sucht fieberhaft nach Uranvorkommen und sie wird auf eine Insel im höchsten Norden gebracht, um dort Bodenproben zu entnehmen und zu analysieren.
Juri wird in den Bann der Geschichte seiner Vorfahren gezogen und stößt schließlich auf eine Wahrheit, die ihm vor Augen führt, wie eng alle Schicksale seiner Familie miteinander verbunden sind.
Ein fesselnder Roman, der den hohen Norden in seiner Naturgewalt leuchten lässt, uns mitnimmt hinaus aufs kalte Meer und über einen Jungen, den die Liebe zu den Vögeln vieles ertragen lässt.
Ein Buch, das ich angefangen habe und nicht mehr aus der Hand legen konnte.
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Dienstag, 3.März um 19 Uhr
„Die 1.Seite“
Clemens Grote liest aus folgenden Büchern:
Marina Frenk: ewig her und gar nicht wahr
Sasha Filipenko: Rote Kreuze
Valerie Fritsch: Herzklappen von Johnson & Johnson
Verena Güntner: Power
Bei uns in der Buchhandlung
Eintritt frei

Donnerstag, 30.Januar

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Heute haben
Adalbert von Chamisso * 1781
Richard Brautigan * 1935
und Barbara Wood * 1947
Thomas Brezina * 1963
Geburtstag
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Ricarda Huch
Uralter Worte kundig

Uralter Worte kundig kommt die Nacht;
Sie löst den Dingen Rüstung ab und Bande,
Sie wechselt die Gestalten und Gewande
Und hüllt den Streit in gleiche braune Tracht.

Da rührt das steinerne Gebirg sich sacht
Und schwillt wie Meer hinüber in die Lande.
Der Abgrund kriecht verlangend bis zum Rande
Und trinkt der Sterne hingebeugte Pracht.

Ich halte Dich und bin von Dir umschlossen,
Erschöpfte Wandrer wiederum zu Haus;
So fühl ich Dich in Fleisch und Blut gegossen,

Von Deinem Leib und Leben meins umkleidet.
Die Seele ruht von langer Sehnsucht aus,
Die eins vom andern nicht mehr unterscheidet.
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Jami Attenberg: „Nicht mein Ding“
Aus dem Englischen von Barbara Christ
Schöffling Verlag € 22,00

Jami Attenbergs neues Buch ist gestern auf deutsch erschienen. Immer etwas komisch bei Übersetzungen, denn in den USA erscheint demnächst ihr nächster Roman, der dann auch wieder seine Zeit braucht, bis er auf deutsch zu lesen ist.
Bekannt geworden ist Jami hier durch ihren Roman „Die Middlesteins“. Danach erschien ein älteres Buch von ihr, dann „Saint Mazie“ und jetzt „Nicht mein Ding“, das allerdings im Original doch anders heisst („All Grown Up“)
Zum Inhalt:
Andrea lebt in New York, Brooklyn, Williamsburg, ist 39, Single und kinderlos, also genau so, wie und wo Jami selbst lebt und wohnt. Ihre Wohnung hat Sicht auf das Empire State Buildung, das sie täglich in allen Varianten abzeichnet, skizziert, malt. Ja, malen sollte sie, aber sie bekommt es nicht mehr auf die Reihe. Und als ihr dann noch dieser unglaubliche Anblick dieses weltberühmten Gebäudes verbaut wird, ist es wieder ein kleines Steinchen, das aus ihrer Biografie fällt.
Was wird aus ihrem Leben mit Ende 30? Warum muss sie sich dauernd rechtfertigen? Vor ihrer Mutter, vor ihrem Bruder mit seiner todkranken Tochter?. Was ist so besonders daran, allein zu leben, keine feste Beziehung zu haben. Allerdings ist Andrea genau danach auf der Suche. Sie trinkt manchmal zuviel, kauft immer wieder Drogen, nimmt nach langen Nächten in verschiedenen Clubs, Männer mit nach Hause, um danach festzustellen, dass dies alles nicht der richtige Weg ist, den sie sucht.
Die kurzen Kapitel sind mit Frauennamen überschrieben und sollen die Sträke dieser Frauen herausstellen, so Jami Attenberg. Und das gelingt ihr diesesmal mit noch mehr Witz, als in den Vorgängerbücher. Sie bringt die Probleme in kurzen Sätzen auf den Punkt. Andrea ist frech, laut und gleichzeitig auch sehr nachdenklich, verletzlich, freundlich und charmant. Ob dieses Buch nun in Williamsburg oder in Berlin spielt, ist egal. Es sind überall die gleichen Probleme. Mit und ohne Empire State Buildung.
Jami Attenberg wird immer besser und steigert sich von Buch zu Buch.

Leseprobe

Jami Attenberg liest bei uns in der Buchhandlung.
Donnerstag, den 30.April um 19 Uhr.
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Wenn Sie sich jetzt schon den Attenberg-Termin aufnotiert haben, dann vermerken Sie noch unsere nächste „1.Seite“ am kommenden Dienstag, den 4.Februar um 19 Uhr.

Clemens Grote wird aus folgenden Büchern vorlesen:

Patrick Svensson: Das Evangelium der Aale
Katja Oskamp: Marzahn mon amour
George Saunders: Fuchs 8
und
Jami Attenberg: Nicht mein Ding

Wir freuen uns auf Ihr/Euer Kommen.

Dienstag, 5.November

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Heute haben
John Berger * 1926
Sam Shepard * 1943
Hanns-Joseph Ortheil * 1951
Geburtstag
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978-3-15-019121-7

„November“
Gedichte
Zusammengestellt von Evelyne Polt-Heinzl und Christine Schmidjell
Umschlaggestaltung von Nikolaus Heidelbach
Reclam Verlag € 5,00

Die Zeit rast. Ohne Unterlass. Um dieses Tempo innerlich abzubremsen und gedanklich zur Ruhe zukommen, sind diese „wirklichen“ Taschenbücher aus dem Reclam Verlag ausgezeichnet geeignet. Wir wechseln somit die Oktober Gedichte gegen diese von November in unseren Jackentasche und fallen ein wenig aus der Zeit, wenn wir darin lesen.
Ich wünsche Ihnen eine geruhsame Zeit bei der Lektüre.
Die beiden Herausgeberinnen haben einen schönen Reigen aus alten und neuen Gedichten zusammengestellt und es wieder geschafft, auf Goethe zu verzichten.

Adelbert von Chamisso
Der erste Schnee

Der leise schleichend euch umsponnen
Mit argem Trug, eh’ ihr’s gedacht,
Seht, seht den Unhold! über Nacht
Hat er sich andern Rat ersonnen.
Seht, seht den Schneenmantel wallen!
Das ist des Winters Herrscherkleid;
Die Larve läßt der Grimme fallen; –
Nun wißt ihr doch, woran ihr seid.

Er hat der Furcht euch überhoben,
Lebt auf zur Hoffnung und seid stark;
Schon zehrt der Lenz an seinem Mark.
Geduld! und mag der Wütrich toben
Geduld! schon ruft der Lenz die Sonne,
Bald weben sie ein Blumenkleid,
Die Erde träumet neue Wonne, –
Dann aber träum’ ich neues Leid!

Theodor Fontane
Der erste Schnee

Herbstsonnenschein; des Winters Näh’
verrät ein Flockenpaar,
es gleicht das erste Flöckchen Schnee
dem ersten weißen Haar.

Noch wird, wie wohl von lieber Hand
der erste Schnee dem Haupt,
so auch der erste Schnee dem Land
vom Sonnenstrahl geraubt.

Doch habe acht! Mit einemmal
ist Haupt und Erde weiß,
und Liebeshand und Sonnenstrahl
sich nicht zu helfen weiß.

Christian Morgenstern
Erster Schnee

Aus silbergrauen Gründen tritt
ein schlankes Reh
im winterlichen Wald
und prüft vorsichtig Schritt für Schritt,
den reinen, kühlen, frischgefallenen Schnee.

Und Deiner denk ich, zierlichste Gestalt.

Gottfried Keller
Wie nun alles stirbt und endet

Und das letzte Lindenblatt
Müd sich an die Erde wendet
In die warme Ruhestatt,
So auch unser Tun und Lassen,
Was uns zügellos erregt,
Unser Lieben, unser Hassen
Sei zum welken Laub gelegt.

Reiner weisser Schnee, o schneie,
Decke beide Gräber zu,
Dass die Seele uns gedeihe
Still und kühl in Wintersruh!
Bald kommt jene Frühlingswende,
Die allein die Liebe weckt,
Wo der Hass umsonst die Hände
Dräuend aus dem Grabe streckt.
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Heute abend bei uns:

Dienstag, 5.November um 19 Uhr
„Die 1.Seite“

Bei uns in der Buchhandlung
Eintritt: frei

Clemens Grote liest aus:
Ocean Vuong: Auf Erden sind wir kurz grandios
Abubakar Adam Ibrahim: Wo wir stolpern und wo wir fallen
David Wagner: Der vergessliche Riese
Lorenzo Spirito: Das Buch der Schicksale

Und morgen kommt Prya Basil:

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Mittwoch, 6.November um 19 Uhr
Priya Basil: „Gastfreundschaft“
Bei uns in der Buchhandlung
Eintritt € 8,00

»Ich lade dich ein.« Ein Satz, der Vorfreude weckt: auf einen anregenden Abend bei leckerem Essen und guten Gesprächen. Doch die berühmte Gastfreundschaft ist noch viel mehr als das – sie ist ein vielseitiges Geben und Nehmen, das Familie, Freunde und Fremde einschließt und in jeder Kultur etwas anders ist. Die in London geborene, in Kenia aufgewachsene und heute in Berlin lebende Autorin Priya Basil erzählt von den indisch-kenianischen Traditionen ihrer Familie, von einer unerwarteten Einladung zum Spargelessen und einer Massenspeisung in einem Sikh-Tempel mitten in Berlin. Sie hält ein leidenschaftliches Plädoyer für ein gastfreundliches Europa und lädt dabei immer wieder in ihre eigene Küche ein. Denn die besten Gespräche führt man bekanntlich an einem reich gedeckten Tisch: über Gott und die Welt, Politik und Kultur und über die Frage, ob es eigentlich bedingungslose Gastfreundschaft gibt.

Priya Basil ist eine britisch-indische Schriftstellerin. Sie wuchs in Kenia auf, studierte in Großbritannien und lebt heute in Berlin. Ihre Romane wurden für zahlreiche Preise nominiert. Sie schreibt regelmäßig für Lettre International und verschiedene Tageszeitungen. Basil ist Mitbegründerin von Authors for Peace.