Dienstag, 31.Oktober

Heute haben
John Keats * 1795
Nadeschda Jakowlewna Mandelstam * 1899
Jean Améry * 1912
Dick Francis * 1920
Roger Nimier * 1925
Ernst Augustin * 1927
Geburtstag
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„Niemand kann aus der Geschichte seines Volkes austreten. Man soll und darf die Vergangenheit nicht ‚auf sich beruhen lassen’, weil sie sonst auferstehen und zu neuer Gegenwärtigkeit werden könnte.“
Jean Améry
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Auf der Shortlist zum Deutschen Buchpreis


Necati Öziri: „Vatermal
Claassen Verlag € 25,00


Necati Öziris Debütroman war auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2023. Geschafft hat er es nicht, den Hauptpreis zu bekommen, aber er hat einen nachhallenden Roman veröffentlicht.
Falls Sie das obige Filmchen schon angesehen habe, möchte ich mich nicht groß wiederholen, denn Necati Öziri erzählt schon wichtige Dinge.
Zum Inhalt so viel: Der 20jährige Arda liegt mit Organversagen auf der Intensivstation und sucht das Gespräch mit seinem Vater, den er nicht Vater, Papa, nennen kann. So also: Metin. Der Vater ist zurück in die Türkei, in irgendwelchen Gefängnissen verschwunden. Zurückgeblieben sind Ardas Mutter Ümran und seine Schwester Aylin, die vor lauter Hass auf ihre Mutter schon sehr früh die gemeinsame Wohnung verlassen hat.
Über den vielen Familiengeschichten stehen Themen, wie Rassismus, als Ausländer keine Chance zu haben, sie aber doch zu nutzen, seinen eigenen Weg zu finden, auf dem es jede Menge Stolperfallen gibt.
Necati Öziri schreibt für das Theater und das merkt man dem Sound des Buches an. Zurecht unter den letzten sechs Büchern gelandet und mich hätte es nicht gewundert, wenn er den Preis gewonnen hätte.
Auf jeden Fall eine sehr lohnenswerte Lektüre. Auch für jüngere LeserInnen.

Necati Öziri, geboren in einer der vielen grauen Ecken des Ruhrgebiets („Hölle Hölle Hölle!“), hat Philosophie, Germanistik und Neue Deutsche Literatur in Bochum, Istanbul und Berlin studiert. Er lebt in Berlin sein drittes Leben, schreibt, macht Theater und manchmal einen auf Intelelli, wofür ihm sein sechzehnjähriges Ich wahrscheinlich eine Schelle verpassen würde. In seinen Texten ist natürlich alles wahr. Öziri war Stipendiat der Heinrich-Böll-Stiftung und unterrichtete an der Ruhr-Universität Bochum formale Logik, bis er feststellte, dass Logik die Welt nicht besonders gut beschreibt. Seitdem versucht er zu schreiben, nicht wie die Welt ist, sondern wie sie sich anfühlt. Er ist erbitterterer Feind von Kälte, Lactose und Kurz-Biographien. 
Als Theaterautor schreibt er für das Maxim Gorki Theater, das Nationaltheater Mannheim und das Schauspielhaus Zürich. Öziri trifft sich regelmäßig mit alten Versionen seiner selbst, sie sitzen in Schulheften voller Kaffeeflecken herumblätternd auf dem Boden von Ämtern und warten (worauf eigentlich?) oder sie chillen auf Bänken am Bahnhof und bieten ihm einen Joint  an.  Bei  den  45.  Tagen  der  deutschsprachigen  Literatur  (Ingeborg-Bachmann-Preis) gewann er den Kelag-Preis  und  den  Publikumspreis.  Als  Kurator  leitet  er  zudem  das Internationale  Forum  des  Theatertreffens  der Berliner  Festspiele.  Bei  Wut  und  anderer Erregung dunkelrote Färbung der Ohren. 
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Demnächst bei uns in der Buchhandlung:

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Auf tagesschau.de gefunden:

Noch weniger Zeit für 1,5-Grad-Klimaziel?

Wie viel Zeit hat die Menschheit noch, um das 1,5-Grad-Ziel des Klimaabkommens zu erreichen? Eine neue Studie kommt zu dem Schluss, dass das CO2-Budget schneller aufgebraucht sein könnte als bislang berechnet.
Das Ziel des Klimaabkommens, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, könnte noch schwieriger einzuhalten sein, als bislang angenommen. Eine Forschergruppe vom Imperial College London schließt aus neuen Daten und Berechnungen, dass die Menschheit deutlich weniger CO2 ausstoßen darf als noch im Sechsten Weltklimabericht geschätzt.
Bei weltweiten CO2-Emissionen auf dem Niveau von 2022 wäre diese Menge in etwa sechs Jahren aufgebraucht, schreibt die Gruppe um Robin Lamboll im Fachjournal „Nature Climate Change“. …

Den kompletten Artikel gibt es hier.
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Wetter-Bilanz für Oktober
Sehr mild und teils rekordverdächtig nass

Höchsttemperaturen von stellenweise mehr als 30 Grad und vor allem im Norden zu viel Regen: Der zu Ende gehende Monat reiht sich laut Deutschem Wetterdienst in die fünf wärmsten Oktober seit Beginn der Aufzeichnungen ein.
Der Oktober 2023 war in Deutschland laut vorläufiger Bilanz des Deutschen Wetterdienstes (DWD) außergewöhnlich nass. Wie der DWD berichtete, handelte es sich um den regenreichsten Oktober seit dem Jahr 2002.
Der in Offenbach ansässige Wetterdienst registrierte mit rund 100 Litern pro Quadratmeter knapp 80 Prozent mehr Niederschlag als in der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990. Im Vergleich zu den Werten der Periode 1991 bis 2020 habe das Plus fast 60 Prozent betragen. …

Den Artikel gibt es hier zum Nachlesen.


Montag, 9.Oktober

Heute haben
Léopold Sédar Senghor * 1906
Barbara König * 1925
Gert Loschütz * 1946
Durs Grünbein * 1962
Yael Hedaya * 1964
Geburtstag
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Georg Heym
Der Abend

Versunken ist der Tag in Purpurrot,
Der Strom schwimmt weiß in ungeheurer Glätte.
Ein Segel kommt. Es hebt sich aus dem Boot
Am Steuer groß des Schiffers Silhouette.

Auf allen Inseln steigt des Herbstes Wald
Mit roten Häuptern in den Raum, den klaren.
Und aus der Schluchten dunkler Tiefe hallt
Der Waldung Ton, wie Rauschen der Kitharen.

Das Dunkel ist im Osten ausgegossen,
Wie blauer Wein kommt aus gestürzter Urne.
Und ferne steht, vom Mantel schwarz umflossen,
Die hohe Nacht auf schattigem Kothurne.
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Unser Buchtipp:


Lauren Groff: „Die weite Wildnis
Aus dem Englischen von Stefanie Jacobs
Claassen Verlag € 25,00
Original: „The Vaster Wild“ € 22,90

Wir sind im Nordamerika des 17.Jahrhunderts. Fünf Schiffe aus England haben sich auf den Weg gemacht, um eine neue Heimat zu finden. Drei kommen nur an. Was sie bei ihrer Landung sehen, sind ausgehungerte Menschen, große Armut und Brutalität. Also genau das Gegenteil vom erwarteten Paradies.
Die Hauptperson des Romanes, ist Magd bei einem Ehepaar und einem kleinen Kind. Sie wird wie ein Nichts behandelt. Sie nennen sie Zett, nach dem letzten Buchstaben des Alphabets. Das Mädchen, wie Lauren Groff sie nur nennt, sieht viel, hört viel und merkt, dass sie diese Menschen zu allem fähig sind, nur nicht zur Liebe. Als das Kind des Paares stirbt und nach einer Tat, die erst am Ende des Romanes aufgeklärt wird, flieht das Mädchen mit einem Umhang, dicken Stiefeln, einer Axt, einem Messer, einem Becher und einem Feuerstein. Sie versucht, möglichst schnell viele Meilen zwischen sich und dem Fort hinter sich zu bringen. Hunger, Angst, Verletzungen werden zum Alltag und doch gibt sie nie auf.
Das Überleben in der Wildnis prägt das Leben der jungen Frau.
Lauren Groff schafft es eine sehr besondere, eindringliche Geschichte zu erzählen. Der liebevolle Blick der Erzählerin auf das Mädchen haben ihren ganz eigenen Reiz. Mal geschrieben wie eine biblische Geschichte, dann wieder Berichte über ihr Aufeindertreffen mit großen, gefährlichen Tieren. Menschen trifft sie kaum, aber ein Mann wird ihr fast zum Verhängis.
Das Buch hat mich nicht mehr losgelassen und die Gedankenwelt des Mädchens sind aktueller denn je.
Was macht einen Menschen aus? Wie sollte sein Verhältnis zu anderen Menschen, zur Natur sein? Warum werden Frauen anders als Männder behandelt? Gibt es einen Gott?
Dies liest sich vielleicht pathetisch, Lauren Groff erzählt jedoch so packend und doch fast sphärisch, dass wir das spannende Buch nicht aus den Händen legen und wissen wollen, wie Geschichte mit dem Mädchen zu Ende geht.
„Die weite Wildnis“ ist ein weiterer großartiger Roman der amerikanischen Autorin, der mir nach Lektüre immer noch im Kopf herumschwirrt.

„Lauren Groff muss eine Zauberin sein. Auch Wochen nach dem Lesen denke ich an so gut wie nichts anderes als diesen Roman und seine unvergleichliche Hauptfigur. „Die weite Wildnis“ ist ein ergreifendes, sprachlich und intellektuell bestechendes und dazu noch hochspannendes Buch.“ 
Daniel Schreiber

Dienstag, 11.Februar


Heute haben
Diana Gabaldon * 1952
und Katharina Hacker * 1967
Geburtstag
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„Happiness is but a mere episode in the general drama of pain.“
Thomas Hardy, der heute seinen Todestag hat
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Heute ist der Erstverkaufstag dieser beiden Romane.

Hanya Yanagihara: „Zum Paradies
Aus dem Englischen von Stephan Kleiner
Claassen Verlag € 30,00

Verlagsinfo:
1893, in einem Amerika, das anders ist, als wir es aus den Geschichtsbüchern kennen: New York gehört zu den Free States, in denen die Menschen so leben und so lieben, wie sie es möchten – so jedenfalls scheint es. Ein junger Mann, Spross einer der angesehensten und wohlhabendsten Familien, entzieht sich der Verlobung mit einem standesgemäßen Verehrer und folgt einem charmanten, mittellosen Musiklehrer.
1993, in einem Manhattan im Bann der AIDS-Epidemie: Ein junger Hawaiianer teilt sein Leben mit einem deutlich älteren, reichen Mann, doch er verschweigt ihm die Erschütterungen seiner Kindheit und das Schicksal seines Vaters.
2093, in einer von Seuchen zerrissenen, autoritär kontrollierten Welt: Die durch eine Medikation versehrte Enkelin eines mächtigen Wissenschaftlers versucht ohne ihn ihr Leben zu bewältigen – und herauszufinden, wohin ihr Ehemann regelmäßig an einem Abend in jeder Woche verschwindet.
Drei Teile, die sich zu einer aufwühlenden, einzigartigen Symphonie verbinden, deren Themen und Motive wiederkehren, nachhallen, einander vertiefen und verdeutlichen: Ein Town House am Washington Square. Krankheiten, Therapien und deren Kosten. Reichtum und Elend. Schwache und starke Menschen. Die gefährliche Selbstgerechtigkeit von Mächtigen und von Revolutionären. Die Sehnsucht nach dem irdischen Paradies – und die Erkenntnis, dass es nicht existiert. Und all das, was uns zu Menschen macht: Angst. Liebe. Scham. Bedürfnis. Einsamkeit. 

Michel Houellebecq: „Vernichten
DuMont Verlag € 28,00

Verlagsinfo:
Michel Houellebecq zählt zu den großen Autoren unserer Gegenwart. Nicht zuletzt seit der über ihn erschienenen Essaysammlung in der berühmten Reihe der Cahiers de l’Herne ist das unbestritten. Seine Bücher stehen stets wochenlang auf den internationalen Bestsellerlisten und erreichen eine große Medienpräsenz.
Mit seinem kurzfristig angekündigten neuen Roman, der im Januar zeitgleich in Frankreich und Deutschland erscheinen wird, untermauert Michel Houellebecq seine Bedeutung für die Literatur und unsere Gesellschaft. Wieder einmal schreibt der Prix-Goncourt-Preisträger nicht nur über die drängenden Themen unserer Zeit, er analysiert sie bis in die letzte Konsequenz, die sich aus ihnen für uns und unser Zusammenleben ergeben. Sein Scharfsinn und seine Unerschrockenheit machen seine Bücher für seine Leserinnen und Leser immer wieder zu einer singulären Lektüre.