Donnerstag, 9.Mai

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Heute haben
José Ortega y Gasset * 1883
Walter Dehmel * 1903
Richard Adams * 1920
Geburtstag.
Aber auch Sophie Scholl * 1921 und
Anne Sofie von Otter * 1955.
Und es ist der Todestag von
Friedrich Schiller (+ 1805)
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Auf dem Harenberg Gedichtekalender:

Friedrich Nietzsche
Nach neuen Meeren

Dorthin — will ich; und ich traue
Mir fortan und meinem Griff.
Offen liegt das Meer, in’s Blaue
Treibt mein Genueser Schiff.

Alles glänzt mir neu und neuer,
Mittag schläft auf Raum und Zeit
Nur dein Auge — ungeheuer
Blickt mich’s an, Unendlichkeit!
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Christoph Hein & Rotraut Susanne Berner:
„Alles, was du brauchst“
Hanser Kinderbuchverlag € 15,00
Kinderbuch ab 5 Jahren

Als der 75jährige Christoph Hein als Kind zur Kur musste, ging er nur unter der Bedingung, dass er alles mitnehmen darf, was ihm wichtig ist. Seine Eltern erlaubten ihm das. Er packte vier Koffer (zwei davon hat er dann dort gar nicht ausgepackt) und seine Eltern versprachen ihm, dass sie nicht kontrollieren, was er mitnimmt.
Jetzt, fast 70 Jahre später, blickt er zurück und listet uns auf, was man alles braucht, was wirklich wichtig im Leben ist. Er kommt auf 20 Dinge. Dazu gibt es passende Illustrationen von Rotraut Susanne Berner, die sich bei diesem Buch mal wieder selbst übertroffen hat. Allein schon das Titelbild mit dem riesigen Schrankkoffer, aus dem es hell herausleuchtet und in dem sich sehr viel verborgen hält.
Ein Freund gehört dazu. Ein wirklich guter, mit dem man durch dick und dünn gehen kann. Die Mutter natürlich auch, da es niemandem im Leben gibt, mit dem man so nah verbunden war. Eine Katze, ein Bett, was Tolles zum Essen, eine Tante, die nicht so streng wie die Eltern ist, Geburtstage, ein Fahrrad, eine Familie, eine Clique und ganz zum Schluss Verliebt sein.
60 Seiten hat das Buch nur und jede dieser kurzen Geschichten sind Liebeserklärungen an das Leben. Ein Leben im Miteinander, ein Leben mit Geben und Nehmen. Ein Leben abseits der materiellen Dinge.
Habe ich schon geschrieben, dass das Buch alle Erwachsenen lesen sollten?

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Mittwoch

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Heute haben
Johann Christian Günther * 1695
Emile Mihai Cioran * 1911
Christoph Hein * 1944
Geburtstag
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Johann Christian Günther
Auf einen Kusz

ICH weis, geliebtes Kind,
Daß meine Treu im Küßen,
Daß meine sanfte Bißen
Dir ganz zuwider sind.
Doch warum wiltu mich nicht brünstig küßen laßen ?
Ich soll bey dir was mehr als Mund und Lippen faßen.
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Katja Berlin: „Gefühltes Deutschland“
Ullstein Verlag € 9,99

 

Katja Berlin hat wieder zugeschlagen und zeigt sich als fürsorgende Oberlehrerin. Mit ihren anschaulichen Tabellen und Tortendiagrammen erklärt sie uns Deutschland.
Gut, dass unter der Rubrik: „Selten gesagte Sätze von Stuttgartern“ „Drei Schrippen bitte“ zu lesen ist, finde ich nun gar nicht witzig. In Berlin gibts ja och keene Wegga (=Schrippen). Aber die wahre Teilung Deutschland vollzieht sich anhand Aldi Nord und Aldi Süd. Das wissen wir natürlich. Aber was wissen wir über Sachsen-Anhalt? Ja, es ist ein Bundesland! Das stimmt und zeigt auch das Diagramm an. 100% richtig. Sonst leider keine weitere Angaben.
Sie erklärt uns das deutsche Steuersystem ganz kurz. Leider ist die Schrift so klein gedruckt, dass es nicht mal mit ner Lupe zu entziffern ist.
Was sind die wichtigen Daten im Leben der Deutschen?
10% Geburtstag
2% Hochzeitstag
88% TÜV
Wie gesagt, es handelt sich um gefühltes Deutschland und nicht um exakte Daten, liebe Frauen.
Ein weiteres Tortediagramm zeigt, dass wir zu 75% David Hasselhoff den Mauerfall zu verdanken haben und dass die drei Klimazonen in Deutschland „zu kalt, zu nass, zu heiß“ sind.
Auf ihrem BlogKatjadittrich.deschreibt sie über den Berliner Winter:
Baby, it’s bad out there
Der Berliner Winter kommt zwei-, dreimal im Jahr und dauert ungefähr acht bis neun Monate. In der restlichen Zeit sitzen alle Berlinerinnen und Berliner zwanghaft draußen vor Cafès, trinken Latte Macchiato Third Wave Coffee ohne Milch und erzählen sich Schauermärchen aus vergangenen Wintertagen als die Stadt nach Kohleöfen roch und man statt Street Food noch Currywürste essen musste. Bei diesen Geschichten weiß man nie genau, ob sie 1952 oder 2007 spielen.
Die sibirische Außenstelle zwischen Spandau und Erkner ist im Winter wirklich nichts für schwache Gemüter. Es ist ein bisschen wie Game of Thrones, nur ohne Sex und mit rücksichtsloseren Menschen. Wer überleben will, braucht eine Strategie und da ich mittlerweile 236 Berliner Winter hinter mich gebracht habe, teile ich gerne meine besten Tipps.

Doch diese Jahreszeit ist vorbei und wir kümmern uns um die deutsche Romatik und haben statt Fichte, Novalis und Brentano im Jahr 2015 gefühlt nur Helene Fischer zu bieten. Und wem das alles zu blöde ist, der/die kann mal die Ohren aufhalten, ob im Autoradio wirklich dies zu hören ist:
50% Die größten Hits der 70er , 80er, 90er und das Beste von heute
48% Staumeldungen
2% Rest.
So geht es durch das ganze Buch. Wir kennen die Autorin von ihrem Vorgängerbuch „Was wir tun, wenn der Aufzug nicht kommt“. Auch hier hält sie uns den Spiegel vor und überzeugt mit glasklaren Tabellen und Diagrammen, die nicht zu widerlegen sind. Kennen wir solche bunten Scheiben und Säulen nicht aus jeder Wahlsendung im TV und glauben dort auch alles, was wir sehen. Katja Berlin baut unser gefühltes Wissen um, hält es uns vor die Nase. Ob es um Mülltrennung, um baden-württembergische Ballungszentren geht (Stuttgart, Freiburg, Karlsruhe und BERLIN), oder darum, warum man in Deutschland ein Produkt kauft (10% weil man es braucht, 5% weil es schön ist, 85% weil Stiftung Warentest das Produkt mit sehr gut bewertet hat), sie merken schon, es sind die Themen, die uns täglich um die Ohren gehauen werden.

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Genießen Sie dieses Buch, legen Sie es diskrekt neben das Sofa und aufs Klo. Ihre Gäste werden es Ihnen danken.
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Etwas verspätete Ostergdichte von Werner Färber

Ungereimtheiten der Woche

GUT VERSTECKT

Im Garten liegt ein Osterei,
das man als solches nicht nimmt wahr.
Man hat es bei der Sucherei
schlicht übersehen vor einem Jahr.

Schon längst hat es sich angepasst
und ist inzwischen kompostiert.
Wer’s dieses Jahr hat angefasst,
hat sich die Händ‘ mit Dreck verschmiert.

FUNKENFLUG

Drunter ging es und auch drüber
beim diesjährigen Osterfeuer,
als fröhlich sprang der Funke über
auf die nächst stehende Scheuer.
Die war in kurzer Zeit hinüber
und der Schaden war recht teuer.

Samstag

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Heute haben
Michail Soschteschenko * 1894
Tommaso Landolfi * 1908
Linn Ullmann * 1966
und Michel
Geburtstag

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So ein Zufall! Oder: Wer errät den zweiten Verlag?

Die Verlage Hanser und Hanser Berlin kommen mit zwei neuen Büchern auf den Markt, auf denen Umschlagbilder sind, die ein anderer Verlag beide auch schon hat. Wer kennt den anderen deutschsprachigen Verlag?

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Wer den anderen Verlag nennen kann, darf sich ein Taschenbuch von unserem Neuerscheinungstisch mitnehmen. Ich bin gespannt, wer das über’s Wochenende schafft.

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Das neue Heft von „Sinn und Form“ ist erschienen und Blick auf den Inhalt lohnt sich mal wieder:

Sinn

„Sinn und Form
Heft 4/2014 € 9,00
Abo mit sechs Heften kostet € 39,90

„Thoreaus schmales eindringliches Gesicht mit der großen Nase deutet selbst in einem schlechten Holzschnitt noch auf seine geistigen und charakterlichen Grenzen hin. Sein schier beißend scharfer Verstand, seine schier animalische Geschicklichkeit gingen nicht mit der großen, unbewußten Herzlichkeit der Welthelden einher. Er war nicht ungezwungen, nicht großzügig, nicht weltgewandt, nicht einmal freundlich; seine Freude lächelte kaum, oder das Lächeln war nicht breit genug, um zu überzeugen;“

Robert Louis Stevenson: „Henry David Thoreau. Sein Charakter und seine Überzeugungen“

Hier noch eine Leseprobe zu Stevensons Thoreau-Text

Dies als eines der vielen Zitate, die es lohnen, hier veröffentlicht zu werden. Tolle Themen, manchmal etwas abwegig und umso interessanter. Wie zum Beispiel Texte über Zille, oder Katharina Wagenbach-Wolff und ihre „Friedenauer Presse“, die wirklich einzigartig in Deutschland ist.
Das Heft 4/2014 enthält:

Erich Knauf: Der unbekannte Zille
Adam Zagajewski: Geh durch diese Stadt in einer grauen Stunde. Gedichte
Tomasz Rozycki: Sankt Petersburg
Nicole Henneberg: Katharina Wagenbach-Wolff und die Friedenauer Presse
Peter von Matt: Schreiben als Akt der Forschung. Max Frischs „Berliner Journal“
Christoph Hein: Nicht mit dir und nicht ohne dich. Uwe Johnson und die DDR
Manfred Bierwisch: Wovon der Autor leben soll. Erinnerung an Uwe Johnson
Erdmut Wizisla: „Also noch etwas Geduld und Mut“. Anmerkungen zu Gisèle Freund und Walter Benjamin

Im Heft 2/2011 gab es einen Text von Christa Wolf über Uwe Johnson. Auch dazu gibt es eine Leseprobe.

Und noch ein Gedichtanfang:

Dorothea Grünzweig
MORGENS SCHWIMMEN am steg
eintauchen sich berauschen lassen
vom wellenflimmern vom schwappen
noch in sich tragend
die frühgeschichte die graue vorzeit des tags

Mehr von Dorothea Grünzweigs Gedichte und einige andere finden Sie auch in dem Heft.

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Genießen Sie Ihr Wochenende mit ihren Freunden und Büchern und und und.