Samstag

Heute haben Andrej Belyi * 1880
und Ulrich Plenzdorf * 1934 Geburtstag
_______________________

CIMG0285

Die Sommerzeit geht zu Ende: In der Nacht zum Sonntag (27.10.) werden die Uhren in Deutschland und weiten Teilen Europas wieder um eine Stunde zurückgestellt. Langschläfer können dann eine Stunde länger im Bett bleiben.
Um genau 3.00 Uhr müssen die Uhren wieder auf 2.00 Uhr zurückgedreht werden. Damit zeigen die Uhren für die nächsten fünf Monate wieder die normale Mitteleuropäischen Zeit (MEZ) an, bevor am 30. März nächsten Jahres wieder die Sommerzeit beginnt. Über die Wintermonate ist es dadurch morgens früher hell und nachmittags eher dunkel.
Eher dunkel ist gut. Dann ist es um 18 Uhr kuhnacht und die morgendliche Helle verliert sich doch auch im Dunkel. Das kann ja was werden.
________________________

esel

Esel
Ein Portrait von Jutta Person
Mit zahlreichen farbigen Abbildungen, Kleinoktav-Format
144 Seiten, flexibler Einband, fadengeheftet und mit Kopfschnitt
40 Abbildungen.
In der Reihe Naturkunden, die von Judith Schalansky herausgegeben wird.
Matthes und Seitz Verlag € 18,00

Störrisch, dumm, eigensinnig und geil – die Eigenschaften, die dem Esel zugeschrieben werden, sind selten schmeichelhaft. Und doch spielt kaum ein Tier in der Kulturgeschichte eine so bedeutende Rolle wie der Esel.
Jutta Person erzählt die erstaunlich reiche Geschichte dieses faszinierenden Lastentiers und betreibt eine Charakterologie des Esels. Sie trifft prominente Eselzüchter und portraitiert domestizierte und wilde Eselarten. Nicht zuletzt zeigt sie, wie klug dieses vermeintlich dumme Tier mit den schönen Augen ist – und wie viel wir von ihm lernen können. Aber nicht nur das. Die Eselzüchter sind nämlich der Schwäbischen Alb und aus einer Herde von 70 Tieren i-aht es gehörig durch die Seiten. Und bitte nicht vergessen: Der Esel in der Weltliteratur. Auch das ist er störrisch und dumm, aber auch ein ausgezeichneter Liebhaber und Träger prominenter Menschen, wie z.B. Jesus.
Es beginnt mit den Ohren. Die Stellungen, ihre Drehungen sind eines der markanten Zeichen des Tieres. Nietzsche war stolz auf seine kleine Ohren und bezeichnete sich, als ausgewiesener Eselhasser, als Antiesel. Mit diesen großen Ohren könnte man ja fast wegfliegen, und im Italienischen ist ein asino volante, also ein fliegender Esel, einer, dem man alle erzählen kann.
Jutta Person stellt am Ende des Büchleins verschiedene Eselarten vor, dargestellt in schönen alten Stichen. Aber bis wir dort ankommen staunen wir wieder über das spezielle Vorsatzpapier. Diesmal in pink. Ein knallrot leuchtet uns von den Fäden entgegen, die die Seiten zusammenhalten. Warum nur diese Faben? Beim ersten Band über die „Krähen“ gab es die gelbe Farbe für die Schnäbel. Aber rot? Das könnte uns Frau Schalansky irgendwann erklären. Aber zurück zum Inhalt des Buches: Woher sie kommen, die Eseltiere erzählt uns Jutta Person, genauso wie die irren Vermischungen von Mensch und Esel in Darstellungen zur Phsiognomik.
Am Schönsten sind natürlich für uns Buchhändler  sind die Zitate aus der Literatur. Das mit Jesus haben ich schon erwähnt. „Der Esel Benjamin“ kennen wir seit unserer Kindergartenzeit, später kam noch Sancho Panzas Esel dazu. Die Eselmetamorphose in Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ nicht zu vergessen. Und für uns Erwachsene gibt es einen der ältesten Romane überhaupt: „Der goldene Esel“, in dem sich ein Mann durch eine Salbe in einen Esel verwandelt, anstatt dass die Salbe ihm als eine Art Viagra dienen sollte. (Diese Römer!). Es gibt Buridans Esel, der sich zwischen zwei Futterhaufen nicht entscheiden kann und dadurch verhungert. Stevenson wanderte mit einem Esel durch die Cevennen, wir landen bei Giordano Bruno und es gibt natürlich noch „I-Ah“, den melancholische Esel aus Puh der Bär.
Sie merken schon, die paar wenigen Seiten haben es in sich. Dabei habe ich nur einen Bruchteil von dem erwähnt, was Sie alles noch darin finden werden.
________________________

Um nochmals auf Christine Schäfer zurückzukommen, deren Bachkantaten-CD ich gestern erwähnt habe.
Hier die wunderbare Arie des Cherubinos: „Voi che sapete“ aus Mozarts „Hochzeit des Figaro“ mit Netrobko und Nikolaus Harnoncourt am Pult.

Die komplette Aufführung finden Sie in zwei Teilen auch auf youtube.

Hier die gleiche Arie, die gleiche Sängerin, aber in der Inszenierung von Christoph Marthaler.

Freitag

Heute haben
Peter Rühmkorf * 1929
Harold Brodkey * 1930
Geburtstag
__________________________

Unter den vielen neuen Klassik-CDs, die wir die letzten Tage in den Laden kamen, haben mich zwei besonders fasziniert. Nun bin ich kein Fachmann, was den Inhalt, die Einspielungsqualität anbelangt. Auch habe ich keine Vergleichsaufnahmen zur Hand. Ich kann für mich nur sagen, dass die Musik mir gefällt.

Schäfer

Christine Schäfer: „Bach Cantatas“
Mit den Berliner Barock Solisten
SONY Classics CD € 19,99

Christine Schäfer hat schon immer Bach gesungen. Er hat sie während ihrer Karriere begleitet, egal ob sie gerade mit einem Opernprojekt unterwegs war, oder die „Winterreise“ als Frau eingespielt hat. Bach war immer im Hintergrund. Nun hat sie drei Kantaten aufgenommen: „Ich habe genug“, „Mein Herze schwimmt im Blut“ und „Ich bin vergnügt mit meinem Glücke“, die wohl Bach auch sehr am Herzen lagen und heute noch als seine Beliebtesten gelten.
Die Berliner Barock Solisten steuern auf der CDs noch eigene Interpretation von Bachmusik bei.

Auf der website von SONY gibt es Hörproben.

Jarrett

Keith Jarrett und Michelle Makarski:
Johann Sebastian Bach – Six Sonatas For Violin And Piano
ECM Doppel CD € 24,99

Johann Sebastian Bach begann schon früh mit der Arbeit an den Sonaten für Violine und Cembalo und hat sie in seinen späten Jahren wieder herausgekramt und sie überarbeitet. Sie lagen ihm wohl sehr am Herzen.
Die Geigerin Michelle Makarski arbeitete an den Sonaten und bat Jarrett, ob sie nicht gemeinsam daran arbeiten sollten. Die beiden kennen sich von anderen ECM-Aufnahmen, oder auch von Jarrett-Projekten her. So ergab sich wohl eine lose Zusammenarbeit, die dann in dieser Aufnahme in den Räumen der American Academy of Arts and Letters in New York endete. Man meint fast die Räumlichkeiten zu spüren.

Auch hier gibt es Hörproben.

Beide Bach-Einspielungen haben so etwas Wohltuendes und passen sehr schön in die Jahreszeit, wenn draußen der Nebel aus dem Tal kommt und der Holzofen bullert. Für mich eine Neuentdeckung, für für anderen gehört das wohl zum normalen Repertoir.