Sonntag, 22.Mai

Ein kleiner Nachklapp zur Buchpräsentation am vergangenen Donnerstag in der Stadtbibliothek Ulm mit der Einführungs- und Schlussrede des Verlegers Hubert Klöpfer, dem ich herzlich für die Übersendung derselben danken möchte.

Liebe Christine Langer, lieber Herr Slatky, lieber Herr Wiltschek von der Buchhandlung Jastram, liebe Premierengäste samt und sonders,

„Weil der Tag noch auf den Schultern liegt,
Sinken wir mit der blauen Stunde
In die Dämmerung“

Noch ist es jetzert mit der Dämmerung nicht gar soweit, aber mit diesen drei einladend schönen Zeilen Christine Langers begrüße ich Sie alle recht herzlich im Namen der Edition Hubert Klöpfer bei Kröner zu Christine Langers erster Lesung aus ihrem neuen Gedichtband „Ein Vogelruf trägt Fensterlicht“.
Ein Buch ist ein Buch ist ein Buch. Ja? Nein! Überhaupt nicht. Die Linien der Bücher sind verschieden, es gibt sottene und sottene, solche und solche …
Hören Sie (nur bloß) zwei kleine Beispiele über die verschiedenen Linien von Büchern – und dann noch einen apodiktischen Reich-Ranicki-Satz hinterher.
Jean Paul, nach langer Vorrede: „Und wenn ein Buch nicht wert ist, zweimal gelesen zu werden, ists auch nicht wert einmal gelesen zu werden.“
Und Marie von Ebner-Eschenbach: „Der wirkliche Zweck eines Buches ists, den Geist hinterrücks“ – also „hälinge“ „zum eigenen Denken zu verleiten“.
Schließlich noch, zum dritten, Marcel Reich-Ranicki, selbstherrlich, ich-überzeugt im Urteil wie er halt war: „Von 100 Büchern, die erscheinen, sind 99 schlecht – und das 100. ist schwach.“
Was ich damit auf die Schnelle beibringen, sagen will? Ein Dreifaches: Das Buch, um das es heute Abend geht, ist ein quasi „101“-stes, ist also das gute, eben grade das zum zweimal lesen, zum genauer lesen. Denn ja: es verleitet, es verführt zum Selberdenken, mehr noch, sinnlicher: es verhilft zum Selberfühlen. Weils drin ums Existentielle, ums Wesentliche geht, sagen wir: um Weltwahrnehmung“. Es ist aber dieser neue Gedichtband Christine Langers im Sinne des Großkritikers MRR nicht nur ein gutes 101., sondern es ist in genau 15 Jahren Christine Langers und mein fünftes Buch zusammen.
Und, das will ich meinen, das ist in diesem schnellebigen Literaturbetrieb, den man auch getrost „Haifischbecken“ heißen kann, etwas Besonderes, etwas doch ganz Seltenes. Also, zurück, Christine Langers „Vogelruf“ ist ein bild- und wortmächtiges „lyrisches Puzzle“, das sich Seite für Seite zu einem starken Großen und Ganzen zusammenliest, zusammenfügt – und über die längere Strecke zu einem veritablen Gedichtband wird. Zu einer Art „Musterbuch“, buchästhetisch äußerlich schon:
Elegant im Auftritt und Format, 104 starke Seiten schlank, um die 200 Gramm schwer, bester Umschlagkarton, schön eingewickelt, gut gestaltet, gut layoutet, auf gutes Papiergut gedruckt, mit einem bläulich-lichten Vor- und Nachsatz – und gar noch mit einem farblich abgestimmten Lesebändchen versehen. Und mit einem einfühlsam schönen Nachwort Mirko Bonnées noch verfeinert.
Leserinherz und Leserherz, was willst du mehr? Was das Buch nun aber innerlich zusammenhält, das zu klären, gar zuloben, ist meine Sache als Herausgeberverleger heute Abend nicht, das hieße pro domo reden, unter Verlegern ist so ein Selbstlob eigner Bücher wie ein Tabu. Nur soviel, dass – wenn wir’s nicht für gelungen hielten, wenn’s nicht ein gutes Etwa den entschieden-prägnanten Satz der verstorbenen Lyrikmeisterin Friederike Mayröcker: „Christine Langers Gedichte sind einfach sehr schön“.
Oder, so stand’s schon am Anfang ihrer Laufbahn Jahren über ihren ersten Band „Lichtrisse“ in der „Zeit“: „Zu entdecken ist Christine Langer: eine große Dichterin“. Und, Jürgen Kanold, kürzlich, in seiner schönen und zugewandten Beprechung des Buches in der Südwestpresse – mir hat seine seine Charakterisierung sehr zugesagt: „Christine Langers ‚Vogelruf‘ ist geradezu ein poetisches Brevier“.
Was aber ist, was war ein Brevier? Es war, es ist das Stundenbuch der Geistlichkeit, ihr Soll, täglich daraus für eine Stunde zu beten, also höchst-intensiv zu lesen … „Ein poetisches Brevier“: Was für ein literaturkritisches Kompliment! (Denken Sie nur doch an meinen Anfang, Jean Paul: „Wenn ein Buch nicht wert ist, zweimal gelesen zu werden, so ist es auch nicht wert einmal gelesen zu werden …“). Jetzt aber, liebe Premierengäste, Sie warten ja schon drauf, hör ich auf, überzeugen Sie sich grad einfach selber, seien Sie ganz Ohr, es liest für Sie, für uns: Christine Langer.
Vielen Dank. Und auf einen guten literarischen Abend.


Liebe Christine Langer, haben Sie jetzt, zu guter Letzt, einfach nochmals herzlichen Dank für Ihr Buch, unser fünftes Buch, Ihre intensive Lesung. Glückwunsch – und die Hoffnung, Ihr „Vogelruf“ möge gehört – und „breviermäßig“ höchst intensiv gelesen werden. Bei Ihnen, liebe Premierengäste, bedanke ich mich sehr – dafür, dass Sie da waren, ganz Ohr waren. Und, nochmals Jean Paul: „Dem Buchhändler gefallen keine Bücher, die bei ihm liegen bleiben …“ Oder, wenn das jetzt noch nicht deutlich genug war, Lessing, Gotthold Ephraim: „Was machete ich bloß mit meinem vielen Gelde, wenn ich keine Bücher kaufte?“
Nehmen Sie gleich also den „Vogelruf“ am schön gedeckten Büchertisch der Buchhandlung Jastram nur gerne mit – möglichst käuftlich halt! – lassen Sie sich das Buch von Christine Langer datieren, signieren und widmen – und dann, daheim: lesen Sie gut!
Vielen Dank.
Hubert Klöpfer, 19. Mai 2022
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Logo „Das Literarische Quartett“

Das literarische Quartett am Donnerstag, 26.Mai ab 23.15 Uhr
mit Thea Dorn, Eva Menasse, Jakob Augstein und Moritz von Uslar
und folgenden Büchern:

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Endlich. Nach langer Zeit. Ein neuer Versuch:

Die erste Seite
am Dienstag, den 7.Juni ab 19 Uhr
Wir stellen wieder vier neue Romane vor.
Es liest Clemens Grote.

Wir begrenzen die Zahl der Teilnehmenden auf 20.
Also bitte Plätze reservieren.

Vielen Dank und vielleicht/hoffentlich bis bald.

Donnerstag, 19.Mai

Besuch am frühen Morgen

Heute haben
Rahel Varnhagen von Ense * 1771
Fritz Rudolf Fries * 1935
Otto Jägersberg 1942
David GLattauer * 1960
Jodi Picoult * 1966
Geburtstag
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Heute auf dem Gedichte-Kalender:

Karl Bröger (1886-1944)
Aufschwung

Unter uns gähnt Nacht und Grauen
und ein Meer von totem Blut.
Brüder, laßt uns aufwärts schauen,
wo allein die Rettung ruht.

Droben schwingt in hoher Runde
Stern bei Sternen aus und ein,
Zeichen einem neuen Bunde
zwischen Mensch und Mensch zu sein.

Brüder, schaut, wie frisches Hoffen
leuchtend in das Dunkel bricht.
Morgen tritt, vom Glanz getroffen,
der versöhnte Mensch ins Licht.
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Unser Buchtipp:


Katja Petrowskaja: „Das Foto schaute mich an
Bibliothek Suhrkamp € 25,00

Katja Petrowskaja ist in Kiew geboren, lebt und arbeitet seit über 20 Jahren in Berlin. Die Kiewer Vororte Butscha und Irpin sind die Orte ihrer Kindheit und auch die letzten Sommer hat sie dort verbracht. In der FAZ schreibt sie seit 2015 Texte zu Fotos und jetzt erscheint eine Sammlung von 52 Kolumnen.
Es sind Fotos aus privaten Alben. Fotos, die sie in Ausstellungen gesehen hat, oder in diversen Tageszeitungen und wie man halt über Fotos stolpert. Wir finden das rauchvernebelte schwarze Gesicht eines Grubenarbeiters, ein syrisches Geflüchtetenpaar bei der Landung auf Lesbos („Venus ist wieder da“), ihre Mutter Jahre vor ihrer Geburt, Eisblumen in Davos und einen schwarzer Opernsänger 1953 in einem Park in Leningrad. Ein blinder Junge und eine Frau mit hochtoupierter Frisur inmitten von vielen anderen Frauen am Fließband in Bottrop.
Dazu denkt sie sich Geschichten aus, recherchiert aber auch akribisch, wo und wann das Foto entstanden ist und wer die Person darauf ist. Es entstehen kleine Prosastücke wie Perlen an einer Kette. Ein Stück Zeitgeschichte erzählt in einer minimalistischen Form.
Ein Foto zeigt sie selbst als Mädchen, wie sie mit der linken Hand ein Bild malt. Jetzt wird ihr klar, dass sie irgendwie anders ist, woher ihre Macken kommenund dass sie wohl umerzogen worden ist in der Sowjetunion. Bis sie am Ende entdeckt, dass das Foto spiegelverkehrt ausgedruckt worden ist. Also ist sie doch keiner der Engel über Berlin. Aber es hätte ja sein können. Ein bißchen von diesen Gedanken bleiben in ihr.

Leseprobe
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Heute in der Stadtbibliothek:

Buchpräsentation in der Stadtbibliothek Ulm
Donnerstag, 19.Mai, 19:30 Uhr

Christine Langer: „Ein Vogelruf trägt Fensterlicht“

Traumnuance
Das ist poetisches Denken, sagst du,
Dieses Befinden zwischen Bewegung und Stillstand,
Schließ die Augen, ich lese dich auf.


An der Schwelle
Lichtrisse schieben den Himmel vor sich her, bevor sie die Abend-
Glocken in die Baumwipfel hängen
Schwer wiegen sich die Schatten des Walds in den Wolken
Und spannen Laken über die Erde
Der Geruch feuchter Steine trägt Spuren wilder Tiere in mein Haus:
Ich habe die Stirn gelehnt an die offene Tür der Nacht

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tagesschau.de / Von Kathrin Hondl, ARD-Studio Genf:

Weltwetterorganisation zu Klimakrise
„Größte Gefahr in diesem Jahrhundert“

Höchststände bei Treibhausgasen und Meeresspiegel – Klimaforscher melden alarmierende Werte in mehreren Bereichen. Und eine Trendwende beim Klimawandel ist nicht in Sicht.

UN-Generalsekretär Antonio Guterres sprach von einer „düsteren Litanei des Versagens der Menschheit“. Der neue Bericht der Weltwetterorganisation WMO hält fest: Auch 2021 gab es wieder klare Zeichen für den menschengemachten Klimawandel – neue Rekorde bei Treibhausgaskonzentrationen, dem Anstieg des Meeresspiegels, sowie Temperaturanstieg und Versauerung der Ozeane.
Extremwetter habe Menschenleben und Wohlstand zerstört und zu wirtschaftlichen Verlusten in Höhe von Hunderten von Milliarden Dollar geführt.
Weiteres Hitzerekordjahr wird kommen
Der neue Klimabericht bestätigt auch: Die vergangenen sieben Jahre waren die wärmsten seit Beginn der Auszeichnungen. 2021 lag die globale Durchschnittstemperatur 1,11 Grad über dem vorindustriellen Niveau. 
Das Erreichen des 1,5 Grad-Ziels – also die Begrenzung der globalen Erhitzung auf 1,5 Grad – sei eine enorme Herausforderung, sagte WMO-Generalsekretär Petteri Taalas. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis es zu einem weiteren Hitzerekordjahr komme.

Der komplette Bericht auf tagesschau.de

Mittwoch, 11.Mai

Heute haben
Gerhart Hauptmann * 1858
Rose Ausländer * 1901
Camilo José Cela * 1916
Ruben Fonseca * 1925
Henning Boetius * 1939
Geburtstag
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Hugo von Hoffmannsthal
Was ist die Welt?

Was ist die Welt? Ein ewiges Gedicht,
Daraus der Geist der Gottheit strahlt und glüht,
Daraus der Wein der Weisheit schäumt und sprüht,
Daraus der Laut der Liebe zu uns spricht

Und jedes Menschen wechselndes Gemüt,
Ein Strahl ist’s, der aus dieser Sonne bricht,
Ein Vers, der sich an tausend and’re flicht,
Der unbemerkt verhallt, verlischt, verblüht.

Und doch auch eine Welt für sich allein,
Voll süß-geheimer, nie vernomm’ner Töne,
Begabt mit eig’ner, unentweihter Schöne,

Und keines Andern Nachhall, Widerschein.
Und wenn Du gar zu lesen d’rin verstündest,
Ein Buch, das Du im Leben nicht ergründest.
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Unser Bilderbuchtipp:


Nicola Edwards: „Ich zeig dir meine Welt
Entdecke, wie wir Kinder leben
Illustriert von Andrea Stegmaier
Aus dem Englischen von Sabine Rahn
Penguin Junior Verlag € 16,00
Bilderbuch ab 6 Jahren

Einmal um die Welt. Ganz einfach. Aber halt: was gibt es denn zum Frühstück auf den unterschiedlichen Erdteilen? Gibt es überall Brot und Pizza, oder auch Speisen, die wir hier gar kennen? Wie kuriere ich in China eine Rotznase aus? Und wie unterschiedlich sage ich „Gute Nacht“ rund um die Welt? Kinder in der Schule, beim Spielen, ihre Religionen und Feste, ihre Häuser und Küchen, das unterschiedliche Wetter, Sprachen und Gesten, all das findet sich hier in diesem Bilderbuch, das so herrlich illustriert ist.
Farvel, Aloha, shalom, namaste, au revoir, Moce, Sayonara heißt jedesmal Auf Wiedersehen.
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Buchpräsentation in der Stadtbibliothek Ulm
Donnerstag, 19.Mai, 19:30 Uhr
Christine Langer: „Ein Vogelruf trägt Fensterlicht“

Traumnuance
Das ist poetisches Denken, sagst du,
Dieses Befinden zwischen Bewegung und Stillstand,
Schließ die Augen, ich lese dich auf.


An der Schwelle
Lichtrisse schieben den Himmel vor sich her, bevor sie die Abend-
Glocken in die Baumwipfel hängen
Schwer wiegen sich die Schatten des Walds in den Wolken
Und spannen Laken über die Erde
Der Geruch feuchter Steine trägt Spuren wilder Tiere in mein Haus:
Ich habe die Stirn gelehnt an die offene Tür der Nacht

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Klimabericht von UN-Experten
1,5-Grad-Schwelle könnte bis 2026 überschritten werden

Was vor ein paar Jahren noch als nahezu ausgeschlossen galt, halten Experten jetzt für möglich – sie warnen: Die weltweite Erwärmung könnte bis 2026 erstmals über der Marke von 1,5 Grad liegen.
Wetterexperten der Vereinten Nationen rechnen mit einem neuen Hitze-Rekordjahr bis 2026. Die globale Durchschnittstemperatur eines Jahres könnte bis dahin erstmals mehr als 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau liegen. So sei die Wahrscheinlichkeit, dass im Fünf-Jahres-Zeitraum 2022 bis 2026 mindestens ein Jahr eine Temperatur von über 1,5 Grad erreiche, bei fast 50 Prozent, berichtete die UN-Weltwetterorganisation (WMO) in Genf.

Den kompletten Artikel auf tagesschau.de finden Sie hier.