Freitag, 6.Mai

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Heute haben
Ludwig Börne * 1786
Rabindranath Tagore * 1862 (Nobelpreis 1913)
Christian Morgenstern * 1871
Erich Fried * 1921
Franz Mon * 1926
Geburtstag.
Aber auch Sigmund Freud, Ernst Ludwig Kirchner, Orson Welles, Hanns Dieter Hüsch, Tony Blair, George Clooney und Till Brönner.
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Christian Morgenstern
Es war ein solcher Vormittag

Es war ein solcher Vormittag,
wo man die Fische singen hörte,
kein Lüftchen lief, kein Stimmchen störte,
kein Wellchen wölbte sich zum Schlag.

Nur sie, die Fische, brachen leis
der weit und breiten Stille Siegel
und sangen millionenweis‘
dicht unter dem durchsonntenSpiegel.
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Unser Buchtipp für die ganze Familie:

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Didier Lévy und Marc Boutavant:Der Popo von Hippopo
Aus dem Französischen von Ulrich Pröfrock
Satz und Gestaltung: Arne Bellstorf
Reprodukt Verlag € 12,00
ab 6 Jahren

Den Illustrator Marc Boutavant kennen wir von den hier schon vorgestellten Bilderbüchern „Niemals wilde Katzen kitzeln“ und „Edmund

“Ich habe einen dicken Hintern”, sagt das Nilpferd. “Zeig mal!”, rufen gleich die anderen Tiere. Schnell ist eine hitzige Diskussion entbrannt: Ist Hippopos Popo nun klein oder groß? Oder doch eher so mittel? Die Tiere werden sich einfach nicht einig, bis gar die ersten faulen Früchte fliegen. Auweia! Glücklicherweise stellt sich der Frieden schnell wieder ein, als ein jeder auf seinem Töpfchen sitzt. Passt, wackelt und hat Luft! Genau die richtige Größe hat er, dieser Popo!
Ich musste aus vollem Halse lachen. Diese Geschichte ist so wahr, ernst und gleichzeitig auch so witzig. Oh meine Nase ist krumm, meine Ohren zu groß, die Hände zu klein, der Po zu dick. Die Lippen zu dünn und die Haare zu ströpselig.
Genau um das geht es im wahren Leben und in hier in diesem kleinformatigen Bilderbuch. Und dass dann jeder Po doch passt und genau so sein soll, wie er ist, zeigen uns Text und Bilder dieses sehr treffenden Buches.

Hier ein paar Leseproben:

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Die Literaturwoche Donau 2016 geht, obwohl sie deutlich länger geht als ne Woche, nun doch auch mal zu Ende.

Samstag, 7. Mai ab 18 Uhr (Quereinstieg jederzeit möglich…)
Schluss mit Hesse und ganz viel Musik
Literaturfest mit dem Verlag Klöpfer & Meyer, Autorin Felicitas Andresen
und der Band KNULP (Hamburg)
Eintritt: 8,00 €

Feiern wir den Abschluss der Literaturwoche Donau 2016 – und zwar
richtig: Verleger Hubert Klöpfer erzählt kurzweilig aus über 30
Verlagsjahren, Autorin Felicitas Andresen liest aus ihrem Erfolgsroman
„Sex mit Hermann Hesse“.
Ab 21 Uhr spielt die junge Kultband KNULP. Knulp, der sympathische
Landstreicher aus Hermann Hesses gleichnamigen Roman, ist der Pate und
Namensgeber der Singer-Songwriterkooperation, von Marco Moritz und
Marcus Molière. Folk und Seefahrtromantik zwischen Lemmy Kilmister und
Bing Crosby.

Freitag

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Heute haben
Arthur Schnitzler * 1862
Michail Bulgakow * 1891
Max Frisch * 1911
Michael Lenz * 1964
Judith Hermann * 1970
Geburtstag

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Unser Buchtipp für diesen Regentag:

reisende

„Gedichte für Reisende“
Herausgegeben von Anton G. Leitner und Gabriele Trinckler
dtv € 8,90

Poesie fürs Handgepäck

Reisezeit ist auch Lesezeit. Das ist gut so, sagt der Buchhändler.
Diese Anthologie schürt die Sehnsucht nach Reisen, bereitet uns einen leichten Start und lässt uns das Zählen der Tage bis zum Urlaub vergessen. Mit Nietzsche wagen wir ein Blick aufs Meer, das wie eingeschlafen daliegt und hilft uns bei der Nachbereitung unserer arbeitsfreien Zeit. Auf dass sie auch der Erholung gedient hat.

„Mein Reisekoffer, frisch entstaubt,
Folgt seiner Sehnsucht in die Weite.“
Jochaim Ringelnatz

Und auf gehts!

Joseph von Eichendorff
Sehnsucht

Es schienen so golden die Sterne,
Am Fenster ich einsam stand
Und hörte aus weiter Ferne
Ein Posthorn im stillen Land.
Das Herz mir im Leib entbrennte,
Da hab ich mir heimlich gedacht:
Ach, wer da mitreisen könnte
In der prächtigen Sommernacht!

Zwei junge Gesellen gingen
Vorüber am Bergeshang,
Ich hörte im Wandern sie singen
Die stille Gegend entlang:
Von schwindelnden Felsenschlüften,
Wo die Wälder rauschen so sacht,
Von Quellen, die von den Klüften
Sich stürzen in die Waldesnacht.

Sie sangen von Marmorbildern,
Von Gärten, die überm Gestein
In dämmernden Lauben verwildern,
Palästen im Mondenschein,
Wo die Mädchen am Fenster lauschen,
Wann der Lauten Klang erwacht
Und die Brunnen verschlafen rauschen
In der prächtigen Sommernacht.

Wilhelm Busch
Wanderlust

Die Zeit, sie orgelt emsig weiter,
Sein Liedchen singt dir jeder Tag,
Vermischt mit Tönen, die nicht heiter,
Wo keiner was von hören mag.

Sie klingen fort. Und mit den Jahren
Wird draus ein voller Singverein.
Es ist, um aus der Haut zu fahren.
Du möchtest gern woanders sein.

Nun gut. Du mußt ja doch verreisen.
So fülle denn den Wanderschlauch.
Vielleicht vernimmst du neue Weisen,
Und Hühneraugen kriegst du auch.

Arno Holz
Auf einer Wanderung

Zwischen Bergen im Sonnenschein
liegt am Fluss das Städtchen.

Hier oben von meinem Meilenstein seh ich über alle Dächer.

Kerzengrade steigt der Rauch.

Durch einen blühenden Holunderbusch
unterscheide ich deutlich,
unter der alten Grünspankuppel,
die Turmuhr.

Ein himmelblaues Zifferblatt mit weißen Zahlen.

Noch drei kleine Striche,
und die gesamte Bürgerschaft
setzt sich pünktlich zu Mittag.

Zwölf!

Es ist heute Sonnabend, es gibt also überall Eierkuchen.

Ich köpfe vergnügt eine Distel
und wandre weiter.

Gustav Falke
Wieder daheim

Auf Schneebergen sahen wir
den letzten Saum der sinkenden Sonne,
andachtdurchschauert.
Auf blauen Seen schaukelten wir,
und es war ein Lächeln auf unseren Gesichtern,
als säßen wir dem Glück im Schoß.
Stolze Paläste erfüllten uns mit Ehrfurcht,
und in ragenden Tempeln
sahen wir hinter Wolken schwelenden Weihrauchs
den Gott lächeln.
Stürmisch trug uns das Meer zu fremden Völkern,
und hesperischer Gärten Fülle
berauschte uns mit süßen Düften;
wir waren trunken von Licht und Schönheit.
Als wir aber die schlichten Wiesen der Heimat,
die frühlingsgeblümten, wieder betraten,
schien uns nichts so schön als sie,
und uns war,
als hätten unsere Herzen so lange geschwiegen
und fänden nun ihre Sprache wieder.

Christian Morgenstern
Das böhmische Dorf

Palmström reist, mit einem Herrn v. Korf,
in ein sogenanntes Böhmisches Dorf.

Unverständlich bleibt ihm alles dort,
von dem ersten bis zum letzten Wort.

Auch v. Korf (der nur des Reimes wegen
ihn begleitet) ist um Rat verlegen.

Doch just dieses macht ihn blaß vor Glück.
Tiefentzückt kehrt unser Freund zurück.

Und er schreibt in seine Wochenchronik:
Wieder ein Erlebnis, voll von Honig!

So sind wir wieder zurück auf unserer lyrischen Reise. Wobei ich nur ein paar rechtefreie Gedichte veröffentlicht habe. Die Gedichte von Ingeborg Bachmann, Michael Augustin, Beat Brechbühl, Wolf Dieter Brinkmann, Ilma Rakuse, Matthias Politycki und vieler anderer aktuellen AutorInnen finden Sie natürlich auch in dieser vorzüglichen Anthologie, die jeden Bahnstreik vergessen lässt..
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Die Fotos entstanden gestern abend, als während des sommerlichen abends Renaud Garcia-Fons mit seiner Band im Ulmer Stadthaus spielte. Wer das Konzert verpasst hat, kann sich hier einen einstündigen Livemitschnitt des gleichen Konzertes in bester Qualität anschauen.
Und wer immer noch nicht genug hat: Wir haben die CDs im Laden.

Dienstag

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Heute haben
Francois Villon * 1431
Alexandra Kollontai * 1872
Octavio Paz * 1914
John Robert Fowles* 1926
Hartmut Lange * 1937
Geburtstag.
Und es ist der Todestag von Christian Morgenstern.
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Weil draußen der Wind um’s Holzhaus pfeift:

Christian Morgenstern
Nein

Pfeift der Sturm?
Keift ein Wurm?
Heulen
Eulen
hoch vom Turm?

Nein!

Es ist des Galgenstrickes
dickes
Ende, welches ächzte,
gleich als ob
im Galopp
eine müdgehetzte Mähre
nach dem nächsten Brunnen lechzte
(der vielleicht noch ferne wäre).
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Eugène Dabit: „Hotel du Nord“
Neu übersetzt aus dem Französischen von Julia Schoch
Schöffling Verlag € 19,95
Als E-Book € 15,99

Dieser Roman hat eine tolle Geschichte hinter sich.
Zuerst erschienen 1929, wollten ihn zuerst niemand veröffentlichen. Erst als Dabit dem Verleger zusagte, dass er Illustrationen für Sonderausgaben herstellen will, kam es auf den Markt. Das Lob war groß, auch von Schriftsteller Kollegen, wie Gide und Dabit erhielt 1931 den Prix du Roman populiste, der 2012 nach ihm umbenannt worden ist. 1938 wurde der Roman, mit damals sehr bekannten SchauspielerInnen verfilmt, wobei sich der Film vom Roman sehr stark entfernt hat. Zu diesem Zeitpunkt war der 1898 geborene Eugène Dabit schon zwei Jahre tot. Er starb unter nicht ganz geklärten Umständen bei einer Russlandreise. Dabit veröffentlichte noch zwei weitere Romane, die alle das normale Leben, das Leben der kleinen Leute beschreibt.
So auch hier.
Das Hôtel du Nord, ein sogenanntes Wohnhotel, liegt jenseits der großen Boulevards am Quai de Jemmapes im 10. Arrondissement von Paris. Emile und Louise Lecouvreur haben es gepachtet. Genauso, wie Dabits Eltern das im Jahre 1923 gemacht haben. Er selbst wuchs sozusagen in diesem Hotel für kleine Leute auf, übernahm oft den Nachtdienst und hatte dabei viel Zeit über die einfachen Bewohner zu schreiben.
Es beginnt mit der Übernahme des Hotel durch das Ehepaar Lecouvreur und damit, dass Emile auf dem Dach des Hauses steht und ausruft, dass es ja aussieht, wie am Meer. Das Hotel liegt direkt an einem Kanal, den Napoleon bauen ließ, damit die Innenstadt von Paris von Lastkänen angefahren werden kann. Dabit schreibt nun, wie das Familienhotel aufgebaut ist, wer in welchen Zimmern wohnt und wie sich das Pächterehepaar langsam in ihre Rolle eingewöhnen. Im Hotel leben Arbeiter, die ein günstiges Zimmer brauchen, Pärchen, die auf engem Raum ein Zuhause für sich suchen und alte Menschen, die kaum mehr die Miete bezahlen können. Es wird geredet, getrunken, gerauft, geliebt und gestorben. Eine junge Frau kommt vom Land, verliebt sich in einen ungehobelten Arbeiter, verdient ihr Geld als Putzhilfe im Hotel, wird schwanger, gibt ihr Kind einer Amme, bis von dort ein Telegramm kommt, dass ihr Kind gestorben ist. Danach findet sie nicht mehr ins bisherige Leben zurück und trifft sich mit vielen Männern in ihrem Zimmer, bis sie aus dem Hotel geworfen wird. Es gibt den alten Mann, der die Miete nicht mehr bezahlen kann und ins Armenhaus kommt. Dort erhält er von Louise einmal die Woche ein warmes Essen und erinnert sich an die Zeit im Hotel. Es ziehen neue Leute ein und andere verschwinden für immer. Die Nachbarsleute kommen zu einem Glas Wein, spielen Karten und Emile und Louise sind der Mittelpunkt dieses kleinen Kosmos, weit ab der schillernden Boulevards in der Pariser Innenstadt. So bekommen wir Lebensabschnitte vieler Mitbewohner mit und damit auch gleich einen intesiven Einblick in dieses Quartier zwischen den Weltkriegen.
Dabit schreibt über seine Erfahrungen, so, wie er diese Menschen kennengelernt hat. Es ist die Zeit, als Marcel Proust für seinen zweiten Band „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ den Prix Goncourt erhielt und auchhier wird eine verschwundene Zeit beschrieben. Eine Welt, die abseits der goldenen 20er Jahre, das Miteinander der einfachen Menschen zeigt. Die Arbeiter, Seelaute, Putzfrauen können nur überleben, wenn sie zusammenhalten und trotz vieler Streitereien eine Gemeinschaft bilden. Das Buch endet damit, dass das Hotel abgerissen wird. Das Ehepaar zieht sich in eine Wohnung zurück und versucht sich an den anderen Alltag zu gewöhnen. Die Geschichte des Hauses geht jedoch weiter. Mehrfach hätte das Gebiet um das Hotel abgerissen, umgebaut, neu geplant werden sollen. Und immer regte sich Widerstand im Viertel. Heute steht das Hotel wieder an der alten Stelle, beherbergt ein Resutaurant und die Fassade steht unter Denkmalschutz. Falls ich also wirklich einmal den Weg nach Paris finde, …

Die Homepage des jetzigen Hotel du Nord

Unbedingt lesenswert das sehr informative Nachwort von Julia Schoch.

Leseprobe

Ein kleiner Ausschnitt aus der Verfilmung

Und der komplette Film

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Heute abend ab 19 Uhr
LiteraLotto mit Florian Arnold und Rasmus Schöll