Donnerstag, 29.August

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Heute haben
Maurice Maeterlinck * 1862 (Nobelpreis 1911)
Herman Löns * 1866
Ernst Kreuder * 1903
Lukas Hartmann * 1944
Geburtstag
und Ingrid Bergmann.
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Detlev von Liliencron
Sommernacht

An ferne Berge schlug die Donnerkeulen
Ein rasch verrauschtes Nachmittaggewitter.
Die Bauern zogen heim auf müden Gäulen,
Und singend kehrten Winzervolk und Schnitter.
Auf allen Dächern qualmten blaue Säulen
Genügsam himmelan, ein luftig Gitter.
Nun ist es Nacht, es geistern schon die Eulen,
Einsam aus einer Laube klingt die Zither.
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978-3-85256-769-3

Gianrico Carofiglio: „Drei Uhr morgens“
Originaltitel: „Le tre del mattino“

Aus dem Italienischen von Verena von Koskull
Folio Verlag € 20,00
Auf Italienisch im Mondadori Verlag € 19,90

Gianrico Carofiglio kennen wir als Autoren der Bari-Krimis. Das ist lange her. Krimis veröffentlicht er immer noch, aber auch Romane, wie diesen. Eine sehr intensive Vater-Sohn-Geschichte mit der Stadt Marseille als Fundament. Vielleicht ist Marseille auch die heimliche Hauptperson, um die sich die beiden Männer drängeln.

Antonio lebt mit seiner Mutter, sein Vater wohnt schon sehr lange nicht mehr mit den beiden zusammen. Bei Antonio wird eine bestiummte Art von Epilepsie festgestellt. Als Therapie schlagen die Ärzte vor: laute Orte meiden, kein Sport, früh ins Bett und zahlreiche Medikamente. Dieses hat natürlich auch Nebenwirkungen auf den jugendlichen Antonio und so verfällt er öfter in Depressionen. Als sein Vater einen Spezialisten für Epilepsie in Marseille auftut, treten die beiden, sich entfremdeten Männer, eine Reise dorthin an. In Marseille angekommen einigen sie sich zu dritt auf ein Experiment. Vater und Sohn dürfen 48 Stunden nicht schlafen. Danach gibt es wieder ein Treffen mit dem Arzt. Ab diesem Moment tauchen wir in Marseille ein. Dort unterhalten sich die beiden, erzählen aus ihrem Alltag. Der Vater versucht zu erklären, wie er seine Mutter getroffen hat und warum er nicht mehr bei Antonio wohnt. Dadurch kommen sie sich näher. Ihr Erzählen ist rückwärts gewandt, die Stadt nimmt sie jedoch mit in die intensive Gegenwart.

Carofiglios Roman hätte noch 200 Seiten mehr haben können und wäre nicht langweilig geworden. Er hat ein Zweipersonenstück geschrieben, bei dem wir gerne wissen wollen, ob es Vater und Sohn nach dem Zuschlagen des Buches heiterhin gut miteinander geht.

Vielleicht der passende Soundtrack zum Buch:

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Am kommenden Dienstag stellen wir wieder vier Bücher vor.
Clemens Grote liest aus:

Simone Lapper: Der Sprung
Angela Lehner: Vater unser
Kristin Höller: Schöner als überall
Alice Nelson: Das Kinderhaus

Wir beginnen pünktlich um 19 Uhr und freuen uns auf Ihr/Euer Kommen.

Freitag, 11.November

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Heute haben
Fjodor Dostojewski * 1821
Kurt Vonnegut * 1922
Noah Gordon * 1926
Carlos Fuentes * 1928
Hans Magnus Enzensberger * 1929
Geburtstag
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Theodor Storm
Mit einer Handlaterne

Laterne, Laterne!
Sonne, Mond und Sterne,
Die doch sonst am Himmel stehn,
Lassen heut sich nimmer sehn;
Zwischen Wasserreih und Schloß
Ist die Finsternis so groß,
Gegen Löwen rennt man an,
Die man nicht erkennen kann!

Kleine freundliche Latern‘,
Sei du Sonne nun und Stern:
Sei noch oft der Lichtgenoß
Zwischen Wasserreih und Schloß
Oder – dies ist einerlei –
Zwischen Schloß und Wasserreih!
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„Jeden Morgen betrittst du die übliche Bar, um zu frühstücken. Seit du allein lebst – eine ganze Weile schon – kannst du das zu Hause nicht mehr. Zu Abend essen ja, manchmal auch zu Mittag. Aber Frühstücken irgendwie nicht. Also gehst du jeden Morgen in die Bar. Mal stellst du dich an den Tresen, mal lässt du es gemütlicher angehen und setzt dich an ein Tischchen. Da bist du nicht festgelegt, es kommt ganz darauf an, wie du dich fühlst – oder wie du dich nicht fühlst – auf’s Wetter, darauf, ob du was zu tun hast oder nicht, auf den Zufall. Keine Ahnung, warum du dich mal hinsetzt und mal nicht.“

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Gianrico Carofiglio: „Am Abgrund aller Dinge
Originaltitel: Il Bordo Vertiginoso Delle Cose
Aus dem Italienischen von Verena von Koskull
Goldmann Taschenbuch € 9,99

Gianrico Carofiglio wurde 1961 in Bari geboren und arbeitete in seiner Heimatstadt viele Jahre als Antimafia-Staatsanwalt. 2007 war er als Berater des italienischen Parlaments für den Bereich organisierte Kriminalität tätig. Von 2008 bis 2013 war Gianrico Carofiglio Mitglied des italienischen Senats. Berühmt gemacht haben ihn vor allem seine Romane um den Anwalt Guido Guerrieri, von denen wir die ersten drei immer auf Lager haben.

Carofiglio bleibt seiner Heimatstadt treu. In seinem neuen Roman kehrt Enrico Vallesi aus Florenz zurück nach Süditalien, weil ihm eine Zeitungsmeldung nicht mehr aus dem Kopf geht. Ein ehemaliger linksradikaler Kämpfer, der auch längere Zeit im Gefängnis saß, wurde bei einem Bankraub erschossen. Beim Namen Salvatore klingeln bei ihm alle Glocken. Er erinnert sich an seine Schulzeit, an seine Zeit bei seinen Eltern daheim. Er war ein angepasster, schmächtiger Junge, der seine Zeit in seinen eigenen vier Wänden verbrachte und viel gehänselt worden ist. In der Schule ist er unauffällig und er wundert sich sehr, als ein deutlich älterer Schüler zu ihm in die 11.Klasse kommt. Salavtore sieht schon richtig männlich aus und nicht so knabenhaft wie er und seine Kumpels. Auch lässt sich dieser neue Schüler nichts gefallen, kontert den Aussagen des Lehrers mit linken Thesen, schimpft über die kommunistische Ikone Gramsci, der die kommunistische Partei verraten hätte. Alle Augen sind auf Salvatore gerichtet und das neue Schuljahr wird wohl einiges Neues bringen.
Carofiglio wechselt die Perspektiven vom heutigen Bari, in das während der Schulzeit Enricos. In der Gegenwart trifft er nach langer Zeit wieder seinen Bruder und seine Familie, die sich in der Stadt mit ihrem Wohlstand gut eingerichtet haben, er trifft auf ehemaligen Mitschüler, aus denen er mehr über Salvatore herausfinden will. Aber eigentlich will er mehr über sich herausfinden. Was ging ihm tatsächlich im Kopf herum? Wie sahen ihn seine Freunde und Bekannten? Wie sieht seine erste Freundin ihn heute? All diese Szenen sind eingebettet in Enricos Schulzeit, in der dann auch noch eine Aushilfslehrerin für Philosophie auftaucht, in die er sich als 16jährigen unsterblich verliebt. Natürlich nur im Kopf. Aber vergessen hat er sie nie.
Enrico ist fasziniert von Salvatore und als er Enrico zu sich einlädt, taucht er tatsächlich in seiner Wohnung auf. Dort trainiert Salavatore junge Männer für den Kampf gegen die Faschisten, die ihnen immer wieder auflauern. Diese Ausbildung ist äusserst brutal. Enrico bekommt alle Tricks beigebracht, wie er als Sieger aus einem Zweikampf hervorgeht. Salvatore bringt ihm bei Motorrad zu fahren, mit echten Pistolen zu schiessen, damit sie gemeinsam ein Attentat auf den berüchtigten Faschistenführer der Stadt verüben können. Dies geht schief, aber Enrico steckt mittendrin in dieser Untergrundgruppe. Er führt ein Doppelleben und kann sich niemandem mitteilen. Als er sich dann auch noch gegen Salvatore zur Wehr setzt, gewinnt er zwar das Ansehen der ganzen Schule, verliert jedoch seinen Freund aus den Augen.
Enricos Spurensuche im heutigen Bari bringt ihn immer näher an die damalige Zeit. Es öffnen sich immer mehr Türen und Fenster und er dringt in dunkle, vergessene Ecken in seinem Gehirn vor.
Gianrico Carofiglio hat auch hier wieder einen Protagonisten geschaffen, der als einsamer Cowboy durch die Straßen zieht, wie wir es aus seinen ersten drei Krimis kennen. Enrico ist voller Zweifel, eine leichte Melancholie schwebt über ihm. Deshalb will er auch so hartnäckig herausfinden, was damals geschah. Diese Atmosphäre hat der Autor hervorragend eingefangen und dem Roman eine ganz spezielle Note gegeben. Wer Guido Guerrieri gemocht hat, wird auch Enrico Vallesi ins Herz schließen.

Sams Tag, 12.März 2014

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Heute haben
Paul Gerhardt * 1607
Gabriele D’Annunzio * 1863
Heinrich Maria Ledig-Rowohlt * 1908
Jack Kerouac * 1922
Edward Albee * 1928
Kathrin Schmidt * 1958
Jenny Erpenbeck *1967
Geburtstag

Gabriele D’Annunzio
Il vento scrive

Su la docile sabbia il vento scrive
con le penne dell’ala; e in sua favella
parlano i segni per le bianche rive.

Ma, quando il sol declina, d’ogni nota
ombra lene si crea, d’ogni ondicella,
quasi di ciglia su soave gota.

E par che nell’immenso arido viso
della pioggia s’immilli il tuo sorriso.
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Krimitipp der Woche:

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Gianrico Carofiglio:Trügerische Gewissheit
Aus dem Italienischen von Monika Lustig
Folio Verlag € 14,90

Gianrico Carofiglio, geb. 1961 in Bari, arbeitete als Antimafia-Staatsanwalt und Berater des italienischen Parlaments, seit 2008 ist er Mitglied des Senats. Seine Kriminalromane werden in über 20 Sprachen übersetzt und wir haben die ersten drei Krimis mit Avvocato Guido-Guerrieri seit Jahren als Taschenbuch im Regal stehen.
Im Februar erschien diese kleine Fingerübung, ganz im Stile der Sherlock Holmes Erzählungen. Holmes, das Überhirn hat es oft mit unlösbaren Fällen zu tun, oder mit Vorfällen, die eine völlig anderde Wendung nehmen. Mit seinem Maresciallo Fenoglio hat Carofiglio eine neue Figur geschaffen, die zwar ganz im Gegensatz zum extrovertierten Holmes steht, dessen Gespür für Menschen, Ungereimtheiten in die gleiche Richtung gehen.
Zu Beginn führt ihn Carofiglio gleich so ein, dass er uns sympatisch wird. (Gute alte Schreibwerkstattschule). Er nimmt u tuzz, genannt der Kopfstoß, fest. Ein Bankräuber, der mit Lastern rückwärts in Richtung des geöffneten Tresors rast, das Geld mitnimmt und mit einem anderen Auto davonfährt. Nun ist die Polizei auf einer heisser Spur und tatsächlich, sie finden ihn, als er mit Frau und Kind ein Krankenhaus betritt. Sein Sohn leidet an epileptischen Anfällen und u tuzz ist in großer Sorge um ihn. Fenoglios Kollegen möchten sofort mit gezückter Waffen auf ihn los und dingfest machen. Dies verbietet jedoch Fenoglio aus Sorge um das Kind. So geht er alleine ins Krakenhaus, findet dort den besorgten Bankräuber auf der Wartebank, während sein Sohn und seine Frau bei der Untersuchung sind. Ohne viel Orte ist zwischen den beiden klar, dass das Spiel zuende ist. U tuzz möchte noch das Gespräch mit dem Arzt abwarten und kommt danach ohne Widerstand mit ins Polizeiauto.
So einer ist also Fenoglio und seine Kollegen sind wieder einmal sehr erstaunt.
Dass er noch andere Vorzüge und Kenntnisse hat, sehen Sie hier:

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Wieder spielt der Fall in Bari, Carofiglios Heimatsstadt. Dort wird eine Leiche mit aufgeschnittener Kehle in seiner Küche gefunden. Relativ schnell wird ein junger Mann als Täter gefunden und festgenommen. Der Tote war Geldleiher und der Vater des Festgenommen in großen finanziellen Schwierigkeiten. Er wird dann auch noch gesehen, wie er aus dem Haus gerannt ist, die Mordwaffe in einen Müllcontainer geworfen hat und mit einem Auto davonfuhr, dessen Nummer auch noch erkannt worden ist.
Also alles klar, denkt die Polizei. Doch der junge Mann schweigt beharrlich und Fenoglio kommen immer mehr Zweifel an einem so einfach gestrickten Fall.
Ein Kriminalfall zum Genießen, mit einem melancholisch, musisch veranlagten Maresciallo, der einen besonderen Spürsinn besitzt und von dem wir hoffentlich, nach diesen knapp 130 Seiten, noch mehr bekommen.
Die Übersetzerin behält die altertümliche Anreden im Süden Italiens bei und so hören wir oft das, für uns nicht mehr gebräuchliche „Ihr“ statt „Sie“.
Ach, übrigens: Im Nachspann schreibt Carofiglio auf, was aus den einzelnen Personen geworden ist. Der Sohn von u tuzz wurde wieder gesund.
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Morgen gibt es die 27.Sonntagsskizzen von Detlef Surrey.
Dr. Sketchy´s „The Drunken Sailor Session“

„Dr. Sketchy is when Cabaret meets life drawing – eine Zeichenstunde der etwas anderen Art…”, so beschreiben die Berliner Veranstalter das Burlesque Zeichen Event, das in New York seinen Ausgang nahm.

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