Heute haben
Miguel Angel Asturias * 1899 (Nobelpreis 1967)
Hilde Spiel * 1911
John le Carré * 1931
Philip Pullman * 1946
Rudolf Herfurtner * 1947
Geburtstag.
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Im Gedichtekalender vom 19.10.2017

Theodor Däubler
Weg

Mit dem Monde will ich wandeln:
Schlangenwege über Berge
Führen Träume, bringen Schritte
Durch den Wald dem Monde zu.

Durch Zypressen staunt er plötzlich,
Daß ich ihm entgegengeh.
Aus dem Ölbaum blaut er lächelnd,
Wenn michs friedlich talwärts zieht.

Schlangenwege durch die Wälder
Bringen mich zum Silbersee:
Nur ein Nachen auf dem Wasser,
Heilig oben unser Mond.

Schlangenwege durch die Wälder
Führen mich zu einem Berg.
Oben steht der Mond und wartet,
Und ich steige leicht empor.
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Eine Weihnachtsbescherung im Oktober

Andreas Steinhöfel:Rico, Oskar und das Vomhimmelhoch
Mit Bildern von Peter Schössow
Carlsen Verlag € 14,99

Rico und Oskar marschieren auf dem Buchumschlag durch das winterliche Berlin. Beide haben Geschenktüten in der Hand. Ja, so könnte es sein. Es ist der 24.12. und demnächst gibt es Geschenke, Geschenke, Geschenke. Aber das wäre in der Dieffe, im Haus der Beiden, zu einfach. Natürlich herrscht großes Chaos. Der Baum ist zu groß, der Stiefvater liegt eingeklemmt darunter. In der Küche wird russisch gekocht, Oskar ist plötzlich richtig sauer und verschnupft. Eine Schneekugel findet den Weg nicht zurück und ein herrlicher Sommer in einem Hinterhof ist nur noch Vergangenheit, während draußen ein Schneesturm heult.
Andreas Steinhöfel legt sein ganzes Herz und Können in diesen vierten Band seiner beiden Helden. Es geht um Freundschaft, um neues Kennenlernen und sich Neuorientieren. Riso läuft mit offenen Augen und Ohren durch Kreuzberg und notiert für uns wichtige Begriffe, wie „Romantik“ oder „Profilneurose“. Natürlich auf seine Art. Es ist auch seine eigene Art, seine etwas langsamere, tiefenbegabtere Art, die Welt zu sehen und uns zu erzählen. Und gerade das macht die Bücher so speziell.
Andreas Steinhöfel zeigt uns, dass seine Hauptpersonen eines ganz besonderen Schutzes bedürfen. Auch die Kinder aus dem Hinterhof. Besonders Checker, der immer viel zu essen dabei hat. Er sitzt an Weihnachten bei Rico auf dem Sofa und sie schauen „Der Zauberer von Oz“. Seine Mutter denkt, er ist beim Vater. Sein Vater denkt, er ist bei der Mutter. Wie traurig. Gerade auch an diesem besonderen Abend, an dem es dann plötzlich zwei Geburten gibt. Vom wem? Das verrate ich natürlich nicht.
Freuen Sie sich auf diesen vierten Band und wir können nur hoffen, dass die geplante Trilogie nicht nur um einen Band erweitert wird. Denn Steinhöfel hat es drauf und schreibt Bücher für Kinder und Erwachsene. Lesen Sie dieses Buch selbst, verschenken Sie es an die Kinder in Ihrer Familie und in Ihrer Nachbarschaft. Sie bereiten große Freude. Es gibt viel zu Lachen, noch mehr zum Wundern und für uns Erwachsene sehr sehr viel zwischen den Zeilen zu lesen.

 

Dienstag, 11.April

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Der Frühling kann kommen

Heute haben
Alexander Ostrowski * 1823
Gustav Lübbe * 1918
Tom Clancy * 1947
Antje Ravic Strobel * 1974
Geburtstag.
Aber auch Joschka Fischer und Herbert Grönemeyer.
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9783551560261

G.R.Gemin:Milchmädchen
Aus dem Englischen übersetzt von Gabriele Haefs
Carlsen Verlag € 16,99
Englischen Originalausgabe „Cowgirl“ € 11,99
Jugendbuch ab 12 Jahren

In der Frühjahrsreihe der „Königskinder“ im Carlsen Verlag, die alle ein Mädchengesicht auf dem Umschlag haben, ist u.a. auch „Milchmädchen“ erschienen. Es hat irgendetwas mit Kühen zu tun, mit einem heruntergekommenen Wohngebiet einer walisischen Stadt, mit einer Mädchenfreundschaft und vielen Kühen.
Da bleibt die Frage: Ja will ich das denn lesen?
Meine Antwort: Klar! Unbedingt!
Dies wurde mir aber auch erst klar, als ich das Buch zur Hand nahm und darin las.
Zu Beginn ist es eines dieser Mädchencliquen-Aussenseiterin-Jugendroman, entwickelt sich aber sehr schnell zu einem sehr warmherzigen, frechen, witzigen, ernsten Buch, das von seinem Autoren Gemin mit viel Liebe geschrieben worden ist.
Das Mädchen Gemma wohnt in diesem Viertel, in dem Diebstahl, Einbrüche und Gewalt alltäglich sind. Ihre Mutter ist einsilbig, ihr kleiner Bruder nervt und ihr Vater sitzt im Gefängnis. In ihrer Schule gibt es eine Mädchengang, die alles bestimmt und mit Gewalt reagiert, wenn nicht das geschieht, was sie will. Und es gibt das Mädchen Kate, die nur „Cowgirl“ genannt wird, da sie auf einem Bauernhof lebt und sich mit Kühen abgibt.
Kate braucht Gemmas Hilfe. Ihr Vater will alle Kühe verkaufen und als Landschaftsgärtner neu durchstarten, bevor der Buernhof sich nicht mehr trägt. Aus dieser Grundkonstellation heraus entwickelt Gemin eine Geschichte, die nicht vorhersehbar ist, die uns immer wieder in die Irre führt. Es liest sich wie ein Stück Torte, von der wir nicht wissen, was sich unter der Glasur alles versteckt und wieviele Schichten noch kommen.
Denn sind zu Beginn Gemmas Bruder, viele Mitschüler in kriminelle Machenschaften verstrickt, so ändern sie sich, als die Kuh-Entführ-Aktion gestartet wird. Elf Kühe sind es, die aus dem Kuhstall in die Vorgärten der Siedlung gebracht werden. Elf Kühe ändern plötzlich die Einstellung der Mitbewohner der Straße. Eigentlich ist verändern das falsche Wort dafür. Sie zeigen die andere Seite ihres Wesens. Ein Teil ihrer Persönlichkeit, die unterdrückt wurde, auf die Seite geschoben und nicht erlaubt war. So erscheint Gemmas Vater als großspuriger Schwätzer, als Gemmas Familie ihn im Gefängnis besucht. Kates Vater ist verschlossen und dickköpfig. Gemmas Bruder nur auf Krawall gebürstet. Im Laufe des Romanes entdecken wir die wahren Charaktere der Personen, die Geschichten dahinter und wie es dazu kam, dass sie so geworden sind.
Aber Achtung! Gemin erzählt dies so flott und witzig, zeigt uns Gemma mal traurig, mal frech, mal kämpferisch, mal zermürbt, dass es eine wahre Freude ist.
Ich kann nur sagen: Lest dieses Buch.

Die Leseprobe ist in die Homepage des Carlsen Verlages eingebaut.
Wenn Sie reinlesen wollen, klicken Sie hier und dann auf des Buchsymbol unter dem Umschlagfotos.
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Diese Woche geht es los mit der Literaturwoche und bei uns findet am Freitag, die erste Lesung statt.

1790
Freitag, 15.April um 19 Uhr
Deborah Feldman: “Unorthodox
Ich habe die Vermutung, dass es voll wird. Deshalb vielleicht doch einen Stuhl reservieren.
Der Eintritt beträgt € 8,00

Dienstag, 12.Januar

Heute haben
Charles Perrault * 1628
Johann Heinrich Pestalozzi * 1746
Jakob Michael Reinhold Lenz * 1751
Jack London * 1876
Daniil Charms * 1905
Alice Miller * 1923
Haruki Murakami * 1949
David Mitchell * 1969
Geburtstag.
Aber auch Jeff Bezos (* 1964), der Gründer von amazon.

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Jakob Michael Reinhold Lenz

Wo bist du itzt, mein unvergeßlich Mädchen,
Wo singst du itzt?
Wo lacht die Flur, wo triumphiert das Städtchen,
Das dich besitzt?

Seit du entfernt, will keine Sonne scheinen,
Und es vereint
Der Himmel sich, dir zärtlich nachzuweinen,
Mit deinem Freund.

All unsre Lust ist fort mit dir gezogen,
Still überall
Ist Stadt und Feld. Dir nach ist sie geflogen,
Die Nachtigall.

O komm zurück! Schon rufen Hirt und Heerden
Dich bang herbei.
Komm bald zurück! Sonst wird es Winter werden
Im Monat Mai.

Stoppok

Nur ein Wort von Dir
und der Schnee, der schmilzt.
Und es wird Frühling,
wenn du es willst.

Seitdem du nicht mehr bei mir bist,
hab ich vergessen was Wärme ist.
Die Blumen draussen sind verschneit
und ich vermisse ne Jahreszeit.

Ist es Voodoo, oder Hexerei?
Der Herbst kam diesmal schon im Mai.


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9783551785763

Rutu Modan: „Das Erbe
Aus dem Hebräischen von Gundula Schiffer
Carlsen Verlag € 24,90

„Der Familie muss man nicht die ganze Wahrheit sagen,
und das ist noch lange keine Lüge.“
Michaela Modan

Rutu Modan ist eine israelische Comiczeichnerin, die immer wieder aktuelle Entwicklungen aus ihrem Heimatland aufgreift und in ihren Werken verarbeitet. In ihrem ersten Comic „Blutspuren“ setzt sie sich mit dem Israel-Palästina-Konflkit/Krieg, mit der Intifada auseinander. Hier, in „Das Erbe“ kehrt eine alte Dame (Regina Segal) mit ihrer Enkelin Mika nach Warschau zurück, um eine Wohnung auf sich überschreiben zulassen. Eine reine Formsache, so sagt sie. Sie und ihre Familie mussten damals vor den Nazis fliehen und nun gehe sie dorthin zurück, um sich das zu holen, was ihr gehöre.

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Im Flugzeug sitzt eine lärmende Schulklasse aus Israel, die eine Erinnerungstour durch die KZs unternehmen will. Die Schüler und der Lehrer sind aufgekratzt und freuen sich auf den noch nie gesehenen, aber oft erwähnten Horror.

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Doch es komt alles anders als gedacht. Regina Segal entdeckt einen Namen im Telefonbuch, das im Hotelzimmer ausliegt. Mika verliebt sich in einen polnischen Comiczeichner, ein Mann, der israelische Touristen an die Stätten des Grauens führt, taucht immer wieder auf und plötzlich ist der Grund der Reise nicht mehr wichtig.
Rutu Modans Art zu zeichnen erinnert an Hergé. Auch der Ton ihres Textes ist klar und einfach. Und doch arbeitet sie mit ganz feinen Zwischentönen, verrät nicht allzuviel von ihrer Geschichte. Nur gerade so, dass wir mit Spannung weiterblättern wollen. Sie deutet an und lässt die Geschichte in eine andere Richtung gehen. Sie bringt verschiedenste Personen immer näher zusammen, wie in einem großen Kinofilm, in dem wir in unendlichen vielen Schnitten einem großen Ende zusehen.
Rutu Modan hat die Gabe, die Erinnerung an den Holocaust in eine sehr rührende Liebesgeschichte zu verpacken (eigentlich gleich zwei). Und das mit sehr viel Witz. Allein schon die Anfangsszene, in der sich Regina, die alte Dame, weigert, ihre volle Wasserflasche an der Flughafenkontrolle abzugeben. Sie sieht es nicht ein, die Flasche sei frisch gekauft und überhaupt noch verschlossen. Die Mitreisenden mosern schon. Da setzt Regina die Flasche an und trinkt sie auf ex.
Schade an der Geschichte ist, dass sie viel zu kurz ist. Das Gute daran: Wir können sofort wieder von vorne anfangen und uns auf die Details freuen, die wir beim ersten Lesen locker übersehen haben.