Mittwoch, 27.Dezember

Heute haben
Carl Zuckmayer * 1896
Sebastian Haffner * 1907
Markus Werner * 1944
Geburtstag.
Und auch Michel Piccoli, Marlene Dietrich und Johannes Kepler.
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Carl Zuckmayer
Rinderlegende

Die Rinder sind vom Schöpfer ausersehen
Zu Trägern der Versöhnung durch die Welt.
Sie geben Milch und lassen gern geschehen,
Daß man sie nimmt und ganz für sich behält.
Ihr Blick ist tief und braun wie große Teiche
Im Sumpf, durch den sie stapfen voller Müh‘.
Nicht viele Tiere sind dem Himmelreiche
So nah wie Ochsen, Kälber oder Küh‘.
Und als das Kind geboren ward im Stalle,
War Ochs und Kuh dabei, damit es warm
Für Kind und Mutter sei, und wiegten alle
Die Häupter, wie sie’s wiegte auf dem Arm.

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Uwe schickte mir aus Istanbul Fotos von Buchhandlungen:

 

 

Samstag

Der erste Schnee wurde mit großem Jubel der Enkelin früh morgens begrüßt und verkündet. Leider reichte er nur für einen kleinen Schneemann und nicht zum Schlittenfahren.

leider hat er schon seine Nussaugen und seine Karottennase verloren.

Leider hat er schon seine Nussaugen und seine Karottennase verloren.

Heute hat
Carl Zuckmayer
Geburtstag
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Endlich habe ich es auch geschafft. Zu dritt saßen wir vor dem großen Bildschirm (nicht unserer) und haben uns „Ostwind“ angeschaut. Nicht nur die Enkelin war schwer fasziniert. Alle drei waren gefesselt von der spannenden und gleichzeitig auch sehr rührenden Geschichte.

ostwind

„Ostwind“
Regie: Katja von Garnier
DVD 8,99

Ich hatte die DVD immer wieder im Laden verkauft, das Buch ist eh immer da und nun endlich war es soweit. Zu dritt saßen wir davor und haben mitgefiebert,
Gut, die Filmkritiken war nicht die allerbesten, aber da ich mich mit Jugend-Pferde-Filmen nicht so auskenne und schon Verdacht in Richtung Ponyhof-Serie hatte, war ich mehr als erstaunt über diesen Film. Die junge Schauspielerin, die die Mika im Film gibt, macht das wie aus einem Guss und spielt meiner Meinung nach Cornelia Froboess locker an die Wand. Dazu noch Jürgen Vogel, Detlev Buck und Schauspieler, die mir nichts sagen.
Mika muss in der Schule eine Ehrenrunde drehen. Um Zeit zum Lernen zu bekommen, soll sie auf dem Reiterhof der Grossmutter ihre Ferien verbringen. Und gleich zu Beginn, als sie mit dem Traktor vom Bahnhof abgeholt wird: Kein Netz auf dem Händi. So was von doof. Die Grossmutter ist streng, die Umgebung ungewohnt, die abgewetzte Jeans von Mika deplatziert. Keine gute Voraussetzungen für entspannte Sommerferien. Als sie nachts im Pferdestall die Bekanntschaft mit Ostwind macht, einem unberechenbaren Pferd, das die Großmutter an den Gehstock gefesselt hat, dreht sich die Geschichte. Die beiden Aussenseiter, Mika und Ostwind, haben die gleiche Wellenlänge und es entsteht ein dickes Band des Vertrauens zwischen den beiden. Was niemand glauben mag, Mika hat keine Angst vor dem wilden Pferd und Ostwind folgt ihr auf Schritt und Tritt.
Intrigen, ein verstossener Pferdetrainer, eine Mutter, die an der Universität unabkömmlich ist, und diese pfiffigen Gören auf dem Pferdehof ergeben eine wunderbare Michung aus Spannung, Witz und Entwicklungsgeschichte. Dass der Film fast unglücklich ausgeht, ist kaum zu glauben und im letzten Moment schafft es Mika doch noch ihren Ostwind zu finden, der schon Richtung Ungarn und Richtung Pferdesalami ist.
Für alle Zuschauer ab acht Jahren. Nach oben keine Grenzen. Ein toller Familienfilm, auch für Nichtreiter (wie mich).


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Die Weihnachtsgurke hängt …

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und die ersten zwei Bücher für’s Frühjahr 2015 sind gelesen.

Samstag

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Heute haben
Jerimias Gotthelf * 1797
Luis Sepulveda * 1949
Geburtstag.
Aber auch
Buster Keaton * 1895
Robert Wilson * 1941
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Der Monat Oktober glänzt mit zähem Morgennebel und strahlender Sonne am Nachmittag. Hoffentlich auch heute, also das mit der Sonne.

oktober

Oktober
Gedichte
Ausgewählt von Evelyne Polt-Heinzl und Christine Schmidjell
Reclam Verlag € 5,00

Robert Walser, Carl Zuckmayer, Rose Ausländer, Ingeborg Bachmann, Christoph Meckel, Friederike Mayröcker, Kaschnitz, Kunze, Jandl, Artmann, Rilke, Gernhardt, und und und.
In gewohnter Art führen uns die beiden Herausgeberinnen durch den Monat Oktober. Vom Spätsommer, bis zum kalten Herbst ist alles dabei. Nur kein Goethe. Den mögen die beiden wohl nicht. Oder sie brauchen ihn nicht, weil sie so viele andere AutorInnen haben.
Hier eine kleine Auswahl:

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Deltlev von Liliencron
Herbst

Astern blühen schon im Garten;
Schwächer trifft der Sonnenpfeil
Blumen die den Tod erwarten
Durch des Frostes Henkerbeil.

Brauner dunkelt längst die Haide,
Blätter zittern durch die Luft.
Und es liegen Wald und Weide
Unbewegt im blauen Duft.

Pfirsich an der Gartenmauer,
Kranich auf der Winterflucht.
Herbstes Freuden, Herbstes Trauer,
Welke Rosen, reife Frucht.

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Theodor Fontane
Spätherbst

Schon mischt sich Rot in der Blätter Grün,
Reseden und Astern sind im Verblühn,
Die Trauben geschnitten, der Hafer gemäht,
Der Herbst ist da, das Jahr wird spät.

Und doch (ob Herbst auch) die Sonne glüht, –
Weg drum mit der Schwermut aus deinem Gemüt!
Banne die Sorge, genieße, was frommt,
Eh’ Stille, Schnee und Winter kommt.

 

Nikolaus von Lenau
Herbstgefühl

Mürrisch braust der Eichenwald,
Aller Himmel ist umzogen,
Und dem Wandrer, rauh und kalt,
Kommt der Herbstwind nachgeflogen.

Wie der Wind zu Herbsteszeit
Mordend hinsaust in den Wäldern,
Weht mir die Vergangenheit
Von des Glückes Stoppelfeldern.

An den Bäumen, welk und matt,
Schwebt des Laubes letzte Neige,
Niedertaumelt Blatt auf Blatt
Und verhüllt die Waldessteige;

Immer dichter fällt es, will
mir den Reisepfad verderben,
Daß ich lieber halte still,
Gleich am Orte hier zu sterben.

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Christian Morgenstern
Oktobersturm

Schwankende Bäume
im Abendrot –
Lebenssturmträume
vor purpurnem Tod –

Blättergeplauder –
wirbelnder Hauf –
nachtkalte Schauder
rauschen herauf.

 

Friedrich Rückert
Herbsthauch

Herz, nun so alt und noch immer nicht klug,
Hoffst du von Tagen zu Tagen,
Was dir der blühende Frühling nicht trug,
Werde der Herbst dir noch tragen!

Läßt doch der spielende Wind nicht vom Strauch,
Immer zu schmeicheln, zu kosen.
Rosen entfaltet am Morgen sein Hauch,
Abends verstreut er die Rosen.

Läßt doch der spielende Wind nicht vom Strauch,
Bis er ihn völlig gelichtet.
Alles, o Herz, ist ein Wind und ein Hauch,
Was wir geliebt und gedichtet.