Dienstag, 2.April


Heute haben
Casanova * 1725
Hugo von Fallersleben * 1798
Hans Christian Andersen * 1805
Emile Zola * 1840
Max Ernst * 1891
György Konrad * 1933
Thomas Glavinic * 1972
Geburtstag
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„Kunst hat nichts mit Geschmack zu tun“
Max Ernst
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Heute abend liest Clemens Grote aus folgenden vier Bücher vor:



Wir beginnen pünktlich um 19 Uhr. Der Eintritt ist frei.
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Freitag, 30.Juni

Heute haben
Friedrich Theodor Vischer * 1807
Czeslaw Milosz  * 1911 (Nobelpreis 1980)
Philippe Jacottet * 1925
Assia Djebar * 1936
Otto Sander * 1941
Juli Zeh * 1974
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Christian Morgenstern
Mensch und Blitz

Nächtiges Gewitterlicht,
schütte rings um dieses Haus
deines Blendwerks Fülle aus,
doch es selber rühre nicht.

Denn in seinem Dunkel schläft,
der dich sein Geschwister heißt.
Blitze, wenn ihr diesen träft,
träft ihr Geist von eurem Geist.
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Noch ein paar Fotos zu unserer Ausstellung in den Schaufenstern der Buchhandlung.





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Auf tagesschau.de am 29.Juni gefunden:

Zweitsonnigster Juni seit Aufzeichnungsbeginn

Der diesjährige Juni ist laut dem Deutschen Wetterdienst der zweitsonnigste seit Beginn der Aufzeichnungen gewesen. Mit mehr als 300 Stunden lag der Monat deutlich über dem Sollwert. Zudem war er deutlich wärmer als im langjährigen Schnitt.
Der Juni war nach der vorläufigen Bilanz des Deutschen Wetterdienstes (DWD) mit knapp 305 Stunden Sonnenschein der zweitsonnigste seit Beginn der Aufzeichnungen. Damit lag der Monat um rund 50 Prozent über dem durchschnittlichen Wert von 203 Stunden, wie der DWD nach ersten Auswertungen seiner rund 2000 Messstationen mitteilte.
Außerdem war es der 14. zu warme Juni in Folge. So lag das Temperaturmittel mit 18,5 Grad um 3,1 Grad über dem Wert der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990. Im Vergleich zur aktuellen und wärmeren Vergleichsperiode 1991 bis 2020 betrug die Abweichung 2,1 Grad.
Regional zeigte sich die überdurchschnittlich hohe Temperatur sogar noch auffälliger. Im Südwesten Deutschlands war der Juni im Vergleich zu den Jahren 1961 bis 1990 mehr als vier Grad wärmer. Aus dem Oberrheingraben seien bis zu 29 Sommertage und lokal, wie in Waghäusel-Kirrlach (Baden-Württemberg), sogar 13 heiße Tage gemeldet worden, teilte der DWD weiter mit. Am heißesten war es am 22. Juni im oberbayerischen Reit am Winkl, wo die Temperatur auf 35,7 Grad stieg. In Sohland in Südostsachsen sank das nächtliche Thermometer am 3. Juni hingegen mit minus 0,7 Grad sogar in den leichten Frostbereich.

Starkregen und massive Trockenheit

Anhaltende Sommerhitze wurde im letzten Monatsdrittel verzeichnet: Vielfach war es drückend heiß. Vor allem über der nördlichen Mitte Deutschlands kam es zu heftigen Gewittern und Starkregen mit enormen Niederschlagsmengen. Trotzdem fielen im Juni 2023 mit durchschnittlich rund 51 Litern pro Quadratmeter nur knapp 60 Prozent des Niederschlags der Referenzperiode 1961 bis 1990. Üblich gewesen wären 85 Liter Niederschlag pro Quadratmeter.
Doch davon war in einem Gebietsstreifen von Nordrhein-Westfalen bis Berlin nichts zu spüren, als Gewitter und Starkregen zu regionalen Monatsmengen von mehr als 120 Liter pro Quadratmeter führten. Den höchsten Tagesniederschlag gab es am 22. Juni in Bad Berneck im Fichtelgebirge während eines Unwetters mit 120,7 Litern Niederschlag pro Quadratmeter. Im äußersten Norden, in Rheinland-Pfalz und im Saarland verstärkte sich hingegen die Trockenheit massiv. Dort fielen im ganzen Monat teilweise weniger als zehn Liter Niederschlag pro Quadratmeter.
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Dienstag, 4.Juli, 19 Uhr
Clemens Grote liest aus:
Franzobel: Einsteins Hirn
Percival Everett: God’s Country
Dorothy Gallagher: Und was ich Dir noch erzählen wollte
Ewald Frie: Ein Hof und elf Geschwister

Kommen Sie und genießen Sie eine Stunde pralle Literatur mit der Stimme von Clemens Grote.
Eintritt frei.

Freitag, 17.März

Heute haben
Karl Gutzkow * 1811
Siegfried Lenz * 1926
Hans Wollschläger * 1935
Geburtstag
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„Wer die Zeit verklagen will, daß so zeitig sie verraucht, der verklage sich nur selbst, daß er sie nicht zeitig braucht.“
Friedrich von Logau
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In der Beilage der ZEIT besprochen und bei uns auf dem Neuerscheinungstisch.

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Unser Buchtipp:


Esther Gonstalla: „Atlas eines bedrohten Planeten
150 geniale Grafiken für alle, die die Welt retten wollen
oekom Verlag € 29,00

„Die wunderschönen Grafiken von Esther Gonstalla bringen die Dinge auf den Punkt!“
Stefan Rahmstorf, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

Wie funktioniert eigentlich unser Klima? Warum gibt es immer weniger Trinkwasser? Wie entsteht ein „Müllstrudel“? Wie viel Fläche brauchen wir für unsere Ernährung? Und können wir mit innovativer Technik die Welt retten? Müll im Meer, Feuchtgebiete fürs Klima, Kommunikation im Waldboden, Artenverlust aufhalten und das Klima stablisieren, Globaler Rohstohabbau, Welt aus Plastik, Landwirtschaft – So wird die Welt ernährt, Das Klima kippt bereits, 4 Werkzeuge um Klimarisiken zu minimieren, und vieles vieles mehr. Erklärt mit 150 Infografiken, wie wir sie schon aus den vorhergegangenen Büchern „3 Grad mehr“, „Das Waldbuch“, „Das Klimabuch“, „Das Eisbuch“, „Das Ozeanbuch“ kennen, die wir hier auf dem Blog zum Teil schon vorgestellt haben.

Leseprobe
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Samstag, 18.03. | 14:00 bis 17:00 Uhr
Kreativ-Werkstatt für Kinder mit der Illustratorin Antje Damm

„Ein Fuchs, Kaninchen, der Tod und eine Wette“
Für Kinder ab 7 Jahre, € 4,00
Im Rahmen der Ausstellung „Erzähl mir was vom Tod“
im Edwin Scharff Museum, Neu-Ulm
esm-buchungen@post.neu-ulm.de

Dienstag, 7.März


Heute haben
Alessandro Manzoni * 1786
Paul Ernst * 1866
Milo Dor * 1923
George Perec * 1936
Robert Harris * 1957
Breat Easton Ellis * 1964
Joanne Harris * 1964
Geburtstag
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Paul Ernst

Es glaubt ein jeder in der Welt zu sprechen
Mit andern Menschen, und dieselben Namen
Gibt er den Dingen, wie die andern geben,
Und glaubt, er meint dasselbe wie die andern.
Doch jeder sieht ein Andres, und gemein
Sind nur die Namen.
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Ostern kommt ja bald.


Wilhelm Bode: „Hasen
Ein Porträt
Aus der Reihe: Naturkunden herausgegeben von Judith Schalansky
Mathhes & Seitz Verlag 22,00

Hasen sind schon besondere Wesen und sie begleiten uns das ganze Leben lang.
Vom ersten Kniereiter: „Häschen in der Grube“, zu den Bilderbücher „Weisst du wie lieb ich dich hab“, zum Märchen der Brüder Grimm, dann natürlich zum Osterhasen. Früher gab es noch Bugs Bunny im Kinderfernsehen. Später kommen dann seine Bedeutung und Symbolik in der christlichen Kulturgeschichte, in der Malerei mit Dürers weltberühmten Hasen, bis hin zu Beuys hinzu. Nicht zu vergessen, dass er auch als kulinarische Delikatesse auf den Tisch kommt. Nicht zu vergessen, wie der Hase sich in unseren Wortschatz geschlichen hat, wie z.B. Hasenbrot, Angsthase, usw..
Wilhelm Bode geht diesen Geschichten und Mythen nach, schreibt über seine lange Beziehung zu den Tieren in der freien Natur, auch über seinen ersten selbsterlegten Hasen. Wir erfahren von diesem Fachmann viel über das Wesen dieser Tiere mit den langen Barthaaren und noch längeren Ohren.
Garniert wird das kleinformatige Buch aus der Reihe „Naturkunden“ mit vielen Abbildungen und einer Auflistung der wichtigsten Hasenarten.
Wieder mal viel gelernt beim Durchblättern und Lesen.

Wilhelm Bode, 1947 geboren, Jurist und Forstakademiker, leitete zunächst die Landesforstverwaltung und später die oberste Naturschutzbehörde des Saarlandes. Er führte 1987 erstmals in einem Bundesland die kahlschlagfreie Dauerwaldwirtschaft flächendeckend ein. Er initiierte u.a. die heutige Biosphärenregion Bliesgau und 2004 die Ausweisung von fünf Clustern alter Buchenwälder als deutschen Beitrag zum UNESCO-Weltnaturerbe Europäische Buchenwälder. Als NABU-Waldsprecher initiierte er zusammen mit Hans D. Knapp die schlussendlich 2019 erfolgte Ausweisung der Kaspischen Wälder zum UNESCO-Weltnaturerbe. Er veröffentlichte zahlreiche Bücher und Beiträge zur Zukunft des Waldes, der Jagd und der Forstwirtschaft, unter anderem Die Waldwende (zusammen mit Martin von Hohnhorst), Naturnahe Waldwirtschaft (Deukalion), sowie bei Matthes & Seitz Berlin in der Reihe Naturkunden Hirsche und das Portrait der Tannen.
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Jastrams 1. Seite

Heute Abend liest ab 19 Uhr Clemens Grote aus vier neuen Romanen.
Wir beginnen pünktlich. Der Eintritt ist kostenlos.

Samstag, 17.Dezember

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Das 17.Küken von Anke Raum
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Heute haben
Jules de Goncourt * 1830
Ford Madox Ford * 1873
Hans Henny Jahnn * 1894
Albert Drach * 1902
Konrad Bayer * 1932
Jacqueline Wilson * 1945
Jón Kalman Stefánsson * 1963
Geburtstag
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Winfried Hermann Bauer
Geduld

Wartende sind wir
Immer wieder
Gebremst
Und
Gehalten
Im Ungestüm
Glücklicherweise
Stürzten wir sonst doch
Über allgegenwärtige Klippen
Ins Meer…
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Susanne Link empfiehlt ihre Lieblingsbücher:

Dienstag, 3.August

(Foto: Christa Lessner)

Heute haben
Leon Uris * 1924
PD James * 1920
Geburtstag
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Dorothea Schlegel (gestorben am 3.8.1839)
Draußen so heller Sonnenschein
 
Draußen so heller Sonnenschein,
Alter Mann, laß mich hinaus!
Ich kann jetzt nicht geduldig sein,
Lernen und bleiben zu Haus.
 
Mit lustigem Trompetenklang
Ziehet die Reuterschar dort,
Mir ist im Zimmer hier so bang,
Alter Mann, laß mich doch fort!
 
  Er bleibt ungerührt,
  Er hört mich nicht:
  »Erlaubt wird, was dir gebührt,
  Tust du erst deine Pflicht!«
 
Pflicht ist des Alten streng Gebot;
Ach, armes Kind! du kennst sie nicht,
Du fühlst nur ungerechte Not,
Und Tränen netzen dein Gesicht.
 
Wenn es dann längst vorüber ist,
Wonach du trugst Verlangen,
Dann gönnt man dir zu spät die Frist,
Wenn Klang und Schein vergangen!
 
    Was du gewähnt,
    Wonach dich gesehnt,
    Das findest du nicht:
    Doch bleibt betränt
    Noch lang dein Gesicht.
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Ein guter Lauf und wieder mal Zufälle.
Meine letzten Bücher waren alles Volltreffer. Sigrid Nunez: „Was fehlt dir“, Ali Smith: „Sommer“ (das ich noch vorstellen muss) und jetzt Caleb Azumah Nelsons: „Freischwimmen“.
In „Freischwimmen“ wird immer wieder James Baldwin zitiert, der am 2.8. Geburtstag hatte, an dem Tag, als ich diesen Roman gelesen habe.


Caleb Azumah Nelson: „Freischwimmen
Aus dem Englischen von Nicolai von Schweder-Schreiner
Kampa Verlag € 20,00
Open Water“ Penguin Books € 18,00

Freischwimmen ist zarte Poesie, eine Liebeserklärung an schwarze Kunst, schwarzes Denken, eine Erforschung der Intimität und Verletzlichkeit im Zusammensein zweier junger Künstler, die behutsam miteinander umzugehen lernen – in einer Welt, die sich Schwarzen gegenüber unerbittlich zeigt.,
schreibt die Autorin Yaa Gyasi („Ein erhabenes Königreich„, „Heimkehren„)

Mit diesem Satz hat Yaa Gyasi recht. Eine unglaubliche zarte Liebesgeschichte, die ganz anders ist und doch so intensiv. Sie erinnert manchmal an James Baldwins „Beale Street Blues“, der auch erwähnt wird.
Viel schwarze Musik, schwarze Filme, schwarze Kunst und schwarze Literatur lässt der Autor in sein Debüt einfließen und ich kam kaum hinterher, die Tipps auf’m Smartphone nachzuschlagen, was aber ungeheuren Spaß gemacht hat. Und so wie Caleb Azumah Nelson diese Zitate in seinen Roman einfließen lässt, so scheint auch sonst einiges biografisch zu sein, wenn ich seinem Lebenslauf, die der Kampa Verlag veröffentlicht hat, glauben darf.
Es tat mir so gut, die Zeit mit den beiden Hauptpersonen verbringen zu dürfen, ihnen beim Telefonieren zuzuhören, mit ihnen durch die Pubs und Clubs Londons zu ziehen und ihren Gesprächen zu lauschen. Und gleichzeitig finden wir den alltäglichen Rassismus, der das Leben der Liebenden jeder Zeit beenden könnte. So wird von einer Sekunde auf die andere aus dem Liebesspiel ein Tanz auf Messers Schneide.
Wirklich ein tolles Buch, in dem auch der Sommer eine wichtige Rolle spielt, wobei wir wieder bei Ali Smiths „Sommer“ sind. Sie merken, Literatur ist ein großer Reigen.
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1. Welches Buch lesen Sie gerade?
2. Welches Buch empfehlen Sie unbedingt?
3. Welches Buch wollen Sie schon immer mal (wieder) lesen?

Bernadette und Ole vom Ulmer Radladen „Pedaleur“ empfehlen:

Das Gewicht der Worte“ von Pascal Mercier (Bernadette)
und „Palermo ist eine Zwiebel“ von Roberto Alajmo (Ole)

Offene See“ von Benjamin Myers (Bernadette)
und „Brot und Unwetter“ von Stefano Benni (Ole)

Etwas von den Wurzelkindern“ – das lese ich mein Leben lang immer wieder (Bernadette)
und „Tante Jolesch“ von Friedrich Thorberg – da stehen viele weise Worte, die einen erst schmunzeln und dann nachdenken lassen (Ole)

Danke!!!!
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„Wenn‘s so weitergeht, dann braucht‘s kein „Klima vor Acht“ mehr,
dann sind das einfach die Nachrichten!“

Katrin Bauerfeind (Journalistin, Fernsehmoderatorin, Entertainerin, Buchautorin und Schauspielerin.

Montag, 2.August

Heute haben
Johannes Trolow * 1882
Rómulo Gallegos * 1884
James Baldwin * 1924
Isabel Allende * 1942
Jussi Adler-Olsen * 1950
Geburtstag
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Barbara Hufeisen (15.Jahrhundert)
Die Wasserstelze

Ein Wasserstelzlein ist mein Nam‘,
Mässigkeit mein Gesang;
Ich will dich lehren nüchtern sein,
Wasser trinken für den Wein;
Doch soltu es so streng nicht machen,
Dass du zuweilen noch magst lachen.
Und geht die Andacht nicht, wie du gedacht,
So denk: aus Wasser hat ja Jesus Wein gemacht!
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Sigrid Nunez: „Was fehlt dir
Aus dem Amerikanischen von Anette Grube
Aufbau Verlag € 20,00
What Are You Going Through“ € 13,90

Was für ein besonderes Buch.
Sigrid Nunez tröstet uns mit Tod, Krebs und den traurigsten Geschichten.
Liebe, Verlust, Freundschaft, Empathie, Politik und Klimakrise – und viel Weisheit.
Das klingt nach sehr viel in einem schmalen Roman. Stimmt. Aber Sigrid Nunez portioniert wohldosiert, mäandert durch die Weltliteratur, durch Filme, kramt Zufallsfunde heraus und lässt zwischen den Zeilen eine anmutige Wärme aufblitzen.
Wie schon in ihrem Vorgängerbuch geht es um den Tod eines Freundes/einer Freundin und die gemeinsame Zeit, die die beiden Personen miteinander verbringen. Diesmal ist statt einer Dogge eine Katze mit an Bord, die selbst auch zu Wort kommt. Immer wieder überrascht uns Sigrid Nunez mit einem Netz an Verbindungen, das sie längst gesponnen hat und uns aber nur nach und nach zu erkennen gibt.
Ein großartiger Roman, der die aktuelle Stimmung genial einfängt.
Lesen!

Leseprobe
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1. Welches Buch lesen Sie gerade?
2. Welches Buch empfehlen Sie unbedingt?
3. Welches Buch wollen Sie schon immer mal (wieder) lesen?


Brigitte Jetschina, Börsenverein des Deutschen Buchhandels / Baden-Württemberg

1. Ursula K. Le Guin: „Erdsee, und zwar die illustrierte Gesamtausgabe
2. Meena Kandasam, „Schläge
3. s. 1. Das dicke Buch lag sehr lange bei mir und wartete geduldig auf den geeigneten Zeitpunkt, um gelesen zu werden.
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Türkei, Italien, Griechenland
Waldbrände am Mittelmeer wüten weiter

tagesschau.de 01.08.2021 16:12 Uhr

In den Urlaubsregionen am Mittelmeer kämpfen Feuerwehrleute weiter gegen die verheerenden Waldbrände. Nach der Türkei und Italien sind nun wegen der extremen Hitze auch in Griechenland zahlreiche Brände ausgebrochen.

Hier geht es zum Artikel.


Dienstag

Heute haben
Egon Erwin Kisch * 1885
Walter Janka * 1914
Walter Kempowski * 1929
Bjarne Reuter * 1950
Lilian Faschinger * 1950
Geburtstag
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Heute kommt mein Eintrag etwas später, da ich nicht daheim bin, sondern auf einem halbjährliche Treffen mit befreundeten BuchhändlerInnen aus dem Ländle. So sitze ich im Frühstrücksraum, habe endlich Internetzugang und sehe den Montagearbeitern zu, wie sie so langsam eintrudeln.

Heute hat Egon Erwin Kisch Geburtstag und der Autor des heutigen Buchtipps erhielt 2006 der renomierten Kisch-Preis für eine Reportage über den Freitod seines Bruders.

Grill

Bartholomäus Grill: „Um uns die Toten“
Meine Begegnungen mit dem Sterben
Siedler Verlag € 19,99

Bartolomäus Grill, Jahrgang 1954, in Oberaudorf am Inn geboren, studierte Philosophie, Soziologie und Kunstgeschichte. Ab 1993 berichtete er als Korrespondent der ZEIT aus Afrika, seit Anfang 2013 ist er Afrika-Korrespondent des SPIEGEL, wo er zuletzt über den Tod Nelson Mandelas schrieb.
In dieser Neuerscheinung schreibt er über den Tod, der uns alle begleitet und dem er schon so oft begegnet ist. Seine eindringlich geschilderten Begegnungen mit dem Sterben, vom frühen Tod der Schwester über das Lebensende der Eltern bis hin zum Massensterben in Afrika und dem Freitod des unheilbar kranken Bruders, machen dieses Buch zu einer ganz persönlichen und zugleich allgemeingültigen Auseinandersetzung mit dem Tod. Grill schafft es von seinen ganz persönlichen Aufzeichnungen über den Tod seines Grossvaters, seine streng katholische Kindheit, sein Ausbrechen aus dieser Enge, einen ganz großen Bogen zu schlagen, zu seiner journalistischen Arbeit in Afrika. Dort, wo es Massenmord und Massentod gab, wo Krieg herrschte und Hungersnöte und Epidemien ausgebrochen sind. Er findet aber den Weg wieder zurück in sein Heimatdorf und eröffentlicht zehn Jahre nach seinem Bericht über den Tod seines Bruders, diesen Text hier und unterfüttert ihn zum Beispiel mit einem aufwühlenden Streitgespräch mit Robert Spaemann.
In Grills Familie starb seine schwerstbehinderte Schwester ein Jahr nach ihrer Geburt. Grills Vater lehnte es ab, dass die Kleine im Familiengrab beigesetzt wurde, vielmehr, dass ihr Name auf den Grabstein kommt. Der Vater stirbt einsam und nicht geliebt und dann erkrankt 2004 Grills jüngerer Bruder an Zungenkrebs. Er entschließt sich, nachdem alle ärztlich Hilfen fehlgeschlagen sind, er nur noch unter heftigsten Schmerzen lebt und keine Chance auf eine Besserung sieht, den Weg in die Schweiz, um dort, in Zusammenarbeit mit der Organisation Dignitas, seinem Leben ein Ende zu bereiten.
Grill beschreibt dieses Monate der Qualen für den Bruder und seine endgültige Entscheidung. Er schildert uns den Zwiespalt zwischen den Meinungen der Freunde des Bruders und denen des Dorfpfarrers, der beteiligten Ärzte und natürlich der Mutter. Auf der einen Seite eine wohlwollende Zustimmung zur Entscheidung des Bruders, auf der anderen Seite die komplette Ablehnung. Für die Mutter ist es eine unvorstellbare Vortsellung, einerseits ihr zweites Kind zu verlieren und dann noch auf diese Art und Weise. Bartholomäus Grill unterbricht diese Aufzeichnung mit der letzten Fahrt des Bruders, der hinten in einem Bulli mit Vorhängen liegt und an der Schweizer Grenze von den Beamten gar nicht bemerkt wird. Dieser letzte Tag ist bewegend aufnotiert, hat aber auch eine ganz besondere Art von Witz (entschuldigen Sie diesen Ausdruck, aber es wirkt immer wieder traurig skuril).
Das Streitgespräch mit Robert Spaemann, der auch als Berater von Papst Benedikt XVI. fungierte, folgt auf den Bericht und hier treffen nun zwei konträre Meinungen aufeinander. Grill gilt mittlerweile als „Experte“ für den gewählten Freitod, wie ihn sein Bruder gewählt hat. Er könnte in allen Talkshows der Republik auftreten, lehnt dies aber kategorisch ab und trifft hier nun auf einen vehementen Gegner dieser Meinung. Dass Spaemann die Rechte für diese Veröffentlichung gab, zollt ihm hohe Achtung.
Grill schließt sein Buch mit dem Tod seiner alten Mutter ab. Ganz persönlich, ganz nah und sehr bewegend, schildert er diese letzten Tage und Stunden. Und wer dies schon erlebt hat, merkt wie genau Grill beobachtet.
Was das Besondere an diesem Buch ist, dass Grill seine Texte immer wieder mit Texten von Philosophen unterfüttert, dass er sich Unterstützung aus der Weltliteratur jeglicher Art holt. Damit schafft er einen weiteren Bogen, weg vom persönlichen Berichten, hin zu einer Aufzeichung, was der Tod in unserer Gesellschaft bedeutet, wie er sich gewandelt hat und welche Meinungen immer noch vorherrschen. Leben mit dem Tod, das Verneinen der Endlichkeit des Lebens, die vielen Ikonographien in den katholischen kirchen Europas sind einige der Themen, die er so nebenbei einfügt. Ein Zitat fällt mir noch ein, allerdings habe ich den Verfasser vergessen: „Langfristig gesehen sind wir alle tot“.

Leseprobe