Samstag, 18.März

Heute haben
Stéphane Mallarmé * 1842
Christa Wolf * 1929
John Updike * 1932
Sergio Pitol * 1933
Joy Fielding * 1945
Geburtstag
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„Laß durch nichts in der Welt dich binden als durch deine höchste innere Wahrheit.“
Emma Herwegh (1817 – 1904),
verheiratet mit dem Dichter Georg Herwegh, deutsche Revolutionärin, Vorkämpferin der Frauenrechtsbewegung.
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Carolina Schutti kommt zu uns in die Buchhandlung.


Carolina Schutti: „Meeresbrise
Droschl Verlag € 21,00

In diesem schmalen Roman von Carolina Schutti steckt die ganze Welt. Sie erzählt darin das Aufwachsen zweier Mädchen, deren alleinerziehende Mutter sie mit Geschichten, mit Manipulation, mit Strenge, vor der Aussenwelt schützen will. Für sie sind ihre Töchter zwei Prinzessinnen, für die Dorfbewohner zwei Hurenkinder. Der Vater der einen Tochter stürzte sich von einer Brücke, die andere Tochter wurde gewaltsam gezeugt.
Das alles wird jedoch aus der kindlichen Sicht erzählt. Die beiden Mädchen hängen sehr aneinander und tauschen sich immer wieder ihre unbekannten Väter, so dass sie oft nicht wissen, wer denn nun der richtige ist. Carolina Schutti begibt sich ganz nah und auf Augenhöhe mit den beiden, schildert deren Erfahrungen in der Schule und mit Freundinnen, aber auch das undurchsichtige Verhalten der Mutter.
Das kindlichen Spiel, das den Alltag verdrängen soll, bekommt Risse, als das ältere Mädchen in die Pubertät kommt und sie ihre Situation hinterfragt, neugierig wird und sie endlich das Meer in Wirklichkeit sehen will und nicht nur aus dem Kinderatlas, dem einzigen Buch das es im Haushalt gibt und mit dem sie sich die Welt erklärt haben.

Mit „Meeresbrise“ ist der Autorin ein Sprachkunststück gelungen. So unaufgeregt sie erzählt, so eindringlich sind ihre Bilder geworden.

Am Donnerstag, 20.April, 19 Uhr, kommt der Droschl Verlag zu uns.
Im Rahmen der Leipziger Buchmesse und Österreich als Messeschwerpunktland stellt die Verlagsleiterin Annette Knoch ihren Verlag vor und hat Carolina Schutti und Bodo Hell mit im Gepäck.

Also: Termin vormerken und Plätze reservieren.
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Für die Sterne
Ein musikalischer Abend zum Wesen der Wünsche

Sonntag, 19.März, 17:00 Uhr Pfleghof Langenau

https://heyoka-theater.de/

Ein Anderssein, das die Normalität in Frage stellt.
Der Begriff „Heyoka“ stammt aus der Sprache der nordamerikanischen Lakota. In der Kultur der Plainsindianer hatten die Heyoka die Aufgabe, die gewohnte Form des Zusammenlebens immer wieder in Frage zu stellen.
Auch „Contraries“ genannt, stellten sie zum Beispiel den Arbeitsrhythmus auf den Kopf, spielten verrückt und brachten eine heilsame Unordnung in den Alltag. Die Bedingung für diese ­wichtige Aufgabe war die grundsätzliche Bereitschaft, anders zu sein als die anderen.

Im HEYOKA-Theater spielen Menschen mit Behinderungen, Menschen mit psychischen Krankheiten, engagierte ­Laienschauspieler und Profis zusammen.

Grundvoraussetzung und ­Potential unserer Arbeit sind gegenseitiger Respekt, ­Akzeptanz und Vertrauen in jeden einzelnen Teilnehmer und das daraus entstehende Ensemble als Ganzes. Auf ­dieser Basis können wir die unterschiedlichsten Begabungen entdecken, zusammenführen und auf die Bühne bringen.

Donnerstag, 16.März

Heute haben
César Vallejo * 1892
Sybille Bedford * 1911
Tiziano Scarpa * 1963
Zoe Jenny * 1974
Geburtstag
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Theodor Storm
März

Und aus der Erde schauet nur
Alleine noch Schneeglöckchen;
So kalt, so kalt ist noch die Flur,
Es friert im weißen Röckchen.
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Unser Buchtipp:

Toni Morrison: „Rezitativ
Aus dem Amerikanischen von Tanja Handels
Mit einem langen Nachwort von Zadie Smith
Rowohlt Verlag € 20,00
Random House € 14,90

1983 veröffentlichte Toni Morrison diese Erzählung. „Rezitativ“ bleibt ihre einzige in ihrem umfangreichen Werk. In deutsch steht sie uns jetzt jetzt zum ersten Mal zur Verfügung.
Wie ein Experiment mutet die Lektüre im Nachklang an. Eine Versuchanordnung, über die wir lange gemeinsam diskutieren könnten.
Twyla und Roberta trafen sich in einem Kinderheim. Ihre alleinerziehende Mütter konnten sich nicht ausreichend um die beiden Mädchen kümmern. Twylas Mutter hatte die Nächte durchgetanzt und ihr Kind allein gelassen. Robertas Mutter war ständig krank. Vier Monate lebten sie dort zusammen.
„Schlimm genug, früh am Morgen aus dem eigenen Bett geholt zu werden – aber dann noch an einem fremden Ort festzusitzen, zusammen mit einem Mädchen von ganz anderer Hautfarbe. Und Mary, so heißt meine Mutter, hatte ja recht. Von Zeit zu Zeit hörte sie nämlich gerade so lange mit dem Tanzen auf, um mir was Wichtiges zu erklären, und unter anderem hat sie mir erklärt, dass die sich nie die Haare waschen und komisch riechen.“
Eines der beiden Mädchen ist schwarz, das andere weiss. Nach diesem Zitat ist klar, wer. Aber stimmt das? Toni Morrison lässt das, ganz bewusst, offen. Bis zum Schluss, wissen wir es nicht, erahnen, verwerfen.
Dieses raffinierte Spiel mit den verschiedenen Wahrnehmungen zieht sich durch den kompletten Text. Dazu kommen noch die Fallstricke mit unseren Erinnerungen, an denen wir ein halbes Leben festhalten, obwohl es sich vielleicht/wahrscheinlich ganz anders ereignet hat. Denn Jahre später treffen sich die beiden Frauen mehrfach wieder. Irgendwie sind die Rollen, die gesellschaftlichen Verhältnisse, in denen sie leben, wie auf den Kopf gedreht, wenn wir uns an die beiden Mädchen zu Beginn der Erzählung erinnern.
Die Rassentrennung ist seit den 60er Jahren in den USA abgeschafft, aber weder 1983, noch 2023 hat die Gewalt gegen die schwarze Bevölkerung nachgelassen. Erst vor zwei Tagen haben wir das in den Texten von Mumia Abu-Jamal zu hören bekommen.

Wichtig an dieser Ausgabe ist das sehr lange Nachwort (im Original heisst es: Einführung) von Zadie Smith, das unglaublich klug, erhellend ist und uns die Erzählung nochmals aufdröselt, in das Werk der Nobelpreisträgerin einführt und die Bezüge zum täglichen Rassismus herstellt.

Eine kleine Sensation.

Leseprobe
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Donnerstag, 9.März

Heute haben
Peter Altenberg * 1859
Agnes Miegel * 1879
Umberto Saba * 1883
Vita Sackville-West * 1892
Marie Cardinal * 1929
Ota Filip * 1930
Keri Hulme * 1947
Geburtstag.
Es ist der Todestag von Charles Bukowski.
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„Das Leben ist so kurz, und die Menschen verstehen es nicht einmal, sich aus den doch noch bestehenden vierundzwanzig Stunden ein kleines, feines, flüchtiges Paradies zu machen!“
Peter Altenberg
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Gestern erschienen:


Gilda Sahebi: „‚Unser Schwert ist Liebe‘
Die feministische Revolte im Iran
S.Fischer Verlag € 24,00

Gilda Sahebi, im Iran geboren und in Deutschland aufgewachsen, ist ausgebildete Ärztin und studierte Politikwissenschaftlerin. Sie arbeitet als freie Journalistin mit den Schwerpunkten Antisemi-tismus und Rassismus, Frauenrechte, Naher Osten und Wissenschaft. Sie ist Autorin für die ‚taz‘ und den ‚Spiegel‘ und arbeitet unter anderem für die ARD. Seit dem Tod von Jina Mahsa Amini und der darauf folgenden Protestbewegung berichtet sie unermüdlich über die Geschehnisse im Iran.
Diese aktuellen Berichte finden sich in dieser Neuerscheinung wieder. Fast unerträglich ist es zu lesen, wie das Regime in Iran Menschen auf offener Straße ermordert, Jugendliche erschießt, in Gefängnisse steckt und nach ein paar Tagen behauptet, die Personen hätten Selbstmord begangen. Kaum zu glauben, dass es immer noch zu Protesten kommt, wo doch die Repressalien immer heftiger werden.
Gilda Sahebis Buch ist gestern, zum Weltfrauentag, erschienen und sie schreibt: „Was im Iran geschieht, ist feministische Weltgeschichte.“
Gilda Sahebi schreibt, in historischen Rückblicken, wie es dazu kommen konnte, wie der Unterdrückungsapparat seit Jahrzehnten existiert und zum Machterhalt des Regimes dient.
Auf Kosten von Freiheit und vieler, vieler Menschenleben.

Leseprobe

Gilda Sahebi ist Morgen, Freitag, 10.März, von 14.00 bis 16.30 Uhr im Stadthaus Ulm und hält einen Vortrag genau zu diesem Thema im Rahmen der Ulmer Denkanstöße.

Am Samstag, den 11.März ist die Vernissage zur Ausstellung im Haus der Begegnung Ulm.


Ausstellung: „Frau, Leben, Freiheit“                                         

Illustrationen von Demonstrierenden der Revolution im Iran vom 11.3.- 21.4.2023
täglich 9-18 Uhr, Sonntag bis 16 Uhr im Haus der Begegnung

Herzlich willkommen zur Vernissage: Samstag, 11. März um 18.00 Uhr im Haus der Begegnung
Bei der Vernissage wird es eine Liveschaltung zu der Künstlerin Naghmeh Jah aus Kanada geben und die Schauspielerin Jasmin Tabatabai spricht per Videobotschaft zur Situation im Iran.

Mittwoch, 8.März

Heute haben
Kenneth Grahame * 1859
Heinar Kipphardt * 1922
Walter Jens * 1923
Juri Rytcheu * 1930
Jeffrey Eugenides * 1960
Geburtstag
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„Es gibt Leute, die bereit sind, die Freiheit zu schützen, bis nichts mehr von ihr übrig ist.“
Heinar Kipphardt
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Platz 1 der SWR Bestenliste März 2023


Friedrich Christian Delius: «Darling, it’s Dilius!»

Erinnerungen mit großem A
Rowohlt Verlag € 24,00

F.C.Delius war immer für eine Überraschung gut. Politisch, gesellschaftlich hat er sich mit seinen Texten eingemischt und das in seiner literarisch ruhigen, oft auch ironischen Art aufnotiert. Frühe Werkreportagen, wie bei Siemens, seine SPD Zeit mit Willy Brandt, das Erlebnis Fußball-Weltmeister zu werden und das am Sonntagnachmittag am Radio verfolgen zu können, die Flucht eines Mannes aus der DDR und seine Rückkehr, das Zittern des Papst beim Gebet in einer römischen Kirche und vieles vieles mehr, hat er in seinen (meist schmalen) Romanen veröffentlicht.
80 Jahre wäre er im Februar diesen Jahres geworden. Gestorben ist er im Frühjahr davor. Hinerlassen hat er uns eine Biographie in 300 Kapiteln, die alle mit einem Wort mit A in der Überschrift beginnen.
Von „Abbey Road“, „Abendrot“, „Adorf“, „Adorno“, „Akte“, „Aktien“, „Altkanzler“, „Abstand“, „Anstand“, „Aufstand“ bis zu „Arroganz“ und „Azzurro“ geht die Reihe und dahinter verstecken sich poetische, gedankenscharfe, sehr perönliche Erinnerungen aus seinem Leben. Rom, Berlin, New York, Kindheit, Familie, Arbeit und Mitmenschen sind u.a. Themen darin und zeigen einen sehr klugen, zurückhaltenden Menschen und Autor, der versteht, uns zu unterhalten.
Hi, Dilius, schade, dass es beim A geblieben ist. Was wäre es wohl für ein Buch geworden, wenn Sie den Buchstaben D ausgesucht hätten?
Vielen Dank für diese Lebenserinnerung und Auf Wiedersehen.

Leseprobe
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Ausstellung: „Frau, Leben, Freiheit“                                         

Illustrationen von Demonstrierenden der Revolution im Iran vom 11.3.- 21.4.2023
täglich 9-18 Uhr, Sonntag bis 16 Uhr im Haus der Begegnung

Herzlich willkommen zur Vernissage: 11. März um 18.00 Uhr im Haus der Begegnung
Bei der Vernissage wird es eine Liveschaltung zu der Künstlerin Naghmeh Jah aus Kanada geben und die Schauspielerin Jasmin Tabatabai spricht per Videobotschaft zur Situation im Iran.

Unter den politischen Slogans des Jahres 2022 dürfte jener aus dem Iran der bekannteste sein: „Frau, Leben, Freiheit“ riefen Tausende in den Straßen der Islamischen Republik. Auslöser der landesweiten Massendemonstrationen in Iran war der Tod der 22-jährigen iranischen Kurdin JînaMahsa Amini.
Mittlerweile sind es Proteste von enormem Ausmaß, angeführt von Frauen, die unter Einsatz ihres Lebens ihre Stimme erheben gegen brutale Menschenrechtsverletzungen. Es ist demographisch die jüngste Widerstandsbewegung, die auch von mutigen Männern unterstützt wird.
Mittlerweile gibt es ca. 19000 inhaftierte Demonstrierende und unzählige Ermordungen und Hinrichtungen. Die im Exil lebende iranische Künstlerin Frau Naghmeh Jah möchte diese mutigen Menschen, die entweder hingerichtet, ermordet, gefoltert oder inhaftiert wurden und werden ein unvergessliches Gesicht geben, indem sie tagesaktuell auf social Media kunstvolle Grafiken von ihnen veröffentlicht.

Veranstalter*innen:   Diakonische Bezirksstelle, Iraniansofulm, Haus der Begegnung

Donnerstag, 26.Januar

Einkauf aus unserem Spendenkässle für Geflüchtete

Heute haben
Achim von Arnim * 1781
Fulvio Tomizza * 1935
Jochen Missfeldt * 1941
Antonio Pennacchi * 1950
Geburtstag
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Joachim Ringelnatz
Stille Winterstraße

Es heben sich vernebelt braun
Die Berge aus dem klaren Weiß,
Und aus dem Weiß ragt braun ein Zaun,
Steht eine Stange wie ein Steiß.

Ein Rabe fliegt, so schwarz und scharf,
Wie ihn kein Maler malen darf,
Wenn er’s nicht etwas kann.
Ich stapfe einsam durch den Schnee.
Vielleicht steht links im Busch ein Reh
Und denkt: Dort geht ein Mann.
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Unser Buchtipp:


Marianne Philips: „Die Beichte in der Nacht
Aus dem Niederländischen von Eva Schweikart
Diogenes Verlag  € 14,00

„Ich setze mich zu Ihnen, Schwester. Das ist nicht erlaubt, ich weiß. Aber ich mache es trotzdem – ich habe so lange nicht mehr gesessen, an einem Tisch mit Lampe darauf. Verstehen Sie, warum man Verrückte ins Bett steckt, als wären sie krank?“
Zwei Nächte lang wird Heleen der Nachtschwester ihre Lebensgeschichte erzählen, ob diese will oder nicht, sie muss zuhören. Endlich soll jemand erfahren, warum Heleen hier seit Jahren eingesperrt ist, endlich kann sie darüber reden.
Heleen wächst Anfand des 20. Jahrhunderts auf dem Land in den Niederlanden unter ärmlichen Verhältnissen, in einer kinderreichen protestantischen Familie auf. Sie setzt alles alles dara,n diesem Milieu zu entkommen und ein Leben in Schönheit und Wohlstand zu erreichen. Sie geht in die Stadt und schafft tatsächlich den gesellschaftlichen Aufstieg. Sie liebt Hannes und er sie. Ein Leben in Glück und Zufriedenheit scheint erreicht. Nach dem Tod ihrer Eltern nimmt sie ihre jüngste Schwester bei sich auf, aber Heleen  findet kein Vertrauen in ihr doch so perfektes Leben. Selbstzweifel und Eifersucht treiben sie letztendlich in eine Gedankenwelt, die zu einer Katastrophe führt.
Ein toller, faszinierender Roman, der schon 1930 erschienen ist und durch die besondere Erzählperspektive, die eine sehr berührende intime Nähe entstehen lässt, besticht.

Marianne Philips, geboren 1886 in Amsterdam, war Politikerin, Schriftstellerin und Mutter von drei Kindern. Sie war Mitglied der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei und wurde 1919 als eines der ersten weiblichen Ratsmitglieder der Niederlande gewählt. Sie schrieb fünf Romane und einige Novellen. Ab 1940 war ihr das Publizieren als Jüdin untersagt. Sie überlebte den Krieg, war aber krankheitshalber bis zu ihrem Lebensende (1951) ans Bett gefesselt.
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Schukrafts Wundertüte


Liebe Theater-Freunde,
in dieser Woche hat das Publikum letztmals Gelegenheit, eine spektakuläre Verbindung von Theater und Bildender Kunst im Kunstverein Ulm zu erleben. Heute, am Donnerstag, 26. 1., und Sonntag, 29. 1., spielt jeweils um 19 Uhr mein „Revoluzzerkind“ im Kunstverein. Spektakulär ist die Aufführung auch deshalb, weil das Theaterstück und die Ausstellung „Magische Räume“ des Künstlers Chen Zhiguang eine Einheit bilden. Diese Ausstellung wird Ende des Monats abgebaut. Anschießend wird „Revoluzzerkind“ in einer etwas geänderten Fassung, aber ohne Ausstellung, im Schuhhaussaal weiter gespielt.

Karten gibt es bei der Bücherstube Jastram, Telefon 0731/67137
und für Kurzentschlossene auch ab 18.15 Uhr an der Abendkasse im Schuhhaussaal.

Achtung: Wer Karten vorbestellt, oder an der Abendkasse abholt und das Zauberwort „Samy“ sagt, bekommt für diese beiden Terminen Karten für je € 11,00.

Mittwoch, 30.November

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Heute haben
Jonathan Swift * 1667
Theodor Mommsen * 1817
Ippolito Nievo * 1831
Mark Twain * 1835
Winston Churchill * 1874
Thomas Hettche * 1964
Geburtstag
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Claudia Wiltschek empfiehlt:

„Ich bin wie du mit geschlossenen Augen, nur schlauer!“ Das ist Parkers Credo.

9783551583475

Eric Lindstrom:Wie ich dich sehe
übersetzt von Katarina Ganslandt
Carlsen Verlag € 16.99
Jugendbuch ab 14

Die Regeln
1. Leg mich nicht rein. Niemals. Vor allem nicht, in dem Du meine Blindheit ausnutzt. Und vor allem nicht in der Öffentlichkeit.
2. Fass mich nicht an, ohne mich vorher zu fragen. Ich bin blind. Für mich kommt jede Berührung unerwartet, weshalb ich möglicherweise zuschlage.
3. Finger weg von meinem Blindenstock und dem Rest meiner Sachen. Alles muss genau dort bleiben, wo ich es liegen gelassen habe. Logisch, oder?
4. Komm nicht auf die Idee, mir helfen zu wollen, wenn ich dich nicht darum gebeten habe. Dann bist du mir bloß im Weg und nervst.
5. Es gibt keine Grund, lauter zu sprechen, wenn du mit mir redest. Ich bin nicht taub. Du würdest dich wundern wie viele Leute das machen.
6. Wenn du etwas über mich wissen willst, dann rede mit mir und nicht mit den Leuten, die neben mir stehen. Ich habe keine Betreuer. Ja, auch das passiert ständig.

Das sind Parkers Regeln. Parker ist seit ihrem 7. Lebensjahr blind, durch eine Autounfall, den ihre Mutter betrunken verursacht hat und dabei ums Leben kam. Seitdem lebt sie mit ihrem Vater, joggt durch den Park, lässt sich, so wenig wie möglich durch ihre Blindheit einschränken und stösst einige Menschen durch ihr manchmal ruppiges Auftreten vor den Kopf. Auch mit ihrer ungeschminkten Ehrlichkeit, mit der sie ihren Mitmenschen Ratschläge gibt oder ihnen ihre Meinung sagt, können viele nicht umgehen. Ihren Freundinnen, erklärt sie, dass sie das eben kann, weil sie die Reaktionen der Betroffenen nicht sieht und somit keine Furcht davor hat.
Nun stirbt auch noch ihr Vater, ihre Tante mit Familie zieht zu ihr ins Haus und Parker muss sich nun wieder mit Trauer, Verlust und einem Leben mit ihr eigenlich fremden Menschen auseinandersetzen. Menschen, die es nur gut meinen, aber mit dem selbstbewussten, selbstständigen Leben Carters nicht so recht klarkommen. Dann taucht noch ihre alte Liebe Scott auf, der sie damals tief verletzt und enttäuscht hat und danngibt es noch Jason, auch ein Läufer, der sich durch sein entspanntes Umgehen mit ihrer Blindheit in ihr Herz schleicht.
Das hört sich sehr dramatisch an, ist aber mit viel Witz geschrieben und die Mädels und Jungs sind alle so gut drauf. Deswegen liebe Eltern und Onkels und Tanten: Steckt es in den Nikolausstiefel oder legt es unter den Baum.

Dienstag, 21.Juni (Sommeranfang)

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Heute haben
Jean Paul Sartre * 1905
Helmut Heißenbüttel * 1921
Francoise Sagan * 1933
Ian McEwan * 1948
Jane Urquhart * 1949
Robert Menasse * 1954
Geburtstag

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Der Sommer ist noch nicht so richtig da, aber wir haben heute zumindest die kürzeste Nacht des Jahres.

Gustav Falke
König Sommer

Nun fallen leise die Blüten ab,
Und die jungen Früchte schwellen.
Lächelnd steigt der Frühling ins Grab
Und tritt dem Sommer die Herrschaft ab,
Dem starken, braunen Gesellen.

König Sommer bereist sein Land
Bis an die fernsten Grenzen,
Die Ähren küssen ihm das Gewand,
Er segnet sie alle mit reicher Hand,
Wie stolz sie nun stehen und glänzen.

Es ist eine Pracht unterm neuen Herrn,
Ein sattes Genügen, Genießen,
Und jedes fühlt sich im innersten Kern
So reich und tüchtig. Der Tod ist so fern,
Und des Lebens Quellen fließen.

König Sommer auf rotem Ross
Hält auf der Mittagsheide,
Müdigkeit ihn überfloss,
Er träumt von einem weißen Schloss
Und einem König in weißem Kleide.
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Passend zum heutigen Tage:

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Lars Gustafsson und Agneta Blomqvist:Das Lächeln der Mittsommernacht
Literarische Bilder aus Schweden
Aus dem Schwedischen von Verena Reichel
Fischer Taschenbach  € 9,9

Lars Gustafsson und seine Frau Agneta Blomqvist haben ein persönliches und zugleich nützliches Reisebuch über Schweden geschrieben. Vom äußersten Süden bis hinauf nach Norrland führt ihre Reise, von den schonischen Bauern bis zu den Lappen. Der Schwerpunkt aber liegt dort, wo sie zu Hause sind: an einem Fjord in Bohuslän, in Västmanland, am Mälarsee und in Stockholm. So vielseitig wie ihre Interessen, so abwechslungsreich sind ihre Ausflüge – in die schwedische Geschichte und in eine berühmte Bäckerei, in die Wälder und Moore, zum Beeren und Pilze sammeln, zu Elchen und Wölfen, zu Strindberg, zu traditionellen Festen wie Mittsommer oder Sankta Lucia und an das Grab von Tucholsky.

„Wir beschränken uns darauf, von dem zu erzählen, was wir selbst erlebt haben. Die Route führt vom schwedischen Süden bis in den allerhöchsten Norden, mit ausgiebigen Exkursen nach Osten und Westen und in die schwedische Literatur. Wir hoffen, dass der Leser sich mit uns auf der Fahrt durch Schweden wohlfühlt. Es sollte deutlich werden, dass wir nicht hier leben würden, wenn wir nicht fänden, dass Schweden ein inspirierendes Land ist.“
Lars Gustafsson und Agneta Blomqvist

Der milde Juniwind geht durchs Gras. Eine Regenperiode ist gerade zu Ende gegangen, und es scheint, als würde der Mittsommerabend genauso schwindelerregend schön, wie man es das ganze Jahr erhofft hat. „Die Juninacht nicht dunkeln mag, sie gleicht einem betauten Tag“, sagt der Poet Harry Martison. Nein, in dieser Nacht geht die Dämmerung balds in Morgengrauen über. Oberhalb des Polarkreises sinkt die Sonne nicht unter den Horizont, so dass es die ganze Nacht über hell bleibt. Hier befinden wir uns im Land der magischen Mittsommersonne. Viele halten es für überflüssig, in dieser Nacht ins Bett zu gehen, in der die Natur fast zu schön ist – wie soll man als hinfälliges menschliches Wesen all dieser Schönheit würdig sein? Und man will so gern jemand haben, mit dem man gerade an Mittsommer seine Gefühle teilt. „Man sollte gar nicht schlafen, zu zweit sollte man sein …“
Wir erfahren noch viel, was die Schweden in dieser Nacht alles machen, was sie singen und wie sie singen.
So auch dies:
Bevor man zu Bett geht, soll man gemäß der volkstümlichen Sitte hinaus auf die Wiesen gehen und sieben (oder neun) Arten von Blumen pflücken und sie unters Kopfkissen legen. Wenn man seinen Strauß beisammenhat, darf man nicht mehr sprechen. Dann wird man von seinem Zukünftigen träumen, also ein Traum, der in Erfüllung geht. Manche sagen auch, man soll über sieben Holzzäume springen, aber wo gibt es die heute noch?

Leseprobe
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Werner Färbers Ungereimtheiten
DER ISEGRIMM CCXXIV

Im Märchen handelt Isegrim
oft sehr böse und auch schlimm:
Raffgierig frisst er jung und alt,
macht Rotkäppchen und Oma kalt.
Auch verputzt der Wolf als Speise
Geißlein gleich halbdutzendweise.
So ist sein Ruf sehr schlecht bis heut.
Nur ganz allmählich seh’n die Leut‘,
dass Isegrim viel scheuer ist
und weder Kind noch Oma frisst.

3.Türchen vom Besten das Beste

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Heute haben
Ludvig von Holberg * 1684
Joseph Conrad * 1857
Franz-Josef Degenhardt * 1931
Alice Schwarzer * 1942
Ugo Riccarelli * 1954
Geburtstag
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Dieser Buchtipp tauchte bei uns im Januar auf dem Blog auf und das besprochene Buch liegt seitdem bei uns auf dem Jugendbuchtisch. Auch jetzt noch empfehlen wir das Buch allen, die es noch nicht kennen und werden es auch weiterhin tun, wenn der Roman als Taschenbuch erhältlich ist.
Mittlerweile gibt es schon zwei weitere Jugendromane von Rainbow Rowell. Allerdings nur auf amerikanisch. Wir haben beide vorrätig.

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Rainbow Rowell:Eleanor & Park
Aus dem Englischen von Brigitte Jakobeit
Hanser Verlag € 16,90
Original TB €14,99
als Hörbuch auf 5 CDs € 19,95
Jugendbuch ab 14 Jahren

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Wenn Sie im Netz unter dem Buchtitel nachschauen, werden Sie erstaunt sein, wieviel Einträge dort zu finden sind. Video-Buchbesprechungen von jungen Leserinnen, selbstgedrehte Filmsequenzen, jede Menge Buchumschläge und Illustrationen. Auf dem us-amerikanischen Markt hat dieses Buch wirklich eingeschlagen und die Autorin Rainbow Rowell zu einem Star gemacht. Irgendwo habe ich sogar ein Filmplakat gefunden. Ob an einer Verflimung des Buches gearbeitet wird, weiss ich nicht, lässt aber sicher nicht lange auf sich warten.
Rowells Buch ist nicht nur ein Jugendbuch, sondern irgendwie ein ganz eigene Kategorie und bestens geeignet für junge Erwachsene.
Alles beginnt im Schulbus, in dem die pummelige Eleanor nirgends einen Platz findet, oder nicht bekommt, außer neben Park, der jedoch unter seinen Kopfhörern demonstrativ weiterliest. Dies stört Eleanor nicht, da sie am liebsten unsichtbar wäre und somit auch nicht dauernd den Hänseleien ihrer Mitschüler ausgesetzt wäre. Sie leidet eh schon an ihrem tyrannischen Stiefvater und den ärmlichen Verhältnissen daheim, während Park in einer halbkoreanischen Familie wohlbehütet aufwächst. Das Nebeneinandersitzen im Bus entwickelt sich zur Normalität und als Eleanor beginnt, in Parks Comics mitzulesen, kommen die beiden ins Gespräch. So ganz einfach ist dies jedoch nicht, da Eleanor sehr unter ihrem Zuhause leidet und den beiden nur die kurze Zeit im Bus bleibt. Natürlich verlieben sich die beiden, sehr unterschiedlichen, Jugendlichen ineinander. Aber wie dies geschieht, welche Hürden sie zu überwinden haben und ob dies überhaupt gutgehen kann, dies erzählt Rainbow Rowell in einer Art, dass es einen fast vom Hocker haut. Wer da nicht gerührt das Buch zuschlägt, der hat kein Herz. Ich mag gar nicht mehr über das Buch schreiben, da ich Ihnen die Lust am Lesen, am Entdecken, am Mitfühlen nicht nehmen will.
Ich habe mich so gefreut, dass es das Buch endlich auf deutsch gibt. Die Originalversion gibt es schon längst als Taschenbuch und wir haben es immer vorrätig.

Weitere Bilder zum Roman

Montag

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Heute haben
Franziska Gräfin Reventlow * 1871
Bertrand Russell * 1872
Ernst Wiechert * 1887
Gunnar Gunnarsson * 1889
W.G. Sebald * 1944
Geburtstag

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Franziska Gräfin Reventlow

Schling mir den Arm um die lechzenden Glieder,
leg deinen Kopf an mein sehnendes Herz,
küsse nur Lippen und Busen und Augen,
laß uns vergessen, vergessen den Schmerz.

Laß mit dem Leben, dem brausenden Leben,
voll uns durchschauern die Liebesnacht,
gib mir dein heißes, dein heißestes Lieben,
morgen schon trennt uns der helle Tag.
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„Das Buch ist bombe“
taz

„Das Buch ist ne Wucht“
Samy Wiltschek

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Kisten Fuchs: „Mädchenmeute“
Rowohlt Berlin € 19,95
eBook € 16,95

„Kirsten Fuchs ist eine Meisterin in der Konstruktion einzelner Szenen und komischer Pointen. Schlagfertig, schnodderig, krawallig gehen daher auch die Mädchen miteinander um.“
Frankfurter Allgemeine Zeitung

„Sie lächelte, als hätte sie Zahnschmerzen. Diese Legomännchenfrisur war doch eine Perücke, oder? Bis auf eine Weste mit hundert Taschen sah sie überhaupt nicht survival aus. Sie gab meiner Mutter die Hand. Ihr gelber Nagellack leuchtete wahrscheinlich im Dunkeln. Da konnte sie im Camp nachts den Weg zum Plumpsklo finden oder die Wildschweine blenden. Sie war die totale Wildschweinscheuche. Und warum sah sie so angespannt aus?
Das sei der Bruno, sagte sie und zeigte auf den Busfahrer. Sie sei die Inken. Die Ansprechperson. Sie würde gut auf mich aufpassen. Wieso wusste ich sofort, dass das gelogen war, wohingegen mir meine Mutter ganz, ganz, ganz viel Spaß wünschte und mich zum Abschied drückte? Im Bus roch es nach Keller. Auf den Sitzen hinter dem
Busfahrer lagen lauter Beutel. Beutel mit Katzenmotiven. Fünfzehnmal der gleiche Beutel. Alle zugeknotet. Der Kellergeruch kam von den Beuteln.“

Charlotte, Bea, Anuschka, Rike, Antonia, Yvette und Freigunda haben sich im Wald versteckt. Nicht freiwillig, sondern sie sind auf der Flucht mit einem geklauten Kleinlaster, der mit Hunden und Käfigen gefüllt war. Sie suchen einen versteckten Stollen, sie suchen einen Unterschlupf und die einsame Gegend im Riesengebirge scheint ihnen der richtige Ort dafür zu sein. Gesucht werden sie auch noch, Hubschrauber kreisen über dem Gebiet, die Medienvertreter lauern auf die großen Berichte. Gleichzeitig haben sie aber auch heimliche Helfer.
Aber halt. Erst mal der Reihe nach.
Charlotte, groß, dünn, voll in der Pubertät, läuft bei jeder Bemerkung rot an (deshalb wird sie von den Mädels auch Leuchtturm genannt) ist die Erzäherin des dicken roten Buches von Kirsten Fuchs und soll/möchte an einem Mädchen-Sommercamp in der Natur verbingen. Doch schon nach sehr kurzer Zeit läuft alles aus dem Ruder. Die Baracken, in denen sie untergebracht werden sollen, sind marode, kaputt, verschmiert und voller Geräusche. Aus den versprochenen Tagen in der Natur, ohne Handi und Vollpension wird ein schneller, frecher Roadtrip. Wenn ich hier in der Buchvorstellung noch einmal „tschick“ schreibe, werfe ich € 5,00 in unser soziales Centschwein. Aber es hat halt von der Grundidee so viel von Wolfgang Herrndorfs Erfolgsroman. Nur dieses Mal aus der Mädchensicht. Kirsten Fuchs, ein Star der Berliner Lesenbühnenszene hat hier einen dicken, knallroten Roman vorgelegt, an dem sie drei jahre gearbeitet hat, der nur so sprüht von Wortwitz, Ideenreichtum und reiht sich in die ganz großen Coming-of-Age-Romae ein. „Mädchenmeute“ muss sich nicht vor den Romanen von Harper Lee, Salinger, Mark Twain, bis Herrndorf verstecken. Das Buch fällt allein durch seine Dicke und Farbe in dieser illustren Reihe auf.
Ich möchte gar nicht so viel über das Buch schreiben, denn es verarbeite so viel Stoff aus dem Leben und der Gedankenwelt dieser sechs Mädchen. Es geht um Freund-schaft, Selbstvertrauen, die eigenen Stärken, das Lernen von den Anderen. Es ist ernsthaft komisch und voller komischen Ernst. Wir entdecken mit den Mädchen alte Machenschaften in der DDR, wie man im Wald überleben kann, dass man viele Dinge zum ersten Mal macht und dass es wichtig ist, dass jemand einem vertraut und hinter einem steht. Es geht um Macht und Zusammenhalt und es geht einfach auch um ganz tolle Unterhaltung, bei der es immer etwas zu Lachen gibt und: Es bleibt spannend bis auf die letzten Seiten.
So! Nun aber Schluss!
Lesen Sie es selbst, geben Sie das Buch allen Mädels ab 14 Jahren. Aber nicht nur denen.

Leseprobe

Kirsten Fuchs hat eigens ein Blog für ihr Buch eingerichtet.

Ab Minuten 3:30 taucht Kirsten Fuchs auf und erzählt über ihr Buch:

http://http://www.ardmediathek.de/tv/lesenswert/Kirsten-Fuchs-und-Feridun-Zaimoglu/SWR-Fernsehen/Video?documentId=27581904&bcastId=1100796
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(Foto: A.Greimel)

Morgen, Dienstag ab 19 Uhr in unserer Buchhandlung:
Stefana Sabin stellt ihr neues Buch „Dante auf 100 Seiten“ und den großen italienischen Dichter und seine Zeit vor.
Eintritt € 10,00

Donnerstag

Heute haben
William Faulkner * 1897
Maj Sjöwall * 1935
Andrzej Stasiuk * 1960
Geburtstag.
Aber auch Dmitri Schostakowitsch, Glenn Gould und Barbara Dennerlein.
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Sieht ein bisschen aus wie Buster Keaton.
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Atlantis Nova H14.indd

Lorenz Pauli und Kathrin Schärer: „Da bist du ja!“
Die Liebe, der Anfang – allüberall
atlantis Verlag € 13,95
Kleinformatiges Bilder-Vorlesebuch ab 4 Jahren

„Manchmal liebe ich dich so sehr, dass ich dich doppelt haben möchte.“
„Warum?“
„Damit ich dir auf beiden Seiten die Hand geben kann.“
„Oh! Das geht auch, wenn es mich nur einmal gibt.“

Ohne den großen Meister der Illustration, Wolf Erlbruch, hätte dieses Buch sicherlich nicht in dieser Art erscheinen können. Collagieren, Kleben und das Benutzen von verschiedensten Materialien war vor dem Maulwurf-Bilderbuch nicht denkbar. Die Schweizer Illustratorin arbeit seit Jahren in dieser Weise. Und das sehr erfolgreich. Zusammen mit dem Textgestalter Loren Pauli haben sie in den letzten Jahren einige „Klassiker“ hervorgebracht, die sich in vielen Kindergärten und Kinderzimmern wiederfinden.
„mutig, mutig“, „Das Beste überhaupt“, „Pippilothek“ und „nur wir alle“ seien hier als Beispiele aufgeführt.

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Hier schweben zwei Wesen durch das All. Ein „Größeres“ mit Fell und langer Ameisenbärennase und einer roten Hose und ein „Kleineres“ auch mit Fell, aber einer Schweinenase, langen Ohren und weissen Socken.
„Wie war das am Anfang?“, fragte das Kleinere.
steht auf der ersten Seite, während die beiden Purzelbäume im schwarzen All schlagen und im Hintergrund die Planeten zu sehen sind. Eine Art Schöpfungsgeschichte? Vielleicht. Aber auf jeden fall eine ganz andere. Eine Freundschaftsgeschichte? Jaaa und was für eine! Für Kinder? Ja, ich denke, die haben ihren Spaß dabei. Und für wen noch? Na, für alle, die sich gerne haben. Ganz einfach.
Das Sichmögen versetzt Berge. Die Liebe ist wie ein Universum und lässt neues entstehen. Das Kleinere und das Größere müssen nicht immer einer Meinung sein, sie dürfen ihre eigenen Ansichten haben, sie müssen auch nicht immer miteinander reden und sich aneinanderkuscheln. Schweigend sitzen die beiden nebeneinander und beschäftigen sich mit ihren Vorlieben: Im Sand spielen, im Wasser tollen. Aus Kirschkernen entsteht ein Kirschbaum und daraus wieder Kirschen und mit den Kernen kann man ausgezeichnete Weitspuckwettbewerbe veranstalten. Wie hier. Die spucken sich dem Mond entgegen, umarmen sich danach vorsichtig, damit dem Kleineren nix passiert und genießen die ewige Nacht auf ihrem Stern.

Pauli und Schärer haben hier ein verträumtes, philosophisches Bilderbuch entstehenlassen, das mit vielen bekannten Motiven arbeitet. Mit all diesen Zutaten haben sie jedoch etwas Eigenes geschaffen, das sich absetzt von anderen Büchern dieser Art und auch Stoff zum Weitererzählen beinhaltet.