Mittwoch, 21.September

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Heute haben
HG Wells * 1866
Leonard Cohen * 1934
Klaus Kordon * 1934
Stephen King * 1947
Frédéric Beigbeder * 1965
Geburtstag
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„Famous Blue Raincoat“

It’s four in the morning, the end of December
I’m writing you now just to see if you’re better
New York is cold, but I like where I’m living
There’s music on Clinton Street all through the evening.
I hear that you’re building your little house deep in the desert
You’re living for nothing now, I hope you’re keeping some kind of record.

Yes, and Jane came by with a lock of your hair
She said that you gave it to her
That night that you planned to go clear
Did you ever go clear?

Ah, the last time we saw you you looked so much older
Your famous blue raincoat was torn at the shoulder
You’d been to the station to meet every train
And you came home without Lili Marlene

And you treated my woman to a flake of your life
And when she came back she was nobody’s wife.

Well I see you there with the rose in your teeth
One more thin gypsy thief
Well I see Jane’s awake —

She sends her regards.

And what can I tell you my brother, my killer
What can I possibly say?
I guess that I miss you, I guess I forgive you
I’m glad you stood in my way.

If you ever come by here, for Jane or for me
Your enemy is sleeping, and his woman is free.

Yes, and thanks, for the trouble you took from her eyes
I thought it was there for good so I never tried.

And Jane came by with a lock of your hair
She said that you gave it to her
That night that you planned to go clear —

Sincerely, L. Cohen
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Nils Petter Molvaer: „Buoyancy“

OKeh CD € 19,99

Nils Petter Molvaers neues Album hat es wieder in sich. Sorgte er schon mit seinen ersten Platten für Furore und hat er doch beim Label ECM große Erfolge gefeiert. Wahrscheinlich wollte er aber nicht bis an sein Lebensende im ECM-Sound weiterproduzieren und ist im Moment beim Label OKeh gelandet. Und wie! Wer von dieser Platte nicht süchtig wird. Er überrascht, zieht alle Register, lässt uns staunen und wundern. Kaum wippen wir mit der kleinen Zeh, nimmt seine Musik eine andere Wendung. Wobei man ehrlicherweise sagen sollte, dass es dieses Mal ein wirkliches Bandalbum geworden ist und keine Solo-Trompeten-Scheibe mit Anhang.
Die Band, das sind Geir Sundstöl (Gitarren, Banjos) und der ehemalige Madrugada-Schlagzeuger Erland Dahlen (Drums, Percussions, Xylofon, Klavier). Beide waren schon auf seinem Vorgänger „Switch“ (2014) zu hören. Jo Berger Myhre (Bass, Keyboards, Gitarren) ist neu in dieser Formation. Dazu noch Molvaers Trompete und allerlei elektronische Effekte. Eine Band mit einer sehr großen Breite, was die Instrumente und der daraus entstehende Sound betrifft.
All zu viel gibt es im Moment nicht zu hören. Auf youtube habe ich eine Reinhörprobe gefunden, die andeutungsweise zeigt, wo Molvaert und seine Band einzuordnen sind.

Beginnt die Band etwas schwülstig (fast wie Pink Floyd (Sorry Mr Fisherman)), klingt es fast minimalistisch im zweiten. Höhepunkte sind da schon die Tracks 5 und 7 mit längeren Stücken, die ein wahre Freude sind. Ich denke, ein Live Konzert mit den Jungs wäre eine Reise wert.
Uns bleibt erst mal die CD, die man wirklich mehrfach anhören sollte, um das Können der Band zu realisieren.
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Die Shortlist für den Deitschen Buchpreis ist bekannt.
Hier sind die letzten sechs Titel, aus denen Clemens Grote am kommenden Dienstag vorlesen wird:

Reinhard Kaiser-Mühlecker: Fremde Seele, dunkler Wald (S. Fischer)
Bodo Kirchhoff: Widerfahrnis (Frankfurter Verlagsanstalt)
André Kubiczek: Skizze eines Sommers (Rowohlt Berlin)
Thomas Melle: Die Welt im Rücken (Rowohlt Berlin)
Eva Schmidt: Ein langes Jahr (Jung und Jung)
Philipp Winkler: Hool (Aufbau)

Samstag

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Heute haben
T.S.Eliot * 1888
Victor O.Stomps * 1897
Peter Turrini * 1944
Jane Smiley * 1949
Geburtstag
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Unser Musiktipp für etwas Ruhe in unserer lauten Zeit:

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Martin Tingvall: „Distance“
Skip 2015
CD € 19,99
LP € 22,00

Der schwedische Pianist Martin Tingvall, der in Deutschland mit seinem Trio sehr bekannt sein dürfte, lebt seit Jahren in Hamburg und schreibt dort Filmusiken und für seinen Freund Udo Lindenberg Popsongs. (Sachen gibt’s)
Auf seinen eigenen Scheiben und auf den Bühnen rund um die Welt geht er einen anderen Weg und lässt uns seinen ruhigen Sound spüren. Mit seiner neuen CD „Distance“ macht er konsequent weiter. Er begibt sich „auf die Suche nach der Distanz. Distanz zur Schnelllebigkeit unserer heutigen Zeit, aber zum Beispiel auch die Entfernung, die entsteht, wenn man sich kaum mehr persönlich trifft, weil die meisten zwischen-menschlichen Kontakte über digitale Medien laufen.„, so sagt er selbst. Für sich selbst findet er Distanz zu dieser hektischen, schrillen, bunten Musikwelt u.a. auf Reisen durch Island. Von dort bringt er Mythologien mit, die er zu Musik umformt.
Ein Land,das einem eine ganz neue Perspektive gibt. Und trotz oder vielleicht gerade wegen der riesigen Entfernungen dort habe ich das Gefühl gehabt, dass es eine viel größere zwischenmenschliche Nähe gibt.In dieser ruhigen Stimmung tauchen plötzlich „fremde“ Melodien auf. Ein Blues ist zu hören. Genauso schnell verschwinden sie aber auch wieder und lassen Platz für andere Assoziationen.
Distanz wird er demnächst keine haben, denn er ist mit seinem Album auf Platz 2 der Jazz Jazz-Hitparade. Und bevor ich noch zuviel über Musik rede, wovon ich keine Ahnung habe und nur schreiben kann, ob sie mir gefällt oder nicht, hören Sie doch bitte in die Videos rein und machen sich selbst ihre eigenen Gedanken.

Website von Martin Tingvall

Martin Tingvall in der Nähe von Ulm:
19.10.2015 München – Black Box
23.10.2015 Karlsruhe – Tempel Kulturzentrum
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Die Shortlist für den deutschen Buchpreis ist veröffentlicht
und am Mittwoch, den 30.September veranstalten wir unser “Shortlistlesen”.
Beginn: 19 Uhr
Eintritt: frei

Erpenbeck_Gehen_ging_gegangen_CoverLappert_24905_MR.inddMahlke_Wie_Ihr_wollt_Coveraufbau_143x219mm.inddSchwitter_Eins_im_Andern_CoverWitzel_Rote-Armee_CoverVorschlag_Böv_11
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Morgen gibt es wieder eine Sonntagsbeilage mit Skizzen von Detlef Surrey.

Mittwoch

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Heute haben
Herwarth Walden * 1878
Hans Arp * 1887
Frans Eemil Sillanpää * 1888 (Nobelpreis 1939)
Werner Bergengruen * 1892
Friedrich Torberg * 1908
Breyten Breytenbach * 1939

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Herwarth Walden
Deine Lippen sind zwei Schwingen

Deine Lippen sind zwei Schwingen
Flattern auf und suchen
Suchen
Meine Lippen schwingen Dir entgegen
Flattern auf und suchen
Suchen
Hart stößt der Wind
Zwei Vögel fallen

Singt ein Vogel

Singt ein Vogel
Ton klingt auf
Ton der Töne in den Himmel
Wolken atmen auf zur Erde
Bergen tief sich mitten Berge
Oeffnen tief sich bis zur Mitte
Erde atmet
Winde schluchzen
Schluchzen tief den Ton der Töne
Ein Vogel singt
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In unserer losen Folge mit Büchern, die auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis stehen, stellen wir Ihnen heute diesen vor:

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Heinz Helle:Eigentlich müssten wir tanzen
Suhrkamp Verlag € 19,95
als E-Book € 16,99

„Wenn nach uns jemand die Welt wieder aufbaut, wird es eine schweigsame Welt sein.“

Heinz Helle nimmt uns mit auf eine eiskalte Reise durch eine apokalyptische Landschaft. Eine Welt ohne Leben, bedeckt mit Schnee und Eis. Voller Kälte und ohne Leben. Etwas ist passiert, während die fünf Männer ein Wochenende auf einer Berghütte verbracht haben. Brände, Explosionen muss es gegeben haben. Davon zeugen die Toten und die zerstörten Autos und Gebäude. Diese Kälte steckt den Männern tief in den Knochen und sie rücken immer näher aneinander, um nicht zu erfrieren. Sie marschieren, gehen, humpeln, quälen sich Richtung Norden, in der Hoffnung, dass es dort leichter sein wird, aus dieser Gegend zu verschwinden.

„Die Tannen hinter der Leitplanke stehen merkwürdig weit auseinander. Normalerweise ist das eine grüne, verschwommene Wand. Wir gehen weiter. Wie weit der Asphalt zwischen den Spurstreifen ist. Wie rau der Asphalt.“

Finden sie zu Beginn immer wieder noch Nahrung in einem Bergrestaurant, in einem Supermarkt, so versiegen diese Quellen schnell und es bleibt nicht mehr viel zum Überleben. Sie schleppen einen Rotkreuzkasten und Werkzeuge mit, die sie gefunden haben, in der Hoffnung, dass sie dies benötigen können. Aber lange können sie die Dinge nicht transportieren und so lassen sie wieder fallen und gehen weiter.

„(…) in unseren Fäusten die Waffen, Werkzeuge, mit denen man Häuser bauen könnte, Stühle und Tische, an denen man Mahlzeiten einnehmen könnte oder universelle Werte errichten, und die Fäuste mit den Werkzeugen fallen mitten in sein Gesicht, auf die weißen Wangen, die Stirn, in die plötzlich aufklaffenden Löcher, die sich erst mit den weit geöffneten Augen verbinden und dann miteinander zu einem einzigen dunklen Abgrund, an dessen Ende das eine, endgültige Grau wartet, das uns alle verbindet, bis auch das zerteilt ist und fortgetragen, von Fliegen und Ameisen, verfüttert an Larven, verdaut und wieder ausgeschieden, so also sieht ein Gehirn aus.“

Heinz Helle erzählt in kurzen Kapiteln in einer einfachen Sprache über eine Extremsituation, über eine Angstvision, die wir nicht erleben wollen. Cormac McCarthy benutze in seinem Roman „Die Straße“ eine ähnliche Situation und es war kaum auszuhalten. Helle braucht keinen Horror, der von marodierenden Banden ausgeht. Ihm reicht die Landschaft, das Eis, die Einsamkeit, die Stille und seine fünf Männer, die immer weniger werden. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt. So heisst es. So sagt man. Und dann gehen die Filme und Romane doch nocht gut aus. Heinz Helle ist konsequent und erzählt bis zum bitteren Ende. Die Gedanken der Männer reduzieren sich auf ein Minimum, ihr Blick richtet sich nicht mehr in eine ferne Zukunft, sondern nur noch auf den Meter vor ihnen.

„Wir lassen die Arme hängen und horchen auf die Schritte des Vordermanns. Sie klingen sanft, vorsichtig, ungenau, sie haben kein Ende und keinen Anfang. Unsere Füße streifen über den weichen Waldboden. Wir heben sie nicht mal mehr richtig hoch. Wir streicheln die Oberfläche des Planeten, als wollten wir uns mit ihm versöhnen.“

Leseprobe

Ich bin gespannt, ob wir das Buch auf der Shortlist wiederfinden.
Unser Shortlistlesen in der Buchhandlung ist am
Mittwoch, 30.September um 19 Uhr.
Sie hören zu und stimmen ab.
Herzlich willkommen. Der Eintritt ist frei.