Mittwoch, 4.Januar

img_1470

Heute hat
Jacob Grimm * 1785
Geburtstag
________________________

Heute im Duden Gedichtekalender 2017

________________________

Und wo wir schon bei den Kalendern sind.
Haben Sie sich eigentlich auch dieses Jahr den Arche Kinder Kalender geschnappt? Nein? Na, dann wird es aber Zeit.

kika_2017_01

Arche Kinder Kalender 2017
Mit 53 Gedichten und Bildern aus der ganzen Welt
Herausgegeben von der Internationalen Jugendbibliothek, München
Arche Kalender Verlag € 18,00

Alle Jahre wieder, zauberhaft wie immer.
Ein Pinguin, der sehnsüchtig auf ein Schiff wartet. Ein Kind, das auf einem Baum schläft.
53 zweisprachige Gedichte aus über 30 Ländern mit den Originalbildern und in den jeweiligen Sprachen. Auch wenn wir das Gedicht auf Koreanisch gar nicht lesen können, sondern nur die deutsche Übersetzung, ist es doch schön diese Schriftzeichen zu sehen. Einfacher ist es dann bei den europäischen Sprachen, die dann so schön im Rhythmus fließen. Jedes Jahr und immer wieder, Woche für Woche, aufs Neue eine Überraschung und eine Wonne fürs Auge und für die Seele.
Für Kinder in jedem Alter.

kika_2017_02

kika_2017_03

kika_2017_04

kika_2017_05

kika_2017_06

kika_2017_07

kika_2017_08

Und das Schöne daran: Wir haben noch welche im Buchladen liegen.

Montag

IMG_3787

Die Kröten sind wieder da und im Teich wimmelt es von ihnen.
_______________________

Heute haben
Alexander Roda Roda * 1872
Samuel Beckett * 1906
Stephan Hermlin * 1915
Seamus Heaney * 1939
Zeruya Shalev * 1959
Geburtstag
_________________________

Honigmann_24762_MR.indd

Barbara Honigmann: „Chronik meiner Straße“
Hanser Verlag € 16,69
Als eBook € 12,99

Barbara Honigmann verließ mit ihrer Familie 1984 die DDR und zog Richtung Westen. Und zwar gleich soweit, dass sie zwar aus Deutschland rausging und in Frankreich landete. Allerdings dort ganz im Osten, in Straßburg und da auch im Osten, wiederum in Richtung Deutschland. Sie fanden eine Bleibe in der Rue Edel, eigentlich ein Profisorium, wie sie immer wieder im Buch betont, eine Straße für den Anfang. Wenn dann mal alle Koffer ausgepackt sind, dann würden sie sich etwas Besseres suchen. Mittweile leben sie seit 30 Jahren in der gleichen Straße, im gleichen Haus, dem Zweithäßlichsten. Das Hässlichste steht gegenüber und gehört der Telekom. Es sind immer noch nicht alle Koffer ausgepackt, die Kinder sind längst aus dem Haus, aber das Ehepaar Honigmann zieht wohl nicht mehr aus. Obwohl? Eine Grabstätte haben sie sich schon gekauft. Es war ein Schnäppchen, wie ihr Mann meinte. 30 Jahre sind eine lange Zeit, eine Generation und Barbara Honigmann kann viel berichten über die Straße des Anfangs, die eingezwängt zwischen Schulen und großen Alleen liegt und an der man sicherlich nicht vorbeikommt, wenn man Straßburg einen Besuch abstattet. Naja, jetzt vielleicht.
Sie berichtet über die Menschen auf der Straße, die sie von ihrem Schreibtisch aus beobachtet. Sie erzählt Begebenheiten mit Menschen, die aufgetaucht und wieder verschwunden sind. Von Menschen, mit denen sie eine enge Beziehung einging und sie dann tragischerweise wieder verlor. Es gab drei jüdische Witwen, denen sie half Eingaben zur Wiedergutmachung zu schreiben, mit denen sie zu Anwälten und Behörden ging. Es gibt die Jungen auf der Straßen, mit den Kapuzen, die trinken und laute Musik hören. Es gibt die komplett verschleierten Frauen, die meist im Pulk auftreten und den gesamten Gehweg beanspruchen, so dass ihr nur die Flucht auf die Straße bleibt. Kommt jedoch ein dazugehörender Mann, bilden sie schnell eine Gasse, durch die er elegant gleiten kann. Es gibt den Verrückten, der sein nacktes Hinterteil zum Balkon hinaushängt und die Besitzer, der kleinen Läden, die eröffnen und plötzlich wieder geschlossen, oder weiterverkauft sind. Jahrelang trifft sie einen grantigen, stillen Mann, der oft stundenlang an einem alten Mercedes schraubt. Mit laufenden Motor und lauter Musik. Erst als ihr Mann ihn provozierend oft grüßt, fängt er an seine traurige Geschichte zu erzählen. Barbara Honigmann erzählt die Geschichten der einfachen Menschen aus verschiedenen Nationalitäten, ohne auf dem Begriff Multikulti herumzureiten, der auch hier in ihrer Straße nicht existent ist. Neu dazugekommen ist eine neue Nationalität, die sie nicht zuordnen kann. Sie tauchen mit fetten Autos auf, die sie nicht einparken, sondern auf der Straße abstellen. Die Motoren laufen, die Radios brüllen. Die dazugehörenden Typen könnten einem Mafiafilm entsprungen sein und die Damen stolzieren geschickt mit ihren High-Heels zu den passenden Schlitten. So plötzlich, wie er aufgetaucht ist, verschwindet der Convoi und es herrscht wieder Ruhe in der Straße.
Ich könnte noch viele Episoden aus dem Roman erzählen, möchte aber, dass Sie das Buch lesen und sich dabei genau so wohlfühlen, unterhaltenlassen, wie es mir ergangen ist.
Die „Chronik meiner Straße“ ist sicherlich nicht die große Literatur, aber eine gekonnte literarische Verarbeitung ihrer 30 Jahre in Frankreich, im gleichen Haus, in der selben Straße, in der Hoffnungen auftauchen, Träume verfliegen und Enttäuschungen zwangsläufig sind.

Leseprobe

Barbara Honigmann, 1949 in Ost-Berlin geboren, arbeitete als Dramaturgin und Regisseurin. 1984 emigrierte sie mit der Familie nach Straßburg, wo sie noch heute lebt. Honigmanns Werk wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. dem Kleist-Preis und dem Max-Frisch-Preis der Stadt Zürich.

Die Rue Edel auf google maps.

Donnerstag

CIMG1481

Heute haben
Leonhard Frank 1882
Antonin Artaud * 1896
Richard Wright * 1908
Joan Aiken * 1924
Thorsten Becker * 1958
Geburtstag
____________________

Da Streit ist entbrannt. Hirn oder Darm, Intelligenz oder Charme?
Entscheiden Sie selbst.

Beck_Hirnrissig_P09_DEF.indd

Henning Beck: „Hirnrissig“
Die 20,5 größten Neuromythen – und wie unser Gehirn wirklich tickt
Hanser Verlag € 16,90
als eBook € 12,99

Der Hanser Verlag legt nach dem grandiosen Erfolg von „Darm mit Charme“ nach und lässt einen weiteren Science-Slam-Gewinner an den Start. Ist der Darm in der Öffentlichkeit immer noch ein Tabuthema und wird über das Hirn seit Jahren Unmengen geschrieben. Themen wie Spiegelneuren, Brainfood, usw … füllen Zeitschriften, Bücher und ganze Hallen. Dieses gefurchte Etwas scheint von höchstem Interesse zu sein und ist halt immer noch nicht ganz erforscht. Der ewige Wettstreit zwischen Hirn und Computer kommt sicherlich noch dazu.
Henning Beck räumt mit einigen Mythen zum Hirn auf. Um genau zu sein, sind es exakt 20,5 Mythen. Denn Exaktheit ist hier schon von großer Wichtigkeit.
Wie ist das nun mit der Größe des Hirn? Wie wirkt sich das auf die Intelligenz aus? Je größer je besser? So einfach ist es nun auch nicht. Einsteins Hirn wog etwas weniger als der Durchschnitt. Und wenn wir das Gewicht des Hirns mit dem Gewicht des Körpers in Vergleich setzen, dann steht die kleine Springmaus ganz vorne. Ganz im Gegensatz zum so klugen Wal. Entscheident ist also nicht das puren Gewicht, sondern wie schnell die Verbindungen zwischen den einzelnen Synapsen sind. Gerade das Thema Geschwindigekit taucht immer wieder auf. Ein PC ist um ein Vielfaches schneller und doch schafft es das Gehirn flotter ans Ziel zu kommen. Hier wird nämlich nicht stupide vor sich hingerechnet, sondern es werden Querverbindungen gesucht, in Schubladen gegruschtelt, in denen passende Informationen gelagert sind. Da hinken die PC doch mächtig hinterher. Die EU hat 1 Milliarde Euro(nen) in ein Forschungsprojekt gesteckt, Großrechner in dieser Weise noch besser und effektivier zu machen.
Multitasking? Auch so ein Thema. Wir sollten uns nicht so weit aus dem Fenster lehnen und behaupten, wie toll wir verschiedene Dinge nebeneinander machen können. Kaffee trinken, Musik hören, Emails checken, geht zwar, aber fordert das Hirn extrem und Arbeiten werden deutlich besser erledigt, wenn wir sie einzeln erledigen.
Noch so ein Mythos: Wir benutzen nur 10% unserer Hirnleistung. Da geben vielen Menschen einiges Geld bei Vorträgen aus, um die restlichen 90% zu aktivieren. Alles Humbug. Mumpitz. Sagt Henning Beck. Unser Hirn arbeitet immer volle Pulle. Während wir in unserer Wohnung die Lichter in Zimmern löschen, in denen wir nicht mehr sind (so hoffe ich doch, oder?), brennen im Hirn alles Lichter und zwar immer volle Kraft. Dieses Schloss mit unzähligen Räumen strahlt wie ein Weihnachtsbaum. Denn für alles was wir tun, werden die unterschiedlichsten Dinge dort oben abgerufen und verknüpft. Auch im Schlaf. Damit sind wir auch beim Thema Brainfood, wie das so schön heisst. Studentenfutter, Fischöl, Omega3, … alles recht und gut. Es hat aber keinen Einfluss auf die Hirneistung. Vielleicht auf eine längere Lebenszeit, das schon. Das Hirn holt sich immer und zu jeder Zeit das, was es braucht aus unserem Körper. Es kommt immer als erstes dran. Allerdings nimmt es nicht alles, was wir zu uns nehmen. Beängstigende Bodyguards stehen an der Pforte und lassen nur ganz gezielte Nahrung durch. Henning Beck meint nicht, das wir genausogut Junkfood essen könnten. Nein, gute Ernährung tut unserem Körper immer gut. Aber gezielte Ernährung fürs Hirn ist ein Mythos. „Mit Brainfood essen wir uns schlau“ teilt Beck seinen vegetarischen Lesern zum Beispiel mit, dass sie „nur so klug sind, weil [ihre] Vorfahren kräftig Fleisch und Fisch verzehrten.“
Genauso wie Gehirntraining (gegen Demenz). Sie können zwar nach dem täglichen Lösen von Sudokus besser Sudokus lösen, aber sie traininen Ihr Hirn damit nicht, wie einen Muskel in der Muckibude. Geht einfach nicht, sagt der Autor. Auch können ältere Hirne immer noch prima lernen. Vielleicht etwas langsamer, aber „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr“, stimmt hier auch nicht.
Henning Beck ist aber auch ein guter Verkäufer und schreibt: „An das, was kurz vor dem Schlafen gehen noch schnell gelesen wird, kann man sich am nächsten Morgen besser erinnern.“ und meint sicherlich damit auch sein Buch, das auf möglichst vielen Nachttischen liegen sollte. Auf seiner Homepage zeigt er sich nämlich auch von seiner geschäftstüchtigen Seite und bietet diverse Vorträge und Seminare an. Warum nicht? Wenn die so pfiffig sind, wie dieses Buch, werden das sicherlich lustige und informative Stunden.
Und auch ich will auch Bücher verkaufen und liste Ihnen nicht alle 20,5 Mythen auf. Wenn Sie also mitreden wollen, dann ist diese Lektüre genau das richtige. Zumal das Miteinanderreden extrem entscheidend ist beim Thema Demenz.