Dienstag, 9.Juni

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Heute haben
Bertha von Suttner * 1843
Rudolf Borchardt * 1877
Richard Friedenthal * 1896
Curzio Malaparte * 1898
Jurij Brezan * 1916
Patricia Cornwell * 1956
Wolfram Fleischhauer * 1961
Geburtstag
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Wer die Opfer nicht schreien hören, nicht zucken sehen kann, dem es aber, sobald er außer Seh- und Hörweite ist, gleichgültig ist, daß es schreit und zuckt – der hat wohl Nerven, aber – Herz hat er nicht.
Bertha von Suttner, Friedensnobelpreis 1905
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Sonett auf uns

Kennt Ihr schon das Wort der Stunde,
welches kommt aus dem Latein?
Kaum bekannt scheint es zu sein,
denn sonst wär’s in aller Munde?
An der Fähigkeit, im Leiden
zu gewinnen eine Kraft,
die aus Übel Gutes schafft,
sollten alle wir uns weiden.
Helfen kann da die Familie
oder Kunst von Sankt Cäcilie.
Macht Ihr schon ’ne Reverenz?
Helfen kann, ein Buch zu lesen,
oder Liebe and’rer Wesen.
Uns hilft uns’re Resilienz!

© Thomas Dietrich
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Smriti Halls / Steve Small: „Ohne dich, das geht doch nicht!“
Mit deutschen Reimen von Paul Maar
Verlag Friedrich Oetinger GmbH € 14,00
Bilderbuch ab 4 Jahren

Bär und Eichhörnchen sind die allerbesten Freunde. Und beste Freunde machen alles zusammen. Oder etwa nicht? Aber irgendwie klappt nicht alles so, wie es das Eichhörnchen gerne hätte. Wenn der dicke, große Bär auf die Wippe sitzt, dann schleudert er seinen kleinen Freund aus dem Bild. Wird es eng im Taxi, dann bleibt dem dem Kleinen nicht viel Platz. Bär ist zu groß, zu tapsig und lässt Eichhörnchen keine Luft zur eigenen Entfaltung.
Plötzlich hat Eichhörnchen die Nase voll. Und Bär ist eingeschnappt. Oh je, das ist doch alles nicht so einfach. Aber beste Freunde – die schaffen das! Und so sehen wir die gleichen Bilder, wie vorne und erkennen, dass es auch anders gehen kann.
Ein Freundschafts-, Beziehungsbuch für die Kleinen und auch für alle Großen. Wer kennt sie nicht, die täglichen Problemchen?

 

Freitag, 9.Juni

Heute haben
Bertha von Suttner * 1843
Rudolf Borchardt * 1877
Richard Friedenthal * 1896
Curzio Malaparte * 1898
Jurij Brezan * 1916
Patricia Cornwell * 1956
Wolfram Fleischhauer * 1961
Geburtstag
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Wer die Opfer nicht schreien hören, nicht zucken sehen kann, dem es aber, sobald er außer Seh- und Hörweite ist, gleichgültig ist, daß es schreit und zuckt – der hat wohl Nerven, aber – Herz hat er nicht.
Bertha von Suttner, Friedensnobelpreis 1905
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Manchester by the Sea
Regie: Kenneth Lonergan
Schauspieler: Casey Affleck/Michelle Williams/Kyle Chandler u a,
USA 2016 € 14,99
FSK ab 12

Endlich gibt es dieses Film auf DVD. Ein Film, für den Casey Affleck den Oscar für die beste Hauptrolle bekommen hat und in dem Michelle Williams so grandios spielt.
Eine Großstadt in den USA. Ein irisches Quartier. Wir sehen Lee Chandler wie er immer und immer wieder Schnee schnippt, Rohre repariert und anderen Hausmeistertätigkeiten nachgeht. Er ist verstockt, redet kaum, hebt nicht die Augen. Es scheint eine selbstgewählte Einsamkeit zu sein, in die er sich gezwängt hat. Nur während seinen abendlichen Trinkgelagen geht er aus sich raus, in dem er Schlägereien provoziert und somit seinen Körper wieder spürt. Wenn auch sehr schmerzhaft.
Aus diesem Alltag wir er herausgerrissen, als sein Bruder stirbt und er das Sorgerecht für dessen Sohn bekommt. Ein Unding für ihn. Er, der seinen Job dafür aufgeben und wieder nach Manchester-by-the-Sea ziehen muss. Ein kleines Fischer- und Arbeiterstädtchen an der Ostküste der USA. Dort hat er gelebt, bis ihn ein grausamer Vorfall aus der Spur geworfen hat. Seine Frau lebt noch dort. Hochschwanger von einem neuen Mann.
Wie Blitze, wie Einschüsse bekommen wir in kurzen Sequenzen Stück für Stück mit, was damals vorgefallen ist und wie Lee und seine Frau den Boden unter den Füßen verloren haben.
Der Film hat jedoch auch jede Menge humorvolle, slapstickartige Szenen. So jongliert sein Neffe, der ihm zugewiesen worden ist, den ganzen Film über mit zwei Schulfreundinnen. Die Dialoge der beiden Männer sind voller kleiner Weisheiten, Fragen an die Welt und Witz, der gut zu den beiden Alleinstehenden passt.
„Manchester by the Sea“ ist ein ruhiger Film über die Trauer, über das Versuchen das Leben, das neue Leben zu meistern. Verluste und Hoffnungen sind eng miteinander verbunden. Und wenn sie Hanya Yanagiharas Roman „Ein wenig Leben“ gelesen haben, finden Sie auch dort mit Jude einen Mann, der sein Leben lang versucht, sein Leben zu meistern und sich bei seinen Freunden für sein Fehlverhalten entschuldigt. Dort geht es nicht gut aus. Hier in diesem Film gibt es ein Happy- mit einem Nicht-Happy-End. Ein Ende das zeigt, daß Lee auf dem für ihn passenden Weg ist. Daß er es versucht und die neuen Kontakte nicht verbricht.

Dienstag

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Heute haben
Bertha von Suttner * 1843
Rudolf Borchardt * 1877
Richard Friedenthal * 1896
Curzio Malaparte * 1898
Jurij Brezan * 1916
Patricia Cornwell * 1956
Wolfram Fleischhauer * 1961
Geburtstag
und Tex Rubinowitz liest ab 19:30 in der Museumsgesellschaft in Ulm.

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Zitate von Bertha von Suttner:

Nach „lieben“ ist „helfen“ das schönste Zeitwort der Welt.

Rache und immer wieder Rache! Keinem vernünftigen Menschen wird es einfallen, Tintenflecken mit Tinte, Ölflecken mit Öl wegwaschen zu wollen. Nur Blut, das soll immer wieder mit Blut ausgewaschen werden.

Die Waffen nieder!

Die Macht erzeugt Übermut.

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Unser Buchtipp für heute und überhaupt.
Ein Roman für diejenigen, die mehr wissen wollen über die glücklichen jungen Paare und Familien, wie wir sie auf sehr witzige Weise im Buch „Altes Land“ kennengelernt haben.

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Kristine Bilkau: „Die Glücklichen“
Luchterhand Verlag € 19,99

Isabell und Georg haben alles erreicht. Sie spielt Cello in einem Orchester und Georg hat einen tollen Job als Journalist. Als sie ihren Sohn Mtti bekommen, scheint das Glück perfekt zu sein. Die beiden haben sich ihren Alltag gut aufgeteilt. Wenn Isabell abends spielt, passt Georg auf Matti auf. Dazu kommt immer wieder ein Mädchen, die mit dem Kleinen spazierengeht, oder ihn ins Bett bringt, wenn beide Abendtermine haben. Sie ernähren sich gesund, achten auf ein nachhaltiges Leben und sind mit sich im Reinen. Das Viertel ist voll mit den passenden Geschäften, genau für dieses Klientel und wir kennen diese Beschreibungen aus dem oben genannten Roman „Altes Land“. Dörte Hansen hat in ihrem Buch einen sehr frechen, witzigen, bissigen Ton angeschlagen, Kristine Bilkau dagegen einen warmen, ruhigen, mitfühlenden. Wir sind ganz nah bei ihren Personen, sehen, wie sie mit Matti spielen und sich das Glück einreden wollen, obwohl sich dunkle Wolken über ihnen zusammenziehen. Nach der Geburt von Matti steigt Isabell wieder im Orchester ein, aber ihre Hände zittern, wenn sie im Orchestergraben sitzt und ihr Solo spielen soll und bei Georg stehen Kündigungen an. Bei beiden beginnt es im Kopf zu rattern. Wie überstehen wir die kommende Zeit, wie stehen wir vor unseren Freunden da? Dort ist doch überall heile Welt. Bei Kleinkindtreffen im Café haben die befreundeten Mütter keinerlei Probleme mit ihrem Nachwuchs. Was sich hinter deren Fassaden abspielt bekommen wir jedoch auch am Rande mit. Plötzlich hängt ein Kronleucher im Flur und eine Mieterhöhung liegt im Briefkasten. Es scheint, als stürzt diese Idylle wie ein Kartenhaus zusammen. So denken die beiden. Jeder für sich. Keiner spricht mit dem anderen. Sie gehen sich aus dem Weg. Was zu Beginn des Romanes kleine Geplänkel waren, sind nun große Probleme, die in Streitereien ausarten. Kristine Bilkau versteht es jedoch, dass ihr die zwei Figuren nicht gänzlich entgleiten, dass sie immer noch eine starke Verbindungen zueinander haben. Sie lässt sie diese Klippen irgendwie umschiffen, sie schaffen es mit der Mutter von Georg ins Klare zu kommen und diese beiden können mit ein wenig Glück nach diesem Buch besser mit Niederlagen, Hoffnungen und Träume umgehen und in eine gemeinsame Zukunft schauen.
Kristien Bilkau hat ein sehr intensives Buch geschrieben, mit einer Leichtigkeit in der Sprache, das präzise aufdeckt, was in den Köpfen junger Menschen vor sich geht, deren Zukunft so unsicher, ihre Arbeitswelt kräftezehrend und ihre Umwelt von vielen Begehrlichkeiten geprägt sind, mit denen sie in den Medien überschüttet werden.
Ein gelungenes Debüt und ein klasse Roman.

Ein kurzes Interview mit Kristien Bilkau

Interview am 3sat-Stand auf der Leipziger Buchmesse:
http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=49990