Mittwoch, 25.September

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Heute haben
William Faulkner * 1897
Ernst von Salomon * 1902
Maj Sjöwall * 1935
Andrzej Stasiuk * 1960
Crlos Ruiz Zafón * 1964
Rebecca Gable´ * 1964
Tanja Dückers * 1968
Geburtstag
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Paul Klee

Im Dämmer des Frührots bin ich Erwartung.
Werde ich sie ertragen, wenn sie heraufsteigt
über den Kamm der Berge?
O Bangen des Morgens, wie damals in meinem Leben.

Wie damals? Steh‘ ich im leuchtenden Tag?
Vom Lager auf! Viel Arbeit ist da aufzunehmen!
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getimage

Eike Christian Hirsch: „Ist das Deutsch oder kann das weg?“
Schlimme Einfälle und schöne Reinfälle
Beck Verlag € 12,95

Dies schreibt der Beck Verlag:
Eike Christian Hirsch unterhält die Leser erneut mit wunderbaren Beobachtungen zu den Maschen und Marotten des neuen Deutsch. Statt „daher“ sagen wir heute „von daher“ und statt „Regeln“ „Regularien“, damit alles ein klein wenig pompöser klingt, aber das ist ja letztlich, nein, „letztendlich“ egal. Was aber sollen wir von einem „Gipfeltreffen nachwachsender Rohstoff-Experte“ oder von „Spezialisten für freilaufende Eier“ halten?

Ein spaßiges Lesevergnügen, bei dem wir über unsere eigene tägliche Wortwahl stolpern. So sehr haben wir uns dem angepasst, wie heute geredet wird.
Und wenn wir hier lesen, wie verstümmelt viele unserer Überschriften von Zeitungen und Aussagen von Politikern sind, dann wird mir bewusst, dass es die deutsche Sprache gar nicht gibt. Alles ist in Veränderung. Ob grammatikalisch richtig oder nicht.
Auf jeden Fall hat Herr Hirsch eine Unzahl von Beispielen aufgelistet, auch ein Kapitel über die schönsten deutschen Wörter seit 2005.
Das wird Frau Leky freuen: „Okapi stark geschrumpft“. Was es damit auf sich hat, lesen Sie auf Seite 132.

Dienstag, 6.März

Das Jakob Bro Trio gestern abend im Ulmer Stadthaus

Heute haben
Cyrano de Bergerac * 1619
Elizabeth Barrett Browning * 1806
Stanislaw Jerzy Lec * 1909
Gabriel Garcia Marquez * 1927
Günter Kunert * 1929
Geburtstag
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Elizabeth Barrett Browning
Comfort

Speak low to me, my Saviour, low and sweet
From out the hallelujahs, sweet and low
Lest I should fear and fall, and miss Thee so
Who art not missed by any that entreat.
Speak to mo as to Mary at thy feet !
And if no precious gums my hands bestow,
Let my tears drop like amber while I go
In reach of thy divinest voice complete
In humanest affection — thus, in sooth,
To lose the sense of losing. As a child,
Whose song-bird seeks the wood for evermore
Is sung to in its stead by mother’s mouth
Till, sinking on her breast, love-reconciled,
He sleeps the faster that he wept before.
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Mitarbeiterin Susanne Link empfiehlt:

getimage

Elizabeth H. Winthrop:Mercy Seat
Aus dem Englischen von Hansjörg Schertenleib
Beck Verlag € 22,00

Elizabeth H. Winthrop erzählt feinfühlig und intensiv von einer wahren Begebenheit
im Louisiana der 40er Jahre.Schwüle Sommerhitze,eine elektrischer Stuhl und ein Ort,
der aufgewühlt und zerrissen ist zwischen Wahrheit und Lüge – ein bis auf die letzte
Seite zutiefst emotionales,spannendes Leseerlebnis.Großartig.

Das schreibt der Verlag:
Louisiana, die 1940er-Jahre, ein elektrischer Stuhl wird in die kleine Stadt St. Martinsville gebracht für die geplante Hinrichtung eines jungen Schwarzen namens Will, der ein weißes Mädchen vergewaltigt haben soll. In Wirklichkeit ist sie seine Geliebte gewesen, die sich aus Verzweiflung umgebracht hat und ihm nun nicht mehr helfen kann. Alle wissen, dass das Todesurteil ein Skandal ist, aber sogar Will selbst hat aus Trauer und Schuldgefühlen innerlich eingewilligt, und weiße Wutbürger drohen dem zweifelnden Staatsanwalt mit der Entführung seines Sohnes. Nach einer wahren Begebenheit, psychologisch fein und in einer an William Faulkner erinnernden multiperspektivischen Intensität erzählt Elizabeth Winthrop die tragischen Ereignisse bis zum überraschenden Ende. Ein meisterhaftes Buch, das man nicht mehr aus der Hand legt und das niemanden kaltlassen wird.

Leseprobe
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Nicht vergessen:
Heute abend stellen wir ab 19 Uhr wieder vier neue Bücher vor.
Als Gast: Winfried Bauer

Dienstag, 21.Februar

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Heute haben
Henry Longfellow * 1807
John Steinbeck * 1902
James Farrell * 1904
Lawrence Durrell * 1912
Geburtstag
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Irgendwie auch aktuell:

Arno Holz
Amerika

Oft frag ich lachend mich, weswegen
Mit Lanzen, Schwertern, Spießen, Keulen
Dies todesfrohe Kämpfen gegen
Concessionirte Eiterbeulen?

Wie lang noch, und das Dunkel frißt
Europas letzte Gaslaternen,
Denn das Panier der Zukunft ist
Das Streifenbanner mit den dreizehn Sternen.
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Jean-Luc Seigle: „Ich schreibe Ihnen im Dunkeln
Aus dem Französischen von Andrea Spingler
Beck Verlag € 19,95

Wie schon in seinem ersten Roman im Beck Verlag: „Der Gedanke an das Glück und an das Ende“, versteht es Jean-Luc Seigle mit seiner einfühlsamen Sprache Dramatisches ruhig zu erzählen. Auch in diesem Roman dauerte es wirklich einige Seiten, bis ich warm wurde mit dem Thema. Der Autor nähert sich von verschiedenen Seiten der Hautperson Pauline. Daß sie wegen Mordes zu lebenslänglich verurteilt worden ist und neun Jahre davon abgesessen hat, können wir auf dem Klappentext lesen. Was aber sonst noch dahintersteckt, wird erst nach und nach sichtbar. Blatt für Blatt offenbart sich das Geheimnis, die Vorkommnisse, die an Brutalität nicht zu überbieten sind. Brutal nicht wie bei einem Thriller, der gewollt auf Schockszenen aus ist. Nein, Seigle erzählt subtil und doch trifft er uns voll. Mir wurde schwindelig allein bei der Vorstellung. Die Vorstellung, was sich in Köpfen von Menschen, hier meist von Männern, abspielt und wie diese Gedanken in die Tat umgesetzt werden.
Pauline hat zwei ihrer drei Brüder im Krieg verloren, die Mutter fällt in eine tiefe Depression, der Vater übertüncht seine Trauer. Als Pauline ihre Weiblichkeit entdeckt, stürzt sie sich in jugendlichem Alter in viele sexuelle Abenteuer, die ihr Jahre später zu Verhängnis werden.
Der Zweite Weltkrieg kennt keine Gewinner. Und so hat die Familie zwar zwei Helden, die jedoch auf dem Friedhof liegen. Und als die junge, hochintelligente Pauline eine Anstellung bei einem deutschen Militärarzt, der Deutsche und Franzosen behandelt,  erhält, bekommt sie die Folgen der brutalen Gewalt zu spüren. Hautnah kommt sie mit verwundeten, entstellten, sterbenden Soldaten in Kontakt und versucht zu helfen, wie und wo es nur geht. Als der Krieg zu Ende ist, steht es plötzlich ganz anders um Pauline, die sich mit dem deutschen Arzt eingelassen hat.
Jean-Luc Seigle beleuchtet den tatsächlichen Vorfall, den wirklich stattgefundenen Mordprozeß, auf den ich hier nicht näher eingehe, aus seiner Sicht. Er „verwendet“ dabei verschollene Aufzeichnungen von Pauline, die er jedoch nie zu Gesicht bekommen hat. Wir erfahren, was mit dem jungen Mädchen passiert ist. Die Mischung aus Erniedrigungen und Gewalt und ihre unbändige Suche nach Nähe und Liebe, ihre ständige Sehnsucht nach Geborgenheit und Glück werden ihr zum Verhängis. Sie stirbt sozusagen mehrfach in diesem Roman. Bis zum Schluß genießt sie die magischen Sonnenuntergänge in Marokko, wo sie unter falschem Namen untergetaucht ist. Sie fühlt sich jedoch von allen verraten und abgewiesen, so daß ihr ein Weiterleben nicht möglich ist.
Pauline wurde nur 36 Jahre alt.

Leseprobe
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Werner Färber Ungereimtheit der Woche

Kräuerfrau

Eine Frau, die Kräuter kannte,
heilte gern Menschen, welche krank.
Ein Dummkopf sie ’ne Hexe nannte,
worauf ihr Anseh’n heftig sank.

Da niemand wusste, wie sie’s machte,
war plötzlich Misstrauen geweckt.
Auch weil sie fröhlich war und lachte,
wirkte von nun an sie suspekt.

Ehe samt Besen sie würd‘ brennen,
war sie auf ihm davongeflogen.
Denn wenn die Leute was nicht kennen,
handeln sie häufig überzogen.