Freitag, 1.Februar

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Heute haben
Hugo von Hofmannsthal * 1874
und
Günter Eich * 1907
Geburtstag
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Heute auf dem Gedichtekalender:

Hans Leifhelm
Vom hoffenden Leben

Beim Schmelzen des Schnees, bei den lauen Lüften des Februar wollen wir wieder vertrauen auf das grünende Jahr, sieh, den Amseln den kleinen, schwillt das singende Herz, und an den nackten Rainen glänzt die Scholle wie Erz. Schau des Landmanns Beginnen, der Schnee um den Obstbaum häuft, daß nicht zu früh nach innen lösend das Tauwasser träuft, daß nicht aus ruhendem Schweigen aufbricht, was nicht gedeiht, und die Säfte nicht steigen in der gefährdeten Zeit. Also ward auch gegeben allem das Werdegebot, also muß auch das Leben warten auf seinen Tod, Samen, Knospen und Blüten, jedes kommt und vergeht, uns ist geboten zu hüten, was in der Hoffnung steht. Nichts ist auf Erden verloren, was wir dem Leben getan, darum sind wir geboren, daß wir auf unserer Bahn dienen dem hoffenden Leben zu des Gestirnes Ruhm, das uns zu leben gegeben, doch nicht zu Eigentum.
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Frank Bösch: „Zeitenwende 1979“
C.H.Beck Verlag  € 28,00

Inhalt

Einleitung: Die Welt im Umbruch
1. Die Revolution im Iran: Der Westen und der radikale Islam
2. Papst Johannes Paul II. in Polen: Die Kirche als Herausforderung für den Sozialismus
3. Die Revolution in Nicaragua: Solidarität mit der Dritten Welt
4. Chinas Öffnung unter Deng Xiaoping: Wege in die Globalisierung
5. Die Boat People aus Vietnam: Rettung von Flüchtlingen
6. Der sowjetische Einmarsch in Afghanistan: Umbruch im Kalten Krieg
7. Thatchers Wahl und die Gründung der Grünen: Neoliberalismus und Ökologie
8. Die zweite Ölkrise: Globale Abhängigkeiten und Wege zum Energiesparen
9. Der AKW-Unfall bei Harrisburg: Angst vor der Atomkraft
10. Die Fernsehserie Holocaust: „Geschichtssturm“ und neue Erinnerungskultur
Epilog: Globale Wendepunkte und der Beginn unserer Gegenwart

Historischer Radio-Reporter: „Die Straßen sind gesäumt von Millionen von Menschen, die jetzt darauf warten, einen Blick auf ihr Idol zu werfen. Die Route, die der Ayatollah nehmen wird, ist 31 Kilometer lang und diese 31 Kilometer sind eng gesäumt von Menschen, die jetzt begeistert auf den Empfang warten.“

Frank Bösch: „Man war direkt am Fernseher dabei und konnte Geschichte erleben. Wir haben seit den 70er-Jahren Satellitenfernsehen, und dieses Satellitenfernsehen ermöglicht erst, dass Reporter in dem Moment, in dem etwa die Massen in Teheran Khomeini empfangen, direkt vor Ort live senden konnten.“

Weltpolitik im Wohnzimmer: 1979 war ein Jahr, in dem sich die Welt schneller zu drehen schien. Viele Ereignisse wirken bis heute nach. Und sie waren, so Bösch, auch für Deutschland relevant:

„Jemand der im Iran lebt, der in China lebt, der in Nicaragua lebt, selbst jemand der in Großbritannien lebt, der denkt die Welt vielleicht nicht von 1933 her, der denkt die Welt vielleicht noch nicht mal von 1989 her, sondern für diese Region ist 1979 ein Schlüsseldatum. Der Grundgedanke bei diesem Buch ist, zu fragen, inwieweit dieser grundlegende Wandel in nichteuropäischen Regionen mit uns auch zu tun hat.“

In den letzten Jahren sind immer wieder Bücher mit Jahreszahlen im Titeln erschienen, die uns wichtige Ereignisse im Rückblick nahebringen.
1913, 1914, 1918, …
Aber warum gerade 1979? Ja, es sind inzwischen 40 Jahre vergangen und schon in der Inhaltsgabe merken wir, wie aktuell die Themen immer noch sind.
„Holocaust“ läuft wieder in den Kinos, die Boat People kommen nicht mehr aus Vietnam, sondern über das Mittelmeer. Charismatrische Politiker, heute eher egozentrische Führer, tauchen auf und beherrschen die Alltagspolitik. Der Iran bleibt im Blickpunkt der Weltpolitik. In Nicaragua gab es eine Revolution und auch heute wissen wir nicht, wie es mit den Ländern Mittelamerikas weitergeht.
Allein: Wir trinken keine Sandino-Dröhnung. Schon der Genuss des Getränkes war Solidarität genug.
Frank Bösch zeigt fundiert auf, wie sich in diesem Jahr 1979 vieles veränderte, mit dem wir heute noch zu tun haben
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Kommenden Dienstag, den 5.Februar, stellen wirwieder vier neue Bücher vor.
Clemens Grote liest vor.
Wir beginnen pünktlich um 19 Uhr.
Der Eintritt ist frei.
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Am Freitag, den 8.Februar tauchen wir an 19 Uhr in das New York von damals und heute ein.

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New York – Past and Present“
Ein Abend mit Geschichten, Bildern und Musik
Mit Ulrich Balß

Das vorliegende Buch ist ein außergewöhnliches Gesamtkunstwerk, ein Fotoband, begonnen in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts, Dokumente und Briefe eines deutschen Buchbinders, dazu aktuelle Fotos, die den Wandel der Stadt dokumentieren. Die Songs der beiliegenden CD mit hochkarätigen, bekannten Musikern umspannt eine Periode von 1928 bis heute. Die Musik ist neu interpretiert, aktuell und spiegelt Vieles von dem Schmelztiegel New York wider.

Es gibt Fotos, mein Großvater als Zweijähriger und ich der Autor, selber zwei Jahre alt zusammen mit meinem Großvater. Unsere Kleinkind-Aussehen ist so verblüffend ähnlich, dass es wohl anzunehmen ist, dass es viele Parallelen in unserem Leben gibt; zweifellos hat er seine Gene vererbt.
Der rote Faden beginnt 1928 mit Theodor Trampler, meinem Großvater aus Leipzig und endet 2018, 90 Jahre später mit der Fertigstellung dieses Buches durch mich, seinen Enkel. Es ist ein Dokument über die Suche nach Arbeit, seiner Zeit in New York und seine Eindrücke vom Leben vor Ort. Eine Zeit, die schnelllebig zu werden begann. Mein Großvater erlebte die erste Zeppelin-Atlantiküberquerung, sah die Konfettiparade, als die Piloten der „Bremen“ empfangen wurden – die erste Flugzeugüberquerung ( mit einer Junkers) von Europa nach Amerika. Seine Kommunikation war der handgeschriebene Brief, in Sütterlin geschrieben. Für mich war dies allerdings eine Herausforderung, da diese altdeutsche Schrift nicht mehr gelehrt und geschrieben wird. Über einige Wochen habe ich die Buchstaben und Textzusammenhänge erlernt. Diese Briefe wurden mit dem Schiff über den Atlantik transportiert und Neuigkeiten waren damit schon Wochen alt, als sie in Leipzig bei seiner Frau Martha und seinen Kindern Gretel und Lisa ankamen. Über 100 Briefe schrieb Theodor in den 15 Monaten in New York nach Hause und genau so viele an seine Eltern und Freunde. Diese Briefe spiegeln den Eindruck eines Arbeitsemigranten und Sozialdemokraten wider, der wegen Heimweh und Heimatliebe dann doch nach Deutschland zurückkehrte und auch dort blieb, nichts ahnend, was ab 1933 folgen sollte

RBB Kulturradio:
https://mediathek.rbb-online.de/radio/Lesestoff/Theodor-Trampler-Ulrich-Balß-New-Yor/kulturradio/Audio-Podcast?bcastId=48866420&documentId=59405766

NDR DAS. FERNSEHEN:
https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/das/Die-Geschichte-von-New-York-Auswanderer-Theodor-Trampler,dasx16540.html

NDR Kultur:
https://www.ndr.de/ndrkultur/sendungen/klassik_a_la_carte/Ulrich-Balss-auf-Spurensuche-in-New-York,sendung862064.html

Freitag, 16.Februar

Heute haben
Joseph Victor von Scheffel * 1826
Nikolai Leskow * 1831
Alfred Kolleritsch * 1931
Aharon Appelfeld * 1932
Richard Ford * 1944
Ian Banks * 1954
Geburtstag
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Zwischen Entweder und Oder führt manches Sträßlein
Joseph Victor von Scheffel
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Jastram-Mitarbeiterin Susanne Link empfiehlt:

Matt Rees: Die Damaskus-Connection
Aus dem Englischen von Werner Löcher-Lawrence.
C.H.Beck Verlag € 16,95

Vor Jahren gab es vier geniale Bethlehem Krimis um Omar Jussuf von Matt Rees, der damals in Jerusalem lebte und arbeitete.
Nun lebt Matt Rees in Luxemburg und hat einen spannenden Thriller geschrieben, der zwischen New York und Damaskus spielt und kapitelweise hin und her springt.
Und ich bin an einem grauen Sonntag atemlos mit „gesprungen“.
Spannend,aktuell und actionreich ist das neue Werk von Rees um den neuen Held Federal Dominic Verrazzano.
Unbedingt lesen.

Hier geht es zur Leseprobe.
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Unsere nächsten Veranstaltungen:

Montag, 19.Februar um 19 Uhr
Benefizveranstaltung
Prof. Dr. Manfred Spitzer spricht über Einsamkeit.
Warum sie uns schadet, und wie wir ihr begegnen können.
Neubau der Sparkasse Ulm
Neue Straße Nr. 66, 89073 Ulm
Hinter der Schalterhalle
Eintritt € 10,00
Der Eintritt geht an den Veranstalter, den Förderkreis der Psychologischen Beratungsstelle des Diakonieverbandes Ulm.
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Mittwoch, 21.Februar um 19 Uhr
Die Übersetzerin Barbara Yurtdas liest aus
Nedim Gürsel: „Der Sohn des Hauptmann“
Bei uns in der Buchhandlung
Eintritt frei
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Donnerstag, 22.Februar um 19 Uhr
Yadé Kara: „Selam Berlin“
In Zusammenarbeit mit dem deutsch-türkischen Kulturverein.
Bei uns in der Buchhandlung
Eintritt € 5,00

Dienstag, 16.Februar

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Heute haben
Joseph Victor von Scheffel * 1826
Nikolai Leskow * 1831
Alfred Kolleritsch * 1931
Aharon Appelfeld * 1932
Richard Ford * 1944
Ian Banks * 1954
Geburtstag
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Gestern haben wir „Memory Wall“ von Anthony Doerr vorgestellt.
Das Buch ist im C.H.Beck erschienen. Gestern abend war ich in München und habe einer Buchpräsentation von Catalin Florescus neuem Roman: „Der Mann, der das Glück bringt“ beigewohnt. Das Buch ist auch bei Beck erschienen. Und am Donnerstag kommt Zora del Buono zu uns in die Buchhandlung. Deren Buch „Gotthard“ auch bei Beck erschienen ist. Mehr Werbung für einen Verlag geht wohl kaum.

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Catalin Florescu:Der Mann, der das Glück bringt
C.H.Beck Verlag € 19,95

Der Beck Verlag hat also nach München in die Österia eingeladen, ca. 50 BuchhändlerInnen gut bewirtet und einen sehr freundlichen, eloquenten Autoren mit im Boot gehabt, der locker zwei Stunden aus seinem Buch vorgelesen hätte und genauso lang darüber hätte sprechen können. Zwischen den verschiedenen Essensgängen blieb Florescu genügend Zeit über sich, sein Schreiben und den neuen Roman zu erzählen. Begrüßt hat er jeden einzelnen mit einem Glas Sekt in der Hand und so gleich mal die erste Scheu genommen.

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Florescu nahm gerne die erste Gelegenheit war, setzte sich auf einen kleinen Tisch und erzählte, wie er als 15jährigen von Rumänien nach Zürich kam, wie er dort sozialisiert wurde und wie dort nach und nach seine Romane entsanden sind. Er spricht über das reale Leben und das seiner Hauptpersonen. Dass wir auf der Welt sind, um zu essen, damit wir nicht sterben. Zumindest nicht sofort.
Er sagt, wie wichtig ihm seine ersten Sätze sind, zitiert einige seiner Romananfänge, muss sich bei einem von einer Buchhändlerin helfen lassen und meint, dass der erste Satz eines Romanes wie das Vibrieren eines Instrumentes ist. Dieser erste Satz gibt alles vor. Es folgt ein zweiter, der auf diesen aufbaut und ein dritter, der sich an die beiden anfügt. Davor steht eine erste Idee. Bei diesem neuen Roman ist es die Stadt New York, Das Pulsieren, das Lachen, die Energie und darauf folgt der 11.September. Es ist die Zerstörung, die sich diesem bisherigen Leben entgegensetzt. Dieses Gerüst steht. Danach geht es mt einem ersten Satz los und dann ist nicht mehr viel möglich, so sagt er. Die Ansage ist gemacht. Ab diesem Moment kann er sich im Text, im Roman austoben. Dies kann er und dies macht er auch. Er versteht es mit Sprache umzugehen. Er lässt uns auf den Wellen seiner Worte mitfließen. Wir können uns einfach treiben lassen, oder uns an Stromschnellen reiben und unsere Gedanken machen. Wasser, Flüsse sind ihm in diesem Roman sehr wichtig. Er beginnt mit dem East River bei Manhattan und dem Donaudelta.

Erstes Kapitel
Der Fluss nahm die Toten sanft auf, als ob er wusste, dass es besondere Tote waren. Der East River, so ungestüm er sein konnte, lag in der Morgendämmerung wie ein breiter, bleierner Streifen. Er war geduldig, er wollte dem Menschen nicht ins Handwerk pfuschen. Er würde die Toten des Ghettos an diesem Tag nicht mehr kriegen, dafür aber andere. Das war so gut wie sicher.

Das Donaudeltakapitel beginnt mit:
Der Bauch einer Schwangeren gehört Gott oder dem Teufel.

Und zum Thema Wasser schreibt er (im Vergleich zum East River)
Die Donau war das Eingeweide Europas. Sie nahm alles in sich auf, was man ihr in ihrem langen Weg quer durch den Kontinent mitgab, und lagerte es im Osten ab.

Und doch sehen sich die Donaudeltabewohner nicht am Hinterteil des Flusses, sondern an dessen Mund, der sie ernährt, der sie verschlingt.
Florescu sagt, dass zuerst eine Idee wie im Nebel in seinem Kopf existiert. Er denkt in Bilder.Er formt in Bilder und erinnert sich an die vielen Filme, die er angeschaut und die ihn geprägt haben. Er zitiert aus seinen Lieblingsfilmen und wir merken, wie sich Sequenzen dieser Filme sich in veränderter Form in seinem Buch wiederfinden.
Dann passiert plötzlich etwas und durch diese Initialzündung weiß er, wie er zu starten hat. Hier war es so, dass er in Washington D.C.für seinen Roman „Zaida“ recherierte und ihn ein alter Mann mit einer Kreissäge (runder, flacher Strohhut) auf dem Kopf ansprach und von sich erzählte. Aus ihm entsand der Ray des Romanes. Florescu wollte nur über ihn schreiben. Über seinen Willen zu überleben, seinen großen Traum zu leben. Bis bei ihm Elena im Kopf erschien, er die beiden Welten enstehen ließ und die beiden Personen, die sich an diesem 11.September 2001 in Manhatten treffen.
Schreiben ist wie Tangotanzen, sagt er. Mal führt er als Autor, mal führen ihn Figuren.
Und Schreiben sei wie gelenkte Schizophrenie.
Lassen Sie sich von „Der Mann, der das Glück bringt“ führen. Treiben sie mit ihm die Flüsse hinunter und tauchen ein in nicht existente Biografien, die Florescu für unsere Augen plastisch modelliert hat.

Leseprobe

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Vielen Dank an den Beck Verlag für den wunderbaren Abend.
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Die war also der zweite Beck’sche Streich. Der dritte folgt am kommenden Donnerstag mit Zora del Buono.
Wir freuen uns auf Ihr/Euer Kommen.