Donnerstag, 2.Februar

Heute haben
Johann Christoph Gottsched * 1700
James Joyce * 1882
Aldo Palazzeschi * 1885
Ayn Rand * 1905
Hella Haasse * 1918
Joanna Bator * 1968
Geburtstag
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Kurt Tucholsky

Ich gucke freundlich um die Oecke
und greife voller Seelenruh
der Muse unter ihre Röcke . . .
Und dabei, Leser, siehst du zu –?

Sie quietscht. Ich grinse. Sie verstehen:
Nicht immer gilt der Klassik Maß.
Denn was wir im Verborgnen drehen,
macht uns am allermeisten Spaß –!

(aus: Fromme Gesänge)
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Unser Bilderbuchtipp:


Franz Hohler (Text) und Kathrin Schärer (Illustrationen):
Das kleine Wildschwein und die Krähen
Hanser Kinderbuchverlag € 16,00
Bilderbuch ab 3 Jahren

Das Wildschwein-Ehepaar bringt ihren Kindern bei, wie sie die Erde aufwühlen, um an Wurzeln zu kommen, oder Stängel abknicken, um Maiskolben essen zu können.
Das kleinste Wildschwein hört jedoch lieber den Vögeln zu und grunzt im Bass mit. das gelingt so gut, dass es in den Vogelchor aufgenommmen wird. Großes Kopschütteln bei den verwirrten Eltern. Das kleine Wildschwein teilt sogar seine Maiskolben mit den Vögeln. Das geht so lange gut, bis es krank wird und auch Kastanien, die der Vater extra jenseits des Gotthardpasses holt nichts mehr helfen. Immer dünner wird das Kleine. Auch der Gesang der Vögel nützt nichts mehr. Nur Kastanien aus Paris würden es retten, meint der Wildschweindoktor. Aber so weit kann kein Wildschwein rennen. Wie gut, wenn man Freunde hat, die fliegen können …

Eine herrliche Tiergeschichte von Franz Hohler und in ihrer gekonnten Art passend illustriert von Kathrin Schärer.

Leseprobe
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Hier eine kleine Vorschau unserer Veranstaltungen:

Dienstag, 7.Februar, 19 Uhr
„Die 1.Seite“

Wir stellen folgende Bücher vor:
Claire Keegan: „Das dritte Licht“
H. W. Richter: „Geschichten aus Bansin“
Milena Michiko Flasar: „Oben Erde, unten Himmel“
Adi Hübel & Dietmar Herzog präsentieren ihr Buch: „Bei Anruf Wort“

Bei uns in der Buchhandlung
Eintritt frei

Die „1.Seite“ gibt es immer am 1.Dienstag im Monat um 19 Uhr.
Also am 7.3., 4.4. … Im Mai fällt die „1.Seite“ aus.

Dienstag, 14.Februar, 19 Uhr
Jana Bürgers und ihre Zeit in der Ukraine

Im Rahmen der „Winterhilfe für die Ukraine“
des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.
Im Anschluß Lyrik auf ukrainisch und deutsch
Bei uns in der Buchhandlung
Eine Spendenkasse steht bereit

Dienstag, 28.Februar, 19 Uhr
SüdwestPresse Forum
Elisabeth Zoll: „Wir bleiben!“

Warum sich Frauen aus der katholischen
Kirche nicht vertreiben lassen.
Im Stadthaus Ulm
Eintritt € 6,50

Mittwoch, 19.April, 19 oder 20 Uhr
Janina Hecht: „In diesen Sommern“

Sparkasse Ulm, Neue Mitte

Freitag, 28.April, 19 Uhr
Milena Michiko Flasar: „Oben Erde, unten Himmel“

Bei uns in der Buchhandlung
Eintritt € 10,00

Mittwoch, 25.Oktober, 19 Uhr
Judith Hermann: „Wir hätten uns alles gesagt“

Ort noch nicht bekannt
Eintritt € 10,00
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Konferenz Arctic Frontiers
„Die Arktis verliert ihren Schutzschild“

Das arktische Eis schmilzt schneller als gedacht. Über die Folgen debattieren Experten auf einer Konferenz im norwegischen Tromsö. Warum die Lage trotzdem nicht ausweglos ist, erklärt Meeresbiologin Boetius im Interview.

tagesschau.de: Bei der Konferenz geht es darum, wie der Klimawandel die Arktis verändert. Wie sehen die Auswirkungen aus?

Antje Boetius: Die sind recht dramatisch, so sagen es alle hier. Ob es die Vereinigung der Bürgermeister der Arktis ist, ob es die Vertreterinnen und Vertreter der indigenen Völker sind, ob Wissenschaft oder Politik – alle sind sich einig: Keine andere Region der Erde steht vor solchen Herausforderungen, denn die Erderwärmung schreitet hier drei- bis viermal so schnell voran wie im Rest des Planeten.

Und das merkt man bei Eis und Schnee, bei Extremwettern oder bei der Frage nach den Chancen der jungen Generation. Die Frage ist: Wie geht man damit um, dass diese Krise überall zu merken ist und alle betrifft?

.

Das komplette Interview finden Sie hier auf tagesschau.de vom 1.2.2023

Mittwoch, 11.Januar


Heute haben
Helmut Zenker * 1949
Diana Gabaldon * 1952
Bert Papenfuß * 1956
Jasper Fforde * 1961
Katharina Hacker * 1967
Mathias Énard * 1972
Geburtstag
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Johann Wolfgang von Goethe
Sag ichs euch, geliebte Bäume

Sag ichs euch, geliebte Bäume?
Die ich ahndevoll gepflanzt,
Als die wunderbarsten Träume
Morgenrötlich mich umtanzt.
Ach, ihr wisst es, wie ich liebe,
Die so schön mich wiederliebt,
Die den reinsten meiner Triebe
Mir noch reiner wiedergibt.
Wachset wie aus meinem Herzen,
Treibet in die Luft hinein,
Denn ich grub viel Freud und Schmerzen
Unter eure Wurzeln ein.
Bringet Schatten, traget Früchte,
Neue Freude jeden Tag;
Nur dass ich sie dichte, dichte,
Dicht bei ihr genießen mag.
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Jetzt erst entdeckt:


Janina Hecht: „In diesen Sommern
C.H.Beck Verlag € 20,00

„Mein Vater, wie er ganz ruhig den Tag beginnt, nicht ausgeglichen, aber stabil. Nie schrie er am Beginn des Tages, er ging mit vorsichtigen Schritten, manchmal etwas Weiches in seinem Gesicht. Als hätte sich erst danach etwas verändert, als führten erst der Mittag und der Nachmittag in eine andere Richtung, und an jedem Morgen hätte es die Möglichkeit zu einem anderen Verlauf der Geschichte gegeben, die ich schreibe.“

Die 1983 bei Stuttgart geborene Autorin tastet sich leise und vorsichtig an „ihre“ Kindheit und Jugend heran. An die schönen Tage im Urlaub, das erste Fahren auf dem Rad, an die Sportsendungen im Fernseher mit dem Vater und das Blumenkübelbepflanzen mit der Mutter. Mit dabei ist meist ihr drei Jahre jüngerer Brüder. Diese Idylle wird durch die Gewaltausbrüche des Vaters gestört. Wenn er einen bestimmten Alkoholpegel überschritten hat, weiß niemand in der Familie, auf welche Art es dieses Mal wieder eskaliert.
In kurzen Kapiteln blättert Janina Hecht ihr „Tagebuch“ auf und nimmt uns mit auf eine Reise ins Erwachsen-, ins Unabhängigwerden mit.
Ein ruhiges Buch, das lange nachhallt.

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Lützenrath wird geräumt.
Hier geht es zum Liveticker des WDR:
https://www1.wdr.de/nachrichten/luetzerath-live-ticker-raeumung-garzweiler-tagebau-100.html
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Jury der „Sprachkritischen Aktion“
Klimaterroristen“ ist Unwort des Jahres 2022

Im Zuge der Protestaktionen von Klimaaktivisten ist unter anderem der Begriff „Klimaterroristen“ gefallen. Der Begriff wurde nun zum Unwort des Jahres 2022 gekürt. Die Aktivisten würden damit „kriminalisiert und diffamiert“, hieß es zur Begründung.

Der Begriff „Klimaterroristen“ wurde zum Unwort des Jahres 2022 gekürt. Das gab die sprachkritische „Unwort“-Aktion in Marburg bekannt. Der Ausdruck sei im öffentlichen Diskurs benutzt worden, um Aktivisten und deren Proteste für mehr Klimaschutz zu diskreditieren, begründete die Jury ihre Wahl.

Sie kritisierte die Verwendung des Begriffs, weil Aktivistinnen und Aktivisten mit Terroristen „gleichgesetzt und dadurch kriminalisiert und diffamiert werden“. Gewaltlose Protestformen zivilen Ungehorsams und demokratischen Widerstands würden so in den Kontext von Gewalt und Staatsfeindlichkeit gestellt, rügte die Jury. Zudem verschiebe der Begriff „den Fokus der Debatte von den berechtigten inhaltlichen Forderungen der Gruppe hin zum Umgang mit Protestierenden“. Der Ausdrucke zähle zu einer Reihe von weiteren Begriffen aus der öffentlichen Debatte, die Aktivistinnen und Aktivisten sowie deren Ziele diffamierten – unter anderem „Ökoterrorismus“ oder „Klima-RAF“.

Den kompletten Artikel gibt es auf tagesschau.de


Dienstag, 22.November


Heute haben
George Eliot * 1819
André Gide * 1869
William Kotzwinkle * 1943
Valery Wilson Wesley * 1947
Viktor Pelewin * 1962
Geburtstag
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Anja Kampmann
moorchaussee

am ende beginnt die marsch
das land dehnt sich in flachen carrées
um die man hunde führt und müde beine
laufen alles ist alltäglich
im herbst spurten die rehe schneller
als der geist zu den aufleuchtenden lichtern
laternenumzüge martinsbrot
inzwischen sind feuer verboten
aber das rauschen hier ist wie
der himmel und zeigt oben weitere straßen
ums moor ziehen sie jetzt zäune
auf den schildern bleiben die entfernungen stets
exakt. und der himmel ist geflutet
mit heimwegen die im dunkeln
unsicher blinken.
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Unser Buchtipp:


Yuval Noah Harari: „Wie wir Menschen die Welt eroberten“
Übersetzt von Birgit Niehaus
Illustriert von Richard Zaplana Ruiz
dtv € 20,00
Kinder/Jugendbuch ab 10 Jahren

Den erfolgreichen Buchautor Harari lässt sein Thema „Menschheitsgeschichte“ nicht los und das ist gut so.
Nach seinem (immer noch) sehr erfolgreichem Buch „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ folgten noch zwei weitere Bände über die Gegenwart und unsere Zukunft. Danach zwei Graphic Novels „Sapiens“ und jetzt noch einmal ein Buch für Leser:innen ab 10 Jahren.
Und wieder spannt er einen großen Bogen von der Entstehung der ersten Menschen, bis hin zu den Problemen unserer heutigen Zeit, wie zum Beispiel Klimakrise, Pandemie und die zunehmende, übergriffige Digitalisierung.
Wie konnte sich dieser körperlich relativ schwache Affe zum Herrn der Welt aufschwingen? Und was musste er tun, um sich die Erde untertan zu machen? Und was ist daraus entstanden und was können wir aus dieser Entwicklung lernen?
Yuval Noah Harari nimmt sich dafür Zeit und möchte diese Geschichte für Jugendliche in vier Bänden erzählen.
Hier also „Unstoppable Us“ Band 1, wie die Reihe im Original heißt.

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Heute Abend:

Dienstag, 22.November, 19 Uhr
Dr.Martin Mäntele stellt uns Otl Aicher vor.

100 Jahre Otl Aicher, 100 Plakate im HfG-Archiv
Eintritt frei

Achtung!!
Alle, die zum Vortrag kommen, erhalten eine Freikarte für die Otl Aicher-Ausstellung oben in der HfG
.

Dienstag, 30.August

Heute haben
Mary Shelley *1797
Ivan Kusan * 1933
Libuse Monikova * 1945
Geburtstag
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Bald ist es soweit:

September
Gedichte ausgewählt von Evelyne Polt-Heinzl und Christine Schmidjell
Reclam Verlag € 6,00

Kaum zu glauben. Jetzt hatten wir einen heißen Sommer, kaum Regen und doch bricht so langsam der Herbst an. Die Tage werden kürzer, morgens brauche ich Licht zum Arbeiten und abends zum Lesen ist es das Gleiche. Rote Tomaten, Zwetschgen in allen Farben gibt es zu kaufen und die Morgennebel hängen in den Ebenen.
Die Klimaveränderung zeigt sich bei uns immer deutlicher. Wassermangel in den Flüssen und Dürren auf den Feldern. In Ulm hat sich ein Klimabündnis gegründet, in dem viele Gruppierungen teilnehmen. Vielleicht ist es Ihnen auch ein Bedürfnis mitzumachen.
Doch zunächst zwei Gedichte auf den sich anbahnenden Herbst.

Rainer Maria Rilke
Herbsttag

Herr: Es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren
und auf den Fluren laß die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten reif zu sein
gib Ihnen noch zwei südlichere Tage
dräng sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Friedrich Hebbel
Herbstbild

Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
Die Luft ist still, als atmete man kaum,
Und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,
Die schönsten Früchte ab von jedem Baum.

O stört sie nicht, die Feier der Natur!
Dies ist die Lese, die sie selber hält,
Denn heute löst sich von den Zweigen nur,
Was von dem milden Strahl der Sonne fällt.
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Dienstag, 6.September, 19.00 Uhr
„Die erste Seite“

Wir stellen vier neue Bücher vor:


Eeva-Liisa Manner: „Das Mädchen auf der Himmelsbrücke“
Giulia Caminito: „Das Wasser des Sees ist niemals süß“
Shelly Kupferberg: „Isidor“
Kristina Gorcheva-Newberry: „Das Leben vor uns“

Es liest Clemens Grote
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Der Jastram-Blog macht ein paar Tage Ferien und Pause und meldet sich nächste Woche wieder.

Donnerstag, 24.Februar

Heute haben
Erich Loest * 1926
Ferit Edgü * 1936
Keto von Waberer * 1942
Leon de Winter * 1954
Geburtstag
und es ist der Todestag von Uwe Johnson.
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Lange Wellen treiben schräg gegen den Strand, wölben Buckel mit
Muskelsträngen, heben zitternde Kämme, die im grünsten Stand
kippen. Der straffe Überschlag, schon weißlich gestriemt, umwik-
kelt einen runden Hohlraum Luft, der von der klaren Masse zer-
drückt wird, als sei da ein Geheimnis gemacht und zerstört worden.
Die zerplatzende Woge stößt Kinder von den Füßen, wirbelt sie
rundum, zerrt sie flach über den graupligen Grund. Jenseits der
Brandung ziehen die Wellen die Schwimmende an ausgestreckten
Händen über ihren Rücken. Der Wind ist flatterig, bei solchem
drucklosen Wind ist die Ostsee in ein Plätschern ausgelaufen. Das
Wort für die kurzen Wellen der Ostsee ist kabbelig gewesen.
Uwe Johnson aus „Jahrestage“ (Der erste Abschnitt)
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Nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse 2022 / Sachbuch


Christiane Hoffmann: „Alles, was wir nicht erinnern
Zu Fuß auf dem Fluchtweg meines Vaters
CH Beck Verlag € 22,00

Ein faszinierendes, sehr kluges, privates, ehrliches und erhellendes Buch über das Erinnern, über die Flucht ihres Vaters, über Heimat, Vertreibung, Trauma, Fremdenhass und Antisemitismus. Aber auch über Familie, Erzählen und mit einem offenen Blick durch die Welt gehen und so auch anderen Menschen begegnen.

Was soll ihnen noch erzählen, wo ich auf der Beck-Homepage dieses Interview gefunden habe:

Es gibt viel Literatur zu Flucht und Vertreibung. Was macht Ihr Buch besonders?

Mein Buch spielt nicht nur in der Vergangenheit. Es ist zugleich Reisebericht, Familiengeschichte und die Erzählung einer Vater-Tochter-Beziehung. Es schneidet die verschiedenen Erzählstränge und historischen Ebenen ineinander, und bewegt sich dabei an der Grenze zwischen Literatur und Sachbuch. Ich habe die Familiengeschichte in die Gegenwart geholt, indem ich den Fluchtweg meines Vaters noch einmal gegangen bin.

Wie kamen Sie auf die Idee, die Flucht Ihres Vaters nachzuwandern?

Mein Vater ging im Winter 1945 mit dem Treck seines Dorfes Rosenthal in Schlesien 550 Kilometer nach Westen, von der Oder bis fast nach Bayern. Seine Flucht, die Herkunft aus einem Ort, den es für uns nicht mehr gibt, war für mich seit der Kindheit ein Lebensthema. Ich habe mich immer wieder damit beschäftigt, bin nach Rosenthal gereist, mit meinem Vater, meinen Kindern. Und nach dem Tod meines Vaters auch allein. Ich habe darüber gar nicht so viel nachgedacht. Ich habe wohl, ohne es zu wissen, nach Wegen gesucht, sein Schicksal zu verarbeiten. Und irgendwann habe ich verstanden, dass es nicht nur um Rosenthal geht, um den Ort, sondern auch um den Weg, den er gegangen ist. Zugleich wollte ich auch etwas über die Länder erfahren, durch die seine Fluchtroute führte, über das heutige Polen und Tschechien, darüber, wie die Menschen dort jetzt mit der Vergangenheit leben, was sie für ihr Verhältnis zu Deutschland und zur EU bedeutet.

Haben Sie auf Ihrer Wanderung etwas Neues über Ihren Vater gelernt? Sehen Sie ihn jetzt anders als vorher?

Das war nicht das Ziel. Jedenfalls nicht in einem vordergründigen Sinn. Aber am Ende konnte ich etwas besser erfassen, was mein Vater durchgemacht hat, und zwar vor allem körperlich. Ich kann jetzt nachfühlen, was es heißt 550 Kilometer zu Fuß zu gehen, welche Schmerzen man dabei hat, wie leer und apathisch man wird. Und dabei ging es mir ja viel besser als meinem Vater: Damals herrschte Krieg, die Menschen waren in Lebensgefahr und Angst, und der Winter 1945 war viel kälter als der Winter 2020.

1945 blieb der Treck Ihres Vaters innerhalb der Grenzen des Deutschen Reiches. Ihre Wanderung führte dagegen durch drei Länder: Polen, Tschechien und Deutschland. Ist die Vergangenheit dort noch präsent?

Vor allem in Polen sind es Gebiete, deren Bevölkerung fast komplett ausgetauscht wurde. Alte Menschen, mit denen ich sprechen konnte, erinnerten sich noch daran, wie sie in die schlesischen Dörfer gekommen waren. Vertreibung, Heimatverlust, Neubeginn – sie hatten dasselbe Schicksal wie meine Eltern und Großeltern. Zugleich war es sehr interessant zu sehen, wie lange es dauert und wie schwierig es ist, sich Orte anzueignen. Das hat eigentlich erst vor wenigen Jahren so richtig begonnen mit der Generation der Enkel. Ich bin in den Provinzstädten in Museen gegangen, wo man sehr gut sehen konnte, wie man sich die Geschichte der ehemals deutschen Orte aneignet, was gesagt wird und was verschwiegen. Es gibt noch immer vieles, was sehr schwierig ist, aber die deutsche Geschichte dieser Gebiete ist nicht mehr Tabu.

Eine Wanderung wirft einen stark auf einen selbst zurück. Gleichzeitig wollten Sie Eindrücke sammeln, mit Menschen reden. Wie sind Sie mit diesem Spannungsverhältnis umgegangen?

Das war schwierig. Ich war sehr viel allein auf der Landstraße oder auf Feldwegen unterwegs. Manchmal war ich dann kaum in der Lage, einen klaren Gedanken zu fassen, geschweige denn auf Menschen zuzugehen. Trotzdem hatte ich viele tolle, wertvolle Begegnungen. Die Leute hielten mich für ein bisschen verrückt. Zu Fuß? Allein? Das wurde ich immer wieder gefragt. Aber sie luden mich in ihre Küchen ein auf einen Tee, ein Bier, einen Schnaps. Manche ließen mich sogar bei sich übernachten. Wir sprachen über die Vergangenheit, die Macht der Geschichte, aber auch über das heutige Europa und die EU.

Von Sabine Bode stammen die Begriffe «Kriegskinder» und «Kriegsenkel». Gibt es auch «Fluchtkinder» und «Fluchtenkel»?

Die «Fluchtkinder» teilen mit den «Kriegskindern» traumatische Erfahrungen: die existentielle Bedrohung, den Verlust der vertrauten Ordnung und die verstörende Hilflosigkeit der Erwachsenen. Aber die Fluchtkinder sind eine besondere Gruppe innerhalb der Kriegskinder, weil sie zudem noch den lebensbedrohlichen Fluchtweg, oft über Wochen – mein Vater war fast sieben Wochen lang unterwegs – , gemacht haben, weil ihre Familien entwurzelt wurden, sie verloren ihre Heimat. Mein Vater hat im Jahr 1945 seinen Bruder, seine Großmutter, seinen Onkel, seine Heimat, den Hof, das Erbe und für lange Zeit auch seinen Vater verloren, der erst Jahre später aus sowjetischer Gefangenschaft zurückkehrte. Er verlor auch einen Teil seiner Erinnerung. Dieser Bruch wirkte, wie bei anderen Kriegskindern, auch noch auf die nachfolgenden Generationen.
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tagesschau.de am 23.Februar
Bericht des UN-Umweltprogramms
Weltweite Zunahme von Waldbränden

Verheerende Waldbrände wie in jüngster Zeit in Australien und Kalifornien werden laut einem UN-Bericht wegen des Klimawandels deutlich zunehmen – auch zum Beispiel in der Arktis. Und die Welt sei nicht gut auf diese Katastrophen vorbereitet.

Die Vereinten Nationen haben vor einer Häufung von Waldbränden gewarnt. „Selbst bei den ehrgeizigsten Anstrengungen zur Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen wird der Planet eine dramatische Zunahme der Häufigkeit von Bedingungen erleben, die extreme Brände begünstigen“, heißt es in einem Bericht des UN-Umweltprogramms (UNEP). Die globale Erwärmung und Veränderungen bei der Landnutzung brächten es mit sich, dass sich das Phänomen in den kommenden Jahrzehnten in großen Teilen der Welt verschlimmern werde. …

Den kompletten Beitrag gibt es hier.

Mittwoch, 1.Dezember

Heute kommt das erste Adventskalender-Küken von Anke Raum.
Vielen Dank, liebe Anke (www.ankeraum.de)

Heute haben
Rex Stout * 1886
Ernst Toller * 1893
Geburtstag
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„Eine jüdische Mutter hat mich geboren, Deutschland hat mich genährt, Europa mich gebildet, meine Heimat ist die Erde, die Welt mein Vaterland.“
Ernst Toller aus: Eine Jugend in Deutschland
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Unser Tipp des Tages:


Timothy Snyder: „Über Tyrannei“
Zwanzig Lektionen für den Widerstand
Beck Verlag € 10,00
Illustrierte Ausgabe von Nora Krug
Beck Verlag € 20,00

Nora Krug hat wieder ein Meisterwerk geschaffen. Wie schon in ihrem genialen Buch „Heimat“, verarbeitet sie mit verschiedenen Maltechniken ein komplexes Thema.

Leiste keinen vorauseilenden Gehorsam.

So lautet die erste von 20 Lektionen für den Widerstand, mit denen Timothy Snyder die Bürger der Vereinigten Staaten von Amerika auf einen Präsidenten vorbereitet, der das Gesicht der Demokratie verstümmelt und eine rechtsradikale Tyrannei errichtet.
Dennoch ist es kein Handbuch nur für US-Amerikaner:innen. Hier in Europa und überall auf der Welt gibt es immer mehr Populisten und eine erhöhte Gefahr von rechts.
Snyders Leitfaden soll uns allen eine Hilfe sein. Wir müssen handeln und zwar jetzt. Und das in verschiedenen Bereichen, wie zum Beispiel in Zeiten des Klimawandels, der Klimakatastrophe.

Schauen Sie in die Leseprobe und merken sofort, wie besonders diese Ausgabe ist.

Leseprobe

  1. Leiste keinen vorauseilenden Gehorsam.
  2. Verteidige Institutionen.
  3. Hüte dich vor dem Einparteienstaat.
  4. Übernimm Verantwortung für das Antlitz der Welt.
  5. Denk an deine Berufsehre.
  6. Nimm dich in Acht vor Paramilitärs.
  7. Sei bedächtig, wenn du eine Waffe tragen darfst.
  8. Setze ein Zeichen.
  9. Sei freundlich zu unserer Sprache.
  10. Glaube an die Wahrheit.
  11. Frage nach und überprüfe.
  12. Nimm Blickkontakt auf und unterhalte dich mit anderen.
  13. Praktiziere physische Politik.
  14. Führe ein Privatleben.
  15. Engagiere dich für einen guten Zweck.
  16. Lerne von Gleichgesinnten in anderen Ländern.
  17. Achte auf gefährliche Wörter.
  18. Bleib ruhig, wenn das Undenkbare eintritt.
  19. Sei patriotisch.
  20. Sei so mutig wie möglich.

Mittwoch, 17.November

Ab heute gilt im Buchhandel die 3G-Regel.
Das heisst, Sie müssen also entweder getestet (Schnelltest in der Apotheke reicht), genesen oder geimpft sein und das nachweisen können.
Bitte zeigen Sie uns beim Eintreten unaufgefordert den entsprechenden Nachweis, damit erleichtern wir uns alle das Leben in der kleinen Buchhandlung.

Danke.

(Modell im Ulmer Rathaus)

Heute hat
Isabelle Eberhardt * 1877
Geburtstag
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Winfried Hermann Bauer
Splitter

Rüstzeug alles
Strebekreuz und scharfes Gitter
Ein plangeschienter Geist
Im Einerlei vertäut
Entzweit
die Sehne reißt
Das Ich
Entgleist
Und
WeltumWeltumWelt
Verliert sich in der Zeit
Doch sieh!
Noch wetzt im Ton, der dich und mich geweiht
Ein Vogel sich
Am alten Turm
Und heischt nach Ewigkeit
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Yuval Noah Harari: „Sapiens 2 – Die Falle
Illustrationen von David Vandermeulen und Daniel Casanave
Aus dem Englischen von Andreas Wirthensohn
C.H.Beck Verlag € 25,00

„Sapiens“ kehrt zurück: Die Graphic Novel zu Yuval Noah Hararis Weltbestseller „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ geht in die zweite Staffel. Im ersten Band schwangen sich die frühen Sapiens zu Herren der Welt auf. Im zweiten Band werden sie von einem völlig unscheinbaren Lebewesen aufs Kreuz gelegt. Wer das war? Das erfahren Sie in „Sapiens: Die Falle“.
Vor etwas mehr als 10.000 Jahren trafen einige Sapiens eine Entscheidung, die den Gang der Geschichte dramatisch verändern sollte: Sie fingen an, mit Weizen zu experimentieren. Bald war die Welt nicht mehr von einer relativ kleinen Zahl gesunder, gleicher und freier Jäger und Sammler bevölkert, sondern von einer sehr viel größeren Zahl hart arbeitender, schlecht ernährter und kranker Bauern. Die landwirtschaftliche Revolution legte die Grundlage für komplexere soziale und politische Gebilde. Königreiche und Imperien entstanden. Doch für die meisten Menschen wurde das Leben schlechter. Sie waren jetzt Sklaven des Weizens und mussten auf den Feldern Arbeiten verrichten, für die ihr Körper nicht gemacht war. Gleichzeitig kam die Ungleichheit in die Welt. Ohne die landwirtschaftliche Revolution gäbe es unseren heutigen Wohlstand nicht, aber er wurde möglich auf dem Rücken von Generationen unglücklicher Bauern.   

Samstag, 4.September

Heute haben
Francois Chateaubriand * 1768
Leonard Frank * 1882
Antonin Artaud * 1896
Richard Wright * 1908
Per Olof Sundman * 1922
Joan Aiken * 1924
Thorsten Becker * 1958
Geburtstag
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Nur wer denkt und die Menschen liebt, kann ihnen den Frieden bringen.
Wir denken nicht und lieben nur uns selbst.

Leonard Frank
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Unser Buchtipp:


Jo Lendle: „Eine Art Familie
Penguin Verlag € 22,00

„Es ist die Geschichte einer deutschen Familie. Zufällig meiner eigenen.“
Jo Lendle

Familiengeschichten gibt es jede Menge und Romane mit einer Frau aus den 50er Jahren auf dem Umschlag sind ja schwer angesagt. Wie Jo Lendle das allerdings macht, ist schon ein anderes Kaliber. Sein Ton, sein Stil schwingt, hat eine Leichtigkeit, obwohl es nicht lustig ist, was wir zu lesen bekommen.
Schon der Beginn, als die erste Kugel eines Attentäters nicht sein richtiges Opfer, sondern einen gemeinen Soldaten und somit den Vater von Alma trifft, ist ein genialer Romaneinstieg. Dass dann seine herbeieilende Frau auch noch von der Straßenbahn überrollt wird, macht Alma innerhalb kurzer Zeit zur Vollwaise. Nach einigen Umwegen landet Alma bei ihrem Patenonkel Lud(wig), der eigentlich gar kein Onkel, eher ein Neffe und fast gleichalt ist. Somit haben wir schon die beiden Hauptpersonen. Dazu gesellt sich noch Luds Bruder Wilhelm, zwischen denen schon immer eine Art Rivalität herrscht.
Mit diesen Figuren führt uns der Autor durch das Kaiserreich über den Nationalsozialismus bis in die DDR und BRD der Nachkriegszeit.
Was geschieht mit einer Familie, in diesen wirren Zeiten? Welche Wege gehen die einzelnen Personen, ihr Kampf um Ideale und Schuld bilden den Grundstock dieses Familienromans.
Mehr will ich nicht aus dem Inhalt preisgeben, Ihnen aber diese Lektüre sehr empfehlen.

Hier geht es zu einem Interview im Buchmarkt.
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1. Welches Buch lesen Sie gerade?
2. Welches Buch empfehlen Sie unbedingt?
3. Welches Buch wollen Sie schon immer mal (wieder) lesen?

Irene Pellkofer (Verkausleitung Buchhandel, Stellvertretende Vertriebsleitung im C.H.Beck Verlag) empfiehlt:

1.Helga Schubert, Vom Aufstehen
Clemency Burton-Hill, Ein Jahr voller Wunder
(Klassische Musik für jeden Tag)
Catalin Florsescu, Der Feuerturm (erscheint im Februar 2022 bei C.H.Beck)
2.Uwe Wittstock, Februar 33  
Liz Moor, Long Bright River
Ibrahima Balde, Kleiner Bruder
3.Scerbanenco, Das Mädchen aus Mailand
Virginia Woolf, Orlando
John Eliot Gardiner, Bach

Danke!!!
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Unsere nächsten Veranstaltungen:

Dienstag, 14.September, 19:30 Uhr
Stadtbibliothek Ulm

„Wortschatzübung #9 – Ungeduld“
u.a. mit Samy Wiltschek

Donnerstag, 16.September, 19.30 Uhr
Stadtbibliothek Ulm
„Blind Date Lesung“
Ein/e Autor:in aus der Longlist zum Deutschen Buchpreis kommt.
Wir wissen selbst nicht wer.
Eintritt € 5,00

Jaaa, es gibt sie wieder.
„Die erste Seite“ an einem anderen Ort zu einer anderen Uhrzeit,
an einem anderen Tag.
Aber wieder mit vier Büchern und mit Clemens Grote.

Sonntag, 19.September, 11 Uhr
vh Ulm, Club Orange
„Die erste Seite“
Wir stellen vier neue Bücher vor
Es liest Clemens Grote
Eintritt frei

Wir bieten auch wieder unseren Buchgenuß nach Ladenschluß an.
In kleinem Rahmen und mit weniger Personen.

Mittwoch, 18.August

Foto: Rudi Deuble

Heute haben
Elsa Morante * 1912
Alain Robbe-Grillet * 1922
Ulrich Woelk * 1960
Geburtstag
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Statt eines Gedichtes, der Beginn des neuen Romanes von
Ulrich Woelk: „Für ein Leben„, C.H.Beck Verlag € 26,00

1 Fehldiagnose

Als Nikisha Lamont ihrem späteren Ehemann,
Clemens Rubener, erstmals begegnete, hätte sie ihm um ein Haar die
Fruchtbarkeit geraubt. Das war im Winter 1989 / 90, kurz nachdem
die Mauer zwischen Ost- und Westberlin gefallen war, politisch aber
noch zwei deutsche Staaten existierten. Die geteilte Stadt, die ge-
schlossenen Grenzen kannte Niki nicht, sie war erst vor wenigen
Wochen aus Guadalajara in Berlin angekommen und hatte eine Stelle
als Ärztin in einem Krankenhaus im Bezirk Wedding angetreten –
nicht unbedingt dem attraktivsten Viertel der Stadt. Aber das wusste
sie nicht.
Das Krankenhaus lag in der Nähe der Grenzanlagen, und Niki
hatte als Ärztin vom ersten Tag an fast pausenlos zu tun. Die Öff-
nung der Mauer hatte den Notaufnahmen, die auch vorher schon
notorisch überfüllt gewesen waren, eine Menge weiterer Patienten
beschert. Überhaupt konnten sich sämtliche Westberliner Institutio-
nen und Geschäfte danach vor Publikum kaum retten – ganz gleich
ob Banken, Supermärkte, Autohäuser oder Sexshops. Überall stan-
den Neugierige und Schaulustige aus der Osthälfte der Stadt und des
ganzen Landes Schlange, und so herrschte in den Straßen Westber-
lins ein paar herbst- und frühwinterliche Wochen lang eine ungewöhn-
liche Mischung aus alltäglicher Geschäftigkeit, vorweihnachtlichem
Einkaufsgedränge und historischer Euphorie. Berlin hatte sich gleich-
sam verdoppelt, und ein Witzbold meinte, dass John F. Kennedy in
diesem beispiellosen Winter 1989 / 90 hätte sagen müssen: «Ich bin
zwei Berliner.»
Clemens Rubener kam mit akuten Schmerzen im linken Hoden in
die Notaufnahme. Draußen hatte es begonnen zu schneien, und jedes 10
Mal wenn die Automatiktür sich öffnete, wehte ein Schwall kalter
Luft mit nervösen Flockenwirbeln in den Korridor. Durch ein Fenster
im Anmeldungsraum konnte man den verwaschenen Schein der
Bogenlampen sehen, die den nahen Grenzstreifen beleuchteten, keine
fünfzehn Gehminuten vom Krankenhaus entfernt.

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1. Welches Buch lesen Sie gerade?
2. Welches Buch empfehlen Sie unbedingt?
3. Welches Buch wollen Sie schon immer mal (wieder) lesen

Barbara Weidle (Verlegerin, Weidle Verlag) empfiehlt:

1.Max Mohr: „Die Freundschaft von Ladiz
und ein Buch mit Interviews mit Etel Adnan. (Große Lyrikerin, Philosophin, Malerin)
2.Yvonne Adhiambo Owuor: „Das Meer der Libellen
3.Marcel Proust: „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit

Vielen Dank!!
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Das Literarische Quartett
am Freitag, 27.August
Im TV-Programm um 23:10 – 23:55 Uhr
Als Video verfügbar ab 16:00 Uhr

In der Sommer-Ausgabe lädt Thea Dorn zum temperamentvollen Literaturtalk
mit Christian Berkel, Ijoma Mangold und David Schalko.
Über diese Bücher wird gesprochen:

Jenny Erpenbeck: Kairos.
Eva Menasse: Dunkelblum
Klaus Pohl: Sein oder Nichtsein
Sigrid Nunez: Was fehlt dir
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Die Klimakrise ist real.

Tornado in Berumerfehn
Nun beginnt das Aufräumen

Ein Tornado hat in der Gemeinde Großheide eine Schneise der Verwüstung hinterlassen. Die vorläufige Bilanz: 50 zum Teil nicht mehr bewohnbare Häuser und zerstörte Autos. Nun geht das Aufräumen los.

Kipp-Punkt überschritten
Dorsch in der Ostsee droht auszusterben

In der westlichen Ostsee sind die Dorschbestände so stark geschrumpft, dass sie sich vorerst nicht erholen können. Das geht aus einer neuen Studie hervor. Die Hauptgründe dafür: Klimawandel und Überfischung.

Waldbrand nahe Saint-Tropez
Tausende retten sich vor den Flammen

Seit Montag wütet ein Waldbrand bei Saint-Tropez an der Cote d’Azur. Tausende Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden, zahlreiche Campingplätze wurden evakuiert. Starke Winde fachen die Flammen weiter an.
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Dienstag, 14.Juli

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Heute haben
Issac B.Singer * 1904
Natalia Ginzburg * 1916
Polina Daschkowa * 1960
Geburtstag
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Theodor Storm
Juli

Klingt im Wind ein Wiegenlied,
Sonne warm herniedersieht,
Seine Ähren senkt das Korn,
Rote Beere schwillt am Dorn,
Schwer von Segen ist die Flur –
Junge Frau, was sinnst du nur?
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getimage

Marie-France Hirigoyen: „Die toxische Macht der Narzissten“
und wie wir uns dagegen wehren

Aus dem Französischen von Thomas Schultz.
C.H.Beck Verlag € 16,95

Marie-France Hirigoyen Psychoanalytikerin und Familientherapeutin hat sich nach ihrem erfolgreichem Buch „Die Masken der Niedertracht“ (über seelische Gewalt im Alltag) einem neuen, aktuellen Thema zugewandt.
Was liegt bei Narzissmus näher, als mit Donald Trump zu beginnen. Eigentlich schon irgendwie langweilig, immer ihn zu zitieren. Aber dieses erste Kapitel ist sehr erhellend, was Narzissmus anbelangt, welche Formen von Narzissmus es gibt und wie sich an der Person Trump festmachen lassen.
Danach geht sie die einzelnen Forschungsströumngen durch, durchsetzt mit vielen Fallbeispielen aus ihrer Praxis.
Es zeigt sich, dass unsere westliche Gesellschaft, unser Turbokapitalismus ein idealer Nährboden für Narzissten ist. Junge, dynamische Männer, denen nur ihr eigener Erfolg, ihre eigene Karriere wichtig ist. Der Grundstein liegt, ihrer Meinung nach, schon im Kindesalter, wenn die Eltern ihre Kinder als extrembegabt sehen und diese Meinung sich beim Kind festsetzt.
Die Folgen des herrschenden Narzissmus reichen von Machtmissbrauch bis zu permanenten Lügen und Tricksereien. Hirigoyens Buch wappnet uns gegen den Narzissmus in unserer Welt und zeigt, wo die Gegenmittel zu finden sind.

„In einer von allmächtigen Narzissten geführten Welt kann man nur beunruhigt sein“, schreibt Hirigoyen.

Ihr Buch endet mit folgenden Zitaten:

„Nach der Ära des Exzesses wird die Zeit der Mäßigung kommen. Glücklicherweise beginnt sich ein wachsendes Bewusstsein für die unheilvollen Auswirkungen der Narzissisierung unserer Gesellschaft abzuzeichnen. Ich denke, in Wirklichkeit erleidet unsere Zivilisation derzeit das letzte Aufbäumen der triumphierenden Virilität der Supernarzissten. Die Lösung wird von den Jugendlichen kommen, sie sind die Hoffnungsträger.“

„Nach der Ära des Exzesses wird die Zeit der Mäßigung kommen. Vielen Menschen wird auf ihre Weise bewusst, dass wir unsere Lebensweise ändern müssen, dass wir unsere Art zu Konsumieren mit unserer Umwelt in einklang bringen müssen und dass wir die anderen akzeptieren müssen, so wie sie sind. Das ist der Weg, um die Pathologien des Narzissmus zu überwinden.“