Dienstag, 7.Juni


Heute haben
Elizabeth Bowen * 1899
Mascha Kaleko * 1907
Orhan Pamuk * 1952
Louise Erdrich * 1954
Fred Vargas * 1957
Geburtstag
und es ist der Todestag von Friedrich Hölderlin, Goerge Sand, Hans Arp, Dorothy Parker, E.M.Forster, Christine Lavant, Henry Miller, Michael Hamburger und Jorge Semprun.
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Friedrich Hölderlin
An eine Rose

Ewig trägt im Mutterschoße,
Süße Königin der Flur!
Dich und mich die stille, große,
Allbelebende Natur;
Röschen! unser Schmuck veraltet,
Stürm entblättern dich und mich,
Doch der ewge Keim entfaltet
Bald zu neuer Blüte sich.
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Unser Buchtipp:

Rüdiger von Fritsch: „Zeitenwende
Putins Krieg und die Folgen

Aufbau Verlag € 18,00

Rüdiger von Fritsch war u.a. Botschafter in Warschau und in Moskau. Er ist dort vielen russichen Politikern begegnet, auch Putin, hat an vielen internationalen Verhandlungen teilgenommen und darf wohl als Russland-Experte bezeichnet werden.
Der Krieg in der Ukraine hat viel Verhandeltes, Erhofftes, Geglaubtes über den Haufen geschmissen. Olaf Scholz spricht u.a. von einer Zeitenwende.
Von Fritsch analysiert die letzten Jahrzehnte mit Russland, wie die EU, die Nato u.a. auf die Besetzung der Krim und den Krieg im Donbass reagierte. Er schreibt über die Nato-Osterweiterung und dass es im Moment mit Russland keine gemeinsame Zukunft gegen wird. Trotzdem muss es ein Miteinander geben, bevor noch Schlimmeres passiert.
Das schmale, sehr aktuelle Buch war für mich sehr erhellend und aufschlussreich, da von Fritsch in einer ruhigen Art Vorgänge aufschreibt, die mir in dieser Form nicht klar waren.
Ein kluge Alternative zu den vielen Kurzmeldungen, die wir täglich bekommen.

„Maßnahmen der Transparenz und der militärischen Vertrauensbildung, Schritte der Rüstungskontrolle und der Abrüstung. Wir müssen aus der Konfrontation eine geordnete Konfrontation machen. Und zum anderen dürfen wir nie den Glauben daran verlieren, dass die Zukunft uns heute unbekannte Lösungen bringen kann für Probleme, die wir heute genau kennen und für unlösbar halten. Geschichte ist lang und windungsreich und wir wollen ja an dem Vorsatz festhalten, auch mit Russland auf dieser eurasischen Landmasse verträglich, friedlich und zum gegenseitigen Nutzen zusammenzuleben. Wir müssen, so und wo das möglich ist, bis dahin den mutigen Frauen und Männern der russischen Zivilgesellschaft zur Seite stehen“.

Rüdiger von Fritsch bei SWR1-Leute:
www.swr.de/swr1/swr1leute/ruediger-von-fritsch-diplomat-krieg-in-europa-was-nun-100.html
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Hardy on Tour
Tag 11 
116 km und ca. 1250 Höhenmeter bis nach Sidmouth 

Ein prima Radtag durch die ländliche Grafschaft Dorset. Liebliche Landschaft und Dörfer, satte Weiden, enge und sehr ruhige Wege umsäumt von Hecken und Büschen, kräftezehrende Anstiege und waghalsige Abfahrten und all das bei sonnigem Wetter mit frischem Wind. Ein wirklich schöner Fahrradtag an dem eigentlich auch nichts schief lief.

So radelt es sich doch schön.

Typischer kleiner Laden, in dem es alles gibt, was man so braucht.
Lidl und Aldi sind übrigens sehr präsent hier im Süden Englands.

Heute gab es einen neuen Mantel auf’s Fahrrad.
Ich hoffe, die Platten sind ab jetzt Vergangenheit.

Alle Bilder, das komplette Radltagebuch gibts hier:
https://hardyontour.wordpress.com

Montag, 14.Februar


Heute haben
Max Horkheimer * 1895
Alexander Kluge * 1932
und Josef Hader *1962
Geburtstag
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„Der menschliche Neugiertrieb ermüdet, wenn er immerzu auf die Hauptsache guckt.“
Alexander Kluge
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Was für ein starkes Buch:


Tove Ditlevsen: „Gesichter
Aus dem Dänischen von Ursel Allenstein
Aufbau Verlag, 160 Seiten, € 20,00

Verrückt, irre, der pure Wahnsinn – diese Wörter benutzen wir im Alltag, ohne auf die Bedeutung der Worte zu achten. Hier in diesem Roman, der 1968, kurz nach der Kopenhagen Trilogie, erschienen ist, geht es aber tatsächlich um Wahnvorstellungen, um das, dass etwas ver-rückt ist. Einiges in diesem Buch dürfte wieder autobiografisch sein, wie schon in den drei Romanen davor. Und doch sollten wir den Text als fiktionale Erzählung lesen. Ein Bericht über eine erfolgreiche Kinderbuchautorin, die nach einer Dankesrede, die ihr Mann für sie geschrieben hat, keine Zeile mehr zu Papier gebracht hat. Sie hört Stimmen aus dem Kopfkissen und aus den Wasserrohren in ihrer Wohnung. Sie meint, dass ihr Mann und ihre Haushälterin sie in den Selbstmord treiben wollen. Ihre Rettung ist ein Suizidversuch, der sie für drei Wochen in die Psychiatrie bringt und sie in Sicherheit vor den vermeintlichen Gefahren.
Dass dieser Roman nicht zu einem düsteren Krankenhausbericht wird, dafür sorgt die Sprachgewalt und die Worterfindungen der Autorin. Unglaublich, was sie mit dem Wort „Gesicht“ alles macht, welche Beschreibungen, welche Assoziationen sie findet. So etwas habe ich noch nie gelesen.
Eine tolle Entdeckung und nach über 50 Jahren und immer noch tagesaktuell, wo täglich offen über psychische Gesundheit, Depression und Sucht geschreiben und diskutiert wird.

Mittwoch, 4.August

Heute haben
P.B.Shelley * 1792
Knut Hamsun * 1859
René Schickele * 1883
Erich Weinert * 1890
Witold Gombrowicz * 1904
Geburtstag
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Wilhelm Busch
Fortuna

Fortuna lächelt; doch sie mag
nur ungern voll beglücken;
schenkt sie uns einen Sommertag,
schenkt sie uns auch Mücken.
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Unser Taschenbuchtipp:

9783351037901

Giosuè Calaciura: „Die Kinder des Borgo Vecchio
Aus dem Italienischen von Verena von Koskull
Aufbau Verlag € 10,00

Der Borgo Vecchio ist ein armer Stadtteil in Palermo. Dort, wo jeder ums Überleben kämpft. Es gilt das Gesetz der Straße. Solidarität ist nicht vorhanden. Der Autor Giosuè Calaciura kommt aus Palermo, lebt in Rom und stellt drei Jugendliche in den Vordergrund. Mimmo, Cristofaro und Celeste träumen von einer besseren Zukunft, obwohl all ihre Hoffnung längst zerstoben sind. Mimmos Vater hat seine Metzgereiwaage gezinkt, Cristofaros Vater ist Alkoholiker und v erprügelt ihn allabendlich. Celestes Mutter ist Prostituierte und schickt ihre Tochter auf den Balkon, wenn sie Männerbesuch hat. Alle drei schauen zu Totò auf, den Quartierskriminellen, der auch eine Pistole besitzt.
Giosuè Calaciura findet eine magisch, poetische Sprache für diese Brutalitäten.
Als es zum großen Showdown kommt, können wir den Weg einer Pistolenkugel durch den Borgo mitverfolgen. So etwas habe ich auch noch nie gelesen.

„Eines der schönsten und grausamsten Bücher des Jahres.“
Corriere della Sera
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1. Welches Buch lesen Sie gerade?
2. Welches Buch empfehlen Sie unbedingt?
3. Welches Buch wollen Sie schon immer mal (wieder) lesen?

Darauf antwortet Thomas Zehender, Ulm, danube books Verlag, Inhaber & Verleger

1. Daniele Strigl:“ Wahrscheinlich bin ich verrückt
Marlen Haushofer – die Biographie
2. Wenn es aus dem eigenen Verlag sein darf:
Kristiane Kondrat: „Abstufung dreier Nuancen von Grau
3. Sten Nadolny: „Die Entdeckung der Langsamkeit
… immer schon mal lesen: Raphaela Edelbauer: „Dave

Vielen Dank!!
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