Samstag, 14.Januar


Heute haben
John Dos Passos * 1896
Anatoli Rybakow * 1911
Rudolf Hagelstange * 1912
Yukio Mishima * 1925
Marek Hlasko * 1934
Andreas Steinhöfel * 1962
Geburtstag
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„Das habe ich nie vergessen. Dass man liebt, um die Kälte zu vergessen und den Winter zu vertreiben.“
Andreas Steinhöfel aus „Mitte der Welt“
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Jetzt als Taschenbuch:


Dmitrij Kapitelman: “ Eine Formalie in Kiew
dtv € 12,00

Nach 25 Jahren in Deutschland will der Autor Deutscher werden. Damit beginnt ein Ritt durch die Bürokratie, die der Autor mit voller Ironie und treffsicher zu Papier bringt. Warum er als Ukrainischstämmiger, der besser sächselt, als die Leipziger Schalterbeamtin, befremdelt die Menschen, bei denen er vorstellig wird. Aber alles scheint klarzugehen, bis er doch noch eine Geburtsurkunde braucht. Also eine Urkunde mit Stempel, direkt abzuholen in Kiew.
Dmitrij Kapitelman schreibt locker, witzig, hintergründig ernst, über sein Leben in Leipzig, seine Reise in die Stadt seiner Kindheit und über die Versöhnung mit seinem Vater.
Das Buch ist 2021 im Hanser Verlag, in einer Zeit, in der in der Ukraine noch nicht der ganz große Krieg ausgebrochen ist.

Montag, 21.Dezember

Michael Praetorius
Winterrose

Es ist ein Ros‘ entsprungen
aus einer Wurzel zart;
wie uns die Alten sungen,
von Jesse kam die Art.
Und hat ein Blümlein bracht
mitten im kalten Winter,
wohl zu der halben Nacht.

Das Röslein, das ich meine,
davon Jesaja sagt,
hat uns gebracht alleine
Marie, die reine Magd.
Aus Gottes ew’gem Rat
hat sie ein Kind geboren
und blieb doch reine Magd.

Das Blümelein so kleine,
das duftet uns so süß;
mit seinem hellen Scheine
vertreibt’s die Finsternis,
wahr Mensch und wahrer Gott,
hilft uns aus allem Leide,
rettet von Sünd und Tod.
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Andreas Steinhöfel: „Rico, Oskar und das Vomhimmelhoch“
Teil 4
Mit Illustrationen von Peter Schössow
Carlsen Verlag € 16,00

So kurz vor Weihnachten muss ich dieses Buch von Rico und Oskar noch einmal vorstellen.
Ein so rührendes Ende gibt es selten in einem Buch.
Bei den Jungs im Haus geht es drunter und drüber. Die Vorbereitungen für das große Fest laufen auf vollen Touren. Aber nichts klappt so richtig. Ein großes Gewusel. Keiner weiß, wer mit wem feiert und irgendwie verschwindet immer wieder Essen. Gibt es es einen blinden Passagier im Haus? Ricos Mama ist hochschwanger und ein Schneesturm bricht über Berlin herein. Dass es dann gleich zu zwei Geburten kommt, konnte keiner ahnen.
Andreas Steinhöfel ist hier ein Weihnachtsklassiker gelungen, der unter jeden Baum gehört.
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Wo wir schon beim großen Durcheinander sind:

Vielen Dank für Ihre vielen Bestellungen. Auch heute Nacht sind wieder viele hereingerauscht.
Aber dieses Jahr ist es noch verzwickter, ob Sie ihre Bücher auch rechtzeitig bekommen.
Unsere Großhändler hatten sehr große Probleme und dementsprechend auch deutlich längere Lieferzeiten. Abholen können Sie Ihre Bestellungen nicht und vor den Laden stellen geht dieses Mal auch nicht. So bleibt uns nur das Ausfahren und die Post oder DPD.
Im Innenstadtbereich haben wir mit dem City Kurier eine extrem große Hilfe gefunden. Aber auch hier kommen Lieferungen zurück, wenn die AusfahrerInnen keinen Briefkasten, keine Klingel finden, oder wenn niemand zu Hause ist. Alles was etwas außerhalb liegt, versenden wir. Die Lieferdienste sind jedoch heillos überlastet.
Also wundern Sie sich nicht, wenn nach dem 24. noch Überraschungen bei Ihnen eintrudeln.
Wir alle zusammen geben unser Bestes, aber wie gesagt:
Dieses Jahr ist anders, bisher einzigartig.
Machen wir das Beste daraus.

Freitag, 30.Oktober

Heute haben
Lena Christ * 1881
Paul Valéry *1871
Etra Pound * 1885
Georg Heym * 1887
Kostas Karyotakis * 1896
Agota Kristof * 1935
Geburtstag.
Und ganz herzliche Geburtstagsgrüße nach Norwegen an Irmi.
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Winfried Bauer
Corona-Herbst

Wie Nebelschwaden aus den Auen
Steigen Zahlen aus dem Gewirr absoluter Gedankengänge
Ein klammer Hauch weht über die abgeernteten Felder
Der Vernunft
Und lässt mich schaudern angesichts
Des Einerseits-und-Außerdems

Wo ist das Licht, frag ich
Und sei es nur ein Funke in der Nacht
Ein leises Ja, ein abgetrotztes Doch
Verdreht, allein, bist du bereit
Die Welt als Schauspiel auszulegen
Im Schein der Bühne erst verliert sich deines Egos Klage

Wenn Tiefe so zur Höhe wird, der Tod zur Lust am Leben
Erfahren wir vielleicht, wer weiß, letztendlich Gnade
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Andreas Steinhöfel: „Rico, Oskar und das Mistverständnis“
Mit Bildern von Peter Schössow
Carlsen Verlag € 16,00

Vor ein paar Tagen habe ich hier auf dem Blog geschrieben, dass ich am Lesen des fünften Bandes der Rico und Oskar Abenteuer bin. Da war ich schon richtig begeistert. Das Buch wurde aber immer besser und mittlerweile denke ich, dass dies der beste Band der Reihe ist.
Andreas Steinhöfel hat seine Figuren weiterentwickelt, baut eine zweite Erzählebene ein und aus einem kleinen Kriminalfall wird eine komplizierte Familiengeschichte.
(Leider gibt es den Roman „Griseldis“ von Hedwig Courths-Mahler, hier Kurzmaler, nicht mehr. Dies als kleinen Hinweis, für alle, die das Buch schon gelesen haben)
Dieses Video der Lesung von Andreas Steinhöfel nehme ich zum Anlass noch einmal auf dieses sehr starke Buch hinzuweisen.
Und: Das Buch können, sollten auch Erwachsene lesen.

Leseprobe

Heute haben
Miguel Angel Asturias * 1899 (Nobelpreis 1967)
Hilde Spiel * 1911
John le Carré * 1931
Philip Pullman * 1946
Rudolf Herfurtner * 1947
Geburtstag.
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Im Gedichtekalender vom 19.10.2017

Theodor Däubler
Weg

Mit dem Monde will ich wandeln:
Schlangenwege über Berge
Führen Träume, bringen Schritte
Durch den Wald dem Monde zu.

Durch Zypressen staunt er plötzlich,
Daß ich ihm entgegengeh.
Aus dem Ölbaum blaut er lächelnd,
Wenn michs friedlich talwärts zieht.

Schlangenwege durch die Wälder
Bringen mich zum Silbersee:
Nur ein Nachen auf dem Wasser,
Heilig oben unser Mond.

Schlangenwege durch die Wälder
Führen mich zu einem Berg.
Oben steht der Mond und wartet,
Und ich steige leicht empor.
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Eine Weihnachtsbescherung im Oktober

Andreas Steinhöfel:Rico, Oskar und das Vomhimmelhoch
Mit Bildern von Peter Schössow
Carlsen Verlag € 14,99

Rico und Oskar marschieren auf dem Buchumschlag durch das winterliche Berlin. Beide haben Geschenktüten in der Hand. Ja, so könnte es sein. Es ist der 24.12. und demnächst gibt es Geschenke, Geschenke, Geschenke. Aber das wäre in der Dieffe, im Haus der Beiden, zu einfach. Natürlich herrscht großes Chaos. Der Baum ist zu groß, der Stiefvater liegt eingeklemmt darunter. In der Küche wird russisch gekocht, Oskar ist plötzlich richtig sauer und verschnupft. Eine Schneekugel findet den Weg nicht zurück und ein herrlicher Sommer in einem Hinterhof ist nur noch Vergangenheit, während draußen ein Schneesturm heult.
Andreas Steinhöfel legt sein ganzes Herz und Können in diesen vierten Band seiner beiden Helden. Es geht um Freundschaft, um neues Kennenlernen und sich Neuorientieren. Riso läuft mit offenen Augen und Ohren durch Kreuzberg und notiert für uns wichtige Begriffe, wie „Romantik“ oder „Profilneurose“. Natürlich auf seine Art. Es ist auch seine eigene Art, seine etwas langsamere, tiefenbegabtere Art, die Welt zu sehen und uns zu erzählen. Und gerade das macht die Bücher so speziell.
Andreas Steinhöfel zeigt uns, dass seine Hauptpersonen eines ganz besonderen Schutzes bedürfen. Auch die Kinder aus dem Hinterhof. Besonders Checker, der immer viel zu essen dabei hat. Er sitzt an Weihnachten bei Rico auf dem Sofa und sie schauen „Der Zauberer von Oz“. Seine Mutter denkt, er ist beim Vater. Sein Vater denkt, er ist bei der Mutter. Wie traurig. Gerade auch an diesem besonderen Abend, an dem es dann plötzlich zwei Geburten gibt. Vom wem? Das verrate ich natürlich nicht.
Freuen Sie sich auf diesen vierten Band und wir können nur hoffen, dass die geplante Trilogie nicht nur um einen Band erweitert wird. Denn Steinhöfel hat es drauf und schreibt Bücher für Kinder und Erwachsene. Lesen Sie dieses Buch selbst, verschenken Sie es an die Kinder in Ihrer Familie und in Ihrer Nachbarschaft. Sie bereiten große Freude. Es gibt viel zu Lachen, noch mehr zum Wundern und für uns Erwachsene sehr sehr viel zwischen den Zeilen zu lesen.

 

Mittwoch

Abhängen mit Büchern
Abhängen mit Büchern

Heute haben
John Dos Passos * 1896
und Andreas Steinhöfel * 1962
Geburtstag.
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Offill

Jenny Offill: „Amt für Mutmaßungen“
Deutsch von Melanie Walz
Das Original. „The Department of Speculation“ kommt als Taschenbuch im März 2015 bei uns heraus. € 11,99

Es ist doch immer gut,Tipps von KundInnen zu bekommen. Aber dass diese Buchempfehlung so stark ist, hätte ich nicht gedacht. Ich hatte das Buch beim Vertreter nicht bestellt, kannte auch die Autorin nicht. Mitte November lag es dann auf dem Büchertisch im Laden, aber es hat nie den Weg zu mir nach Hause gemacht. Knapp 170 Seiten, in vielen kleinen Abschnitten geschrieben und mit einem auffallenden Umschlag hat es mich seither angelacht. Nun endlich war es soweit. Und: Es ist grossartig.
Gestern die Erzählungen von Frau Nors und heute eigentlich noch eine kürzere Form, obwohl es ein Roman ist. Die Textbausteine sind oft nur fünf Zeilen lang und wirken irritierend. Aber einmal angefangen, merken wir, wie sie uns einsaugen. Sehr gekonnt verflechtet Jenny Offill die Gedanken ihrer Hauptperson mit Zitaten aus der Welt der Literatur und Philosphie. Und wie gestern sind ihre Beobachtungen messerscharf, haargenau getroffen und voller Witz. Eigentlich sollte ich das Büchle nochmals zur Hand nehmen und jetzt mit Stift und Papier all die gelungenen Textpassagen herausschreiben. Es würde eine ganze Liste ergeben.
„Amt für Mutmaßungen“, so haben sich die beiden Jungverliebten unten auf ihre Briefe geschrieben und dieses „Department of Speculation“ bleibt es auch das ganze Buch durch. Hier wird viel über andere nachgedacht, über sich selbst, über das, was hätte werden können, und wie es wohl weitergeht.
Wer Mutmaßungen über den Kosmos anstellt …, ist nichts anderes als oin Verrückter.“
Sokrates
Dies hat die Autorin als Motto vorausgestellt und sie beginnt den Roman mit einem Textfitzelchen, in dem sie beschreibt, dass Antilopen zehnmal besser als Menschen sehen können und somit in einer sternklaren Nacht die Ringe des Saturns sehen können. Eingeflochten hat sie in diese drei Zeilen, dass er dies ganz zu Anfang zu ihr gesagt hat. Oder beinahe.
Ganz am Anfang gab es ein jungverliebtes Paar. Sie schreibt, er macht Musik und komponiert. Newy York, Brooklyn, alles ist gut. Es ist die Szene, das Leben mit Bekannten und kein Denken an ein morgen. Ein Grosstadtleben, wie sie es sich vorgestellt haben. Aber aus dem Verliebtsein wird eine „normale“ Ehe mit viel Hochachtung für den Partner (auch dafür hat sie hervorragende Vergleiche). Ein Kind kommt, ein Schreibaby, eine Tochter, die den Alltag prägend verändert. Dies wird bis zur Hälfte des Buches aus der Sicht der Frau geschrieben, bis es danach zu einer tiefschneidenden Veränderung kommt, die eigentlich sehr einfach gelöst werden könnte, aber eine Lawine von Mutmaßungen auslöst. Ab diesem Moment gibt es kein ich, sondern nur noch ein sie und er.
Mehr möchte ich ihnen nicht erzählen. Genießen Sie lieber den kompletten Roman, den Sie sehr schnell (das erste Mal) durchgelesen haben.
Melanie Walz, die wir als Übersetzerin von Lily Brett, Antonia S.Byatt, Patricia Higsmith und u.a. auch Annie Proulx kennen, konnte hier aus dem Vollen schöpfen und hatte sicherlich eine große Freude und viel Arbeit beim Formulieren. Bei uns Lesern bleibt das Vergnügen an diesem frechen, witzigen, genaubeochteten, glasklaren Roman über eine Ehe.
Der Roman wurde von der New York Times unter die zehn besten Bücher des Jahres 2014 gewählt.

Leseprobe

„Jenny Offills Roman ‚Amt für Mutmaßungen‘ hat mir wahnsinnig gut gefallen; richtig klasse!“
Doris Dörrie

Was ich auch noch erfahren habe, ist, dass Jenny Offill Kinderbücher geschrieben hat.
Gefunden habe ich diesen sehr witzigen Trailer:


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Es war Sommer, das weiß ich noch, denn ich trug eine kurze Hose und Sandalen. Heute sind Sandalen der Tod, damals war es mir egal. Ich weiß nicht mehr, warum Ma auf die Idee kam und wie genau sie Allan dazu gebracht hat. Aber wir machten allen Ernstes einen AUSFLUG. Ich glaube, ich weiß es doch noch, es war wegen der Abtreibung, sonst hätte Allan bestimmt nein zum Ausflug gesagt. Das war Allans Lieblingsbeschäftigung: zu allem nein sagen. Vor allem, wenn Ma oder ich ihn um was gebeten haben. Als ich größer wurde, hab ich ihm vorgeschlagen, sich das Wort auf die Stirn tätowieren zu lassen. „Allan“, hab ich gesagt, „das würde ne Menge Zeit sparen, du müsstest einfach nur mit dem Finger drauf zeigen!“ Da hat er mir das letzte Mal eine verpasst. Denn danach kam punktgenau ein Wachstumsschub, sodass ich plötzlich zwei Köpfe größer war als er, und da hat er sich nicht mehr getraut. Wir machten jedenfalls allen Ernstes diesen Ausflug und fuhren mit Allans Auto, in dem ich normalerweise nie mitfahren durfte, nur Ma, und die auch nicht immer, je nachdem ob sie ihre Tage hatte oder nicht, das heißt, wenn Sex ausfiel, zog das ein Mitfahrverbot nach sich, zumindest hab ich mir das immer so zusammengereimt. Ma war das egal: „Busfahren ist doch schön, Luis!“, sagte sie, nahm meine Hand und zog mich Richtung Bushaltestelle, wenn Allan uns mal wieder vor unserem Block stehen gelassen hatte und mit seinem blankpolierten Audi davongerauscht war. Aber dieses Mal durften wir beide mitfahren. Ma wollte zum Nebelhorn und Allan, die alte Hohlbirne, hat die Nase gerümpft, weil er nicht verstehen wollte, warum man einen Ausflug macht an einen Ort, wo’s neblig ist und er schrie „Benzinverschwendung!“, aber dann stiegen wir doch alle in den Audi ein und fuhren zum Nebelhorn.

Verena Güntner kommt am Freitag ab 19 Uhr zu uns und liest aus ihrem Debüt: „Es bringen“.
Bitte reservieren Sie sich Plätze.

Montag

Heute haben wir einen bunten Reigen von Geburtstagskinder:
Arthur Rimbaud * 1854
Paul Valéry * 1871
Peter Bamm * 1897
Mario Luzi * 1914
Otfried preußler * 1923
Art Buchwald * 1925
Oskar Pastior * 1927
Elfriede Jelinek * 1946
Akif Pirincci * 1959
John von Düffel * 1966
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Andreas Steinhöfel: „Anders“
Königskinder Verlag / Carlsen € 16,90
Hörbuch vom Autor gelesen € 19,99
Als E-Book € 11,99

Nach dem Unfall sind Zeit und Welt aus den Fugen. 263 Tage liegt der Winterjunge im Koma, exakt die Anzahl jener Tage, die seine Mutter vor elf Jahren mit ihm schwanger war.
Zahlen und Zahlenspiele kommen immer wieder im neuen Roman von Andreas Steinhöfel vor. Nicht nur ein neuer Roman, sondern gleich ein neuer Verlag, in dem dieses Buch als Aufmacher herauskommt. „Königskinder“ heisst er und gehört zum Carlsen Verlag. Sehr aufwendig, schön gestaltete Bücher, zu denen dann auch hoffentlich der Inhalt passt. Hier gelingt es auf jeden Fall und Steinhöfel ist wieder ein kleines Meisterwerk gelungen. Jugenbuch (der Verlag schreibt ab 12 Jahren) oder Erwachsenenbuch? Egal. Beginnen Sie zu lesen und Sie werden es nicht mehr weglegen.
Aber nun zurück zum Inhalt, zu Felix, der sich nach seinem Aufwachen aus dem Koma Anders nennt. Er wächst in einer behüteten Kleinfamilie auf, hat keine Geschwister, fürsorgliche Eltern und macht sich in der Schule ganz gut. Fast könnte man meinen, er ist überumsorgt. Nun passiert es an seinem 11. Geburtstag, dass ihm in der Schule schlecht wird, er früher nach Hause geht. Sein Vater hängt gerade eine (Geburtstags)-Elf am Haus auf, als Felix um die Ecke kommt. Eine Eins kommt ins Rutschen, trifft Felix am Kopf. Blutend mit einer Platzwunde taumelt er und wird von Mutters Auto, die just in dem Moment in die Garage fahren will, auf die Motorhaube genommen. Klingt wie Slapstick, ist aber sehr stimmig, wenn wir die beiden Eltern als so kümmernde Personen kennengelernt haben. Dann muss es ja so kommen.
Es beginnt die Zeit des Komas, die Zeit in der die Eltern täglich stundenlang, dann doch deutlich weniger bei ihm am Bett sitzen. Die Zeit, als ein Pfleger ihn versorgt, mit ihm spricht und der auch als erster meint, eine Veränderung bei ihm bemerkt zu haben. Felix wacht auf. Es scheinen keine körperliche Schäden geblieben zu sein. Er hat mächtigen Hunger, erholt sich schnell, kann sich aber an nichts vor seinem Unfall erkennen. Dies wird für seine Umwelt sehr schwierig, da er sein neues Leben akzeptiert, aber keine emotionale Bindung, z.B. zu seinen Eltern aufnehmen kann. In der Schule ist er zu erst das Thema Nr.1, dann lässt das Interesse nach, da er sehr in sich zurückgezogen ist.
Mit seiner eigenen Namensumbenennung beginnt ein neues Kapitel in seinem Leben. Denn nicht nur das ändert sich bei ihm; er ist sehr direkt zu seinem Mitmenschen, zu seinen Mitschülern. Er sieht viele Farben, die er Menschen Gefühlen und Stimmungslagen zuordnet. So legt er einer Mitschülerin die Hand auf die Brust und sagt ihr, dass sie ganz schwarz innendrin sei. Auch gegenüber anderen Menschen nimmt er kein Blatt vor den Mund. Dies führt natürlich zu Schwierigkeiten. Nicht nur in der Schule. Er hat damit auch die Gabe, in die Menschen zu schauen, oder vielmehr, er hat viel bessere Sensoren. So bemerkt er als einziger, dass sein ehemaliger Pfleger und die Krankenhausärztin sich lieben. Die beiden gestehen einander ihre Liebe jedoch nicht. Erst ein (von Anders) fingierterLiebesbrief, lässt die beiden zusammenkommen.
In seinem Leben gibt es noch viele Rätsel. Zum Beispiel  eine geheime Datei auf seinem PC, an dessen Geheimwort er sich nicht mehr erinnern kann. Sein Vater vermutet dahinter vielleicht einen Schlüssel zum Gedächtnisverlust seines Sohnes. Was hat es mit dem alten Stark auf sich, dem der Brand seiner Hühnefarm angekreidet wird? Was ist mit seinen Freunden, die sich langsam an ihn annähern. Gibt es noch das große gewisse Etwas, das über all dem Durcheinander hängt?
Anders macht die verrücktesten Dinge. Er klettert auf einen hohen Baum und fliegt von oben durch die Äste auf den Boden. Er will in einem See ertrinken, schafft es auch fast, wird jedoch beides Mal von seinem Freund gerettet. Was hat es damit auf sich?
Sie merken schon, Steinhöfel hat viel reingepackt in diesen neuen Roman, dem Zugpferd für den neuen Verlag. Lassen Sie sich verführen von dem Buch. Irgendwie nimmt es einen an die Hand. Und wenn Sie meinen, es wird zu esoterisch, dann biegt Steinhöfel auch sofort in eine andere Richtung ab. Wir können viel in einzelne Passagen hineinintrepetieren, können aber auch einfach nur die Geschichte genießen auf auf das Ende gespannt sein. Und eines kann ich ihnen noch verraten: Es gibt ein großes Finale.

Leseprobe

Andreas Steinhöfel liest während der Kinder- und Jugendliteraturtage Ulm
am Mittwoch, den 12.11. um 14:30 im Alten Theater (beim Scholl Gymnasium)