Donnerstag, 28.Juni

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Heute haben
Luigi Pirandello *1867
Helen Keller * 1880
Frank O’Hara *1926
Rafael Chirbes * 1949
Geburtstag
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Heute auf dem Lyrikkalender.
Dort allerdings nur die letzte Strophe.

Ludwig Uhland
Naturfreiheit

Leben, das nur Leben scheinet,
Wo nicht Herz, nicht Auge spricht,
Wo der Mensch zur Form versteinet,
Machst du ganz mein Herz zunicht?
Die mich oft mit Trost erfüllet,
O Natur, auch du so leer?
Tief in Eis und Schnee gehüllet,
Blickst du frostig zu mir her.

Hör ich nur ein Waldhorn klingen,
Hör ich einen Feldgesang,
Rühret gleich mein Geist die Schwingen,
Fühlt der Hoffnung frischen Drang.
O Natur, voll Muttergüte,
Gib doch deine Kinder frei,
Sonnenstrahl und Quell und Blüte,
Das auch ich erlöset sei!

Mit den Lüften will ich streifen,
Rauschend durch den grünen Hain;
Mit den Strömen will ich schweifen,
Schwimmend in des Himmels Schein;
In der Vögel Morgenlieder
Stimm ich frei und freudig ein;
Alle Wesen sollen Brüder,
Du, Natur, uns Mutter sein!
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Kerascoët: „Mein Weg mit Vanessa
Bilderbuch ab 3 Jahre
Aladin Verlag  €14,95

Einfach toll. Ein großformatiges Bilderbuch mit einer dramatischen Geschichten und das alles ohne Worte. Ja, das geht. Wie uns die Bilderbuchmacher hinter dem Pseudonym Kerascoët vormachen.
Ein dunkelhäutiges Mädchen kommt neu in die Klasse und sitzt natürlich etwas hilflos in ihrer Schulbank. Während die anderen spielen, steht sie für sich alleine. Als sie auf dem Heimweg von einem Mitschüler grundlos angebrüllt wird, sieht dies ein anderes Mädchen aus ihrer Klasse. Dieser Vorfall geht ihr nicht mehr aus dem Kopf. Sie traut sich jedoch nicht, es ihren Eltern zu erzählen. Sie weiss nicht wie. Grübelnd liegt sie im Bett, bis ihr später ein toller Einfall kommt.
Dadurch niummt die Geschichte Fahrt auf. Immer mehr Kinder, Mitschüler mit allen Hautfarben schließen dem an, was sich das Mädchen für Vanessa ausgedacht hat. Die Seiten füllen sich und werden bunter und bunter.
In einem Nachwort erzählen uns die Autoren, wie wir alle mit Mobbing und Fremdsein umgehen können/sollen.
Ein wundervolles Bilderbuch zum Thema Toleranz und Mitmenschlichkeit, ohne ein Wort zu verlieren!

Hinter dem Pseudonym Kerascoët verbergen sich die 1978 geborene Marie Pommepuy und der 1975 geborene Sébastien Cosset. Kerascoët – ein kleiner Ort in der Bretagne – steht für ausgezeichneten Comic und liebevolle Illustrationen. Das Künstlerehepaar lebt und arbeitet in Paris.

Ostersamstag, 26.März

Heute haben
Robert Lee Frost * 1874
Tennessee Williams * 1911
Patrick Süskind * 1949
Geburtstag

Robert Frost

When I go up through the mowing field,
The headless aftermath,
Smooth-laid like thatch with the heavy dew,
Half closes the garden path.

And when I come to the garden ground,
The whir of sober birds
Up from the tangle of withered weeds
Is sadder than any words

A tree beside the wall stands bare,
But a leaf that lingered brown,
Disturbed, I doubt not, by my thought,
Comes softly rattling down.

I end not far from my going forth
By picking the faded blue
Of the last remaining aster flower
To carry again to you.
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Jenny Offill:Lucky!
Illustriert von Chris Appelhans
Aus dem Englischen von Sophie Birkenstädt
Aladin Verlag € 12,95
Bilderbuch ab 4 Jahre

Auf geht es zur großen „Fabelhaften Faultierschau“.
Aber bis es so weit kommt, dauert es noch ein wenig.
Das Mädchen im Bilderbuch wünscht sich nämlich ein Haustier. Entweder einen Vogel, ein Kaninchen, oder einen dressierten Seehund. Aber ihre Mutter ist gegen alle drei Vorschläge. Sie sitzt schreibend am Tisch und lässt sich erst nach einem Monat bitten und betteln erweichen, wenn man das Hautier nicht ausführen, wenn es nicht gebadet und gefüttert werden muss. Das lässt sich die kleine Tochter gleich mal schriftlich geben und bestellt sich ein Faultier, nachdem sie sich in der Bibliothek intensiv schlau gemacht hat, welches Tier denn passen könnte. (Nebenbei lernen wir, dass Faultier auf lateinisch Folivora heisst).
Ihre Mutter ist gar nicht begeistert. Aber versprochen ist versprochen und so landet Lucky (der im amerikanischen Original Sparky = lebhaft heisst) auf einem Ast, von dem er sich fast das ganze Buch nicht mehr herunterbewegt und seine Zeit im Dämmerschlaf verbringt.
Jenny Offil, deren Roman „Amt für Mutmaßungen wir schon auf unserem Blog vorgestellt haben, erzählt eine wunderbare Geschichte über eine große Freundschaft, zwischen zweien, die unterschiedlicher nicht sein könnten und von denen einer der beiden (eigentlich) den Erwartungen des anderen überhaupt nicht erfüllt.
Die Illustrationen von Chris Appelhans sind großartig. Es ist sein erstes Bilderbuch. Er arbeitet sonst für Walt Disney.
Wie die Freundin des Mädchen auf das Faultier reagiert und ob das was mit der großen Faultierschau wird, erfahren Sie im zweiten Teil des Bilderbuches.
Da kann ich nur viel Vergnügen bei den Verhandlungen um ein neues Haustier wünschen.


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Morgen gibt es die Sonntagsskizzen (29) von Detlef Surrey
Impressionen von Ostern auf Rügen

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Montag

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Heute haben
Jacob Grimm * 1785
Hellmuth Karasek *1934
Gao Xingjian * 1940 (Nobelpreis 2000)
und Louis Braille * 1804 (Erfinder der Blindenschrift)
Geburtstag.
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Wir beginnen das Jahr mit einem Fest.

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Jutta Bauer:Limonade
Bilderbuch im kleineren Format € 12,90

Auch Anfang Januar gibt es schon die ersten Geburtstage. (Ach übrigens: Herzlichen Geburtstag, liebe Miriam). Im Bilderbuch Limonade ist jedoch Sommer und es liegt kein Schnee auf der Terrasse. Das Mädchen steht barfuß in der Türe und ruft: „Kommt alle, es gibt Limonade!“. Sie hat nämlich heute ihren Festtag. Und alle kommen. Die Sonne, Mutter, ein Brombeerbusch, Dachs, Dackel und das Gundi. Geschenke gibt es natürlich auch. Die Sonne bringt Gold, Mutter Socken, der Brombeerbusch Brombeeren (von ganz hinten, wo man nie rankommt). Dachs eine gelbe Möhre, Dackel einen wunderschönen plattgefahrenen Frosch und das Gundi nix. Und während alle an der Limonade suckeln, klopft es wieder und der Tod steht an der Türe.
Alle erschrecken und das Mädchen fragt, was er denn hier wolle? Etwas kleinlaut antwortet der Tod: „Ich wollte dir zum Geburtstag gratulieren.“ Also rein mit ihm. Er bekommt vom Mädchen Limonade und schenkt ihr eine kleine, tickende Uhr.
Danach wird „Verstecken Verkehrt“ gespielt. Allerdings ohne Brombeerbusch, weil er so pikst. Gegen Abend musste die Sonne gehen, aber das Fest geht weiter. Der Tod tanzt und mit Mutter und hat seinen Spaß dabei. Bis alle Limonade getrunken ist und das Mädchen zum Tod sagt: „Hau ab“. Nachdem ihre Gäste gegangen sind, schaut noch der helle Mond vorbei und bringt eine Schale Milch.
Ein toller Geburtstag, so findet das Mädchen.

Dem möchte ich mich gerne anschließen. Jutta Bauer hat es wieder geschafft, eine lockere, witzige Geschichte mit etwas Besonderem zu unterfüttern. Für uns Erwachsene ist klar, dass auch in den schönsten Momenten des Lebens die Endlichkeit desselben sichtbar wird. Gerade an Geburtstagen wird dies deutlich.
Und warum aber ein Bilderbuch für Kinder mit diesem Thema? Warum nicht? Gerade deshalb! Kinder gehen sicherlich mit dem Tod ganz anders und unbekümmerter um, als wir vernünftigen, vom Leben geprängten Erziehungsberechtigkeiten.
Genießen wir das Bilderbuch, die Limonade, jeden Geburtstag, der kommt und freuen uns an den Momenten, die da sind. Der Rest ergibt sich sowieso.

Jutta Bauer über Geburtstage, Limonade und das Gundi
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Werner Färbers Ungereimtheit der Woche

Schauspielers(Un)glück

Endlich bekam er eine tolle
und großartige Nebenrolle.
Geschmälert wurd‘ jedoch sein Glück:
Es war ein Einpersonenstück!

Ein Scheuervogel

„Was ist los?“, fragt der Gemahl,
weil seine Frau mit einem Mal
den Finger an die Lippen legt
und sich so gut wie nicht mehr regt.

„Vor dem Fenster auf dem Ast
macht ein scheuer Vogel Rast“,
flüstert sie leise, kaum zu hören,
um das Tierchen nicht zu stören.

Der Gatte glaubt in seinem Garten
zu kennen alle Vogelarten.
Weshalb er eifrig widerspricht:
„Scheuervogel? Gibt’s doch nicht!“

„Wenn du es nicht glaubst, dann schau“,
entgegnet darauf seine Frau.

Doch das Vöglein ist schon fort
und scheut an einem andern Ort.