Dienstag, 30.Januar


Heute haben
Adelbert von Chamisso * 1781
Hans Erich Nossack * 1901
Richard Brautigan * 1935
und Barbara Wood * 1947
Thomas Brezina * 1963
Geburtstag
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Adelbert von Chamisso
Winter

In den jungen Tagen
Hatt ich frischen Mut,
In der Sonne Strahlen
War ich stark und gut.

Liebe, Lebenswogen,
Sterne, Blumenlust!
Wie so stark die Sehnen!
Wie so voll die Brust!

Und es ist zerronnen,
Was ein Traum nur war;
Winter ist gekommen,
Bleichend mir das Haar.

Bin so alt geworden,
Alt und schwach und blind,
Ach! verweht das Leben,
Wie ein Nebelwind!
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Tania Martini, Klaus Bittermann (Hg.): „Nach dem 7. Oktober“
Essays über das genozidale Massaker und seine Folgen
Edition Tiamat € 24,00

„Terror ist Terror. Terror ist nicht Widerstand, nicht Dekolonisation, nicht Befreiung. Jede Relativierung der Hamas ist antisemitisch, weil der Kern ihrer Ideologie der Hass auf Juden ist und zur Vernichtung aller Juden aufruft.“

Am 7. Oktober 2023 beging die palästinensische Terrororganisation Hamas das schlimmste Pogrom an Juden und Jüdinnen seit der Shoa. Ob in Be’eri, Kfar Azza oder auf dem Nova Musikfestival – das offene Ziel der Hamas war die Tötung möglichst vieler Juden und Jüdinnen. Ausmaß und Grausamkeit des genozidalen Massakers stellen eine Zäsur nicht nur für Israelis, sondern, wie sich zeigen sollte, für Juden und Jüdinnen weltweit dar. Der vorliegende Band soll dazu beitragen, diese Zäsur zu verstehen. Er versammelt Essays und Analysen, die den politischen Diskurs nach dem Pogrom auf seine Fallstricke und Subtexte hin durchleuchten. Die Autoren und Autorinnen erheben Einspruch gegen den offenkundig gewordenen Antisemitismus und die Entsolidarisierung mit Israelis und Juden und Jüdinnen weltweit auch in großen Teilen der Linken.
Welche Narrative prägen diese Entsolidarisierung, warum ist die so genannte Israelkritik vor allem im Kultur- und Kunstbetrieb so verbreitet, was hat es mit der Palästinasolidarität an den US-Unis auf sich, wie nutzt die politische Rechte den Antisemitismus für ihre Zwecke und andere Fragen stehen im Fokus dieses Bandes.
Gleichzeitig lesen wir in den einzelnen Texte über den großen Widerstand gegen die ultrarechte, korrupte Regierung Netanjahu und über die Wichtigkeit eines Friedens in der Region und einem gemeinsamen Leben von Palästinensern und Juden. Dafür gingen und gehen dort täglich Menschen auf die Straße, wenn es die israelische Regierung erlaubt.

Mit Beiträgen von Doron Rabinovici, Jeffrey Herf, Claudius Seidl, Seyla Benhabib, Volker Weiß, Natan Sznaider, Eva Illouz, Simon Sebag Montefiore, Meron Mendel, Deniz Yücel & Daniel-Dylan Böhmer, Thomas von der Osten-Sacken, Christoph Koopmann & Sina-Maria Schweikle, Kira Kramer, Sofia Dreisbach, Nele Pollatschek, Nikolai Klimeniouk, Detlef zum Winkel, Tania Martini, Deborah Hartmann, Armin Nassehi, Günther Jikeli, Philipp Lenhard u.a.

Leseprobe
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Auf tagesschau.de gefunden:

Fast 100 Flüchtlinge seit Jahresbeginn gestorben

Der Weg über das Mittelmeer gilt als tödlichste Fluchtroute der Welt. Für dieses Jahr melden die Vereinten Nationen bereits fast 100 Tote. Im Vergleich zum Vorjahr eine Verdopplung.
Seit Jahresbeginn sind nach Angaben der Vereinten Nationen fast 100 Menschen bei der Flucht über das Mittelmeer gestorben oder verschollen. Das seien mehr als doppelt so viele wie im selben Zeitraum 2023, das bisher tödlichste Jahr für Bootsflüchtlinge in Europa seit 2016, so die Internationale Organisation für Migration (IOM).
Generaldirektorin Amy Pope sagte, nur ein Lösungsansatz, der auch sichere und legale Einwanderungswege einschließe, könne Migranten und Staaten gleichermaßen helfen. Die IOM-Leiterin äußerte sich beim Italien-Afrika-Gipfel in Rom. Dort kamen auf Einladung von Italiens rechtsradikaler Ministerpräsidentin Giorgia Meloni zahlreiche Staats- und Regierungschefs zusammen, um Investitions- und Entwicklungsprogramme sowie Maßnahmen gegen ungeregelte Migration zu erörtern.
Die Zahl der Menschen, die bei der Flucht über das Mittelmeer sterben oder verschwinden, ist in den vergangenen Jahren gestiegen. 2021 waren es laut IOM 2048, im darauffolgenden Jahr 2411. 2023 registrierte die Organisation 3041 Menschen, die auf der Flucht über das Mittelmeer nach Europa gestorben oder verschollen sind.

Seebrücke Ulm

Sonntag, 17. Dezember

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Am dritten Adventsonntag, den 17.Dezember 1944, warfen 330 britische Flugzeuge zwischen 19.23 und 19.50 ca. 100.00 Bomben auf die Stadt Ulm und lösten damit einen Feuersturm aus. Mehr als 700 Menschen kamen dabei ums Leben, die Altstadt wurde zu über 80 Prozent zerstört.

Rudi Kübler: „17. Dezember 1944“
Die Zerstörung Ulms

Kleine Reihe des Stadtarchivs Ulm Band 13
Verlag Klemm und Oelschläger € 17,80
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Wie sich die Bilder gleichen: Ulm, Ukraine, Gaza.
Ein dritter Adventssonntag ist vielleicht ein guter Zeitpunkt, mit den Gedanken bei allen Opfern und deren Angehörigen zu sein.

https://www.zdf.de/politik/auslandsjournal

Ein Dokumentation von Jenifer Girke

Wie geht es weiter mit Israel? Begleitet von ZDF-Reporterin Jenifer Girke reist der Historiker Meron Mendel in seine Heimat, trifft Familie sowie seine jüdischen und arabischen Freunde und fragt, ob Frieden noch möglich ist.
„In Deutschland ging das Leben einfach weiter, aber ich schrie: Stopp! Ich kann nicht einfach so weitermachen, als wäre nichts passiert.“ Der 7. Oktober 2023 war eine Zäsur – nichts ist mehr wie davor. Doch anstatt innezuhalten, lief das Leben in Deutschland zu schnell und zu einfach weiter. Für Meron Mendel war klar: Er muss nach Israel, seinen Liebsten beistehen. So wie dem Kindheitsfreund Yehuda – seine Schwester Schachar wurde brutal ermordet, als sie sich schützend auf den 16-jährigen Sohn warf. Mit ihm geht Mendel ans Grab: „Ich bin dankbar, meine Eltern als Helden zu kennen“, erzählt der 16-Jährige.
Gemeinsam weinen, trauern, durchhalten. Und verstehen: Wie geht es jetzt weiter? Für Palästinenser und Juden, für Verschleppte und Hinterbliebene, für ganz Israel. Das ist die Frage, der Meron Mendel auf dieser Reise nachgeht.
Seit seiner Jugend hat sich der Deutsch-Israeli für Frieden in Israel eingesetzt – er war stets davon überzeugt, dass sein Land ein friedlicher Ort sein wird, eine Heimat für jüdische und arabische Israelis, für Juden, Christen und Muslime. Für ihn war das keine romantische Vorstellung, sondern ein zu erreichendes Ziel, ein realistisches Vorhaben, für das er in seinen ersten 25 Lebensjahren in Israel und in den letzten zwei Jahrzehnten in Deutschland gekämpft hat. Als Junge im Kibbuz, als Soldat in der israelischen Armee, als Student in Haifa, ebenso als Direktor der Anne Frank Stiftung und Professor in Frankfurt.
Begleitet von ZDF-Reporterin Jenifer Girke macht er sich auf den Weg, trifft seine langjährige Freundin Avital, die eine der wenigen zweisprachigen Schulen leitet und jeden Tag erlebt, welche Kraft in jüdisch-arabischen Beziehungen steckt. Er diskutiert mit seinem palästinensischen Vertrauten Mohammad Darawshe, ob eine Zwei-Staaten-Lösung noch realistisch ist und was man gegen jüdische Siedler unternehmen muss. Er fährt zur Grenze nach Gaza, wo sein Vertrauter Itai nur knapp den Terroristen entkommen ist.
Zuerst der Kampf um die Demokratie, jetzt ein Kampf um die Existenz – wie viel hält Israel aus? Ist Frieden nur noch eine Illusion? Der Film „auslandsjournal – die doku: Rückkehr nach Israel“ zeigt verschiedene Gesichter der israelischen Gesellschaft, taucht ein in die Bewältigung eines historischen Traumas und fragt: Wie geht es jetzt weiter?