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Heute haben
Guillaume Apollinaire * 1880
Jules Romains * 1885
Christopher Isherwood * 1904
Julio Cortázar * 1914
Walter Helmut Fritz * 1929
Steinunn Sigurdardóttir * 1950
Geburtstag
und es ist der Todestag von Wolfgang Herrndorf

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„Glaubt mir“, sagte er, „ihr schließt ein Mal die Augen und öffnet sie wieder, und welk hängt das Fleisch in Fetzen. Die Liebe, die Liebe! Carpe diem.“
Wolfgang Herrndorf: „Tschick“
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Auf der Longlist und bei uns im Laden:

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Gertraud Klemm: „Aberland“
Droschl Verlag € 19,00

Der österreichische Droschl Verlag hat gleich zwei Titel auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis. Da wurden sicherlich ein paar gute Flaschen Weisswein geöffnet.
So hoffe ich.
„Aberland“ ist schon im Frühjahr erschienen und tauchte zu diesem Zeitpunkt auf unserem Blog auf. Ich habe ihn damals gelesen und es war ein Lesegenuss zwischen Schmunzeln und Lachen, das mir im Halse stecken blieb. Gleichzeitig ist dieses bitterböse Porträt zweier Frauengenerationen mit so einer gekonnten Sprachwucht geschrieben, dass die Vergleiche mit Streeruwitz und Bernhard nicht weit hergeholt sind.
Es gibt zum einen Elisabeth, 58 Jahre alt, deren Mann kurz vor der Pensionierung steht. Sie versucht mit allen Mittel, in Würde zu altern. Das heisst: Morgens raus zum Walken, dann etwas Sonnenbaden, damit die alte Haut nicht gar so weiss aussieht. Die Gespräche auf der Liegewiese, die sie wahrscheinlich mit geschlossenen Augen mitbekommt, sind ein Spiegel unserer Gesellschaft. Gertraud Klemm hat genau hingehört, wenn sie unterwegs ist, wenn sie auf Partys steht, wenn Menschen zusammenstehen. Elisabeth hat keinen Beruf erlernt, hat den Haushalt geführt, die Kinder großgezogen, meist die Augen vor den Liebschaften des Ehemanns verschlossen und will auch nicht ins Erbbuch der Schwiegermutter eingetragen werden, mit der sie ein Leben lang nicht klar gekommen ist. Gertraud Klemm beschreibt dies mit einem gekonnt eingesetzten Zynismus, der messerscharf eingesetzt ist. Elisabeth beobachtet auch ihre Kinder; hauptsächlich Franziska, die andere Protagonistin, 35 Jahre, die mit ihrem kleinen Sohn heillos überfordert ist. Sie hat studiert, eine Doktorarbeit dem Kinderwunsch hintenangestellt und da ihr Mann gut verdient, diesen Luxus auch genossen. Somit gehen ihre Anschuldigungen auch immer auf sie selbst zurück.Und das weiss sie auch. Das Leben des Kleinen bestimmt ihren Alltag. Kindergeburtstage, Muttertagsbrunch und Weihnachtsfeiern durchbrechen den Trott, was an ihrer Situatuion als Mutter nichts ändert. Sie nimmt sich zumindest die Freiheit heraus, mit Männern ins Bett zugehen. Ein klein wenig Ausbruch aus dem Alltag und der Familienplanung. Auch hier schaute Gertraud Klemm genau hin. Wenn der kleine Sohn zur Mama sagt, dass es doch so sei, dass nur Frauen die Spülmaschine einräumen, dann entspricht dies wohl der Wirklichkeit in vielen Haushalten. Diese Mutter-Kind-Situationen könnte man wirklich verfilmen. Dieser Sprachwitz, die ungewollte Komik, die Wutausbrüche der Mutter – das einfach großartig geschrieben.
Ein großes, unterhaltsames, gnadenlos, bissig, komisches Lesevergnügen, das manchmal richtig wehtut, wenn wir uns selbst in Sätzen und Passagen wiederekennen und gleichzeitig eine böse Abbrechnung mit dem Thema Emanzipation und was Frauen aus zwei Generationen daraus gemacht haben.

Hier können Sie Gertraud Klemms Lesung beim Bachmann Wettbewerb und die Diskussion zu ihrem Text anschauen. Dort hat der Text den Publikumspreis erhalten.
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Impressionen aus unserem Buchladen

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Dienstag

Heute haben
Karl Wolfskehl * 1869
W.C.Williams * 1883
Hugo Hartung * 1902
Frank O’Connor * 1903
und
Horst Krüger * 1919
Geburtstag

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Christian Morgenstern
Blätterfall

Der Herbstwald raschelt um mich her.
Ein unabsehbar Blättermeer
Entperlt dem Netz der Zweige.
Du aber, dessen schweres Herz
Mitklagen will den großen Schmerz:
Sei stark, sei stark und schweige!

Du lerne lächeln, wenn das Laub
Dem leichteren Wind ein leichter Raub
Hinabschwankt und verschwindet.
Du weißt, dass just Vergänglichkeit
Das Schwert, womit der Geist der Zeit
Sich selber überwindet.
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Ein weiterer Abschnitt aus dem RomanRestaurant Dalmatiavon Jagoda Marinic, die bei uns in der Buchhandlung am Donnerstag, den 26.9. um 19 Uhr daraus vorlesen wird.

Buch

MIA MARKOVICH Berlin
15. Januar 2013

Sie will durch die Straßen von damals gehen, es können nicht viele sein. Zu einer Kindheit gehören vier oder fünf Straßen, zu einer Jugend vielleicht das ganze Viertel oder auch zwei. Es ist nur ein Block, den sie ablaufen müsste, um alles, was sie sehen wollte, zu sehen, einen halben Tag bräuchte es, einen halben Morgen, nicht mehr. Mit ihrer Nikon um den Hals macht sie sich auf den Weg. Von der Bernauer in die Brunnenstraße, vorbei an der jüdischen Synagoge und ihren Wächtern in die Anklamer, dort entlang der kleinen Buchhandlung zum Arkonaplatz, wo sie sich an die Straßenecke stellt, als würde sie gleich von jemandem abgeholt. Doch niemand kommt, nicht einmal ein Fremder biegt um die Ecke und gibt ihr das Gefühl, hier zu sein. Links von ihr ein Café namens Weltempfänger, leer. Sie geht in Richtung Zionskirchplatz, der ihr gefällt, weil eine Kurzgeschichte, die sie im Flugzeug gelesen hat, in einem Zimmer mit Blick auf die Zionskirche spielt. Zur Kastanienallee. Sie macht ein Bild von jedem Straßenschild, an dem sie vorbeiläuft. Es sind schöne Straßennamen. Auch die Schilder sind verziert. Am U-Bahn-Eingang Rosenthaler Platz das letzte Motiv für heute:
DIESES HAUS
STAND FRÜHER
IN EINEM ANDEREN LAND
Kein Punkt. Darüber, in viel kleinerer Schrift:
MENSCHLICHER WILLE KANN ALLES VERSETZEN.
Sie muss ein paar Schritte zurückgehen, um das Haus mit dem Satz ganz aufs Bild zu bekommen. Wenig später hat sie ihr Foto, sitzt hinter Fensterglas und blättert durch die Straßen, Häuser von heute. So, wie sie jetzt in diesem Café sitzt, erinnert sie an ein Edward Hopper Motiv, ein bestimmtes. A Woman in the Morning Sun. Das, obwohl sie nicht in einem morgenlichtdurchfluteten Schlafzimmer steht, schon gar nicht nackt, obwohl sie keine Zigarette raucht und auch kein Bett zu sehen ist, unter dem sich schwarze oder rote Pumps vor der Helligkeit des Tages verstecken. Eine zurückhaltende Kellnerin stellt endlich die Tasse Kaffee auf den Tisch. Aus der Vase, die sie zurechtrückt, verströmt eine Amaryllis aussichtlos Frühling.
Die Häuser waren nicht so grau früher. Wenn sie überhaupt grau waren. Von hier zur Gedenkstätte Berliner Mauer wären es nur wenige Minuten zu Fuß. Sie hatte sich fest vorgenommen, sich das anzusehen. So wie das Holocaustmahnmal. So wie unzählige andere Denkmäler. Als wäre sie Touristin hier. Als hätte sie nicht ihre eigene Karte, ihre ganz eigene Topografie der Erinnerungen. In Toronto hörte und las man viel über Berlin. Der englischsprachige Lonely Planet im Rucksack hatte ihr Distanz versprochen, aus dieser Distanz heraus hatte sie sich viel vorgenommen, Distanz schafft Raum. Einen Raum, den sie jetzt, da sie hier ist, nicht füllen kann. Es geht nicht. Manchen Menschen ist das Können ein mühseliger Gegenspieler des Wollens. Statt aufzustehen oder Zweikämpfe mit sich selbst zu führen, malt sie, wie im Halbschlaf, wieder und wieder ihren Namen auf die weiße Serviette: Mija Marković. Mia Marković. Markovich. Sie streicht die Namen alle nacheinander dick durch und blättert zurück in ihrem Display:
DIESES HAUS STAND FRÜHER IN EINEM ANDEREN LAND. Menschlicher Wille kann alles versetzen. Und was ist mit dem Rest?
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Der Sommer ist vorbei, der Herbst steht in den Startlöchern, oder hat sich schon reingemogelt und das neue Jahr kommt unweigerlich.
Aber: Haben Sie schon einen Kalender für das Jahr 2014?
Ich stelle Ihnen heute schon mal zwei ganz besondere Exemplare vor.

Typo

Lars Harmsen und Raban Ruddigkeit (Hrsg.):Typodarium 2014
The Daily Dose of Typography
Abreißkalender mit 365 Fonts
von 232 Designern und Foundries
aus 26 Ländern
und allen Feiertagen dieser Länder
384 Blatt, zweiseitig bedruckt
Format 8,5 x 12 cm
Verpackt in einer Sammelbox
zum Archivieren der Schriftmuster
Hermann Schmidt Verlag € 16,80

Dies schreibt der Verlag:
Das Typodarium gibt es jetzt schon im sechsten Jahr und die Boxen mit den Blättern der Vorjahre werden zum »flying Fontbook«. Für 2014 haben Altmeister Ed Benguiat, Veronika Burian, Luc(as) de Groot, Boris Kochan und Ian Lynam die bunte Vielfalt junger Schriften gesichtet und ihre 365 »favourite fonts« gekürt. Frisch nicht nur die Schriften, sondern auch der Look: In diesem Jahr bringt das vielfach ausgezeichnete Typodarium mit einer türkisblauen Ägäis-Brise frischen Wind in Ihren Kreativalltag.
A fresh font a day keeps Comic Sans away!

Farb

Peter von Freyhold:C|M|Y|K Farbfächer-Kalender
Ein Wochenkalender zum Aufhängen oder Aufstellen mit 371 Tages-Farbstreifen
Beidseitig bedruckt auf zweiseitigem Chromokarton
Format 11 x 24 cm
Hermann Schmidt Verlag € 39,80

Prozentwerte von Cyan, Magenta, Yellow und Black.

Die schreibt der Verlag:
Mittels der im Kalenderkopf versteckten Buchschraube können Sie nun Ihre eigenen Farbwelten zusammenstellen. Im Entwurfsprozess. Im Kundenmeeting. Wo immer.
Und während die Kalenderblätter fallen, füllt sich Ihr Farbschatzkästchen und immer neue Farbfächer bringen frischen Wind in Ihre Farbgestaltung.
Natürlich können Sie die Farbstreifen auch als Lesezeichen, Notizzettel oder für analoge Short Messages verwenden – und wenn Sie die Farbmischungen von Peter von Freyhold zu schade zum Zerreißen finden: Nutzen Sie den Farbfächerkalender…


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Anthony McCarten:  „Das Buch“

Stellen wir uns einmal vor, ein Tüftler namens Johannes Gutenberg hätte im Jahre 1439 das iPad erfunden, und „Das Buch“ habe Steve Jobs sich eben erst ausgedacht, das neueste Wunderding von Apple.
Wie Steve Jobs diese Weltneuheit anbieten würde, zeigt Ihnen der Autor McCarten, den Sie wahrscheinlich von seinem großen Erfolg „Super Hero“ aus dem Diogenes Verlag kennen.
Einfach köstlich. Und es tut so gut, diese Werbung für „Das Buch“.
Aber nicht nur das: Steve Jobs alias Anthony McCarten hat noch eine Zusatzerfindung in der Hinterhand.
Lassen Sie sich überraschen.