Samstag, 2.Juli


Heute haben
Friedrich Gottlieb Klopstock * 1724
Hermann Hesse * 1877
H.G.Adler * 1910
Josef Guggenmoos * 1922
Wisława Szymborska * 1923
Jürg Amann * 1947
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Winfried Hermann Bauer
Blood, Sweat and Tears

Angeschlagen
Stehen Mannsbilder
Im Regen
Ihre Tränen
Mischen sich
Mit dem Schweiß
Aus versteckten Eiskellern
Mit dem Dreck aus Dachstuben
Und verlorenen Stellungen
Klar
Spiegelt sich nur der Mond in den
Schützengräben
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Die Stadtbibliothek besitzt zwei Originale des Buches aus dem 16.Jahrhundert.
Bei uns gibt es einen Reprint dieser Ausgabe.


Leonhart Fuchs. Das New Kreüterbuch
Hrsg. Werner Dressendörfer, Klaus Dobat
Taschen Verlag € 125,00

Leonhart Fuchs (1501-1566) übernahm, nach Studium in Erfurt und Ingolstadt sowie Tätigkeiten in München, Ansbach und Ingolstadt, am 14. August 1535 den Lehrstuhl für Medizin an der Universität Tübingen. 1542 brachte er ein Kräuterbuch in lateinischer Sprache unter dem Titel: De Historia stirpium commentarii insignes … heraus.

Eines der Exemplare stammt aus der Privatbibliothek von Leonhart Fuchs, worauf der handschriftliche Eintrag „Ex Bibliotheca Leonharti Fuchsij“ hinweist. Der Band enthält über 500 handkolorierte Holzschnitte. Vermutlich kam das Buch durch seinen Sohn Friedrich Fuchs (1532-1604), der in Ulm als Stadtarzt beschäftigt war, in die Ulmer Stadtbibliothek.

Die Stadtbibliothek Ulm bewahrt zwei Exemplare dieses Druckes auf. Das unter der Signatur 19 257 4° aufbewahrte Exemplar der Stadtbibliothek Ulm stellt unter allen übrigen Exemplaren desselben Drucks eine einzigartige Besonderheit dar: Es stammt aus der Privatbibliothek von Leonhart Fuchs. Ein handschriftlicher Eintrag weist darauf hin: „Ex Bibliotheca Leonharti Fuchsij“. Der Band enthält über 500 handkolorierte Holzschnitte, die noch in unserer Gegenwart regelmäßig publizistisch, sowohl für wissenschaftliche wie für populäre Zwecke gefragt werden. Dass Fuchs selbst diese Kolorierung beauftragt und wohl auch ihre Durchführung beaufsichtigt hat, zeichnet die Qualität dieses Ulmer Exemplars aus. Vermutlich kam es durch seinen Sohn Friedrich Fuchs (1532-1604), der in Ulm als Stadtarzt beschäftigt war, in die Ulmer Stadtbibliothek.

Der Band wurde im Juli 1995 im Rahmen der von der Bibliotheksgesellschaft Ulm ins Leben gerufenen Aktion „Adopt a book“ restauriert. Patin dieser Maßnahme war Frau Dr. Rosemarie Wildermuth.

2001 brachte der Taschen-Verlag in Köln einen Nachdruck dieses Exemplars heraus, der inzwischen vergriffen ist. Im selben Jahr brachte das Bundespostministerium anlässlich des 500. Geburtstages Leonhard Fuchs‘ eine Sondermarke „Von Indianischem Pfeffer“ heraus, die die Abbildung Nr. CCCCXVIII auf Seite 727 zeigt.
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Hardy on Tour


Tag 36
96 km von Newton St. Boswells über Kelso und Berwick upon Tweed nach Belford

Der erste Regentag. Den ganzen Tag über war es heut mal mehr mal weniger naß und dementsprechend war auch die Radlerei nicht so erquickend.
Ich machte laaaange Pause in Berwick und versuchte eine passende Unterkunft für Brentford über’s Handy zu finden. Noch nicht erfolgreich, aber zumindest denke ich, daß es klappen wird, was bezahlbares zu finden.
Am Morgen in Keslo das ehemalige Kloster angeschaut. In der Umgebung gibt es drei weitere davon und sie waren wohl recht richtungsweisend, was die schottische Kirchengeschichte anbelangt. Heute führt ein Radrundweg zu allen Klosteranlagen und die werden sehr gepflegt. Dasselbe gilt natürlich auch für die unzähligen Schlösser. Unglaublich wieviel historische Gemäuer es hier zu begutachten gäbe.
Doch den Radler zieht es ja weiter. Mittlerweile bin ich wieder in England gelandet und dies, ohne es zu bemerken. Schottland wird mir in sehr sehr guter Erinnerung bleiben und ich kann den schottischen Teil vom Nordseeküstenradweg definitiv empfehlen.
Der englische Abschnitt empfing mich erstmal mit Frusterlebnissen. Die ersten Kilometer von Berwick aus waren eine mittlere  Katastrophe. Erst ein holpriger grober Schotterweg, dann ein matschiger Weg durch die Kuhweide voller Kuhfladen und schließlich ein schlechterer Wanderpfad voller Rillen und Pfützen. Wer um aller Welt deklariert sowas als Fernradweg ??? Unbegreiflich, so schön so ein Küstenpfad auch noch so sein mag. Mein Rad jedenfalls kam gleich mal an der nächsten Tanke in die Selbst-Waschanlage und ich war ziemlich verunsichert, ob es denn eine gute Idee war dem Küstenweg weiter zu folgen, wobei es auch keine großen Alternativen jetzt mehr gibt. Nunja;, vielleicht bleiben das jetzt auch die einzigsten Matschpfade, wo das Fahrrad doch grade so sauber ist.
Es gab natürlich auch heute nette Erlebnisse und Begegnungen. Etwa ein längeres Gespräch mit David, dem Gärtner aus Keslo, der sich auf das Brian Adams Konzert im dortigen Schlossgarten freut, oder mit dem jungen Mann, der beharrlich am völlig einsamen Strand in seinem Eiswagen ausharrte, um bereit zu sein, falls doch noch irgendwer vorbeikommen sollte. Mir war heut leider so gar nicht nach Eis an diesem Regentag.

Freitag, 1.Juli


Heute haben
Georg Christoph Lichtenberg * 1742
George Sand * 1804
Warlam Tichonowitch Schalamow * 1907
Juan Carlos Onetti * 1909
Hans Bender * 1919
Franca Magnani * 1925
Geburtstag
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„Es ist nicht gesagt, daß es besser wird, wenn es anders wird. Wenn es aber besser werden soll, muß es anders werden.“
Georg Christoph Lichtenberg
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„Nachdenken über die Ukraine“
Neue Rundschau 02/2022
S.Fischer Verlag € 17,00

„Die drei Gründe des Ukraine-Kriegs“
Gegenstandspunkt 2-22 € 15,00
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Der ukrainischen Autor Serhij Zhadan erhält den Friedenspreises des Deutschen Buchhandels des Jahres 2022.

(Bildrechte: © Mykola Swarnyk (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en)
und © Karina Ri)

Aus der Jurybegründung:

In seinen Romanen, Essays, Gedichten und Songtexten führt uns Serhij Zhadan in eine Welt, die große Umbrüche erfahren hat und zugleich von der Tradition lebt. Seine Texte erzählen, wie Krieg und Zerstörung in diese Welt einziehen und die Menschen erschüttern. Dabei findet der Schriftsteller eine eigene Sprache, die uns eindringlich und differenziert vor Augen führt, was viele lange nicht sehen wollten.
Nachdenklich und zuhörend, in poetischem und radikalem Ton erkundet Serhij Zhadan, wie die Menschen in der Ukraine trotz aller Gewalt versuchen, ein unabhängiges, von Frieden und Freiheit bestimmtes Leben zu führen.
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Seit ein paar Tagen auf der Arte Mediathek:
Warum Ukraine
(Sie können auf den Titel klicken. Das ist der Link zur Dokumentation)

Arte schreibt:
Mittendrin, an der Front oder beim zivilen Widerstand, filmte der französische Journalist und Publizist Bernard-Henri Lévy den Krieg in der Ukraine. Ein beeindruckend hautnahes Erlebnis, eine Aufforderung zum Handeln an Europa – und ein Hilferuf im Namen der Demokratie.
Schon in den ersten Tagen des russischen Angriffs auf die Ukraine reiste der französische Journalist und Publizist Bernard-Henri Lévy ins Kriegsgebiet und kehrte seither immer wieder dorthin zurück. Mit Unterstützung eines kleinen Teams aus Franzosen und Ukrainern filmte er den Widerstand vor den Toren von Mykolajiw und die Toten von Butscha; das belagerte Kiew und das rebellische Odessa; die Verwandlung von Staatspräsident Selenskyj und die Zivilisten von Borodjanka, die der Krieg zu Helden macht; die Stadt Saporischschja, die ihr Kernkraftwerk vor Angriffen schützt; eine vergessene Frontlinie vor Mariupol; die ehemaligen US-Marines der geheimnisvollen Mozart-Gruppe; das letzte Interview, das ein 60 Meter unter der Erde in den Bunkeranlagen von Asow-Stahlverschanzter Kommandant als freier Mann gab; und die Flugbahn der am 2. März auf Babyn Jar gefallenen Rakete.
Im Februar 2014 hatte Bernard-Henri Lévy mit demselben Team bereits den Kampf der ukrainischen Demokraten in den ersten Tagen der „Revolution der Würde“ dokumentiert. Der französische Philosoph, Autor zahlreicher Kriegsreportagen, gibt Einblicke in die jüngere Geschichte der Ukraine: die monatelangen Proteste während des Euromaidan in Kiew, den russischsprachigen, europaverliebten Osten; die Erinnerungen an die Schlucht von Babyn Jar zu einem Zeitpunkt, als die neue Ukraine von 2016 ihre Vergangenheitsbewältigung und Trauerarbeit vollendete; die Schützengräben im Donbas 2020, kurz vor Ausbruch des Krieges. Er erzählt auch von dem Restaurant in Kiew, wo der künftige Staatspräsident Selenskyj ihm einige Stunden vor seinem Wahlsieg 2019 ein Interview gewährte, in dem er bereits seine Einschätzungen zu Putin, Europa und dem drohenden Krieg teilte und erklärte, warum das Land von Babyn Jar nun bereit war, einen jungen jüdischen Präsidenten zu wählen. Der unter schwierigen Umständen entstandene Film ist das subjektive Zeugnis eines engagierten Intellektuellen, ein Aufruf zum Handeln und zur Rettung der ukrainischen Demokratie.

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Hardy on Tour


Tag 35
120 km von Kirkliston über Edinburgh und Innerleithen nach Newton St. Boswells

Was für ein abwechslungsreicher Tag. Cappuccino in Edinburgh, Schokolade auf  Brot in Dalkeith, 3 Kugeln Eis in Innerleithen, Joghurt in Galashhiels und zum Schluß Baguette mit Hummus in Melrose und ich hab mich wohl noch nie auf dieser Tour so oft verradelt wie heute, aber das sei nur nebenbei erwähnt.
Edinburgh ist schön und wuchtig und so reich an Geschichte und prächtiger Bauten. Man sollte hier ein paar Tage verweilen und sich der Stadt gebührend widmen und nicht nur ziellos durchradeln und spazieren so wie ich heute. Aber so ist es nun mal und für ein paar Eindrücke hat es immerhin gereicht.
Nach dem überreichen, pulsierenden Leben der Großstadt ging es nach und nach in die Hügellandschaft, der einsamsten Gegend im Süden Schottlands. Nur verstreut besiedelt mit ein paar Farmen. Karge, steinige Weidelandschaft mit wenigen Schafherden, dafür mit herrlichen Blicken bis an die Küste hinüber. Und mit einigen Anstiegen, die durchaus den Puls und die Atmung auf Trab hielten. Eine beliebte Gegend für Rennradfreaks ist das hier.
Und als diese 40 km bewältigt ware,n änderte sich die Szenerie wieder. Schöne kleine Städtchen, durch die es Freude macht hindurch zu bummeln und eine sehr liebliche Landschaft und wellige Radstrecke entlang vom Fluß Tweed. So schön: rechts die Schafe, links die Kühe, ein paar Pferde, dazu der plätschernde Fluß, Sonne von oben und ein fast perfekter Radweg abseits der Straße, also absolut autofrei.
Ich sagte ja, es war ein sehr sehr abwechslungsreicher Tag auf einem wunderbar ruhig rollenden Fahrrad.
Mein Zeltplatz steht auf einer Wiese in der Nähe eines Eselhofes und das Blöken der Schaflämmer auf der Nachbarwiese wird mich jetzt dann gleich sanft in den Schlaf wiegen.


Donnerstag, 30.Juni

Heute haben
Friedrich Theodor Vischer * 1807
Czeslaw Milosz  * 1911 (Nobelpreis 1980)
Philippe Jacottet * 1925
Assia Djebar * 1936
Otto Sander * 1941
Juli Zeh * 1974
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„Die Politik ist doch ein merkwürdiges Gebiet, Theater, worin wie ein Narr sitzt, wer nicht hinter die Kulissen sieht. Und was dort hinten spielt, ist die List … Man muß nur zum Beispiel bedenken, was da alles gelogen wird!“
Friedrich Theodor Vischer
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Unser Bilderbuchtipp für heiße Sommertage:


Mako Taruishi: „Mir ist so heiß!
Aus dem Japanischen von Ursula Gräfe
Moritz Verlag € 9,95
Kleines Pappbilderbuch für die Kleinen

Es ist heiß und ein schwitzender Pinguin watschelt durch die Wüste. Rechts am Bildrand sieht man einen kleinen braunen Fleck. Beim Umblättern erkennen wir einen Schatten, in den sich der Pinguin zufrieden setzt. Aber denkste, das ist der Schatten der Robbe. Beide machen sich auf, um der brüllenden Hitze zu entkommen. Gemeinsam entdecken sie einen größeren Schatten, aber … Ja, das ist der Schatten des Nilpferdes. Als die drei sich dann in den Schatten des Elefanten setzen, ziehen sie müde gemeinsam weiter, bis sie …. in’s kühle Nass hüpfen.
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Hardy on Tour


Tag 34
131 km von Tayport über St.Andrews und Dunfermline nach Kirkliston

Den Regen des Morgens hab ich im schützenden Zelt vollends abgewartet und bin, von einem heftigen Regenschauer mittags mal abgesehen, dann tatsächlich trocken durch diesen somit angenehmen Radtag gekommen.
Gleich hinter Tayport ist ein großes Waldgebiet und da ging es gute 10 km auf festem Untergrund und umgeben von Farnen und großen Kiefer- und Buchenbäumen einsam lang. Ein Sturm hat hier vor nicht allzu langer Zeit sein Unwesen getrieben und viele Bäume entwurzelt zurückgelassen.
Mein erstes Etappenziel war die sehenswerte Stadt St. Andrews, zum einen das Mekka des Golfsports (hier wird seit dem 15.Jahrhundert Golf gespielt) und zum anderen hat in dieser Stadt Prinz William Geografie studiert und seine Frau Kate kennen- und liebengelernt. Der Rundgang durch die Stadt und zur Schlossruine an der Küste haben sich jedenfalls gelohnt.
Weiter ging es auf ruhigen, teils fast schon einsamen Wegen weiter zum eindrucksvollen, denkmalgeschützten Ort „Falkland“. Dort im weiten Schloßgarten kann auch der älteste Tennisplatz von Great Britain bestaunt werden. Übrigens sind die britischen Falklandinseln zu Ehren eines schottischen Adeligen aus dem Ort benannnt.
Am späten Nachmittag kam ich ganz zufrieden mit mir und der Welt bei Kinross am Loch Leven vorbei. In der Mitte des Sees ist eine Insel und dort wurde Maria Stuart festgehalten.
War es beim Hochradeln nach John o Groats die Morgensonne, die mich begrüßte, so war es nun die Abendsonne, die die so unglaublich eindrucksvolle Brücke bei Queensferry in ein besonderes Licht tauchte und einen Platz zum Campen musste ich ja auch nicht suchen. Schließlich habe ich hier in Kirkliston schon einmal mein Zelt auf die nun vertraute Wiese bei der Stadthalle gesetzt.