Mittwoch, 13.Oktober


Heute hat
Christine Nöstlinger
Geburtstag
______________________________________________

„Besser ein paar Brandblasen als ein ganzes Leben lang kalte Finger!“
Christine Nöstlinger
_______________________________________________

Siegerbuch beim Hotlist-Wettbewerb 2021.
Somit das Lieblingsbuch der unabhängigen Buchhandlungen.


Ling Ma: „New York Ghost
Das amerikanische Original: Severance € 18,90
Aus dem Amerikanischen von Zoë Beck
Culturbooks € 23,00

Ausgezeichnet mit dem Whiting Award * Young Lions Fiction Award * Kirkus Prize * Cabell First Novelist Award * Friends of American Writers Prize * Auf der Shortlist des PEN Award for Debut Novel.

Candace Chen lebt und arbeitet in New York City. Ihre Eltern sind dortin ausgewandert und haben sie später nachgeholt. Ihren Unterhalt verdient sie mit der Organisation von speziellen Bibelausgaben, die wiederum in China hergestellt werden. Durch die Globalisierung (u.a. auch der Vertrieb dieser Bibeln) bricht ein tödlicher Pilzsporenvirus aus und infiziert Menschen rund um den Erdball. New York wird immer leerer. Candance zieht los und fotografiert für ihren anonymen Blog „NY Ghost“ die menschenleere Stadt und flieht letztendlich mit einer Gruppe Überlebender an einen „sicheren“ Ort.
Das, in Kürze die Handlung des 2018 erschienen Romans, bei der sich die Zeitebenen abwechseln.
Ling Ma ist ein kleines, großes Kunstwerk gelungen. Sie hat einen Migrationsroman, einen über junge Menschen in New York, eine Kritik an unserem perversen Konsumverhalten, ein Roadmovie mit Zombieeinlagen, einen über eine Pandemie geschrieben und dies noch zusätzlich verknüpft mit einer Hommage an das Zwischenmenschliche, ohne das ein Überleben nicht möglich ist. Und dies alles ist so schnell, frech, bitter, böse und liebenswert erzählt.
Kein Wunder also, dass der Roman so viele Ehrungen erhalten hat und jetzt auch in Deutschland ausgezeichnet worden ist.

Ling Ma wurde in China geboren, wuchs in den USA auf und lebt in Chicago. Ihr Debütroman »New York Ghost« (Severance, 2018) gewann zahlreiche Preise (u. a. den mit 50.000 Dollar dotierten Whiting Award, den Young Lions Fiction Award und den Kirkus Prize), stand auf der Shortlist des PEN/Hemingway Award for Debut Novel und auf diversen Bestenlisten.

Dienstag, 12.Oktober


Heute haben
Eugenio Montale * 1896
Ding Ling * 1904
Geburtstag
_____________________________________

Christian Morgenstern
Blätterfall

Der Herbstwald raschelt um mich her.
Ein unabsehbar Blättermeer
Entperlt dem Netz der Zweige.

Du aber, dessen schweres Herz
Mitklagen will den großen Schmerz:
Sei stark, sei stark und schweige!

Du lerne lächeln, wenn das Laub
Dem leichteren Wind ein leichter Raub
Hinabschwankt und verschwindet.
Du weißt, dass just Vergänglichkeit
Das Schwert, womit der Geist der Zeit
Sich selber überwindet.
______________________________________________

Ein Klassiker neu illustriert:


Peter Hacks, Annika Huskamp (Illustr.)
Der Herbst steht auf der Leiter
Eulenspiegel Verlag € 6,99
Bilderbuch ab 2 Jahren

Von Peter Hacks kommt dieser Liedtext, der in vielen Lese- und Liederbücher auftaucht. Jetzt wurde er neu, frech und witzig illustriert und in ein handliches Pappbilder gepackt, damit die Kleinen das überall hintransportieren können, um gemeinsam mit den Großen zu singen. Auf der leitzte Seite ist der Text nochmals abgedruckt mit Klaviernoten und Gitarrenakkorden.
Jetzt färben sich die Blätter bunt. Aus dem fetten Grün wird eine tolle Farbenpracht. Aber Achtung, wenn dann die Herbstwinde kommen, fliegen die Blätter von den Bäumen und zurück bleiben nackte Äste.
Aber: Es kommt auch wieder ein neuer Frühling.

Montag, 11.Oktober

Heute haben
Conrad Ferdinand Meyer * 1825
Gertrud von Le Fort * 1876
Francois Mauriac * 1885
Boris Pilnjak * 1894
Geburtstag
___________________________________

Conrad Ferdinand Meyer
Zwei Segel

Zwei Segel erhellend
Die tiefblaue Bucht!
Zwei Segel sich schwellend
Zu ruhiger Flucht!

Wie eins in den Winden
Sich wölbt und bewegt,
Wird auch das Empfinden
Des andern erregt.

Begehrt eins zu hasten,
Das andre geht schnell,
Verlangt eins zu rasten,
Ruht auch sein Gesell.
________________________________________


Harald Welzer: „Nachruf auf mich selbst
Die Kultur des Aufhörens
S.Fischer Verlag € 22,00

Harald Welzer, Zukunftsforscher, Autor, Direktor von Futurzwei, streitbarer Intellektueller, der sich u.a. mit Nachhaltigkeit und Klimawandel beschäftigt, stellt fest, dass unsere Kultur kein Konzept vom Aufhören hat. Deshalb baut sie Autobahnen und Flughäfen für Zukünfte, in denen es keine Autos und Flughäfen mehr geben wird. Harald Welzer hatte einen Herzinfarkt und macht sich deshalb Gedanken über die Endlichkeit des eigenen Leben und die Endlichkeit vieler unserer Ideen. Warum arbeitet unsere Industrie immer noch so, als gäbe es keine Endlichkeit von Rohstoffen? Warum leben wir weiter so, obwohl die Erde unseren Wohlstand nicht mehr verarbeiten kann? Unser Leben könnte durch Weglassen und Aufhören besser werden. Unsere Kultur hat den Tod genauso zur Privatangelegenheit gemacht, wie sie die Begrenztheit der Erde verbissen ignoriert.
Welzer zieht alle Register seines Wissen, zitiert Marx und Arendt, redet u.a. mit Reinhold Messner und einer Sterbebegleiterin und bringt sich selbst immer wieder mit seiner Infarkterfahrung ins Spiel.
Ich habe das Buch fasziniert gelesen und die große Bandbreite der Argumente, vom Urmensch bis in die Gegenwart, von der Philsosophie bis zur Hirnforschung, sehr genossen.
Für mich ein wichtiges Buch über unsere Zeit, warum wir so sind, wie wir sind und woran es liegt, dass wir uns mit Veränderungen so schwer tun.

Leseprobe