Mittwoch, 6.Februar

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Der Jastram-Blog macht eine Woche Urlaub.

Damit das für Sie nicht ganz so schlimm wird, hier ein paar Februar-Gedichte aus dem Reclam Verlag.

978-3-15-019112-5

“Februar”
Herusgegeben von Christine Schmidjell und Evelyne Polt-Heinzl
Reclam Verlag € 5,00

Wieder sind es fast 70 Gedichte, die hier in das Februar-Heftchen aufgenommen worden sind und wieder ist kein Goethe dabei. Die beiden Damen halten an ihrem Prinzip fest.

Dafür dichtet sich Ringelnatz schon in den Karneval:

Es braust ein Ruf wie Donnerhall,
Berta, wir gehn zum Faschingsball,
Zu Karnevallerie Krawall,
Pot-Pickles, Mixed-Pourri und Drall.
Denn mancherlei im Leben
vielerlei!
Das man nicht sagt, läßt tanzen sich und gröhlen
Und köstlich ist ein unverbindlich Küssen.

In der Anthologie hat es auch Überschriften wie “Das wilde Treiben”, “Ballgeflüster”, “Frühlingserwartung” und “Vorfrühling”. Wir bleiben jedoch noch bei den Rubriken “Immer noch Winter” und “Stille Februartage”. Wer weiß, was noch alles vom Himmel fällt.

Christian Friedrich Hebbel
Winter-Landschaft

Unendlich dehnt sie sich, die weiße Fläche,
bis auf den letzten Hauch von Leben leer;
die muntern Pulse stocken längst, die Bäche,
es regt sich selbst der kalte Wind nicht mehr.

Der Rabe dort, im Berg von Schnee und Eise,
erstarrt und hungrig, gräbt sich tief hinab,
und gräbt er nicht heraus den Bissen Speise,
so gräbt er, glaub’ ich, sich hinein ins Grab.

Die Sonne, einmal noch durch Wolken blitzend,
wirft einen letzten Blick auf’s öde Land,
doch, gähnend auf dem Thron des Lebens sitzend,
trotzt ihr der Tod im weißen Festgewand.

Joseph von Eichendorff
Winternacht

Verschneit liegt rings die ganze Welt,
Ich hab nichts, was mich freuet,
Verlassen steht der Baum im Feld,
Hat längst sein Laub verstreuet.

Der Wind nur geht bei stiller Nacht
Und rüttelt an dem Baume,
Da rührt er seinen Wipfel sacht
Und redet wie im Traume.

Er träumt von künft’ger Frühlingszeit,
Von Grün und Quellenrauschen,
Wo er im neuen Blütenkleid
Zu Gottes Lob wird rauschen.

Richard Dehmel
Winterwärme

Mit brennenden Lippen,
unter eisblauem Himmel,
durch den glitzernden Morgen hin,
in meinem Garten,
hauch ich, kalte Sonne, dir ein Lied.

Alle Bäume scheinen zu blühen;
von den reifrauhen Zweigen
streift dein Frühwind
schimmernde Flöckchen nieder,
gleichsam Frühlingsblendwerk;
habe Dank!

An meiner Dachkante hängt
Eiszapfen neben Zapfen,
starr,
die fangen zu schmelzen an,
Tropfen auf Tropfen blitzt,
jeder dem andern unvergleichlich,
mir ins Herz
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Nicht vergessen.
Am kommenden Freitag entführt uns Ulrich Balß mit Bildern und Musik in das New York von gestern und heute auf den Spuren seines Großvaters.

Cover mit Aufkle.-04-24 um 11.52.08 Kopie

Beginn ist 19 Uhr bei uns in der Buchhandlung.
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Dienstag, 5.Februar

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Heute haben
Joris-Karl Huysmans * 1848
George Saiko * 1892
Henriette Hardenberg * 1894
William Burroughs * 1914
Richard Yates * 1926
Sandra Paretti * 1935
Inka Parei * 1967
Terézia Mora * 1971
Geburtstag
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Johann Wolfgang Goethe
Ein großer Teich war zugefroren

Ein großer Teich war zugefroren;
Die Fröschlein in der Tiefe verloren,
Durften nicht ferner quaken noch springen,
Versprachen sich aber, im halben Traum,
Fänden sie nur da oben Raum,
Wie Nachtigallen wollten sie singen.
Der Tauwind kam, das Eis zerschmolz,
Nun ruderten sie und landeten stolz
Und saßen am Ufer weit und breit
Und quakten wie vor alter Zeit.
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9783423640428

Jason Reynolds: „Patina“
Was ich liebe und was ich hasse
Aus dem Englischen von Anja Hansen-Schmidt
Jugendbuch ab 12 Jahren
dtv € 14,95

Endlich! Teil 2 nach Ghost ist erschienen. Dieses Mal steht ein Mädchen im Mittelpunkt. Patina. Patty genannt, rennt wie der Blitz und ist zu Beginn tief traurig, weil sie nur den zweiten Platz in ihrem ersten Rennen gemacht hat. Sie rennt für ihre Mutter, deren Beine wegen Diabetes abgenommen worden sind. Sie rennt für ihr Glück, gegen den Verlust des Vaters, der plötzlich gestorben ist. Sie rennt natürlich für sich selbst. In ihrer neuen Schule fühlt sie sich als Aussenseiterin. Ihre Mitschülerinnen empfindet sie als oberflächlich und hochnäsig. Ihr Idol ist Florence Griffith Joyner. Flo Jo, ja so möchte sie aussehen und laufen. Jason Reynolds hat es wieder geschafft, mich zu fesseln. Mit großer Empathie und Witz schreibt er über diese Clique. Fasziniert lausche ich den Trainingsmethoden und beim abschließenden Staffelrennen konnte ich es kaum mehr aushalten.
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Heute abend ab 19 Uhr liest Clemens Grote aus:

Elisabeth Wehling: Politisches Framing
Abbas Khider: Deutsch für alle
John Wray: Gotteskind
James Baldwin: Nach der Flut das Feuer
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Am kommenden Freitag, den 8.Februar
tauchen wir mit Ulrich Balß ab 19 Uhr
in das New York von gestern und heute ein.
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