Dienstag, 17.April

IMG_1474.JPG

Heute haben
K.P.Kavafis * 1863
Tania Blixen * 1885
Thornton Wilder * 1897
Rolf Schneider * 1932
Nick Hornby * 1957
Geburtstag.
________________________

Nur gut, dass wir gutes April-Wetter haben.

Heinrich Seidel
Da schau nur einer den April

Da schau nur einer den April,
Der weiss gewiss nicht was er will.

Gerade woll’n wir auf die Strasse laufen,
Da fängt er mächtig an zu schnaufen

Und schleudert uns der Bösewicht
Den kalten Regen ins Gesicht.

Rasch, rettet euch ins Haus hinein,
Denn jetzt fängt’s gar noch an zu schnei’n.

Wenn das so weitergeht da drauss‘,
Dann hol’n wir halt den Schlitten wieder raus.
__________________________

Sarah Wiltschek empfiehlt:

lied-der-weite-9783257070170

Kent Haruf:Lied der Weite
Aus dem Amerikanischen von Rudolf Hermstein
Diogenes Verlag € 20,00

Wie gut es ist, wenn mal vom Guten erzählt wird. Vom Guten im Menschen und vom Guten in der Welt. Das ist, was Kent Harufs „Lied der Weite“ eigentlich zu einem modernen Märchen macht. Der Roman erzählt von einer Handvoll Bewohner der kleinen Stadt Holt in Colorado, die sich gegenseitig helfen, obwohl sie sich fremd oder davor nie begegnen sind. Die sich nicht scheren, um Etikette oder das Gerede der Leute, weil sie eh ihr ganzes Leben außerhalb der Gesellschaft zugebracht haben. So etwa die Brüder McPheron, die alt und grau ihren gemeinsamen Hof weit außerhalb der Stadt ohne Frau und Kinder betreiben und kein anderes Leben kennen. Erst recht keinen Damenbesuch. Die Lehrerin Maggi Jones bringt deshalb ihr Junggesellenleben gehörig durcheinander mit ihrem Vorschlag, die siebzehnjährige, schwangere Victoria bei sich aufzunehmen. Ihre Mutter hat sie vor die Tür gesetzt und so steht sie perspektiv- und hoffnungslos vor dem kaputten Nichts. Mit welchem Zartgefühl, welcher Empathie, welcher Freude und Dankbarkeit die Brüder dem Mädchen schließlich begegnen, ist so pur und genau geschrieben, dass jedes Wort, jede unbeholfene Äußerung der McPherons die Welt ein kleines bisschen heller machen.
Neben den Brüdern McPheron, erzählt Haruf außerdem von Guthrie, einem Lehrer und Ranchbesitzer und seinen beiden neun- und zehnjährigen Söhnen Ike und Bobby, von deren Mutter und von der Lehrerin Maggi Jones. Und dann ist da noch die einsame alte Frau, Iva Stearns. Haruf durchbricht Traditionsmuster und gesellschaftliche Normen, zeichnet mit Guthrie einen liebevollen, sorgenden Vater, dessen Frau aus dem gemeinsamen Leben ausbricht, in Depressionen versinkt und schließlich die Familie verlässt. Er beschreibt eine starke und unabhängige Frauen wie Maggi und die alte Mrs. Stearns, der Ike und Bobby Gesellschaft leisten, um ihrer eigenen Langeweile und Einsamkeit zu entfliehen. In einem Mikrokosmos von derben Verhältnissen und Aussichtslosigkeit knüpfen diese Figuren ein Netz voll Hilfsbereitschaft und Freundschaft, das einem Neugeborenen den hoffnungsvollen Start ins Leben ermöglicht und den Brüdern McPheron eine ungeahnte Chance auf einen Alltag in weiblicher Gesellschaft eröffnet.

Das schreibt der Verlag zum Autor:
Kent Haruf (1943–2014) war ein amerikanischer Schriftsteller. Alle seine sechs Romane spielen in der fiktiven Kleinstadt Holt im US-Bundesstaat Colorado. Er wurde unter anderem mit dem Whiting Foundation Writers’ Award, dem Wallace Stegner Award und dem Mountains & Plains Booksellers Award (für ›Lied der Weite‹) ausgezeichnet. Sein letzter Roman, ›Unsere Seelen bei Nacht‹, wurde zum Bestseller und mit Jane Fonda und Robert Redford in den Hauptrollen verfilmt.

Detlef Surreys Sonntagsskizze

Mit dem Skizzenbuch unterwegs auf dem früheren Mauerstreifen zwischen
Ost- und West-Berlin.
Hier ein Blick zum „Platz des 18.März“ mit Reichstagsgebäude und Brandenburger Tor.

surrey-b-pl18maerz-1000x713

Gezeichnet genau auf dem Verlauf der DDR-Grenzanlagen.
Heute steht hier rechts (außerhalb der Zeichnung) die Botchaft der USA.
Die Wachpolizisten wurden sofort unruhig, als ich mich zum Zeichnen hinsetzte.
Aber dann haben sie wohlwollend genickt.

Weitere Skizzen vom Mauerweg –> http://surrey-skizzenblog.blogspot.de/2018/04/sonntagsskizzen-52018-auf-dem.html

 

 

Freitag, 13.April

IMG_5556

Heute haben
Roda-Roda * 1872
Samuel Beckett * 1906
Stephan Hermlin * 1915
Seamus Heaney * 1939
Gustave.Le Clezio * 1940
Zeruya Shalev € 1959
Geburtstag
und es ist der Todestag von Günter Grass.
___________________________

Heute auf dem Lyrikkalender:

Joachim Ringelnatz
Im Park

Ein ganz kleines Reh stand am ganz kleinen Baum
still und verklärt wie im Traum.
Das war des Nachts elf Uhr zwei.
Und dann kam ich um vier morgens
wieder vorbei.
Und da träumte noch immer das Tier.
Nun schlich im mich leise – ich atmete kaum –
gegen den Wind an den Baum
und gab dem Reh einen ganz kleinen Stips.
Und da war es aus Gips.
___________________________

Unser Buchtipp:

978-3-498-04543-2

Toni Morrison:Die Herkunft der anderen
Über Rasse, Rassismus und Literatur
Aus dem Amerikanischen von Thomas Piltz
Rowohlt Verlag   € 16,00

Die US-amerikanische Nobelpreisträgerin Toni Morrison hat im Sommer 2016 als 85-jährige eine Vorlesungsreihe an der renommierten Harvard University zum Thema Rassismus und Literatur gehalten. Diese sechs Vorlesungen liegen jetzt in deutscher Übersetzung vor.
In ihrem gesamten Werk geht Toni Morrison auf das Thema Rassismus ein. Ihr zentrales Thema ist der Unterschied zwischen schwarz und weiss und wie unterschiedlich sowohl die einen, als auch die anderen damit umgehen. Sie zeigt in ihren Romanen die Zerrissenheit der Menschen, die Unheil zufügen und die Unheil erleiden. Auch da gibt es kein einheitliches Schema. So fühlen sich die Täter auch gleichzeitig als Opfer.
In diesen Reden, bzw. Texten schreibt sie über ihr Werk, über ihre Thesen, sie schreibt über den romantisierenden Rassismus z.B. in „Onkel Toms Hütte“ und geht auf
Romane von Hemingway und Faulkner ein. Sie zitiert aus Tagebüchern aus dem 19.Jahrhundert, sowohl von Sklaven, als auch von Sklavenbesitzern.
Die Vorlesungen wurden vor der Präsidentschaft Trumps abgehalten und so taucht dieser Namen auch nie auf. Und doch merken wir, dass Toni Morrison nicht glücklich in die Zukunft schaut und gleichzeitig einen versöhnlichen Ton anschlägt.
Das Vorwort von Ta-Nehisi Coates zeigt die Aktualität der Texte und macht Lust, die beiden Bücher von ihm selbst zu lesen.