Noch kein Weihnachtsgeschenk? Wir können helfen. Eine Jastram-Bücherliste zum Fest

Von Sebastian Lehmann

Nikolaus ist Geschichte, das große Geschenkefest steht vor der Tür. Vollkommen unvoreingenommen und uneigennützig empfehle ich als Mitinhaber der Buchhandlung Jastram: Kauft – kaufen Sie – Ihren Lieben kluge, schöne, unterhaltsame und spannende beste Bücher! Als da derzeit (unter vielen anderen) seien:

Romane:

Christoph Nußbaumeder: Das Herz von allem (Rowohlt, € 25): Der beste historische Roman des Jahres 2025. So kluge wie irre Expeditions-Geschichte in den USA Anfang des 19. Jahrhunderts.

David Szalay: Was nicht gesagt werden kann (Classen, € 25), auf Englisch: Flesh (Random House, € 22): Großartiger Europa-Glücksritter-Roman, der ganz modern in unserer Zeit spielt, aber auch an die historische Geschichte von „Barry Lyndon“ erinnert. Ganz zu Recht Gewinner des Booker Prize 2025!

Cristina Henriquéz: Der große Riss (Hanser, € 26): Arbeiter, Ärzte und Ingenieure aus aller Welt, die unter dem quasi-kolonialistischen Joch der USA (als Initiator und Investor) das Giga-Projekt Panama-Kanal erschaffen haben. Eine Lesemuss, heute, obwohl historisch, aktueller denn je.

Anja Kampmann: Die Wut ist ein heller Stern (Hanser, € 28): Hamburg, 1933. Wie schlägt sich das Kunst-, Varieté- Reeperbahn- und Rotlichtmilieu angesichts der neuen Nazi-Herrschaft? Nach wahren Begebenheiten, literarisch sehr intensiv umgesetzt. Seltsamerweise nicht für den Deutschen Buchpreis 2025 nominiert.

Mirko Bonné: Der eiskalte Himmel (Kampa, € 15): Das Buch ist überhaupt nicht neu – aber eine Entdeckung von mir (weil der eigentliche Dichter Bonné gerade beim Ulmer Lyrikspätsommer zu Gast war…): Abenteurgeschichte, Antarktis, nach wahren Begebenheiten, fantastisch gut aufgeschrieben. Sehr, sehr gut.

David Foenkinos: Das glückliche Leben (Kiwi, € 23): War in Frankreich ein Bestseller – und hat einen eher platt klingenden (deutschen) Titel. Ist aber sehr intensiv, spielt zwischen Frankreich und Korea, mit sehr interessanten Einblicken in die beiden Länder. Hat mich an Lost in Translation (obwohl dort USA/Japan und nicht Europa/Korea…) erinnert. Sehr lesenswert, gibt viele Einblicke dazu, wie wir – hier im jetzt gerade noch kuscheligen Europa – zukünftig überhaupt leben wollen (oder können…). Zudem sehr unterhaltsam.

Gaspard Koenig: Humus (Matthes & Seitz, € 26): Könnten wir z. B. mit Regenwürmern die ausgewogene Ökologie des Bodens retten und erhalten? Und wie dann? Das Thema wird hier im Frankreich der Gegenwart klug und dystopisch zugleich ausgefochten: spannend.

Jan-Philipp Sendker: Akikos stilles Glück (Blessing, € 14) und Akikos lange Reise (Blessing, € 24): Man kaum kann fassen, wie der deutsche (!) und deutschsprachige Autor hier die Lebensrealität und das Leben einer Mittelklasse-Japanerin einfängt, mit allen Verrücktheiten dieser aus der europäischen Sicht seltsamen (Un)wohlstandsgesellschaft. Sehr einfühlsam und klug geschrieben. „Akikos stilles Glück“ ist bei Jastram aus guten Gründen seit vielen Monaten ein Bestseller, „Akikos lange Reise“ wird unserer Ansicht nach folgen…

B. Traven: Die weiße Rose (Diogenes, € 26): Immerwährend zeitloser Klassiker über unternehmerische und staatliche Gewalt. Best of.

Kinderbücher:

Alex Willmore: Das Reichhörnchen (Dragonfly, € 18): Das Eichhörnchen will nicht teilen, aber lernt dann – glücklicherweise! – dazu. Super Kinderbuch zur Zeit. Nicht moralisch, aber ehrlich.

Ryan T. Higgins: Wir essen keine Mitschüler (Windy Verlag, € 18): Unfassbar sarkastisch-lustige Geschichte eines kleinen Dinos, der/die sich in seiner/ihrer neuen Schule anpassen muss. Vollkommen kindergeignet, bestens illustriert. Es gibt auch Folgebände…

Junge Jugend:

Benedict Mirow: Joshua Jackelby (Thienemann, € 17): Ein sozial schlecht gestellter Zeitungsjunge im End-19.-Jhd.-London entdeckt neue Freunde & Freundinnen und mit der Clique zusammen eine sehr aufregende detektivische Aufgabe. So spannend wie berührend.

Judith Rossell: Midwatch – Schule der unerwünschten Mädchen (Penguin Junior, € 16): Am Anfang ein wenig wie Oliver Twist (als Mädchen gedacht), aber dann dürfen – hinsichtlich der neuen Schule/Erziehungsanstalt vollkommen unerwartet – die als sozial schwierig geltenden jungen Damen/Teenagwe in einer Art Hogwarts (ohne Magie…) der schlauen Mädchen richtig zur Sache gehen. Top.

Martina Wilder: Zu schnell für diese Welt (Beltz, € 14): Toller Sport-Jugendroman über zwei Jungs, die sich innerhalb und außerhalb ihrer sozial und familiär außerordentlich schwierigen Verhältnisse über Sport (Laufen und Werfen) emanzipieren. Macht allen Mut.

Dennis Schröder , Dr. Christian Tielmann: Wir Jungs vom Prinzenpark (Carlsen, € 15): Schröder, der beste Basketballer Deutschlands, hat eine so (illustratorisch) wie ehrliche (textliche) Biografie seines Sportler-Lebens zwischen Braunschweig, Deutschland, Europa und den USA vorgelegt. Ist ein Basketballl-Dreier.

Gina Mayer: Wilderland (1. und 2. da, 3. kommt…, jeweils cbj, € 15): Tolle Jugend-Clique-Abenteuer-Geschichte mit magischen Anteilen.

Jungerwachsene („Young Adult“):

Mechthild Gläser: Jane und die Geheimnisse von Branwell Hall (Loewe, € 16,95): Innerhalb all diesen vielen neuen auf dem Cover und im Schnitt bunt gefärbten Teenie- und Nichtmehrganzso-Teenie-Romanen eine unter den vielen vielen genauso bunten (!) Konkurrentinnen und Konkurrenten eine literarisch bessere Wahl…

Jonathan Browne: Scarlett & Browne – Die Outlaws (cbt, € 13): England, Dystopie, eine Art Bonnie & Clyde für heute, jung…

Fast Erwachsene („New Adult“)

Obwohl wir (ich) keine Expert/innen für dieses Genre sind (bin), aber dennoch laut eigener Bestimmung (der Begriff fällt hier und da im Verlauf…) eine Mehrgenerationenbuchhandlung, hier die Tipps (Bestseller, aber na und – ?1?) : Rebecca F Kuang: Katabasis (Eichborn, € 28) – eine Heldenreise in die Unterwelt – sowie SenLinYu: Alchemised (Ullstein, € 34,99, auch Englisch, auch Ullstein): Fantasy-Dystopie sondergleichen.

Sachbücher:

Aldous Huxley: Zeit der Oligarchen (Hanser, € 14): beklemmend zeitlos, genauso wie (ein aktuelles Buch!) Giuliano da Empoli: Die Stunde der Raubtiere (C. H. Beck, € 15): Es geht weiterhin weltweit um den Streit um sehr viel Macht – und dabei um sehr viel Geld…

Aktuell punkten in dieser Auseinandersetzung aus meiner Sicht zum Beispiel Sven Beckert: Kapitalismus (Rowohlt, € 42), eine so tolle wie umfangreiche historische Einordnung und – auf der Kehrseite der Medaille (in der Gegenwart) die Britin Grace Blakeley: Die Geburt aus der Freiheit des Sozialismus (Tropen, € 28). Dieses Ringen , dieser demokratische Streit um den richtigen Weg, wird in Gesellschaft und Politik weiterhin außerordentlich relevant und spannend bleiben.
Gesetzt ist auch Zerstörungslust (Suhrkamp, € 30): aktuelle Debatte.

Graphic Novel/Kunst/Illustration:

Der Ulmer Hocker natürlich, Hildegard Knef (Ulmerin!) und „Die Frau als Mensch“ von Ulli Lust. Sowie „Jerusalem – Portrait einer Stadt und „Die unglaubliche Geschichte der Medizin“ .

Und, und, und…

Es gibt noch viel mehr zu entdecken. Sowohl 2024 als auch 2025 waren (sind) ein durchaus gutes Bücherjahr, es gibt (und gab unlängst) viele tolle Neuerscheinungen. Von der „Backlist“ (bei Jastram!) ganz zu schweigen. Kommt, kommen Sie vorbei. Wir finden gemeinsam das richtige Buch. Versprochen.

Bis dahin, viele Grüße, eine schöne Adventszeit wünschen

Sebastian Lehmann & Team Jastram