Montag, 6.Mai


Heute haben
Luwig Börne * 1786
Rabindranath Tagore * 1861
Christian Morgenstern * 1871
Yasushi Inoue * 1907
Erich Fried * 1921
Franz Mon * 1926
Geburtstag
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Best of Winfried Hermann Bauer

In SeHNot

Save our Souls
Live tickt es von irgendwo
Ich kann jedoch nicht helfen
Torpedos haben meinen Bug zerfetzt
Das Ruder ist zerstört
Irrlichter tanzen durch die Nacht
Sie halten sich an kein Gebot
In diesem Sturm der Worte, Bilder, Zeichen
Bin ich nun selbst in Not
Und immer wach
Der Krieg tobt überall
Scylla und Charybdis tausendfach
Kein Haus, kein Dach, das sicher wär
Ist dir und mir gegeben
Wer trägt die Schuld an dieser Lage
Putin, ein gemeiner Keim, das Pentagon
Pardon
Das ist die falsche Frage

Ganz weit draußen

Müde
Hefte ich mein Auge an den Horizont über dem Meer

Aus meinem Rücken
Ragen Gesetzestexte
Wie stählerne Stützpfeiler
Während ich nach wilden Gerüchen giere
Und nach fremder Musik

Und ich frage mich
Trunken von Teer
Der von den Planken tropft
Worauf warten wir denn
nur

Bis wir die Anker lichten endlich…
Als wäre das Paradies irgendwo da draußen

Auf dem Narrenschiff

Mitschiffs bunte Fähnchen
Halbmond, Sterne hochgehalten
Kein Käpt‘n weit und breit
Überm Ruder hängt der Steuermann
Das Drachensegel knattert
Vom Krähennest ertönt ein schriller Schrei
Leichtmatrosen singen achtern
OM
Auftritt der Teufel
Mit der Sichel in der Hand
Er kappt die Taue, setzt das Deck in Flammen
Der Schiffsrumpf ächzt, neigt sich nach rechts
Es riecht nach Teer, nach Feuer, Rum
Da brüllt der Hein
Auf Moses, höchste Zeit, füttern wir das Bilgenschwein!
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Unser heutiger Buchtipp:

Marie Darrieussecq: „Das Meer von unten
(La Mer à l‘envers)
Aus dem Französischen von Patricia Klobusiczky
Secession-Verlag € 25,00

Rose befindet sich mit ihren beiden halbwüchsigen Kindern auf einer Mittelmeerkreuzfahrt. Ihre Mutter hat diese Reiese finanziert. Vollpension, ohne Alkohol. Es ist kurz vor Weihnachten. Zu dritt leben sie in einer Kabine im 5.Stock mit Bullauge. Die kleine Tochter wartet auf die Bescherung und hofft, dass all ihre Wünsche erfüllt werden. Ihr großer Bruder schaut nur auf sein Smartphone und betont, dass er darauf nur schreiben würde.
In dieser Nacht wacht Rose von ungewohnten Geräuschen auf, zieht sich an und verlässt ihre gemeinsame Kabine. Das Kreuzfahrtschiff nimmt Geflüchtete auf, die auf einem nicht mehr seetauglichen Schiff zu ertrinken drohen. Lange sind die Menschen nicht an Bord, da die italienische Künstenwache sie relativ schnell mitnimmt.
In dieser kurzen Zeit, in den wenigen Momenten, in denen sie mit diesen fremden Menschen in Kontakt kommt, versucht sie dem jungen Younès zu helfen, in dem sie ihm Kleider ihres Sohnes in die Hand drückt und auch noch dessen Handy. Dies hat natürlich Folgen, da der Sohn ohne dieses Teil verzweifelt. Mittels der Suchfunktion kann er sein Telefon an Board lokalisieren. Er findet es jedoch nicht.
Marie Darrieussecq erzählt aus der Sicht der Psychologin Rose über dieses Ereignis und, was deutlich mehr Platz einnimmt, über ihr Leben in Paris, ihre Arbeit, über ihre Familie, ihre Kinder und ihren Mann. Es ist der Alltag, der ihr Leben bestimmt. Ein Umzug steht an. Raus aus der hektischen Stadt nach Clèves, einer Kleinstadt in der Nähe der Pyrenäen.
Aber auch dort haben die Kinder die gleichen Sorgen in der Schule. Das Paradies ist es dort auch nicht. Im Kopf von Rose bleiben die Bilder dieser einen Nacht und als Younès sich auf ihrem Handy meldet, versucht sie sich um ihn zu kümmern und taucht kurzfristig ein in die Welt der Geflüchteten im Lager von Calais.
Dies alles schreibt sie in einem sehr freundlich Ton, in dem das Alltagsleben ihrer Familie im Mittelpunkt steht. Ein Buch voller Empathie und Menschenfreundlichkeit, in der die Probleme der Kinder und ihrer Ehe deutlich mehr Raum einnehmen, als die fremde Welt der Geflüchteten. Ein Buch über enttäuschte Träume und gescheiterte Hoffnungen auf beiden Seiten.