Montag

Heute hat William Blake (* 1827) Geburtstag.

William Blake
I Heard an Angel

I heard an Angel singing
When the day was springing,
‚Mercy, Pity, Peace
Is the world’s release.‘

Thus he sung all day
Over the new mown hay,
Till the sun went down
And haycocks looked brown.

I heard a Devil curse
Over the heath and the furze,
‚Mercy could be no more,
If there was nobody poor,

And pity no more could be,
If all were as happy as we.‘
At his curse the sun went down,
And the heavens gave a frown.

Down pour’d the heavy rain
Over the new reap’d grain …
And Miseries‘ increase
Is Mercy, Pity, Peace.
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Mein Tipp der Woche:

g-Egan-Jennifer-Black-Box

Jennifer Egan:Black Box
Aus dem Englischen von Brigitte Walitzek
96 Seiten. Gebunden.
Schöffling Verlag € 9,95
als eBook € 4,99

Ich hatte das Buch gar nicht beachtet, oder schlicht weg wieder vergessen, als ich die Vorschau mit Herbstneuheiten des Schöffling Verlages durchgeblättert hatte. Nun ist das schmale kleine Büchlein (96 Seiten!) auf dem Tisch mit den neuen Romanen und gelesen (96 Seiten!). Im Vorfeld habe ich immer gelesen: Achtung ein Twitter-Roman. Ein Buch, in dem die einzelnen Einträge nicht mehr als 140 Zeichen haben darf/kann. Dass Jennifer Egan neue Formate ausprobiert, dafür ist sie berühmt und berüchtigt. In ihrem letzten Roman sah ein Kapitel aus wie eine Powerpointpräsentation. Nach erstem Erstaunen, war es jedoch schlüssig und gut zu lesen. So auch hier. Nach den ersten Einträgen, die ja nicht länger als drei Zeilen sind, befinden wir uns inmitten einer spannenden Spionage-Thriller-Geschichte, die gespickt ist mit SiFi-Elementen, einer großen Kritik an patriotischer Politik und sexueller Ausbeutung.
Eine Frau wird auf einen bedeutenden Kriminellen angesetzt und eine Stimme aus dem Off gibt ihr Ratschläge, wie sie sich verhalten soll, auch wie sie sich verhalten muss, um dem Wohl des Staates zu dienen. Irgendwie klingt diese Stimme so, wie wenn sie nicht online ist, sondern redet immer „wenn das passiert, dann mache das“. Gleichzeitig passiert es aber auch.
„Menschen sehen nur selten so aus, wie man es erwartet, selbst wenn mann Fotos von ihnen kennt.“ ist der erste Twittereintrag. Später geht sie mit der Zielperson schwimmen und ins Bett.
Die beiden Einträge:
„Falls sich den „Auserwählter“ auf dem Balkon aufhält, bleib in der Tür direkt hinter ihm stehen.“
„Falls er herumfährt und dich bemerkt, tu so, als hättest du gerade zu ihm gehen wollen.“ enthalten z.B. klare Anweisungen der Stimme. Jennifer Egan hatte mich sofort gefangen genommen. Wie der Körper der Frau aufgerüstet worden ist, mit einem Aufnahmegerät im Ohr, einem Blitzlicht im Auge und einem Hilferufsender im rechten Knie. Klingt vielleicht etwas doof, macht in diesem Roman Sinn und auch Angst. Um ihre Angst für Folter, sexuellen Übergriffen kleinzuhalten, erhält sie Tipps, wie sie durch Zurückzählen von 10 auf 1 sich ein Trance versetzen soll und praktisch sich von ihrem Körper lösen kann. Dies benötigt sie auch.
„Wenn dein Körper über außergewöhnliche Fähigkeiten verfügt, ist ein solches Gefühl der Ohnmacht besonders frustierend“
heisst es aber auch gegen Ende des Romanes.
Egans Buch geht nicht gut aus, kann nicht gut ausgehen, bei all der Kritik, die zwischen den Zeilen steht.
Die Lektüre lohnt sich wirklich. Nicht nur weil es ein litararisches Experiment ist,sondern Jennifer Egan es versteht, in die kurzen Texte ganze Buchseiten zu komprimieren und einzudicken. Hier wird nicht episch breit erzählt; wir machen uns selbst sehr schnell ein fertiges, ein perfektes Bild in unserem Kopf, wenn wir die einzelnen Mosaiksteinchen zusammensetzen und die Leerstellen selbst auszufüllen lernen.
Wie Jennifer Egan diese Tweets veröffentlich hat, weiss ich nicht. Kam da täglich ein Tweet, oder wurde sie so veröffentlicht, wie sie bei ihr entstanden sind und fertig zur Freigabe waren? Auf jeden Fall wurden sie letzten Sommer in zwei Ausgaben des New Yorkers veröffentlicht.
Holen Sie sich diese Black Box (dafür dient letztendlich diese Frau der Regierung) und lassen Sie sich überraschen. Danach fällt uns sicherlich noch öfter auf, wo wir den Rotstift bei dicken Roman ansetzen würden.

Hier geht es zur Leseprobe.
Und hier zur Autorin Jennifer Egan.
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Dies ist mein letzter Eintrag für diese Woche. Ich verschwinde für ein paar Tage in den Urlaub, habe den Koffer voller Bücher und werde dann ab Samstag wieder aus der Welt der Buchstaben und des Lesen berichten.
Viel Vergnügen bis dahin.