Montag

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Obwohl gestern ordentlicher Ostwind war, bringt mein Gedichtebuch heute ein Westwindgedicht:

Marianne von Willemer
Ach, um deine feuchten Schwingen

Ach, um deine feuchten Schwingen,
West, wie sehr ich dich beneide:
Denn du kannst ihm Kunde bringen
Was ich in der Trennung leide!

Die Bewegung deiner Flügel
Weckt im Busen stilles Sehnen;
Blumen, Wald und Hügel
Stehn bei deinem Hauch in Tränen.

Doch dein mildes sanftes Wehen
Kühlt die wunden Augenlider;
Ach, für Leid müßt‘ ich vergehen,
Hofft‘ ich nicht zu sehn ihn wieder.

Eile denn zu meinem Lieben,
Spreche sanft zu seinem Herzen;
Doch vermeid‘ ihn zu betrüben
Und verbirg ihm meine Schmerzen.

Sag ihm, aber sag’s bescheiden:
Seine Liebe sei mein Leben,
Freudiges Gefühl von beiden
Wird mir seine Nähe geben.
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Der gestrige Sonntag war ein idealer Lesetag. Schön in diversen Schatten sich durch die Bücher fressen, war schon sehr gut. Es sind halt die leidigen Leseexemplare, die die Stolpersteine im Lesevergnügen sind. Eigentlich möchte ich gerne noch so viele alte Bücher lesen. Diese noch nicht erschienenen Neuheiten drängeln sich aber ständig dazwischen. Und gerade jetzt, wenn die Vertreter auf der Matte stehen und ihre Sachen verkaufen wollen, möchte ich zumindest in die Bücher hineingelesen haben, die uns die Verlage zugeschickt haben. So war dies gestern u.a. Lena Goreliks: „Die Listensammlerin“ und Thomas Glavinics: „Das größere Wunder“. Auf meinem eBook-Reader lese ich mein Frühstücksbuch. Jeden Tag 10 Seiten aus der 750 Seiten dicken Schwarte. Abends dann noch mit „Im Stein“ von Clemens Meyer begonnen.
CIMG8918 Dabei ist mir aufgefallen, dass es einen großen Nachteil gibt, mit einem eBook-Reader im Sommer auf der Alb im Freien zu lesen. Ich meine, genau dafür kaufen sich doch viele Menschen so ein Lesegerät. Sie wollen möglichst wenig Gewicht mitnehmen und doch einen Vorrat an Bücher dabei haben. Nun passiert allerdings folgendes: Ich lege mich gemütlich in den Schatten, so mit ein wenig Sonne zum Aufwärmen, packe das Lesegerät aus. Ah, wunderbar, schön spiegelfrei, egal ob Sonne oder Schatten und los geht’s. Nochmals in die richtige Lesepostion rücken, jetzt hat sich die zuletzt gelesene Seite aufgebaut, Lesebrille putzen und los geht’s. Vo wegen: Eine Mücke läuft über das Display, markiert ein Wort und der SONY-Reader bringt mit sofort diverse Optionen von Wikipedia und einem dt-engl.Wörterbuch, um dem Wort hinterherzuforschen. Das möchte ich jedoch gar nicht, wischele diese Zusatzinformationen wieder weg und möchte jetzt mit Lesen beginnen. CIMG8919 So einfach ist das jedoch gar nicht. Ich habe zwar den Zusatztext und die Mücke weggewischt, sie ist jedoch schon wieder da und läuft munter über die Glasscheibe und … es ist kaum zu glauben … sie blättert in meinem Buch. Ja gibt es denn so etwas! Die läuft hochundrunter von linksnachrecht und der kleine SONY folgt ihr auf’s Wort schlägt Seite um Seite um. Verdammt, davon habe ich noch nie gelesen. Nun wedele ich noch mehr, um die kleine, lästige Fliege etwas weiter weg zu scheuchen, suche mir meine Leseanfang wieder und beginne endlich mit meiner Lektüre. Leider musste ich feststellen, dass es fast unmöglich war den Reader waagerecht ins Gras zu legen, da dann immer wieder Fliegen zum Blättern kamen. Also blieb mir nur die Haltung, schräg oder auf dem Rücken liegend und mit dem Teil in der Luft. CIMG8922 Dabei fiel mir dann auf, dass so ein richtiges Papierbuch auch seine Vorteile hat. Gut, die Dinger sind schon schwer (z.T.) und die Buchstaben werden auch immer kleiner (oder liegt es an meinen Augen) und können nicht vergrößert werden; allerdings sind sie mückenresistent. Und in manchen meiner Bücher sieht man zwar Mückenspuren, aber meist sind es die Formen zerquetschter Tiere. So lege ich bei einer Pause das Buch in’s Gras, mit einem Zettelchen als Leseexemplar, oder gleich brutal auseinandergebogen mit dem Rücken nach oben. Dann passiert gleich gar nichts mehr. Das Buch höre ich ja nicht stöhnen.
CIMG8929 Den Reader habe ich nach meiner Tageslektüre nicht etwa verschwinden lassen. Nein, ich habe ihn mit meinem Rechner verbunden und die neuen Leseexemplare, die mir ein Vertreter hat zukommenlassen, aufgespielt. Das mit den Mücken weiss ich nun und werde mich dementsprechend in der Liegehaltung verhalten und mich womöglich auch noch mückentechnisch bewaffnen. Ein Lob auf das gute alte Buch und gut, dass es diese Reader gibt.
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