Mittwoch, 3.Januar

Heute haben
J.R.R.Tolkien * 1892
Maxie Wander * 1933
Geburtstag
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„Viele Menschen haben nicht die Kraft, anderen etwas zu geben, sie bauen Kälte um sich und leiden schrecklich unter ihrer Isolation.“
Maxie Wander (1933 – 1977) aus: „Guten Morgen, du Schöne“
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Eine wichtige Wiederentdeckung, auch in Zeiten der Kriege in der Ukraine und in Israel/Gaza:


Peter Flamm: „Ich?
S.Fischer Verlag € 22,00

„Schriftsteller oder nicht, jeder ist verdammt – oder gesegnet –, die spukhaften Blasen, die aus den dunkel brodelnden Wassern seines Unbewussten steigen, zu bekämpfen.“
Peter Flamm

Sebastian Guggolz, der in seinem gleichnamigen Verlag, alte literarische Schätze hebt, hat vom S.Fischer Verlag den Auftrag bekommen, sich um Romane zu kümmern, die der Verlag einst veröffentlichte, die großen Erfolg hatten, mittlerweile aber vergessen sind.
Das ist ihm mit „Ich?“ von Peter Flamm mehr als gelungen.
1926 erschien dieser expressionistische Roman und wurde begeistert besprochen.
Am letzten Tag des Ersten Weltkrieges begibt sich Hans aus seinem Schützengraben, stolpert über einen toten Kameraden und nimmt dessen Ausweis an sich. Aus Hans wird Wilhelm.
Zuhause angekommen wird er freudig begrüßt, seine Frau und seine Freunde erkennen ihn als Wilhelm wieder, nur der Hund wittert Verdacht.
In einem langen Selbstgespräch, voller Selbstzweifel, wissen Hans/Wilhelm und wir nicht genau, erkennt sein Umfeld wirklich den wahren Heimkehrer? Hat der Krieg Hans vielleicht so verändert, dass er meint ein anderer zu sein?
Peter Flamms schmales Romandebüt bleibt verwirrend und lässt einem beim Lesen nicht mehr los.
Fast hundert Jahre alt und doch hochaktuell, auch was die benutzte Sprache anbelangt, gehört dieser Roman zu den Entdeckungen des letzten Jahres und hat hoffentlich noch länger die Möglichkeit oft gelesen zu werden.

Leseprobe

Peter Flamm, bürgerlich Erich Mosse, 1891 in Berlin geboren, begann schon während seines Medizinstudiums, in den Zeitungen seines Onkels Rudolf Mosse Feuilletons und kleinere Erzählungen zu veröffentlichen. 1926 sorgte sein psychologischer Debütroman »Ich?« bei S. Fischer für Furore. In den folgenden Jahren verfasste er neben seiner medizinischen Praxis drei weitere Romane, bis er als Jude 1933 mit seiner Frau Marianne aus Deutschland nach Paris und 1934 nach New York emigrieren musste. Dort ließ er sich als Psychiater nieder; sein berühmtester Patient war der Literaturnobelpreisträger William Faulkner, Berühmtheiten wie Albert Einstein und Charlie Chaplin gingen in seinem Haus ein und aus. 1963 starb er in New York.
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