Freitag

Heute haben
Fabrizia Ramondino * 1936
Wolfgang Hilbig * 1941
Geburtstag
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Annette von Droste-Hülshoff
Sommer

Du gute Linde, schüttle dich!
Ein wenig Luft, ein schwacher West!
Wo nicht, dann schließe dein Gezweig
So recht, dass Blatt an Blatt sich presst.

Kein Vogel zirpt, es bellt kein Hund;
Allein die bunte Fliegenbrut
Summt auf und nieder übern Rain
Und lässt sich rösten in der Glut.

Sogar der Bäume dunkles Laub
Erscheint verdickt und atmet Staub.
Ich liege hier wie ausgedorrt
Und scheuche kaum die Mücken fort.

O Säntis, Säntis! läg‘ ich doch
Dort, – grad‘ an deinem Felsenjoch,
Wo sich die kalten, weißen Decken
So frisch und saftig drüben strecken,
Viel tausend blanker Tropfen Spiel;
Glücksel’ger Säntis, dir ist kühl!

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LouvreTitel

David Prudhomme:Einmal durch den Louvre
Verlag Reprodukt € 20,00

Wie schon „angedroht“, hier eine weitere Neuerscheinung aus dem Verlag Reprodukt. Eine weitere Graphic Novel. Diesmal sind wir nicht in Spanien, sondern in Frankreich, genauer in Paris und noch genauer im Louvre. Bis auf die letzten paar Seiten.
Er läuft durch den Louvre und ist eigentlich mit Jeanne unterwegs. Irgendwie haben sie sich verloren. Alle Versuche mit ihr Kontakt aufzunehmen, misslingen, so dass er große Teile der Ausstellung durchläuft. Zuerst sehr distanziert, betrachtet er die Betrachter. Wir bekommen das durch die feine Art der Zeichnungen von David Prudhomme mit, der zwischen scharz-weiss und farbig wechselt und so auch die Realitäten, die so langsam verschwimmen. (Äh … hatten wir das nicht gestern schon?). Er läuft also durch die verschiedenen Säle, betrachtet die Bilder, aber mehr noch die Personen, die die Bilder betrachten. Wir sehen sie in verschiedensten Körperhaltungen. Viele mit einer Digitalkamera in der Hand, um die Kunstwerke, oder die Partnerin vor den Kunstwerken, oder einfach sich selbst mit der Kunst abzufotografieren. Im Laufe des Buches jedoch merken wir, dass sich Betrachter und Betrachtendes immer mehr ähneln. Eine junge Frau trägt die gleichen Gesichtszüge, wie eine ägyptische Plastik. Ein Torso ohne Kopf dient ständig als Objekt für eine Fotografie mit einem Menschen dahinter. Was schauen eigentlich die vielen, vielen Menschen an? Was wird da denn in Massen fotografiert. Durch die Menschentrauben kommen wir auch nicht in den Genuß. Gottseidank hält jemand seine iPad hoch und drückt ab. Jetzt wird es klar. Es ist die Mona Lisa. Aber was sieht Mona Lisa. Aus ihrer Sicht natürlich jede Menge Menschen. Ein Schulklasse vereint sich beim Abzeichnen des Flosses der Medusa mit dem Bild. Eine Führerin hält den Arm mit dem Wimpelchen so hoch, wie die Freiheits-Marie auf dem weltbekannten Bild. Und so geht es weiter. Immer mehr verschwimmen Bilder mit den Betrachtern, werden zu einem. So lange, bis er unsichtbar wird, bis nur noch der Kopf zu sehen ist und er eventuell dem Standhal-Syndrom anheimfällt. Für ihn also der richtige Zeitpunkt die Hallen zu verlassen und nach Hause zurückzukehren. Trotz des Schocks der Buntheit in der Metro wissen wir oft nicht, ob wir nicht doch noch im Museum sind. Sind die Metrowagenfenster nicht Bilderrahmen, die Mitfahrenden nicht gerade noch auf einem Bild im Louvre gewesen. Dass er sein eigentliches Tagesprojekt total vergessen hat, merkt er auf dem letzten Bild und wir verlassen ihn mit groß aufgerissenen Augen.

Wussten Sie dass der Louvre 403 Räume hat, 243.00 qm Hölzböden (für den 2.500 Liter Wachs benötigt werden)? Dass es 2.410 Fenster und 3.000 Türschlösser gibt, 10.000 Stufen zu 72 Ebenen, 40 Aufzüge, 28 Rolltreppen, 8.000 Brandmelder? Dass monatlich 800 Liter Seife, 1.000 km Toilettenpapier und 3.000 Müllsäcke benötigt werden?
Durchschnittlich besuchen 30.000 Menschen täglich da Museum. Sie legen im Schnitt 2 Kilometer in einer Zeit von 3 Stunden zurück und schauen ca. 10 Sekunden auf ein Bild. In diesem Tempo bräuchte man vier Tage und Nächte für alles.
Brummt Ihnen jetzt auch der Kopf? Mir schon!

David Prudhommes: „Einmal durch den Louvre“ ist Roman, Kunstwerk, Kunstbuch , … in einem und macht riesig Spaß. Achtung: Sie werden auch beim dritten Mal Anschauen, noch nicht alle Feinheiten entdeckt haben. Wie soll das auch gehen, bei der Fülle der Bilder, der Bilder, der Bilder.

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