Freitag, 15.März


Heute haben
Paul Heyse * 1830
Elisabeth Plessen * 1944
Franz Schuh * 1947
Gerhard Seyfried * 1948
Kurt Drawert * 1956
Ben Okri * 1959
Geburtstag
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„Freund in der Not will nicht viel heißen. Hilfreich möchte sich mancher erweisen. Aber die neidlos dein Glück dir gönnen, sie darfst du wahrlich Freunde nennen.“
Paul Heyse, Nobelpreis 1910
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Die Leipziger Buchmesse steht vor der Tür. Die Buchhandelsgemeinschaft scharrt mit den Füßen.
Gestern hatte die neue ZEIT eine Literaturbeilage mit aktuellen Neuerscheinungen. Im Darüberblättern fiel mir auf, dass wir (fast) alle Titel hier in unserem Buchladen haben.
Der Aufmacher war der neue Roman „James“ von Percival Everett.


Percival Everett: „James
Aus dem Amerikanischen von Nikolaus Stingl
Hanser Verlag € 26,00
Macmillan Publishers € 22,00

Wie gesagt, die ZEIT widmet diesem Buch mehr als eine Seite, startet mit ihm seine Literaturbeilage. Nicht ohne Grund, so denke ich.

Percival Everett, geboren 1956 in Fort Gordon/Georgia, ist Schriftsteller und Professor für Englisch an der University of Southern California. Er hat bereits mehr als dreißig Romane veröffentlicht. Für sein Werk wurde er mit zahlreichen Preisen geehrt, u. a. mit dem PEN Center USA Award for Fiction, dem Academy Award in Literature der American Academy of Arts and Letters, dem Windham Campbell Prize und dem PEN/Jean Stein Book Award. Auf Deutsch sind im Moment „God‘s Country“ (2014), „Erschütterung“ (2022) und „Die Bäume“ (2023) lieferbar.

Das Thema, das sich durch sein Werk zieht, ist der anhaltende Rassismus in den USA. Der Rassismus, auf den der Reichtum der jetzigen USA beruht. Er ist ein großer Kritiker dieses Systems und versteht dies gekonnt in große Literatur zu verwandeln.
„God’s Country“ ist ein rassanter, politisch unkorrekter Western, in dem ein schwarzer Fährtensucher einem weißen, rassistischen Siedler bei helfen soll, seine Frau wieder zu finden, die entführt worden ist. Bitterböse und mit viel Witz und Ironie erzählt. „Erschütterung“ spielt an der Grenze zwischen den USA und Mexiko in einer Fabrik im Nirgendwo, in der junge Frauen für einen Hungerlohn arbeiten müssen. „Die Bäume“ hat mich letztes Jahr umgehauen. In der kleine Stadt Hope (!) in Mississippi werden Rachemorde an weissen Rassisten verübt. Die Stadtbewohner sind stolz auf ihre lange Ahnenreihe beim Ku-Klux-Klan. Als Ermittler werden zwei Polizisten aus der Provinzhauptstadt hergezogen. Beide schwarz. Eine unglaubliche Satire auf die us-amerikanische Gesellschaft, bis hin zu einer Rede von Donald Trump.
Und jetzt also „James“, der in der Kleinstadt von Tom Saywer von Huckleberry Finn spielt. Tante Polly kommt darin vor, Richter Fletcher usw.
Auch hier zieht Everett alle Register. Der Sklave Jim spielt den Dummen, unterhält sich mit den Seinen in einer eigenen Sprache, die alle Sklaven untereinander benutzen, um den Weißen zu zeigen, wie ungebildet alle Sklaven alle sind. Dass Jim allerdings gebildet ist und sein großer Traum die Freiheit ist, muss er für sich behalten. Als er verkauft und von seiner Familie getrennt wird, beschließt er zu fliehen. Mit dabei Huck Finn. So beginnt eine turbulente Abenteuergeschichte, in der er immer wieder mit seiner schwarzen Hautfarbe jonglieren muss. Auch hier rüttelt er an dem politischen System der USA und an den festgesetzten Denkweisen.
Wenn Percival Everett mit „James“ in Deutschland nicht den Durchbruch schafft, dann weiß ich auch nicht.
Lest Percival Everett. Egal was. Aber lest ihn.
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