Freitag, 11.August


Heute haben
Enid Blyton * 1896
Louise Bogan * 1897
Alex Haley * 1921
Fernando Arrabal * 1932
Wolfgang Holbein * 1953
Geburtstag
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Gotthold Ephraim Lessing
Der Sommer

Brüder! lobt die Sommerszeit!
Ja, dich, Sommer, will ich loben!
Wer nur deine Munterkeit,
Deine bunte Pracht erhoben,
Dem ist wahrlich, dem ist nur,
Nur dein halbes Lob gelungen,
Hätt er auch, wie Brocks, gesungen,
Brocks, der Liebling der Natur.

Hör ein größer Lob von mir,
Sommer! ohne stolz zu werden.
Brennst du mich, so dank ichs dir,
Daß ich bei des Strahls Beschwerden,
Bei der durstgen Mattigkeit,
Lechzend nach dem Weine frage,
Und gekühlt den Brüdern sage:
Brüder! lobt die durstge Zeit!
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Gestern erschienen:

Louise Kennedy: „Übertretung„
Aus dem Englischen von Claudia Glenewinkel und Hans-Christian Oeser
Steidl Verlag € 25,00
Im Original „Trespasses„ € 13,90

Im Belfast des Jahres 1975 eskaliert der Bürgerkrieg. Täglich werden Verletzten und Toten gezählt. Mitten drin die junge Lehrerin Cushla Lavery. Ein falsches Wort, eine unvorsichtige Handlung und schon kann sie auf der Todesliste in dem „Höllenloch“ landen.
Sie kümmert sich um ihre alkohlkranke Mutter, betreut einen Schüler und hilft abend in der Kneipe der Familie aus. Dabei ist es immer wichtig, sich in den eigenen Kreisen zu bewegen. Für sie bedeutet das, sich mit Katholiken zu umgeben und Protestanten zu meiden. Dies ist allerdings nicht so einfach, da die Kneipe sich in einem protestantischen Viertel befindet. Als der Vater des Jungen wegen einer Kleinigkeit fast zu Tode geprügelt wird und sie sich in einen protestantischen, politisch sehr engagierten, verheirateten Anwalt verliebt, eskaliert die Welt um die junge Frau.
Der international gefeierter Roman erzählt eine Geschichte, die bei mir schon fast vergessen war. Er berichtet über eine tiefgespaltene Gesellschaft, dessen Wunden bis heute noch nicht verheilt sind.
Louise Kennedy schreibt dies aber so voller Empathie, Nächstenliebe, in Verbindung mit einer Liebesgeschichte, dass es ein unvergessliches Buch bleiben wird.
Und das Besondere am Lesen, an Literatur, sind die vielen Bezüge und Querverweise:
Cushla überreicht im Roman dem Jungen, dessen Vater so schwer verletzt worden ist, den Roman „Jude Fawley, der Unbekannte“ von Thomas Hardy. Dieses Buch ist ihr Lieblingsbuch. Kurze Zeit später gibt er es ihr zurück und meint, dass es das beste Buch sei, das er kenne.
Ich besorgte mir den Roman und war fasziniert. Bei Erscheinen, im Jahr 1985, weckte er einen Entrüstungssturm, so dass der Autor Thomas Hardy nie wieder einen Roman geschrieben hat. Beim Lesen stellte ich für mich fest, dass die Autorin Hanya Yanagihara diesen Roman gelesen haben muss, als sie ihren grandiosen Roman „Ein wenig Leben“ geschreiben hat. Nicht nur, dass eine ihrer Hauptpersonen Jude heisst, sondern auch die Verhaltensmuster des jungen Mannes erinnern an den alten Klassiker.