Freitag

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Nachdem ich auf diesem Blog schon die Bücher „Müdigkeitsgesellschaft„, „Transparentgesellschaft„, „Agonie des Eros“ und „Topologie der Gewalt“ von Byung-Chul Han vorgestellt habe, soll es jetzt eine Neuauflage seines Buch über die Zeit sein. Wie in der Aspekte-Sendung gesagt wird, zählt Han zu den wichtigen deutschen Philosophen, der sich aktuellen Themen widmet und auf der website seines Verlages Matthes & Seitz immer wieder mit kurzen Essays auftaucht.

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Byung-Chul Han:“Duft der Zeit
Ein philosophischer Essay zur Kunst des Verweilens
(6., unveränderte Auflage 2013)
transcript Verlag € 15,80

Die heutige Zeitkrise hängt nicht zuletzt mit der Verabsolutierung der vita activa zusammen. Sie führt zu einem Imperativ der Arbeit, der den Menschen zu einem arbeitenden Tier (animal laborans) degradiert. Die Hyperaktivität des Alltags nimmt dem menschlichen Leben jegliche Kraft zum Verweilen und zur Kontemplation. Dadurch wird die Erfahrung erfüllter Zeit unmöglich. Notwendig für die Überwindung der heutigen Zeitkrise sind die Revitalisierung der vita contemplativa und das Wiedererlernen der Kunst des Verweilens.„, schreibt der Verlag in seiner Ankündigung.

Die Inhaltsangabe des Buches liest sich u.a. so:
Un-zeit, Zeit ohne Duft, Geschwindigkeit der Zeit, duftende Zeit, die tiefe Langeweile und die vita contemplativa„.
Allein schon die Verbindung von Duft, Zeit und Leben ist doch großartig.
Und solche Entdeckungen mache ich dann beim Lesen: Dass Langeweile auch etwas zu tun hat mit irgendwo lange Verweilen. Ist doch eigentlich gar nicht schlecht.

Aus dem Vorwort:
Die Zeitkrise von heute heißt nicht Beschleunigung. Das Zeitalter der
Beschleunigung ist bereits vorbei. Was wir derzeit als Beschleunigung
empfinden, ist nur eines der Symptome der temporalen Zerstreuung.
Die heutige Zeitkrise geht auf eine Dyschronie zurück, die zu unter-
schiedlichen temporalen Störungen und Mißempfindungen führt.
Der Zeit fehlt ein ordnender Rhythmus. Dadurch gerät sie außer Takt.
Die Dyschronie läßt die Zeit gleichsam schwirren. Das Gefühl, das Le-
ben beschleunige sich, ist in Wirklichkeit eine Empfindung der Zeit,
die richtungslos schwirrt.

Leseprobe

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=GJr-AIbnZEg]

Ein sehr interessantes Porträt in einer Aspekte-Sendung.
Damit wünsche ich viel Spaß bei der Lektüre seiner Bücher, die zum Teil sehr schmal und gerade richtig für die Manteltasche und für den Geldbeutel sind, da sie nur € 10,00 kosten.
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Uny

„The Gift“ von Vladimir Nabokov