Donnerstag, 27.Juni


Heute haben
Helen Keller * 1880
Frank O´Hara * 1926
Rafael Chirbes * 1949
Geburtstag
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Eduard Mörike
In der Frühe

Kein Schlaf noch kühlt das Auge mir,
Dort gehet schon der Tag herfür
An meinem Kammerfenster.
Es wühlet mein verstörter Sinn
Noch zwischen Zweifeln her und hin
Und schaffet Nachtgespenster.
– Ängste, quäle
Dich nicht länger, meine Seele!
Freu dich! schon sind da und dorten
Morgenglocken wach geworden.
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Unser Kinotipp:


„Ivo“ von Eva Trobisch
u.a. mit Minna Wündrich, Pia Hierzegger, Lukas Turtur

Im Ulmer Obscura / Roxy läuft „Ivo“, auf den ich erst über die Programmübersicht des Kinos gestolpert bin. Der Trailer hat dazu geführt, dass ich kurzentschlossen hineingegangen bin. Großes Kino, wenig Zuschauer:innen.
Dieser Film, der manchmal wie eine Dokumentation daherkommt, nimmt sich eines Themas an, das uns alle betrifft. Ivo ist eine Palliativpflegerin, die mit ihrem Auto von Haus zu Haus, von Patient zu Patientin fährt. Es sind die unterschiedlichsten Menschen, mit denen sie in Kontakt kommt. Mal wohlhabend mit großem Haus und Garten. Ein andermal sitzt das Ehepaar qualmend auf dem Sofa vor sieder Glotze. Es geht liebevoll, aber auch hektisch zu. Iva spult ihre Arbeit ab, prüft, misst, schreibt auf und kümmert sich um diese Menschen, die die Tod vor Augen haben.
In der Teamversammlung des Palliativvereins werden die Namen der letzte Woche Verstorbenen vorgelesen. In der nächsten Szene feiern die Mitarbeiter:innen bei Sekt und Häppchen.
Sehr einfühlsam spielt Minna Wündrich diese Frau, die mit großer Empathie bei der Arbeit ist und sich doch ein dickes Fell anlegt. Zu nahe gehen ihre manche Begegnungen. Sie sucht Auswege, in dem sich auf kurzfristige Männerkanntschaften einlässt, oder auch zu Medikamenten greift. Ihre Tochter hat ganz anderes vor und fordert Ivo als Alleinerziehende. Durch den Film hindurch zieht sich die Beziehung zu ihrer besten freundin Solveigh, die an ALS erkrankt ist. Als es ihr immer schlechter geht, ist Ivo auf der emotionalen Seite bis zum Anschlag gefordert.
Die Regisseurin Eva Trobisch ist ganz nah bei der Hauptdarstellerin, zeigt Tränen und Lachen sehr direkt. Sie zeigt viel und lässt aber auch Vieles hinter Glastüren verschwinden.
Ein Film, der berührt, ohne rührselig zu sein. Ein Film im hier und jetzt mit Autostaus und qualmenden Kraftwerken, Pommes und McDonalds Drive In, Autofahrten, Musik, Liebe und Tod.
Kinostart war der 20.Juni.