Donnerstag, 20.Juni / Sommeranfang


Heute haben
Kurt Schwitters * 1887
Lillian Hellman * 1905
Gerhard Meier * 1917
Vikram Seth * 1952
Geburtstag
________________________________

Thomas Dietrich
Zum Abschied …

Der Wiltschek-Jastram ist Geschichte,
für die ich heute nochmal dichte
und zurückblick auch auf mich,
der sich anfangs oft reinschlich,
um in einem der Regale
Bücher suchte, oft ganz schmale,
die nur hier er finden konnte,
mit deren Kauf daheim sich sonnte.
Ein Kollege vom Theater
riet dazu, ein gut‘ Berater.

Schwule Bücher einzukaufen
ohne in ’ne Großstadt laufen,
war für den Hannoveraner,
der nach Neu-Ulm zog als Planer
für Theaterregisseure,
der also bis zur Premiere
ihnen half als Assistent,
wie der Job sich richtig nennt,
ein Gewinn in der Provinz,
dachte er gemäß Wortsinns.

Doch nicht nur Spezialliteratur
fand ich Kunde, der nicht stur
kauft im Laden immer weiter.
Denn hier gab es Wegbereiter
und Berater für die Sache,
mit Enthusiasmus, der entfache
Lust an Neuem, Unbekannten
und an gutem Anverwandten.

Reichlich Rat für Onkel, Tante,
Mutter, Vater, Anverwandte
und so weiter, Buchgeschenke –
freudig ich zurück dran denke.
Später auch für meine Kinder
Jastram ward der Gabenfinder.
Und so manch verschenktes Buch
ich mir selber auch raussuch‘.

Als Dank für vielen guten Rat
ich manch Verse dichten tat,
die auf Weihnachtstüten dann
gingen raus so ab und an,
So dass über all die Jahre
es gab viele Exemplare.

Bei Corona kein Kontakt
hat‘s mich wieder rangepackt,
so dass Verse zu der Lage,
die sehr misslich ohne Frage,
handgeschrieben in dem Fenster
hingen gegen Angstgespenster.

Und all das soll enden jetzt,
was mich eigentlich entsetzt?
Aber ’s ist der Lauf der Dinge,
die bis hierher ich besinge.

Alles Gute wünsch Euch Beiden,
die vom Laden ihr wollt scheiden,
ich Euch für die neue Zeit, …
in der auch stets ein Buch liegt b’reit!

nach 36 Jahren
___________________________________

NoViolet Bulawayo: „Glory
Aus dem Englischen von Jan Schönherr
Suhrkamp Taschenbuch € 14,00

Unglaublich, was für tolle Bücher ich hier auf dem Blog nicht vorgestellt habe.
Bei einer „1.Seite“ hat Clemens Grote zumindest daraus vorgelesen und im Laden habe ich „ihn“Glory“ oft angeboten, da er mich komplett gepackt hat.
Jetzt ist dieser einzigartiger, besondere Roman als Taschenbuch erschienen.

Jidada heißt das Land. Ein Land, bevölkert von vermenschlichten Tieren, beherrscht vom stärksten unter ihnen, seit fast vierzig Jahren. Einst brachte er die Unabhängigkeit auf den afrikanischen Kontinent, zerschlug die Fesseln der Geschichte, bloß um ihnen prompt andere anzulegen. Doch nun mehren sich die Zeichen, dass seine Kräfte schwinden. Wer ihn reden hört, wer das Alte Pferd in die Sonne blinzeln sieht, ihn und seinen ganzen verrotteten Apparat, der weiß: seine Tage sind gezählt. In Jidada kehrt jetzt Hoffnung ein: auf eine gerechte Zukunft, auf Wohlstand und Veränderung, endlich ein besseres Leben für uns alle! Aber das Regime wehrt sich mit Waffen härter als Träume, schärfer als Fantasie, tödlicher als blanke Lebensfreude, bis eine Heimkehrerin aus dem Exil alles verändert.

Was mich zu Beginn gestört hat, dass nur Tiere auftreten und viele gleiche an die Farm der Tiere denken, war beim weiteren Lesen eine großartige Idee. Damit erzählt NoViolet Bulawayo über den Freiheitsdrang eines Volkes, die Repressionen der Regierung, dem gemeinsamen Kampf dagegen und das mit einer Sprache, die manchmal bestens in einen Poetry Slam passen könnte.
Ein Buch über Freude und Schmerz, über Leben und Tod und über Frieden und Freiheit.

The International Booker Prize 2022 (Shortlist)
Aspen Words Literary Prize 2023 (Longlist)
Dublin Literary Award 2023 (Longlist)
litprom-Bestenliste
ORF-Bestenliste

NoViolet Bulawayo wuchs auf in Bulawayo, Simbabwe. Im Alter von achtzehn floh sie in die USA. Ihr Debütroman Wir brauchen neue Namen war Finalist des Booker Prize und wurde mit dem PEN/ Hemingway Award sowie dem Los Angeles Times Book Prize for First Fiction ausgezeichnet. Sie gewann den National Book Award in der Kategorie »5 under 35«. Übersetzungen in zahlreiche Sprachen folgten. Als Fellow des Wissenschaftskollegs zu Berlin lebt NoViolet Bulawayo ein Jahr lang in der Hauptstadt.
_________________________________