Donnerstag

Heute haben
Carlo Emilio Gadda  * 1893
und
Astrid Lindgren * 1907
Geburtstag.

Astrid Lindgrens Portät hängt seit Jahren bei uns über dem Kinderbuchregal und wir fragen oft die Kleinen wer denn die alte Dame dort ist. Fast alle kennen sie .
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biller

Maxim Biller:Im Kopf von Bruno Schulz
Eine Erzählung
Kiepenheuer & Witsch Verlag € 16,99
als eBook € 14,99

Mein heutiger Tipp ist sehr überschaubar. Keine 70 Seiten hat das neue Buch von Maxim Biller. Seine Bücher sind immer ein Blick wert, wenn wir auch gut über ihn und seine Werke streiten können. Wenn dann noch Bruno Schulz im Titel auftaucht, dann ist es für mich ein Muss.
Es hat sich gelohnt.
Hauptperson ist tatsächlich der 1942 ermordete jüdische Autor und Zeichner Bruno Schulz, von dem wir von den „Zimtläden“ kennen. Biller lässt ihn einen Brief an Thomas Mann schreiben, damit er ihm bei seinem literarischen Erfolg helfen soll und ihn somit auch diesem Ostgalizien herausholen kann. Schulz ist in seinem dunklen Keller und fängt immer wieder neue Varianten des Briefes an. Er ist voller Angst; egal ob er in seiner Malschule ist, oder hier unten, geschützt in seinem „Verlies“. Nur die Berührungen seiner Bekannten beruhigen ihn kurzfristig.
Maxim Biller schafft es auf den wenigen Seiten, die Schraube immer weiter zu drehen. Ist nicht der Femde in der Stadt tatsächlich Thomas Mann, als den er sich ausgibt? Er müffelt jedoch und dies würde gar nicht zu diesem großen Dichter passen. Und ist seine Bekannte, die ihn beruhigen kann nicht eine Sadisten, die ihn quält? Was ist mit Thomas Mann? Ist er nicht doch ein deutscher Herrenreiter, einer der sich gerne im Mittelpunkt sieht und nicht nur ein Zimmer im Stadthotel bewohnt, sondern in einem Phantasieraum, der viele Menschen fasst. Ein umgebauter Baderaum, ohne Wannen und Duschen. So langsam kommen wir zu dem, was Bruno Schulz ahnt, aber verdrängt. Es sind die Gaskammern der Konzentrationslager, es sind die Erniedrigungen, die die Juden ertragen müssen. In diesem Fall lässt sich Schulz nackt vor ein Kutsche spannen um den großen Meister ins Hotel zu ziehen. Die deutsche Kultur mufft und riecht und Hilfe war von ihr nicht erwarten. Gleichzeitig erkennt der Jude Schulz, was auf ih  zukommen könnte, aber ist unfähig zu reagieren.
Eingefügt sind Zeichnungen von Bruno Schulz, die der Novelle noch mehr Zündstoff geben. Es sind Motive voller Angst und Sadismus.
Diese schmale Novelle ist literarisch ganz hoch anzusiedeln, und braucht sich vor Werken der Weltliteratur nicht zuverstecken. Das Innenleben dieses kleinen, schmächtigen Mannes ist so gekonnt aufs Papier gebracht, dass Herrn Biller damit eine kleine Ecke im literarischen Elysium sicher hat.

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