Donnerstag, 11.Januar


Heute haben
Helmut Zenker * 1949
Diana Gabaldon * 1952
Jasper Fforde * 1961
und Katharina Hacker * 1967
Mathias Énard * 1972
Geburtstag
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Franz Grillparzer
In der Fremde

Schon bin ich müd zu reisen,
Wärs doch damit am Rand!
Vor Hören und vor Sehen
Vergeht mir der Verstand.

So willst du denn nach Hause?
Ach nein, nur nicht nach Haus!
Dort stirbt des Lebens Leben
Im Einerlei mir aus.

Wo also willst du weilen,
Wo findest du die Rast,
Wenn übrall du nur Fremde,
Die Heimat nirgend hast.
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Unser Buch-, Lese-, Veranstaltungstipp:


Elena Fischer: „Paradise Garden
Diogenes Verlag € 23,00

Am Donnerstag, den 22.Februar liest Elena Fischer ab 19 Uhr aus ihrem Debüt „Paradise Garden“ bei uns in der Buchhandlung. Die Platzreservierungsliste füllt sich schon.

Ab dem 8. Januar finden Sie „Paradise Garden“ als Fortsetzungsroman in der Südwest Presse.
Jürgen Kanold machte in der SWP vom vergangenen Montag ein Interview mit Elena Fischer das Sie hier in der Leseversion finden.
Vielen Dank an die Südwest Presse Ulm. Vielen Dank an Jürgen Kanold.

„Das Leben feiern“
Ein trauriges, ein tröstliches, ein tolles Buch über eine 14-Jährige, die ihre Mutter
verliert und ihren Vater sucht: „Paradise Garden“ von Elena Fischer.

Ein Beitrag von Jürgen Kanold / SWP

Elena Fischer hat gerade ihren dreijährigen Sohn im Kindergarten abgegeben, jetzt sitzt sie im Auto auf dem Parkplatz und hat Zeit für ein Telefongespräch. „Paradise Garden“ heißt ihr gefeiertes Debüt, das nominiert war für den Deutschen Buchpreis. Es ist ein wunderbar leicht und berührend geschriebener Roman über das Erwachsenwerden, über die Suche nach Glück: über eine 14-Jährige, die mit ihrer Mutter in einer Hochhaussiedlung lebt. Sie haben nicht viel Geld, aber sie machen es sich schön, mit viel Fantasie und Optimismus. Der erste Satz aber rüttelt sofort auf: „Meine Mutter starb diesen Sommer.“ Unter diesem Vorzeichen steht der Roman, dann erzählt Billie rückblickend: vom Leben mit ihrer Mutter, von ihren Träumen, bis die Großmutter aus Ungarn den Alltag durcheinanderbringt. Und nach dem Tod der Mutter beginnt ein Abenteuer: Billie macht sich in einem alten Nissan auf, ihren unbekannten Vater zu finden. Ein trauriges, ein tröstliches, ein mitreißendes Buch.
Wer ist Elena Fischer? Wer ihren Namen googelt, landet ganz schnell bei Schlagerstar Helene Fischer. Die Autorin lacht und nimmt’s gelassen, „ist eben so, diese Namensähnlichkeit“.
Sie stellt sich vor: „Ich bin 1987 in Speyer geboren, wuchs aber auf der baden-württembergische Seite des Rheins auf, in einem Einfamilienhaus mit jüngerem Bruder in Neulußheim. Fürs Studium bin ich 2007 in Mainz gelandet, Literatur- und Filmwissenschaft, denn in Hildesheim und Leipzig war ich für die Studiengänge Kreatives beziehungsweise Literarisches Schreiben abgelehnt worden.“

Jürgen Kanold: Sie wollten schon immer schreiben?

Elena Fischer: Ja, aber ich habe überhaupt nicht ans Veröffentlichen gedacht. Wenn man nicht in einer Großstadt, in einem Akademikermilieu groß wird, dann ist diese Welt der Bücher weit weg. Ich hatte keine Eintrittskarte in den Literaturbetrieb. Aber ich habe schon immer Tagebuch geschrieben und mache das bis heute.

Auch Billie, Ihre Heldin, schreibt ja alles auf. Diese Erzählperspektive einer 14-, 15-Jährigen ist Ihnen sehr überzeugend gelungen.

Vielen Dank! Wobei mir die Idee, dass Billie schreibt, erst spät gekommen ist. Sie kann mit dem Schreiben ihre Gefühle verarbeiten, lernt so, mit dem Tod ihrer Mutter umzugehen, ihren eigenen Weg zu finden. Diese Geschichte liest sich so fesselnd wie selbst erlebt. Ich kann mich mit den Gefühlswelten identifizieren, kann viele Entscheidungen, die meine Figuren treffen, gut nachvollziehen. Aber es ist klar, dass es keine autofiktionale Geschichte ist. Meine Eltern haben zwar ungarische Wurzeln, aber „Paradise Garden“ ist reine Fantasie. Meine Eltern haben schnell gemerkt, dass die Geschichte nichts mit unserem Leben zu tun hat. (lacht)

Der Titel bezieht sich auf einen Eisbecher . . .

„Paradise Garden“, so heißt der große Eisbecher, den Billie liebt, den sie sich aber nur selten leisten kann. Aber der Titel steht für viel mehr: dafür, wie gut es Billie und ihrer Mutter gelingt, das Beste aus allem zu machen, das Leben zu feiern. Es sich gut gehen lassen können, das ist eine bewundernswerte Eigenschaft. Auch spielt der Titel auf die Vertreibung aus dem Paradies an, und ich mag es, dass der Titel auf Englisch ist, weil Amerika für Billies Mutter ein Sehnsuchtsort ist, etwas Unerreichbares.

Ihre Sprache ist sehr bildhaft, filmisch geradezu. Kein Zufall?

Ich interessiere mich sehr für Filme, für ihre Ästhetik. Und liebe die Filme von Sofia Coppola oder Wim Wenders, die gleichzeitig eine Leichtigkeit und eine Schwere haben. Ich habe versucht, diese Stimmung in Literatur zu übersetzen.

„Paradise Garden“ schreit geradezu nach einer Verfilmung.

Dazu darf ich jetzt leider nichts sagen . . .

Wie gehen Sie damit um, dass Ihr Roman so erfolgreich ist?

Mein Leben fühlt sich nicht anders an. Ich sitze nicht im schwarzen Rollkragenpullover stunden-
lang in Berliner Cafés und mache auf Schriftstellerin, schaue dort tagträumerisch in die Luft. Was
da jetzt passiert, ist im Grunde das, was ich mein ganzes Leben schon mache: Ich strenge mich
an, weil es mir um die Sache geht, weil ich Lust dazu habe, einen Roman zu schreiben, und jetzt haben es halt die Leute mitbekommen, dass ich mich angestrengt habe.

Ihr Roman spricht ein Publikum aus drei Generationen an.

Ja, zu meinen Lesungen kommen auch Teenager mit ihren Eltern. Und sehr viele alte Männer, was
mich total erstaunt! Die sind superbegeistert.

Werden Sie oft darauf angesprochen, dass „Paradise Garden“ an Wolfgang Herrndorfs Bestseller
„Tschick“ erinnert?


In jedem Interview! Und ich sage auch Ihnen, dass ich „Tschick“ nicht gelesen habe und füge
nach wie vor hinzu, dass ich auch gar keine Lust mehr habe, das Buch zu lesen. Das Thema ist für
mich durch, einen Coming-of-Age-Roman habe ich jetzt selbst geschrieben. (lacht) Aber klar,
der Vergleich mit „Tschick“ ist natürlich ein Riesenkompliment.