Dienstag

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Heute haben
Johann Gottfried Herder * 1744
Alberto Saviano * 1891
Brian Moore * 1921
Frederick Forsyth * 1938
Howard Jacobson * 1942
Martin Amis * 1949
Maxim Biller * 1960
Taslima Nasrin * 1962

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Auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis 2015 und bei uns auf dem Tisch

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Monique Schwitter:“Eins im Andern“
Droschl Verlag € 19,00

Ganz schön frech, was uns Monique Schwitter hier anbietet. Auf dem Umschlag eine Madonna mit durchbohrtem Herzen. Auffälliger geht es nicht und im Text gibt es zwölf verflossene Liebhaber, ähnlich den zwölf Aposteln. Dass sie Petrus, Paulus, … heissen, ist dann schon fast zwingend. Wenn Sie jetzt denken, oh was für ein verkopftes Buch, was für eine theoretische Vorlage: Weit gefehlt. Der neue Roman von Monique Schwitter ist beste Unterhaltung, literarisch gekonnt gemacht, hat es auf die Longlist zum Deutschen Buchpreis  geschafft und erhält in der Presse höchstes Lob. In Klagenfurt las die Autorin aus dem Buch vor, wurde von alle Juroren hervorgehoben, für jeden Preis nominiert und nahm dann am Ende rein gar nichts mit nach Hause. Wahrscheinlich fünf mal zweiter Platz.
Eine Frau sitzt abends vor ihrem PC und möchte an ihrem Roman weiterschreiben. die Kinder sind im Bett, der Hund schläft und der Mann hängt wahrscheinlich vor dem Fernseher rum. Es fällt ihr jedoch nichts ein, was sie tippen könnte und so kommt sie auf die Idee den Namen eines alten verflossenen Freundes, Liebhabers, zu googeln. Erstaunt stellt sie fest, dass dieser seit ein paar Jahren tot ist. Er hat sich von einem Hochhaus gestürzt. Durch dieses plötzliche Wissen schockiert und verwundert, versucht sie sich an ihre anderen Männern zu erinnern, die in ihrem Leben aufgetaucht und wieder verschwunden sind. Es sind kurze Liebesepisoden, längere Beziehungen, ein verliebter Schüler und ein alter Professor. Monique Schwitter und ihre Autorin im Buch schreiben ein Buch im Buch über das Innenleben einer Frau um vierzig. „Einer im Andern“ liest sich vielleicht auch wie ein Matrjoschka-Puppe, bei der wir Figuren in den Figuren finden. Wir dringen ins Innerste der Autorin (im Buch) vor, während dessen ihre jetzige Langzeitbeziehung ganz harmlos nebenan sitzt und ihr gemeinsamen Geld verprasst. Aber das kommt erst später.
Mit großem Witz, Tempo, Überblendungen und Hinundherspringen in den Zeiten, spritzigen Dialogen, wie aus dem Leben gegriffen, erzählt uns Monique Schwitter einen erstaunlich gegenwärtigen Roman. Vielleicht merkt man der Autorin ihre Arbeit als Schauspielerin an. Ihr jahrelanges Arbeiten mit vorgegeben Texten und das Hineinschlüpfen in fremde Rollen. Ihre Grossmutter hatte den altbackenen Spruch auf den Lippen. „Die Liebe sucht man sich nicht aus, mein Herz“. Das klingt nun mal richtig seicht und kitschig und wird immer wieder im Roman zitiert, aber von Kitsch ist im Buch überhaupt nichts zu finden. Genau das Gegenteil davon..
Das Buch hat das Zeug für die Shortlist. Warten wir es ab. Aber bei dem „Glück“, das die Autorin in Klagenfurt hatte, ….

Ich verließ Petrus ein Jahr nach jenem Jahr, das in Lenzerheide begann, im Herbst, nachdem mir meine Freundin Katrin an einem kühlen Tag im Juli erzählt hatte, dass er mich mit ihr, über ein Jahr zuvor, betrogen hatte. Dabei hatte ich ihn auch betrogen. Aber die Sache mit Katrin war Verrat, entschied ich. Danach hörten wir noch voneinander, aber immer seltener. Er brauche Abstand, sagte er, und das kam mir gelegen.
Eines der Kinder weint. Mal sehen, ob ich es aushalte, nicht hinzugehen, bis mein Mann aus seinem Zimmer kommt, die Taschenlampe anknipst und nachschauen geht. Der Hund kommt unter dem Tisch hervor und sieht mich vorwurfsvoll an. Ich bin ja nicht taub, sage ich. Ich versuche beides zu ignorieren, den Hund und das Weinen. Im Flur stoße ich mit meinem Mann zusammen. Ich mach schon, sagt er. Gut, sage ich. Er geht links ins Kinderzimmer, ich rechts in mein Arbeitszimmer zurück. Ich lese, was ich geschrieben habe. Ich schaue hinaus. Es schneit. Ich stelle mir Petrus vor, im offenen Fenster im achten Stock.
In der ersten Nacht, am Küchentisch der gemeinsamen Freundin, die uns miteinander bekannt machte, mit Hintergedanken, wie sie später sagte, hatte er es bereits angekündigt: Sobald ich kann, gehe ich.
Wohin?
Weg.
Wohin?
Und da hatte er die Arme ausgebreitet und gelächelt.

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Hier kommen nochmals alle Titel der Longlist fürden deutschen Buchpreis:

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