Dienstag, 21.Mai

Heute haben
Alexander Pope * 1688
Harold Robbins * 1916
Gabriele Wohmann * 1932
Urs Widmer * 1938
Geburtstag
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Gustav Schüler
Vor Sonnenaufgang an einem Maimorgen

Morgenwind stäubt die Blätter
Wie eine rasche Magd,
Damit die Herrin Sonne,
Die hohe, kein Scheltwort sagt.

Der Löwenzahn am Wege,
Den gestern ein Rad überrannt,
Übt sich im Aufrechtstehen,
Die Winde reicht ihm die Hand.

Finken putzen die Schnäbel:
Das soll ein Singen sein!
Lerchen kämmen die Flügel:
Es geht in den Himmel hinein!
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Unser Buchtipp:


Fleur Jaeggy: „Die seligen Jahre der Züchtigung„
Aus dem Italienischen von Barbara Schaden
Suhrkamp Taschenbuch € 12,00

Eine eigenartige, intensive Lektüre, die an viele andere Bücher erinnert und doch einen sehr eigenen Eindruck hinterlässt.
Fleur Jaeggy wurde 1940 in Zürich geboren und wuchs in der Schweiz auf. Seit 1968 lebt sie in Mailand. Sie war mit dem Schriftsteller Roberto Calasso verheiratet. Sie schreibt auf Italienisch, ihre Themen sind jedoch in der Schweiz angesiedelt. Dort setzt auch ihre Kritik am Schweizer Bürgertum an.
Fleur Jaeggys Schreibstil ist knapp und schnörkellos und liest sich, wie ein ungeschönter Bericht ihres Lebens. Der Suhrkamp Verlag versucht mit gleich drei Wiederveröffentlichungen diese wichtigen Schweizer Autorin wieder bekannt zu machen. So auch mit diesem schmalen Taschenbuch, das schon 1996 auf deutsch erschienen ist.
Zu Beginn des Romanes, von dem Joseph Brodsky meinte, er sei in vier Stunden gelesen, erwähnt die 14-jährige Erzählerin Robert Walser, der in der Nähe des Internates, in dem der Roman spielt, gelebt hat. Das ist natürlich eine Steilvorlage. Denn in diese Nähe lässt sich das Werk sicherlich stellen.
Ein Mädcheninternat im Appenzell der sechziger Jahre. Gehorsam und Disziplin prägen die Ordnung des Hauses. Die heitere Landschaft vor den Fenstern treibt die vierzehnjährige Ich-Erzählerin zu stundenlangen einsamen Spaziergängen. Eines Tages erscheint eine Neue während des Mittagessens: Frédérique, schön, streng, verächtlich und voller Überdruss. Frédérique ist anders, etwas Leises und Schreckliches umgibt sie. Ihr sind Beherrschung, Gehorsam und Perfektion bereits zur zweiten Natur geworden. Die Erzählerin ist gebannt von ihrer Erscheinung, sie will sie erobern, sucht ihre Freundschaft. Empfänglich für den morbiden Reiz der Disziplin verfällt sie Frédérique mehr und mehr. Und erst ein ganzes Leben später kann die Erzählerin ihre abgründige Liebe in Worte fassen.
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