Dienstag

CIMG9288.Dezember

CIMG9296

Das zehnte Kalenderblatt von Christel Müller und Ursula Selbmann
__________________________

Heute haben
Emily Dickinson * 1830
Nelly Sachs * 1891
Gertrud Kolmar * 1894
Jorge Semprun * 1923
Clarice Lispector * 1925 (die gestern ihren Todestag hatte)
Geburtstag
________________________

CIMG9289

Emily Dikinson
You left me

You left me, sweet, two legacies,—
A legacy of love
A Heavenly Father would content,
Had He the offer of;

You left me boundaries of pain
Capacious as the sea,
Between eternity and time,
Your consciousness and me.

That I did always love

That I did always love,
I bring thee proof:
That till I loved
I did not love enough.

That I shall love alway,
I offer thee
That love is life,
And life hath immortality.

This, dost thou doubt, sweet?
Then have I
Nothing to show
But Calvary.


Gertrud Kolmar
Nächte

Deine Hände keimen in Finsternissen,
Und ich seh nicht, wie sie blühn,
Atmend aus dem Schnee der Kissen.
Meeresgrün,

Wogengrau verglitzern deine Augen;
Meine Wange leckt ihr Schaum.
Nelkenrote Quallen saugen . . .
Süßes Harz von weißem Birkenbaum

Tropft die Stille goldbraun nieder . . .
O breiter Flügel, zuckender Schulter entstiegen !
O bleicher Schwanenflügel, der mich beschattet!
O Nacken, flaumige Brust, o Leib, den ein Wiegen
Verschilfter Bucht umschläfert, zärtlich ermattet !

Libellensirrendes Wispern . . .
Komm.

Du hast meinem Munde die reife Granatfrucht geschenkt,
Des Apfels starken Saft, erzeugende Kerne,
Hast in die Himmelsgründe kristallen wachsender Sterne
Wurzeln des Rebstocks versenkt.

Blau schwellen Trauben: koste.

Siehe, ich bin ein Garten, den du gen Abend erreicht,
Fiebrige Arme an schlanker silberner Pforte zu kühlen,
Im verstummten Geäst Aprikose zu fühlen,
Bin unterm südlichen Hauch, der die Ruhende streicht,

Eine schmale, blasse Wiese.

Erschauerndes Gräsergefilde, lieg ich bereit und bloß;
Mitternachtsglut schloß mir Lippen bebender Winde zu,
Doch die verborgenste Blüte öffnet den purpurnen Schoß:
Du.

Du…komm…

Spüre, ich bin die Frau; meine klugen Finger erfüllen
Milchiges Porzellan mit Gewürzen der Lust,
Gießen zaubrisches Naß. Du spreitest aus Hüllen
Schlagenden Fittich, taumelst an meine Brust,

Sinkst, ein großes, lastendes Glück, in Tiefen.

Sanfter nun trägt dich die Flut, streichelt lässig die Flanken
Wuchtendem Schiffe, das drüben im Hafen war
Mit ragenden Schornsteintürmen, Masten hoher Gedanken;
Fühlst du die Möwe wehn dir durch rauchig wirbelndes
Haar?

>>Manhattan<< . . . >>New York<< . . . >>City of Baltimore< . .
bleibe!

Aus Morgen ballt sich mählich graue Nebelhelle,
Nieselt dich schleichend fort
Meinem Schimmerspiegel, meiner armen Welle –
Letzter Blick o letztes Wort!

O, ich ahne euch, da ferne Scharen
Wilder Enten klagend schrein…
Meine Muschelkrone stürzt aus dunklen Haaren –
Schlummre du … ach, schlummre ein.
Und laß mich weinen…
___________________________

Michael Kumpfmüller bekommt einen Literaturpreis und zwar einen Europäischen. In Cognac wird er überreicht. Dass der Autor von seinem Preis über seine Agentin und über die Presse erfahren hat, machte ihm schon zu denken. Aber: Die Namen der Preisträger ist illuster. Jorge Semprun, der heute Geburtstag hat und auch Enzensberger gehören dazu, der ihn 2010 bekommen hat. Über seine Reise dorthin, über die Veranstaltung und über den nicht einlösbaren Scheck schreibt er in einem Artikel in der FAZ.

2 Gedanken zu „Dienstag

  1. zu dem Gedicht der Kolmar hier ein Ausgesuchtes von
    Anton Renk (* 10. September 1871 in Innsbruck; † 2. Februar 1906)

    Märchenbleich die Tale liegen…

    Märchenbleich die Tale liegen.
    Die Johanniskäfer fliegen
    Sternenstill und sternenklar:
    Grüße sind’s aus Himmelsferne

    Und ich flechte sie als Sterne
    Zitternd dir ins dunkle Haar.

    Käfer flimmern, Sterne funkeln,
    Und mit deinen wunderdunkeln
    Augen staunst du in die Nacht …
    Und sie rauscht wie leise Seide,
    Und wir wissen alle beide
    Nicht, was uns so selig macht.

    Anton Renk

Kommentare sind geschlossen.