Dienstag, 16.Januar

Heute haben
Aleksandar Tisma * 1924
Susan Sontag * 1933
Inger Christensen * 1935
Reinhard Jirgl * 1953
Geburtstag
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Mascha Kaleko
Langschläfers Morgenlied


Der Wecker surrt. Das alberne Geknatter
Reißt mir das schönste Stück des Traums entzwei.
Ein fleißig Radio übt schon sein Geschnatter.
Pitt äußert, daß es Zeit zum Aufstehn sei.

Mir ist vor Frühaufstehern immer bange.
… Das können keine wackern Männer sein:
Ein guter Mensch schläft meistens gern und lange.
– Ich bild mir diesbezüglich etwas ein …

Das mit der goldgeschmückten Morgenstunde
Hat sicher nur das Lesebuch erdacht.
Ich ruhe sanft. – Aus einem kühlen Grunde:
Ich hab mir niemals was aus Gold gemacht.

Der Wecker surrt. Pitt malt in düstern Sätzen
Der Faulheit Wirkung auf den Lebenslauf.
Durchs Fenster hört man schon die Autos hetzen.
– Ein warmes Bett ist nicht zu unterschätzen.
… Und dennoch steht man alle Morgen auf.

aus: Das lyrische Stenogrammheft

Gestern, während unserer Inventur, waren wir am Lyrikregal, um dort alle Bücher aufzunehmen und kamen auf Mascha Kaleko zu sprechen. Ihre Großstadtlyrik haben oft einen leicht ironischen, aber doch liebevollen Ton. Eine gewisse Melancholie schwebt über ihren Zeilen und wenn wir ihre Biografie anschauen, dann ist das nicht verwunderlich.
Es sind „Die paar leuchtenden Jahre“, die uns bleiben und oft geht es mir genau so, wenn ein Buchtitel bei ihr heisst: „In meinen Träumen läutet es Sturm“.
Nehmen Sie sich ein paar Minuten Zeit und schauen Sie in eines ihrer Bücher. Trotz des leichten Tons haben ihre Gedichte eine unglaubliche Tiefe. Kein Wunder, dass ihr Werk immer noch präsent ist und die Berliner Sängerin Dota zwei Musikalben mit ihren Texten aufgenommen hat.

Rezept

Jage die Ängste fort
Und die Angst vor den Ängsten.
Für die paar Jahre
Wird wohl alles noch reichen.
Das Brot im Kasten
Und der Anzug im Schrank.

Sage nicht mein.
Es ist dir alles geliehen.
Lebe auf Zeit und sieh,
Wie wenig du brauchst.
Richte dich ein.
Und halte den Koffer bereit.

Es ist wahr, was sie sagen:
Was kommen muß, kommt.
Geh dem Leid nicht entgegen.
Und ist es da,
Sieh ihm still ins Gesicht.
Es ist vergänglich wie Glück.

Erwarte nichts.
Und hüte besorgt dein Geheimnis.
Auch der Bruder verrät,
Geht es um dich oder ihn.
Den eignen Schatten nimm
Zum Weggefährten.

Feg deine Stube wohl.
Und tausche den Gruß mit dem Nachbarn.
Flicke heiter den Zaun
Und auch die Glocke am Tor.
Die Wunde in dir halte wach
Unter dem Dach im Einstweilen.

Zerreiß deine Pläne. Sei klug
Und halte dich an Wunder.
Sie sind lang schon verzeichnet
Im grossen Plan.
Jage die Ängste fort
Und die Angst vor den Ängsten.

aus: Die paar leuchtenden Jahre


Mascha Kaléko (1907-1975) fand in den Zwanzigerjahren in Berlin Anschluss an die intellektuellen Kreise des Romanischen Cafés. Zunächst veröffentlichte sie Gedichte in Zeitungen, bevor sie 1933 mit dem „Lyrischen Stenogrammheft“ ihren ersten großen Erfolg feiern konnte. 1938 emigrierte sie in die USA, 1959 siedelte sie von dort nach Israel über. Mascha Kaléko zählt neben Sarah Kirsch, Hilde Domin, Marie Luise Kaschnitz, Nelly Sachs und Else Lasker-Schüler zu den bedeutendsten deutschsprachigen Lyrikerinnen des 20. Jahrhunderts.
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Petition: „Höcke stoppen“
Vielleicht haben Sie auch Interesse diese Petion zu unterschreiben.

https://weact.campact.de/petitions/wehrhafte-demokratie-hocke-stoppen