Dienstag

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Heute haben
Miguel de Cervantes Saavedra * 1547
Christian Friedrich Hunold * 1680
Miguel de Unamuno * 1864
Ingrid Noll * 1935
Gaston Salvatore * 1941
Geburtstag
und es ist der Todestag von Carson McCullers
(und wenn Sie Muse haben, lesen Sie die „Ballade vom traurigen Café“, oder lassen sie Elke Heidenreich vorlesen. Grossartig)

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„Sinn und Form“
Beiträge zur Literatur
Fünftes Heft 20015, September/Oktober
Akademie der Künste € 11,00

Der September ist schon fast vorbei, wir stellen dann, wie gewohnt, das Monatsgedichteheftle „Oktober“ von Reclam vor. Jetzt komme ich erst dazu das neue, aktuelle „Sinn und Form“-Heft vorzustellen. Das Schöne daran ist, dass diese abgderuckten Beiträge zur Literatur nichts an Aktualität verlieren, wenn wir sie erst Monate später lesen. Also immer Augen auf, wenn Sie ältere Ausgaben in die Finger bekommen. Es verstecken sich jedesmal Perlen darin.
So auch hier wieder.
Jan Wagners (das ist der mit dem „Giersch“) Text „Süßes Erschrecken. Über Eduard Mörike“ ist für uns Schwaben vor der Haustüre angesiedelt.
„Wer niemals seine Schritte nach Mergentheim und Wermutshausen lenkte, nie in Weilheim, Kirchheim, Pflummern und Ochsenwang gewesen ist, wer nie nach Urach und Teinach fuhr, auch nicht nach Köngen, Nagold oder Scheer, nie in Eltingen und Plattenhardt nächtigte, wer schließlich kaum zu sagen wüßte, wo genau auf der Landkarte Weinsberg, Möttlingen, Cleversulzbach und, ja: auch Fellbach zu finden sind, der wird, wenn er ein Kleingeist oder ein bornierter Großstädter ist, nur kurz müde lächeln und dann abwinken; ist er aber verständig, so ahnt er: auch dort ist die Welt. Und mag es sich auch nicht um London, Paris oder New York handeln – es braucht doch nicht mehr, als in jenen unvertrauten Orten vorhanden ist, um eine Welt zu erschaffen. …“
Jan Wagner kommt vom Pfarrer Mörike zum Alltags- und Gelegenheitsdichter, der für seine SchülerInnen kleine Zeilen notierte. Seine große Reise fand auf dem Papier statt. Er lies Mozart nach Prag ruckeln und Jan Wagner findet sehr schöne Parallen zwischen den beiden Männern, die jeder für sich in ihrem Fach Genies waren und heute immer noch ihre Gültigkeit haben.
Jörg Sundermeier, der Leiter des Verbrecher Verlages stellt uns den georgischen Dichter Giwi Margwelaschwili vor und der Text ist mit „Eine Völkerfriedensstiftung“ überschrieben. Mit Nino Haratischwili haben wir eine aktuelle Vertreterin der georgischen Literatur im Bücherregal stehen. Und ihr dickes Buch „Das achte Leben. (Für Brilka)“ hat sich bei uns grandios verkauft. Trotz seiner über 1.000 Seiten. Haratischwili hat sicherlich den deutlich älteren Kollegen gelesen und verschlungen. Seine Bücher setzen sich hier nicht durch. Immer wieder werden neue Ausgaben herausgebracht. Bishin zu einer Werkausgabe. Aber er tut sich schwer. „Sinn und Form“ wird daran auch nichts ändern, aber vielleicht bekommen Sie Lust, in eines seiner vielen Roman hineinzulesen.
Sundemeier schreibt, dass wenn Giwi Margwelaschwilis Romane vor 50 Jahren erschienen, hätten sie die georgische Literatur verändert. Und wenn seine Bücher hier mehr gelesen werden würde, würde die deutsche Literatur auch anders aussehen. Gewagte Aussage, aber sie hat was.

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Ein weiterer Artikel im Heft:
Przemyslaw Sznurkowski: „Wo Juden sind, entseht auch Litertur“.
Ein Gespräch mit Chaim Noll

PRZEMYSŁAW SZNURKOWSKI: Sie zeichnen in Ihren Büchern ein differenziertes Bild der israelischen Gesellschaft. Besonders in Ihrem 2014 erschienenen Roman „Die Synagoge“ lernt man Sie als aufmerksamen Beobachter der politischen Ereignisse und sozialen Zustände in Israel, vor allem aber auch als kritischen Bürger kennen.

CHAIM NOLL: Kritik gilt hier in Israel als etwas vollkommen Normales. In Deutschland neigt man dazu, Konsens auf allen Gebieten herzustellen, man ist bemüht, möglichst immer einer Meinung zu sein, bis zur bösen Einheitlichkeit, die alle anderen Meinungen unterdrückt und totschweigt. So etwas ist hier unvorstellbar. Wenn man nach Israel kommt, dauert es einige Tage, bis man sich daran gewöhnt hat, daß hier jeder alles möglichst laut und möglichst zugespitzt zum Ausdruck bringt. Sonst wird man nicht wahrgenommen. Aber dieses auf den ersten Blick Verwirrende und Chaotische hat für Intellektuelle große Vorteile. Es ist ja das, was uns am meisten interessiert: Wie gebe ich meinen Gedanken Ausdruck? In der israelischen Gesellschaft kann ich sagen, was ich denke, und es wird immer jemanden geben, der das für einen bedenkenswerten Aspekt hält.

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Daneben gibt es Natascha Wodins Test über ihre Mutter, die von Russland nach Deutschland verschleppt worden ist und die nach der Zeit als Zwangsarbeiterin, verschwunden blieb. Ich bin gespannt, wann die komplette Recherche als Buch erscheint.
Gunnar Decker schreibt über „Hermann Hesse und Indien. Von äußeren und inneren Ost-West-Passagen„, Hans Christoph Buch über „Helden des Rückzugs. Erinnerungen an den Literaturbetrieb (II)„. Ein grossartiger Bericht über Literaturstiftungen, Stadtschreiber, Schreibnischen und das Scheitern diverser Schriftsteller.
Es gibt noch einige mehr Autoren, die mit ihren Texten das Heft füllen. Dazu noch, wie gewohnt, Gedichte, Reden, Essays. Texte, die wir sonst nicht wahrnehmen würden.

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Veranstaltungen bei und mit Jastram in dieser Woche:

Morgen, Mittwoch, den 30.September um 19 Uhr
„Shortlistlesen“

Wir stellen die verbliebenen sechs Titel
für den Deutschen Buchpreis vor und
Sie küren das Siegerbuch.
Es liest Clemens Grote
Bei uns in der Buchhandlung
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Freitag, 2.Oktober um 19:30 Uhr
Thomas Schuler: „Wir sind auf einem
Vulkan“.

Napoleon in Bayern.
Donauschwäbisches Zentralmuseum Ulm

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