Dienstag

Heute hat H.J.Ortheil (* 1951) Geburtstag
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Und gestern abend hat Tim Berne mit seinem Snakeoil Quartett das Ulmer Stadthaus leergefegt.
Zumindest bei einem guten Teil der Zuhörer ist es ihm nach dem ersten Teil gelungen. Der harte Kern war nach dem Konzert sehr begeistert, aber auch sichtlich geschafft.

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Richard Hughes:Orkan über Jamaika
Aus dem Englischen von Michael Walter
Originaltitel: A High Wind in Jamaica
Dörlemann Verlag € 19,90

Nach „In Bedrängnis“ folgt nun der erfolgreichste Roman von Richard Hughes in einer Neuübersetzung von Michael Walter. Ein großes Lob an den Dörlemann Verlag und ein Dankeschön noch hinterher. Für den Inhalt und für die Verpackung. Das ist doch genau diese Gegenbewegung zu Internet und eBook, die wir so lieben. Eine gute Übersetzung eines guten Stoffes. Schön gesetzt und gedruckt und sehr schön verpackt in Leinen. Bitte machen Sie weiter so.
Richard Hughs wurde 1900 in Surrey / England geboren. Dieser Roman erschien 1928, „In Bedrängnis“ zehn Jahre später. Auch hier nimmt uns der Autor mit auf See. War es beim letzten Roman noch eine romanhafte Beschreibung eines Hurrikans, so befinden wir uns jetzt auf einem Seeräuberschiff, die Kinder mit an Bord haben. Diese Kinder, die zehnjährige Emily Bas-Thornton, John, Emily und die „Krümel“ wurden von ihren Eltern nach einem Sturm in Jamaika auf ein Schiff gebracht, damit sie wieder nach England zurückkehren können. Der direkte Weg blieb ihnen jedoch versperrt und sie befinden sich nun unter der Kontrolle dieser Männer, die Schiffe überfallen, aber kein Blut vergießen wollen. So ganz erfolgreich sind die Piraten dann auch nicht. Einmal kapern sie ein Schiff mit Zirkustieren. Was wollen sie denn damit? Auch der geplante Kampf zwischen Tiger und Löwe gestaltet sich zuerst sehr zäh, da die beiden wilden Katzen seekrank in ihren Käfigen hocken.
Hughes packt hier seinen feinen Humor aus und lässt uns diese Überfahrt von einem Beobachter erzählen, der immer sehr nah dran ist und manch drastische Szene sehr lapidar schildert. Wer sind nun eigentlich die Hauptakteure? Die Piraten, das Schiff, das Meer, oder die Kinder? Keine Frage, Hughes präsentiert uns einen wilden Haufen Geschwister, die zum Teil vorpubertär das Schiff aufmischen und bald sind sie den Seeleuten kopfhoch überlegen. Dieser Machtkampf zwischen Kindern und Erwachsenen, diese Ungleichgewicht zwischen Seeleuten und Landratten nimmt Hughes mit so viel Humor aufs Korn, dass es eine wahre Freude ist. Aber wie es mit Kindern und Pubertierenden so ist – manches ist weit mehr als nur ein Spaß und den Kindern ist nicht zu trauen. Sind sie die eigentlichen Piraten, diejenigen, die am Ende Menschenleben auf dem Gewissen haben und eigentlich als Mörder angeklagt werden sollten? Da würde ich aber schon das Ende vorwegnehmen und das will ich Ihnen nicht antun.
Ein herrlicher Roman, für den Ehemann, der eine Abenteuergeschichte lesen will und die Ehefrau, die es lieber psychologisch hat, oder einfach für alle, die schöne Bücher lieben.

Leseprobe
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Heute abend im Ulm ROXY um 20 Uhr.
Peter Stamm liest aus seinem neuen Roman.
Wir sehen uns.