Donnerstag, 15.November

 

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100 Jahre Wahlrecht für Frauen

Heute haben
Gerhart Hauptmann * 1862
Giorgio Manganelli * 1922
Chinua Achebe * 1930
Wolf Biermann * 1936
Geburtstag
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Gerhart Hauptmann
Anna

Heut warst du bei mir im Grasegarten
mit den fleißigen Händen, den häßlichen, harten.
dem feinen Näschen, dran vibrieren
verräterisch die feinen Flügel,
über die Fülle der warmen Hügel,
den starken Hüften, die dich zieren,
du Bauernvenus, mein früher Traum!
Voller Früchte wie ein Apfelbaum
stehst du da: verborgen im Stamme
glüht die süße, verzehrende Flamme:
ihr opfre ich alles, was ich habe.
Sei mein, du berauschende Honigwabe!
Sei mein Haus, mein Hof, mein Herd!
Erd‘ und Himmel bist du mir wert!
Anna, darben mit dir ist Genuß,
mit dir arm sein Überfluß.

(Rapallo, 6. März 1937)
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Mely Kiyak:Haltung
Duden Verlag € 10,00

Lautsein ist zur Zeit angesagt. Unreflektiert und schnell mal eben ein paar Tweets um die Welt schicken und vor laufenden Kameras lospoltern. Die politische Kolumnistin Mely Kiyak sieht angesicht des Erstarken des Antidemokratischen und des Lärms, dass nicht immer der Spruch „Haltung zeigen“ hilft. Sie sagt, dass Haltung sich nicht manifestiert, in dem man sie zeigt, sondern in dem man sie hat. So nützt es auch wenig Haltung zu zeigen, wenn eine Gesellschaft keine gemeinsame Haltung hat. Ihre These: leise sein.

Dies meint sie jedoch nicht in dem Sinn, dass wir unsere Augen und Ohren verschließen sollen, aber gegen diese Bewegungen, die Verrohung der Sprache, der Verdrehung von Tatsachen und Verleumdungen hilft nur ein gemeinsames Vorgehen der Gemeinschaft auf vielen Ebenen. 

„Je öfter man eine quasi randständige Meinung, extremistische Meinung hört und sie durchdiskutiert, umso alltäglicher und normaler wird sie und umso schwerer wird es auch, sie irgendwann als ein Tabu zu konstruieren, weil sie dann einfach kein Tabu mehr ist.“

Ein provokativer Text. Klug, aktuell und prägnant, der zum Nachdenken und Diskutieren anregt.

 

Donnerstag, 26.Oktober

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Heute haben
Andrej Belyi * 1880
Karin Boye * 1900
John Arden * 1930
Ulrich Plenzdorf * 1934
Carlo Lucarelli * 1960
Geburtstag
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Im Gedichte Kalender vom 26.10.2019

Cäsar Flaischlen (1864-1920)
Man hätt es nicht dürfen…

Man hätt es nicht dürfen,
man hätt es nicht sollen,
und man hat es
dennoch gewollt …

Und es war so schön,
wie’s nie gewesen,
hätt man es dürfen,
hätt man’s gesollt.
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Unser Tipp des Tages:

9783423289764

Philip Wilkinson:Atlas der nie gebauten Bauwerke
Eine Geschichte großer Visionen
dtv € 30,00

Fantastisch geplant, nie verwirklicht

Der britsiche Schirftsteller Wilkinson, der Bücher über Kunst, Architektur und Design geschrieben hat und einen Architektur-Blog betreibt, zeigt uns hier 50 Gebäude, die nie gebaut worden sind. Er beginnt in sehr frühen Zeiten und geht bis in das 21.Jahhrundert mit Frank Lloyd Wright, Buckminster Fuller, oder auch Zaha Hadid. Diese geplanten Gebäude, Anlagen, Objekte enstanden aus konkreten Veränderungen, Bedürfnissen heraus. So war es die Pest, oder das rasante Wachsen der Städte. Aber auch viele Träumereien sind auf Plänen zu sehen, die wir in die Kategorie vergnügliche Fantasien einordnen können. So gibt es ein großes Gebäude, in der Form eines Elefanten, in der eine ganze Stadt untergebracht ist. Daraus wurde natürlich nichts. Dass Napoleon einen ähnlichen Gedanken hatte, zeigt uns Wilkinson auch. Dieses Tier war deutlich kleiner, aber immer noch meterhoch, sein Innenleben war nicht bewohnbar, aber sein Rüssel sollte als Springbrunnen dienen. Dieser Plan wurde jedoch auch nie verwirklicht.
Die Mischung der verschiedenen Ideen und was dann oft viel später daraus geworden ist, die Entwicklung von einem Fantasiegebilde zu einem riesigen existierenden Hochhaus, machen den Reiz des Buches aus, das mit vielen Illustrationen, Bildern und Plänen ausgeschmückt ist.

Dienstag, 18.September

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Heute haben
Truman Capote * 1924
Élie Wiesel * 1928
Dorothee Sölle * 1929
Jurek Becker * 1937
und Cecelia Ahern * 1981
Geburtstag.
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Friedrich Hebbel
Der heilige Wein

Es schlichen zwei schlimme Gesellen
sich in die Kapelle hinein:
in Kannen, in goldnen, geweihten,
stand dort der heilige Wein.

Da spricht der eine mit Lachen
zum andern in sündigem Mut:
„Komm, willst du dich mit mir berauschen
in Christi eigenem Blut?“

Der andere greift nach der Kanne
und setzt sie flugs an den Mund;
sie trinken und trinken und trinken,
doch kommen sie nicht auf den Grund.

Sie trinken und trinken und trinken
und treiben viel frostigen Scherz,
doch steigt keine Glut auf die Wangen,
doch flammt keine Lust durch das Herz.

Sie trinken und trinken und trinken,
die Kanne bleibt voll, wie sie war,
da packt sie ein innersten Grausen,
sie stürzen hin zum Altar.

Sie rufen: „Er blutet aufs neue,
wer stillt des Blutes Lauf!
Er zeigt uns die offenen Wunden,
o weh uns, wir rissen sie auf!“

Nun schauen sie ewig den Heiland,
ein blasses, blutendes Bild;
er blickt sie an, nicht finster,
ach, so unendlich mild“
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9783455003468

Mimi Beaven, Anja Dunk, Jen Goss:Einmachen
Tempo bei Hoffmann & Campe € 12,00

In der Taschenbuchreihe „Do“, in der schon Titel wie Anpflanzen, Imkern, Erzählen, Bestimmen, Design, … erschienen sind, können wir jetzt das Einmach-Buch dringend gebrauchen. Die Bäume hängen voll mit Zwetschgen, Birnen und kleinen Äpfeln. Wohin damit? Vor dem Laden haben wir immer wieder Tüten mit Zwetschgen verschenkt, zu Hause Marmelade gekocht, Mus im Backofen gebrutzelt und zum ersten Mal Birnen eingemacht. Da kommt mir das kleine Buch gerade recht. Die Rezepte sind einfach, vielfältig und ohne Firlefanz.
Hier lernen wir zuerst etwas über die Grundlagen und Methoden des Einmachens. Gerade auch über Handwerkzeug und Zutaten, die man zu Anfang braucht. Es folgt ein Kapitel über: Zucker Essig, Alkohol, Öl und Salz, die besten Haltbarmacher der Natur.
Und los geht’s. Über 100 Rezepte mit einer wunderbaren Bandbreite, von Rhabarberkompott mit Orange und Kardamom, Strudel mit Apfelfüllung, Grünem Tomaten Chutney bis Erdbeer Gin Fizz.
Das Buch passt in jedes Küchenregal und sieht wahrscheinlich nach kurzer Zeit komplett Zerlesen aus mit vielen Eselsohren und Einlegezettelchen. Gut so.
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Heute haben liest Clemens Grote aus den sechs Bücher der Shortlist zum Deutschen Buchpreis vor.
María Cecilia Barbetta: Nachtleuchten
Maxim Biller: Sechs Koffer
Nino Haratischwili: Die Katze und der General
Inger-Maria Mahlke: Archipel
Susanne Röckel: Der Vogelgott
Stephan Thome: Gott der Barbaren

Der Beginn ist pünktlich um 19 Uhr.
Der Eintritt ist frei.
Bitte viel gute Laune für die Abstimmung mitbringen.