Freitag, 9.April

Heute haben
Charles Baudelaire * 1821
Ludwig Hohl * 1904
Lew Kopelew * 1912
Johannes Bobrowski * 1917
Carl Améry * 1922
Arnold Stadler * 1954
Geburtstag
______________________________________

Friedrich Hölderlin
Der Gang aufs Land

An Landauer

Komm! ins Offene, Freund! zwar glänzt ein Weniges heute
Nur herunter und eng schließet der Himmel uns ein.
Weder die Berge sind noch aufgegangen des Waldes
Gipfel nach Wunsch und leer ruht von Gesange die Luft.
Trüb ists heut, es schlummern die Gäng‘ und die Gassen und fast will
Mir es scheinen, es sei, als in der bleiernen Zeit.
Dennoch gelinget der Wunsch, Rechtglaubige zweifeln an Einer
Stunde nicht und der Lust bleibe geweihet der Tag.
Denn nicht wenig erfreut, was wir vom Himmel gewonnen,
Wenn ers weigert und doch gönnet den Kindern zuletzt.
Nur daß solcher Reden und auch der Schritt’ und der Mühe
Wert der Gewinn und ganz wahr das Ergötzliche sei.
Darum hoff ich sogar, es werde, wenn das Gewünschte
Wir beginnen und erst unsere Zunge gelöst,
Und gefunden das Wort, und aufgegangen das Herz ist,
Und von trunkener Stirn‘ höher Besinnen entspringt,
Mit der unsern zugleich des Himmels Blüte beginnen,
Und dem offenen Blick offen der Leuchtende sein.

Denn nicht Mächtiges ists, zum Leben aber gehört es,
Was wir wollen, und scheint schicklich und freudig zugleich.
Aber kommen doch auch der segenbringenden Schwalben
Immer einige noch, ehe der Sommer, ins Land.
Nämlich droben zu weihn bei guter Rede den Boden,
Wo den Gästen das Haus baut der verständige Wirt;
Daß sie kosten und schaun das Schönste, die Fülle des Landes
Daß, wie das Herz es wünscht, offen, dem Geiste gemäß
Mahl und Tanz und Gesang und Stutgards Freude gekrönt sei,
Deshalb wollen wir heut wünschend den Hügel hinauf.
Mög‘ ein Besseres noch das menschenfreundliche Mailicht
Drüber sprechen, von selbst bildsamen Gästen erklärt,
Oder, wie sonst, wenns andern gefällt, denn alt ist die Sitte,
Und es schauen so oft lächelnd die Götter auf uns,
Möge der Zimmermann vom Gipfel des Daches den Spruch tun,
Wir, so gut es gelang, haben das Unsre getan.

Aber schön ist der Ort, wenn in Feiertagen des Frühlings
Aufgegangen das Tal, wenn mit dem Neckar herab
Weiden grünend und Wald und all die grünenden Bäume
Zahllos, blühend weiß, wallen in wiegender Luft,
Aber mit Wölkchen bedeckt an Bergen herunter der Weinstock
Dämmert und wächst und erwarmt unter dem sonnigen Duft.
____________________________________________

Emilia Wiltschek (15) empfiehlt:


Michelle Obama: „Becoming
Erzählt für die nächste Generation
Ausgabe für Jugendliche mit exklusivem Vorwort und bisher unveröffentlichtem Bildmaterial
cbj € 20,00
Ab 13 Jahren

In diesem Buch erzählt Michelle Obama ihr Leben für Jugendliche.
Das Buch nimmt einen zum Anfang in Michelles Lebensgeschichte mit. In ihre Kindheit, die sie in Chicago verbrachte, mit ihren Eltern, die nicht viel hatten, weswegen sie unter äußerst bescheidenen Umständen aufwuchs (was die Familie nicht davon abhielt extrem glücklich und zufrieden zu sein) und mit der Multible Sklerose Erkrankung ihres Vaters, der es sich trotz Einspruch der Familie nicht hat nehmen lassen sein Leben genau so weiter zu leben, wie er es die letzten Jahrzehnte getan hatte. Die Geschichte bezieht die Gedankengänge Michelles in ihrer Kindheit, der Zeit an der Uni bis zu dem Einzug und Auszug ins Weiße Haus mit ein. Sie erzählt welche Träume sie als Kind, als Teenager und Erwachsene hatte und welche davon schlussendlich in Erfüllung gingen. Sie beschreibt wie es für sie war, ihren geliebten Ehemann mit der Politik teilen zu müssen und wie sie es meisterte nicht in den Schatten ihres Mannes als First Lady zu rücken, sondern ihre eigenen Ziele mit Hilfe ihrer Position zu verwirklichen. Auch wie sie sich um ihre Kinder und deren Kindheit sorgte, erzählt sie. Und welchen Hass man ihr und ihrer ganzes Familie nur wegen ihrer Hautfarbe entgegenbrachte. Das Buch ist sehr inspirierend geschrieben und liest sich eher wie ein Roman als wie eine Biografie. Auch wie Michelle einen hinter die Kulissen des Lebens als First Family blicken lässt, ist wahnsinnig brutal und schön zur selben Zeit.
Ein Buch, das man nur empfehlen kann.

Mittwoch, 31.März

Heute haben
Francois Villon * 1431
Alexandra Kollontai * 1872
Octavio Paz * 1914
John Robert Fowles* 1926
Hartmut Lange * 1937
Geburtstag.
Und es ist der Todestag von Christian Morgenstern.
_____________________________________

Christian Morgenstern

Brenne durstig himmelan!
Brenne stumm hinab! Doch – brenne!
Daß dein Los von dem sich trenne,
Der sich nicht verschwenden – kann.
Laß ihm seine Angst und Not!
Du verstehe nur den – Tod.
_______________________________________

Das Buch zum Blumensamentütchen:

Dave Goulson: „Bienenweide und Hummelparadies
Aus dem Englischen von Elsbeth Ranke
Hanser Verlag € 25,00

Hummeln? Gefährlich? Unbekannt?
Dave Goulson klärt uns auf. Er zeigt uns, wie wir zwar nicht die Welt retten, aber Hummeln, Bienen und Co. Irgendwie sind sie doch die etwas unbekannten „Verwandten“ der Bienen“. Aber wir brauchen sie. Zum Bestäuben, damit es auch im nächsten Jahr wieder blüht und schmeckt. Was nicht hilft sind kurzgeschorene Wiesen und Steingärten. Goulson zeigt und, was wir machen können. Er klärt uns auf, dass es kein Unkraut gibt und wie wichtig Pollen sind. Also nicht in der Nase, aber im Garten.
Wenn Sie Lust haben, können Sie mitmachen. Ob Minibalkon oder großer Garten. Sorgen wir dafür, ein wenig die Artenvielfalt zu retten.

Auf dieser Seite gibt es nur mehr Tipps und ein Quiz:
https://www.hanser-literaturverlage.de/themen/dave-goulson

Und bei uns im Buchladen gibt es passendem zum Buch Samentütchen für Ihren Garten, oder als Samenbombe für sie Steingärten. Einfach bei uns abholen, so lange der Vorrat reicht.
_____________________________________

Neue Romane

Neue Taschenbücher

Freitag, 26.März

Heute haben
Edward Bellamy * 1850
Robert Frost * 1874
Tennessee Williams * 1911
Erica Jong * 1942
Patrick Süskind * 1949
Geburtstag
und es sind die Todestage von Walt Whitman, Raymond Chandler, B.Traven und Tomas Tranströmer
_____________________________________

Winfried Hermann Bauer
Ein Schatten nur

Es ist nur ein Schatten
Der über mich hinweg streicht
Ein Segel vor dem Licht
Der Schatten einer Wolke nur
Vor der strahlenden Sonne
Könnte ich mein Haupt heben
Würde ich sie sehen

Es ist nur ein Schatten
Trotz der Schwere
Mit der er sich auf mein Herz senkt
Als wollte er die Glut darin ersticken
Ein Schatten aus Blei
Der mir den Atem nimmt
Mit seinem Gewicht

Es ist nur ein Schatten
Auch wenn er sich frostig
Auf mich legt
Lodert mein Feuer noch immer
Nach innen – trotz der Kälte
Und ich rufe alle Wasser der Wel
Um nicht zu verbrennen

Es ist nur ein Schatten
Der weiter wandert irgendwann
Auch wenn er sich auf mich senkt
Als wäre er das letzte Tuch
So ist es doch nur ein Schatten
Ein Sichtschutz vor meinem Fenster
Nichts als ein Vorhang
Im Bombenhagel der Wirklichkeit
______________________________________________


Richard David Precht: „Von der Pflicht
eine Betrachtung
Goldmann Verlag € 18,00

So! Jetzt ist es mal wieder passiert, dass dieses Programm meinen kompletten Text gelöscht hat. Diesen K(r)ampf hatte ich schon ein paar Mal. Also nochmal von vorne, aber dieses Mal in Kurzversion, damit ich rechtzeitig im Laden auftauche.

Richard David Prechts aktuelles Buch erläutert uns den Begriff „Pflicht“. Woher kommt er, was bedeutet er? Wem bin ich verpflichtet und kann ich mich auch ent-pflichten, wie es Corona-Gegner tun? Steht der Staat nicht auch in der Pflicht und versorgt uns? Wenn wir nicht als Solidargemeinschaft auftauchen, funktioniert unsere Demokratie nicht mehr.
In den letzten Monaten haben wir gesehen, wie wir versucht haben, die Alten und Schwachen zu schützen und auch uns, indem wir Masken tragen. Wenn nun dies von einer Gruppe von Menschen nicht mehr gemacht wird, trifft das die Gesundheit aller in einem Staat, der gleichzeit aber sein Auffangnetz durch das Gesundheitssystem bereithält.
Precht nimmt uns in einem Kapitel mit zu den alten Philosophen und zitiert ausführlich Cicero.
Am Ende denkt er laut über ein zweijähriges Pflichtjahr für alle nach. Ein Zeichen von Solidariät und eine Pflicht gegenüber unseren Mitmenschen.

Es ist eine Betrachtung und eine ruhige Streitschrift über die heftig dikutiert werden kann. Der „Spiegel“ hat damit schon begonnen. Aber so bleiben wir im Gespräch.