Dienstag, 18.Februar

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Petra Elsner
(16.Februar 2020)

Abgenutzt von kalten Kriegen
stiehlt mein Herz sich leis davon.
Watet durch die dichten Nebel
zu der eigenen Mission.
Ohne Halt und Anker
schifft es durch die Zeit.
Schlägt in aller Stille
eine Ewigkeit.

www.schorfheidewald.de
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Kübra Gümüsay: „Sprache und Sein“
Hanser Verlag 18,00

 „Ein beeindruckendes Buch, poetisch und politisch zugleich.“ Margarete Stokowski

Kübra Gümüsay schreibt in ihrem ersten Buch über Sprache, über Wörter, die es nur in den bestimmten Sprachen gibt und unübersetztbar sind. Sie schreibt, wie sie deutsch schreibt und türkisch denkt. Und andersherum.
Danach wird ihr Buch aktuell politisch. Sie schreibt über Rassismus in der Gesellschaft und in der Sprache. Was es mit uns macht, wenn wir rassistische Formulierungen übernehmen. Wie sich unsere Gesellschaft sich verändert, wenn wir Sätze der AfD  in die Alltagssprache einfließen lassen. Sie schreibt über das Phänom, dass einzelne Menschen nicht mehr sichtbar sind, wenn sie unter einem Sammelbegriff verschwinden: die Türken, die Flüchtlinge, die Asylanten. Sprache sollte Menschen nicht auf Kategorien reduzieren, schreibt Kübra Gümüsay. Sie plädiert für eine Gleichberechtigung auf Augenhöhe. Doch dies scheint immer schwieriger zu werden in einer Zeit der hasserfüllten Reden und Diskussionen.

Leseprobe

Von der Hanser Website:
5 Fragen an Kübra Gümüsay

Liebe Kübra Gümüsay, Sie schreiben in Ihrem Buch von der Macht der Sprache und davon, wie diese unsere Wahrnehmung prägt. Wie hat die Tatsache, dass Sie verschiedene Sprachen sprechen, Ihre eigene Wahrnehmung beeinflusst?
Wie viele andere, die mehrsprachig aufwachsen, erkannte ich irgendwann, wie ich mich in den unterschiedlichen Sprachen jeweils anders fühlte – und für Gefühle einen Ausdruck fand, für die ich in anderen Sprachen um Worte rang. Jede dieser Sprachen – in meinem Fall sind es Deutsch, Türkisch und Englisch – erfasste für mich eine andere Facette der Realität. So wurde für mich nahezu physisch spürbar, wie sehr Sprache uns die Welt eröffnen kann – aber auch wie begrenzt und einengend sie sein kann.

Mit Sprache und Sein legen Sie ein sehr persönliches Buch vor. Als Individuum sprechen zu können und gehört zu werden, ist ein Privileg, wie Sie schreiben. Was genau bedeutet das?
Zum Menschsein gehört es dazu, Fehler zu machen, Makel zu haben, komplex zu sein, wechselhaft, veränderlich, wachsend, im ständigen Prozess, im Werden. Dieser Facettenreichtum macht uns zu Individuen. Wem aber werden diese Eigenschaften, dieser Facettenreichtum zugestanden? Wem nicht? Die individuellen Fehltritte oder Makel welcher Menschen erheben wir zu einem kollektiven Fehltritt? Wer darf als Individuum, für sich, sprechen, wer muss als Vertretende eines Kollektivs, für seinesgleichen, sprechen? Das zeigt uns: Individualität ist gegenwärtig ein Privileg, das nicht alle Menschen in unserer Gesellschaft genießen. Daran müssen wir langfristig arbeiten.

Sprache vermag vieles auszudrücken und doch birgt sie besonders im öffentlichen Diskurs die Gefahr, komplexe Sachverhalte und Zugehörigkeiten zu reduzieren und zu vereinfachen. Welche Möglichkeiten sehen Sie, dass Sprache gesellschaftliche Vielfalt und unterschiedliche Lebensrealitäten nicht nur mitdenkt, sondern auch mitspricht?
Sprache ist ständig im Wandel. Sie wird stets von den gesellschaftlichen Verhältnissen, den Hierarchien und Hegemonien geprägt und beeinflusst. Wer ist die dominante Gruppe, die in einer Gesellschaft die sprachliche Hegemonie besitzt – also schreibt, publiziert, und damit Sprache nachhaltig verändert? Durch wessen Augen schauen wir auf die Welt, wenn wir sprechen? Wenn wir anfangen, uns Fragen dieser Art zu stellen, wird uns bewusst, wie begrenzt und einseitig der öffentliche Diskurs ist. Und wie wichtig und elementar unsere Pluralität ist, um der Beschreibung der Realität näher zu kommen. Ich denke deshalb: Ein Schlüssel, um unterschiedliche Lebensrealitäten zur Sprache kommen zu lassen, ist die eigene Lebensrealität und Sicht auf die Welt nicht zur universellen zu erklären und anderen überzustülpen. Es braucht also etwas mehr Demut in denjenigen hegemonialen Systemen und Strukturen, die uns die Welt erklären – beispielsweise im Journalismus, in Film und Fernsehen.

In Zeiten sprachlicher Entgrenzung, rechter Gewalt und offenen Hasses fällt es schwer, an die verändernde und befreiende Kraft der Sprache zu glauben. Welche Begegnungen und Erfahrungen machen Ihnen Hoffnung, dass ein anderes Sprechen und Miteinander möglich ist?
Sich nicht an die gegenwärtigen Umstände zu gewöhnen, ist die Voraussetzung für Hoffnung. Ich weigere mich, mich an Gewalt, Unterdrückung, Hass, Hetze oder Häme zu gewöhnen – um dagegen hoffen zu können, wie es der Rabbi Abraham Joshua Heschel einst beschrieb. Ich habe erlebt, wie ein Mann, der mir eine Morddrohung schickte, sich wenige Monate später dafür bei mir entschuldigte. Weil er einen Text von mir gelesen hatte und sich darin wiederfand. Menschen sind veränderlich. Ich halte unsere Gesellschaft für absolut imstande, kritische und konstruktive Diskurse zu führen, die uns voranbringen. Dafür müssen wir das aber vorleben. Doch genau daran – an öffentlichen Räumen für kritisches Denken und konstruktiven Diskurs – mangelt es eklatant.

Sie engagieren sich seit Jahren auf unterschiedliche Weise für ein offenes und tolerantes Miteinander – angesichts der gegenwärtigen Zustände eine ermüdende Tätigkeit. Woher haben Sie die Energie für Ihr Buch genommen?
Interessanterweise war es genau diese Ermüdung, aus der ich Energie schöpfte. Das Gefühl der Sprachlosigkeit, der Enge und das Bewusstsein, dass es so nicht weitergehen kann. Ich wollte mit meinem Engagement nicht mehr nur Löcher eines destruktiven Systems stopfen, sondern so weit graben, bis ich auf eine Architektur stoßen würde, an der es sich lohnen könnte zu arbeiten. Sodass ich an einer der vielen Ursachen dieser destruktiven Diskurskultur arbeiten kann, statt mit meinem Engagement diese Destruktivität aufrecht zu erhalten. Für mich war eine dieser Architekturen unsere Sprache.

Freitag, 24.Januar

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Heute haben
E.T.A. Hoffmann * 1776
Edith Wharton * 1862
Vicki Baum * 1888
Eugen Roth * 1895
Geburtstag
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„Wer wagt, durch das Reich der Träume zu schreiten, gelangt zur Wahrheit.“
E.T.A. Hoffmann
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Vielleicht ist das schon mein Lieblingsbuch des Jahres 2020, ob wir erst Januar haben.

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Patrik Svensson: „Das Evangelium der Aale“
übersetzt aus dem Schwedischen von Hanna Granz
Hanser Verlag € 22,00

Was gehen mich Aale an, dachte ich, als ich das Buch in die Hand genommen habe. Gesehen habe ich noch keinen (außer geräuchert) und gegessen (als Vegetarier) auch nicht. Aber kaum las ich ein paar Seiten, war es um mich geschehen. Und so ging es allen, die das Buch in der Hand hatten. So ganz falsch liegen wir wohl nicht, wenn ich mir die Sonderseite des Hanser Verlages anschaue, die ich erst gestern entdeckt habe. Interview, Gewinnspiel, Leseproben und und und. Also auch der Verlag verspricht sich so einiges.
Warum gehts?
Der schwedische Journalist Svensson erzählt in einer Rahmenhandlung, wie er als Kind mit seinem Vater an den Wochenenden an den Fluss zum Aaleangeln gegangen ist. Diese Vater-Sohn-Beziehung zieht sich durch das Buch. Dann kommen aber die Aale selber dran.
Ich wusste fast gar nichts über deren Leben und war erstaunt und fassungslos, was die Evolution hier eingerichtet hat. Die lange Reise von der Laichstelle in der Saragossasee (dort entstehen ALLE Aale der Welt), bis hin zu einem Tümpel bei uns um die Ecke. Die Mutationen, die ein Aal im Laufe seines Lebens durchmacht sind unglaublich und dazu kommen Svenssons Anektoden und Geschichten.
Denn der Aal hat schon Sokrates beschäftigt. Er behauptet, dass Aale aus Dreck enstehen, die Bibel schreibt, dass Aale nicht zum Essen geeignet sind, da sie keine Flossen haben. Beide liegen falsch. Sigmund Freund nimmt als junger Mann 400 Aale auseinander, um deren Geschlechtsteile zu finden, um Sokrates zu widerlegen. Er scheitert und diese Erfahrung prägt Freuds spätere Arbeiten. Aale habe keine Geschlechtsteile. Diese bilden sie erst, wenn sie auf der Rückreise in die Saragossasee sind.
Wie kann ein Aal 120 Jahre in einem Brunnen überleben? Was macht der Aal in der Weltliteratur, der Psychologie und Philosphie?
Ich mag nicht zu viel verraten.
Schnappen Sie sich bei uns die Leseprobe, lesen Sie diese genau durch und füllen Sie auf der Hanser Seite das Quiz aus ( siehe unten) und gewinnen Sie eine Reise, die nicht so lang ist, wie die der Aale, aber hoch in den Norden führt (wenn Sie aus Ulm kommen).
Ein tolles Buch! 

Zur Themenseite mit dem Gewinnspiel

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Donnerstag, 23.Januar

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Heute haben
Stendhal * 1783
Sergej Eisenstein * 1898
Derek Walcott * 1930 (Nobelpreis 1992)
Geburtstag
Aber auch Jeanne Moreau, Humphrey Bogart und Éduard Monet.
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Rok
keine schonzeit für feige zwerge

ist der schatten der bäume
der gleiche
wie der schatten der
hochhäuser die an
wolken kratzen
vielleicht ist der vergleich
abhängig von einem
sommer oder wintertag
oder nacht
dein heißer schweiß
auf meiner zunge
kühlt meine angst
macht mich betrunken
im schatten der bäume
lass uns giftige pilze
suchen unter
aufgerissenen wolken
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Jean Ziegler: „Die Schande Europas“
Von Flüchtlingen und Menschenrechten
Aus dem Französischen von Hainer Kober
Bertelsmann Verlag € 15,00

Jean Ziegler hat als Vizepräsident des Beratenden Ausschusses des UN-Menschenrechtsrats im Mai 2019 das EU-Flüchtlingslager Moria auf Lesbos besucht. Anhand vieler, oft erschütternder Einzelfälle schildert er seine Begegnungen mit Flüchtlingen, Hilfsorganisationen, einzelnen Menschen die helfen. Er berichtet über den Alltag in diesen restlos überfüllten Lagern, diesen sogenannten Hotspots, in denen es fast nichts gibt. Täglich 1,5 Liter Wasser und Essen aus Plastikschalen, das oft nicht mehr genießbar ist. Von schützenden Behausungen ist gar nicht die Rede. Es ist eine Schande, wie mit diesen Menschen umgegangen wird. Es ist eine Schande, wie wir in Europa die Augen verschließen. Jean Ziegler will uns mit seiner Streitschrift die Augen öffnen für diesen Skandal vor unserer Haustür. Hier, wo wir in Wohlstand leben und dort auf dieser Insel, wo es Armut, Hunger, Verzweiflung und Not in verschiedenen Varianten gibt. Durch seine vielen Biografien, die wir in diesem Buch finden, ergibt sich ein großes Szenario, das sich durch die Globalisierung und die Klimakatastrophe ergeben hat. Wegschauen geht nicht mehr.
Das Buch endet mit folgenden Sätzen:
„Wir, die Völker Europas, müssen dafür sorgen, dass die europäischen Zahlungern an die flüchtlingsfeindlichen Staaten sofort beendet werden.
Überall auf dem Kontinent müssen wir für die strikte Einhaltung des universellen Menschenrechts auf Asyl kämpfen.
Wir müssen die sofortige und endgültige Schließung aller Hotspots durchsetzen, wo immer sie sich befinden.
Denn sie sind die Schande Europas.“

Hier geht es zur Leseprobe.

Heute auf tagesschau.de:
https://www.tagesschau.de/investigativ/panorama/fluechtlingslager-libyen-105.html
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Heute abend in der HfG um 19.00 Uhr
Winfried Nerdinger: „Walter Gropius: Architekt der Moderne“

Walter Gropius ist der Gegenstand einer umfassenden und gründlich recherchierten Biografie, die der renommierte Architekturhistoriker und langjährige Leiter des Architekturmuseums der Technischen Universität München, Prof. Dr. Winfried Nerdinger, verfasst hat und persönlich in Ulm vorstellen wir.

Ort: Großer Hörsaal, 1. OG (Mensa-Ebene)
Gebäude der ehemaligen HfG, Am Hochsträß 8, 89081 Ulm
Eintritt: frei