Donnerstag, 14.März

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Heute haben
Peter Paul Zahl * 1944
Jochen Schimmang * 1948
Christian Ditfurth * 1953
Geburtstag
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Theodor Fontane
Frühling

Nun ist er endlich kommen doch
in grünem Knospenschuh.
»Er kam, er kam ja immer noch«,
die Bäume nicken sich’s zu.

Sie konnten ihn all erwarten kaum,
nun treiben sie Schuß auf Schuß;
im Garten der alte Apfelbaum
er sträubt sich, aber er muß.

Wohl zögert auch das alte Herz
und atmet noch nicht frei,
es bangt und sorgt: »Es ist erst März,
und März ist noch nicht Mai.«

O schüttle ab den schweren Traum
und die lange Winterruh‘,
es wagt es der alte Apfelbaum,
Herze, wag’s auch du!
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Sarah Wiltschek empfiehlt:

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Virginie Despentes: „Vernont Subutex 2“
Aus dem Französischen übersetzt von Claudia Steinitz
Kiwi Taschenbuch € 12,00

Ganz unten angekommen in der Gesellschaft bedeutet gleichzeitig völlige Freiheit. Frei von allen Zwängen, Mietverträgen, Geld, Anerkennung. Virginie Despentes´ tragischer Held Vernont Subutex landet am Ende des ersten Bandes auf der Straße und findet sich im Laufe des zweiten dort immer besser zurecht. Vor allem findet er Freunde. Neue auf der Straße und die alten, die wieder zu ihm zurückkommen und sich um ihn scharen, wie um einen neuzeitlichen Guru. Der ganze Druck von Arbeits- und Beziehungswelt fällt von ihnen ab. Sie können einfach sein, wie sie sind, ohne darüber nach zu denken, wie sie sein sollten.
Der erste, der den Kontakt zu Vernont sucht, ist Xavier, ein gescheiterter Drehbuchautor, der sich von seiner Frau aushalten lässt und sich weiter Erfolg vorgaukelt. Der Moment ist denkbar ungünstig. Vernont, Xavier und die obdachlosen Olga werden von einer Gruppe Rechtsextremer angegriffen. Xavier hat Glück im Unglück und erwacht geläutert aus dem Koma. Von da an verbringt er seine Zeit mit Vernont, tagsüber im Park und abends in der Bar, in der Vernont auflegt. Vernont bringt sie alle zum tanzen. Auch ungepflegt und ungewaschen. Am Ende sogar Loic, der Xavier verprügelt hat. Vernont setzt etwas in Bewegung, das in allen schlummert. Es brodelt. Es ist vor allem das Gefühl, keinen rechten Platz zu haben in dieser neuen Pariser Gesellschaft, in der nur die Reichen und die Harten eine Chance haben und in der jeder für sich allein kämpft.
Doch es kommt Bewegung in die Sache. Die mysteriösen Videoaufnahmen, die der berühmte Sänger Alexander Bleach kurz vor seinem Tod aufgenommen hat, tauchen auf. Beweismaterial gegen den skrupellosen Produzenten Dopalet, der mindestens ein Menschenleben auf dem Gewissen hat.
Die alten Freunde rücken enger zusammen, rächen sich an den Ungerechtigkeiten der Mächtigen und formieren ein solidarisches Wir. Schließlich brechen sie auf und lassen die Stadt und alle gesellschaftlichen Verpflichtungen hinter sich. Auf der Suche nach einem anderen, einem besseren Leben.
Es ist v.a. die Angst, die alle fest im Griff hat. Angst um ihre Beziehungen, Angst um Freundschaft, Angst um den Arbeitsplatz, Angst ums Geld.
Daraufhin schließt sich Aicha einer Gruppe junger Aktivistinnen an, um sich an den Männern im Allgemeinen und an Dopalet im Speziellen zu rächen. Bis sie irgendwann zu weit geht und untertauchen muss.

Virginie Despentes, geboren 1969, wurde bereits mit ihrem Debütroman ‚Baise-moi – Fick mich‘ (2002), den sie später auch verfilmt hat, einem großen Publikum bekannt. Seither hat sie mehrere Romane veröffentlicht. Für ‚Apocalypse Baby‘ erhielt sie 2010 den renommierten Prix Renaudot, ihr Roman ‚Vernon Subutex‘ wurde u.a. mit dem Prix Anaïs Nin ausgezeichnet. Seit Erscheinen der Subutex-Trilogie zählt sie zu den wichtigsten Schriftstellerinnen Frankreichs und wurde im Januar 2016 in die Académie Goncourt gewählt.

Leseprobe

Mittwoch, 13.März

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Heute haben
Oskar Loerke * 1884
Hugh Walpole * 1884
Frank Thieß * 1890
Jannett Flanner * 1892
Erich Kästner * 1904
Juri Andruchowytsch * 1960
Geburtstag
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Oskar Loerke
Seliges Wachstum

Verpackt in Fächern, weggehängt in Spinden,
Sang doch das Märchen seine Weltgestalt.
Verstreutem Holzmehl aus den Bohrgewinden
Entwuchs der sagenweiße Lindwurmwald.

Zigarrenkistenholz mit Klebebildern
Schwamm im Taifun, der spanisch Flüche pfiff,
Und ozean-gefüllte Augen wildern
Mit Möwenkrallen am Gespensterschiff.

Dornrosengärten rochen aus Kommoden,
Verjährter Thymian, ein Hauch Anis –
Doch eigne Ferne kam in Herz und Hoden
Vorm Spiegel, der sein Bild nicht fallen ließ:

Obwohl er alles kühn vornüberneigte,
Gab nichts dem Schwindel nach und schien bereit,
Auf schrägem Wege, den der Estrich zeigte,
Im Spitzentanz zu fliegen aus der Zeit.
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Maya Angelou: „Ich weiß, warum der gefangene Vogel singt“
Aus dem Englischen von Harry Oberländer
Suhrkamp Taschenbuch € 12,00

Wochenlang bin ich um das Taschenbuch herumgeschlichen. Der Suhrkamp Verlag hat diesen Roman neu aufgelegt. Zur rechten Zeit. Denn Maya Angelous Beschreibung ihrer Kindheit im Süden der USA hat von seiner Aktualität nichts verloren. 1928 wurde sie geboren und mit drei Jahren, zusammen mit ihrem vierjährigen Bruder, zur Großmutter (Momma) hingeschickt. In Stamps, einer kleinen Stadt, verbringt sie den Großteil ihrer Kindheit. Ein sorgloses Leben in mitten von Armut, Rassismus und religiöser Enge. Die größte Hilfe der beiden Kinder ist die Literatur. Sie verschlingen Bücher und träumen sich in die Welt von Jane Austen und Charles Dickens.
Nachdem der Lebensgefährte ihrer Mutter sie sexuell missbraucht, verstummt Maya und findet erst wieder Worte, als eine Freundin ihrer Momma ihr die Wichtigkeit von Romanen, dem gedruckten und gesprochenem Wort, vor Augen führt.
Später zieht sie wieder zu ihrer Mutter nach Kalifornien, durchlebt wilde Jahre, bis sie am Ende dieses ersten Teiles ihrer Biografie ein Kind bekommt. Die letzten Zeilen, als sie mit ihrem kleinen Sohn gemeinsam im Bett liegen, ist zum Weinen schön.
Dieses Buch verbindet Lustiges mit Brutalem, Liebeswertes mit der harten Realität und es ist mir beim Lesen klar geworden, warum dieses Buch nicht in Vergessenheit geraten ist. Ja, das auch nie werden sollte.
Maya Angelou war eine Ikone der schwarzen Bewegung gegen Rassismus. Ihre Arbeit als Journalistin, als Schriftstellerin, als Theaterfrau enstand vor diesem Hintergund. Sie war befreundet mit Martin Luther Kind und Malcom X und so ist es kein Wunder, dass auf der Rückseite des Taschenbuches u.a. James Baldwin und Barack Obama diesen Roman loben.

Leseprobe

Dienstag, 12.März

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Heute haben
Paul Gerhardt * 1607
Gabriele D’Annunzio * 1863
Heinrich Maria Ledig-Rowohlt * 1908
Jack Kerouac * 1922
Edward Albee * 1928
Kathrin Schmidt * 1958
Jenny Erpenbeck *1967
Geburtstag
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Paul Gerhardt
Mein Haupt und meine Glieder

Mein Haupt und meine Glieder,
die lagen darnieder,
aber nun steh ich,
bin munter und fröhlich,
schau in den Himmel
mit meinem Gesicht.
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Claudia Wiltschek empfiehlt:

17800

Jocelyne Saucier: „Niemals ohne sie“
Aus dem Französischen von Sonja Finck und Frank Weigand
Insel Verlag € 20.00

„Wir sind wie niemand sonst, wir haben uns selbst erschaffen, die Einzigen unserer Art.“

Sie sind 21 Geschwister, sie sind die Ärmsten eines kanadischen Dorfes, das einst aufgeblüht war durch Zinkminen. Mittlerweile ist alles stillgelegt. Sie sind die gefürchteten Cardinals, die vor Nichts und Niemanden Angst haben, durchs Dorf ziehen und sich mit den sogenannten Landeiern, immer gerne anlegen und Streit suchen.
Die Mutter ist von morgens bis abends mit Kochen und Backen beschäftigt, die große Schwester übernimmt die Mutterrolle für die Kleinen. Spätabends, wenn alle schlafen geht die erschöpfte Mutter von Zimmer zu Zimmer, von Kind zu Kind, setzt sich zu jedem hin und schenkt Ihnen die Liebe, für die sie tagsüber keine Zeit hat.
Als der Vater eines Tages ein neues Zinkvorkommen entdeckt, hoffen alle auf ein neues Leben in Reichtum und Komfort. Doch der Plan geht nicht auf, der Gewinn bleibt aus und um nicht strafrechtlich verfolgt zu werden, entscheidet die Familie sich für einen folgenschweren Weg.
Nach 30 Jahren, der 81 jährige Vater wird zum “ Zinksucher des Jahres“ geehrt, treffen sie sich alle das erste Mal nach sehr langer Zeit in einem Luxushotel. Die Atmosphäre ist mehr als angespannt, irgendetwas stimmt nicht, bis der Knoten platzt .
Ein Buch, mit einer Wucht, spannend, berührend, trotzig, tragisch und liebevoll.

Wer die Autorin durch das wunderbare Buch „Ein Leben mehr“ kennen und schätzen gelernt hat, kann sich auf diesen neuen Roman von ihr freuen.

1893

Leseprobe

Jocelyne Saucier
, geboren 1948 in der Provinz New Brunswick, lebt heute in einem abgeschiedenen Zehn-Seelen-Ort im nördlichen Québec. Sie arbeitete lange als Journalistin, bevor sie mit dem literarischen Schreiben begann. Ihr vierter Roman Ein Leben mehr, der 2015 bei Insel erschien, war ein Bestseller und wird derzeit verfilmt.