Dienstag, 9.Oktober

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Heute haben
Léopold Sédar Senghor * 1906
Gert Loschütz * 1946
Durs Grünbein * 1962
Yael Hedaya * 1964
Geburtstag
und John Lennon
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Conrad Ferdinand Meyer
Fülle

Genug ist nicht genug! Gepriesen werde
Der Herbst! Kein Ast, der seiner Frucht entbehrte!
Tief beugt sich mancher allzureich beschwerte,
Der Apfel fällt mit dumpfem Laut zu Erde.

Genug ist nicht genug! Es lacht im Laube!
Die saftge Pfirsche winkt dem durstgen Munde!
Die trunknen Wespen summen in die Runde:
„Genug ist nicht genug!“ um eine Traube.

Genug ist nicht genug! Mit vollen Zügen
Schlürft Dichtergeist am Borne des Genusses,
Das Herz, auch es bedarf des Überflusses,
Genug kann nie und nimmermehr genügen!
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Emilia Wiltschek (12 Jahre) empfiehlt:

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Holly Goldberg Sloan: „Short
Hanser Verlag € 16,00
Jugendbuch ab 11 Jahren

Julia ist ein außergewöhnlich kleines Mädchen, dessen Wunsch es ist, normal groß zu sein. Plötzlich meldet ihre Mutter sie und ihren kleinen Bruder bei einem Casting für das Musical „Der Zauberer von Oz“ an. Julia ist strickt gegen die Idee. Ihr kleiner Bruder dagegen ist vollauf begeistert, denn Singen ist seine große Leidenschaft.
So kommt es dazu, dass die Beiden nun fast die ganze Woche über zu den Theaterproben gehen. Und dann beginnen die Proben Julia sogar Spaß zu machen, ja sie werden unersetzlich! Das liegt vielleicht an ihrer neuen erwachsenen Freundin Olive, die nur ein paar Zentimeter größer ist als sie, oder an den anderen Mitarbeitern, die stets alle sehr nett sind. Und plötzlich ist ihr Wunsch groß zu sein gar nicht mehr so groß.

Ein wunderbares Buch voller Emotionen und Freundschaft.
(Von der Autorin des Buches „Glück ist eine Gleichung mit 7“)

Dienstag, 11.September

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Heute haben
Peter Hille * 1854
O.Henry * 1862
D.H.Lawrence * 1885
Theodor W.Adorno * 1903
Joachim Fernau * 1909
Geburtstag.
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Heute auf dem Gedichtekalender:

Gottfried Keller
Jugendgedanken

Ich will spiegeln mich in jenen Tagen,
Die wie Lindenwipfelwehn entflohn,
Wo die Silbersaite, angeschlagen,
Klar, doch bebend gab den ersten Ton,
Der mein Leben lang,
Erst heut noch, widerklang,
Ob die Saite längst zerrissen schon;

Wo ich ohne Tugend, ohne Sünde,
Blank wie Schnee vor dieser Sonne lag,
Wo dem Kindesauge noch die Binde
Lind verbarg den blendend hellen Tag:
Du entschwundne Welt
Klingst über Wald und Feld
Hinter mir wie ferner Wachtelschlag.

Wie so fabelhaft ist hingegangen
Jener Zeit bescheidne Frühlingspracht,
Wo von Mutterliebe noch umfangen
Schon die Jugendliebe leis erwacht,
Wie, vom Sonnenschein
Durchspielt, ein Edelstein,
Den ein Glücklicher ans Licht gebracht.

Wenn ich scheidend einst muss überspringen
Jene Kluft, die keine Brücke trägt,
Wird mir nicht ein Lied entgegenklingen,
Das bekannt und ahnend mich erregt?
O die Welt ist weit!
Ob nicht die Jugendzeit
Irgendwo noch an das Herz mir schlägt?

Träumerei! Was sollten jene hoffen,
Die nie sahn der Jugend Lieblichkeit,
Die ein unnatürlich Los getroffen,
Frucht zu bringen ohne Blütenzeit?
Ach, was man nicht kennt,
Danach das Herz nicht brennt
Und bleibt kalt dafür in Ewigkeit!

In den Waldeskronen meines Lebens
Atme fort, du kühles Morgenwehn!
Heiter leuchte, Frühstern guten Strebens,
Lass mich treu in deinem Scheine gehn!
Rankend Immergrün
Soll meinen Stab umblühn,
Nur noch ein Mal will ich rückwärts sehn!
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Mac Barnett / Jon Klassen:Der Wolf, die Ente und die Maus
Nord-Süd Verlag € 15,00
Bilderbuch ab 5 Jahren

Endlich wieder ein neues Bilderbuch von Mac Barnett (Text) und Jon Klassen (Illustrationen). Nach „Sam und Dave graben ein Loch“ (Was für ein Spaß) und Extra Garn“ (Eine herrliche Wintergeschichte) geht es jetzt ins Innere des Wolfes. Der frisst nämlich zu Beginn der Geschichte einfach mal die kleine, süße Maus. Was eigentlich schon das Ende des Buches sein könnte. Aber es ist gar nicht so dunkel im Bauch des Wolfes. Eine Ente wohnt dort sehr angenehm mit Tisch und Bett und Schallplatten-spieler. Sie ist hier drin, ohne Angst zu haben, dass sie gefressen wird. Ha! Die beiden machen es sich gemütlich, kochen, dancen zur Musik und besorgen sich durch einen Trick auch noch Rotwein für das köstliche Mal. Dem Wolf bekommt das nicht so gut und er jault ganz jämmerlich, so dass der Jäger auf ihn aufmerksam wird. Den müssen die beiden verjagen, damit sie ihr behagliches Zuhause behalten können.
Wie die Geschichte endet, verrate ich hier nicht.
Ein herrliches Bilderbuch, das so vieles auf den Kopf und in Frage stellt.

Hier erleben wir Mac und Jon im Inneren des Wolfes.

Dienstag, 4.September

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Heute haben
Francois Chateaubriand * 1768
Leonard Frank * 1882
Antonin Artaud * 1896
Richard Wright * 1908
Per Olof Sundman * 1922
Joan Aiken * 1924
Thorsten Becker * 1958
Geburtstag
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Conrad Ferdinand Meyer
Die Veltlinertraube

Brütend liegt ein heißes Schweigen
Über Tal und Bergesjoch,
Evoë und Winzerreigen
Schlummern in der Traube noch.

Purpurne Veltlinertraube,
Kochend in der Sonne Schein,
Heute möcht‘ ich unterm Laube
Deine vollste Beere sein!

Mein unbändiges Geblüte,
Strotzend von der Scholle Kraft,
Trunken von des Himmels Güte,
Sprengte schier der Hülse Haft!

Aus der Laube niederhangend,
Glutdurchwogt und üppig rund,
Schwebt‘ ich dunkelpurpurprangend
Über einem roten Mund!
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Claudia Wiltschek empfiehlt:

9783423762342

Axel Rühle:Zippel, das wirklich wahre Schlossgespenst
Illustriert von Axel Scheffler
dtv junior € 12,95
Kinderbuch ab 7 Jahren

Zippel, ist ein kleines Schlossgespenst, aber wohnt nicht, wie wir wohl meinen, in einem grossen alten Schloss, sondern sein Zuhause ist ein Türschloss. Es lebt bei Paul und seinen Eltern in einer Altbauwohnung ganz zufrieden und unentdeckt. Eines Tages hört Paul merkwürdige Geräusche in der Tür und nach großem beiderseitigem
Misstrauen beginnt die Freundschaft von Paul und Zippel. Zippel hat ständig Quatsch im Kopf und Paul hat jede Menge zu tun, um ihn davon abzuhalten. Das Unglück naht, nachdem der Hausmeister es endlich an der Zeit findet, das alte Türschloss gegen ein neues auszutauschen. Zippels Zuhause ist plötzlich in Gefahr….
Für Zippel gerät die Welt aus den Fugen, zumal er ja solche Angst vor den Erwachsenen hat.

„Oh,oh, oh“, sagte Zippel. „Das ist sicher ein Awachsana.“
„Ein was ?“
„Ein Awachsana.“
“ Meinst Du ein Erwachsener?“, fragte Paul
„Oh ja, oh ja, oh ja. Awachsana sind böse. Alle sehr böse. Also verrat mich nicht. Ja?“

Ein liebevoll, witziges Vorlese und Selbstlesebuch , am Besten vorgetragen von einem Awachsanan, der Spaß dabei ist garantiert.
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Heute abend, Dienstag, 4.September um 19 Uhr
„Die erste Seite“
Wir stellen vier neue Bücher vor.

Clemens Grote liest aus:

Hugo Boris: Polizisten
Claire Messud: Das brennende Mädchen
Lisa Halliday: Asymetrie
Michael Kumpfmüller: Tage mit Ora

Eintritt frei
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Freitag, 7.September um 20 Uhr
Mariana Leky: „
Was man von hier aus sehen kann“

Lesung im Roxy Ulm
Eintritt € 12,00
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Vielen Dank noch einmal an Siyou und Hellmut Hattler für das tolle spontane Konzert.

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