Mittwoch, 9.Januar

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Heute haben
Karel Capek * 1890
Kurt Tucholsky * 1890
Simone de Beauvoir * 1908
Heiner Müller * 1929
Klaus Schlesinger * 1937
Geburtstag
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Rok
riss im asphalt

am ende der nacht ich
spüre eine mir fremde melodie
in meinem kopf sie trägt mich
kalter zigarettenrauch
gegen morgentau
ich taumle
und finde mich
wieder auf straßen ohne namen
ich schreibe mit zerbrechlicher
weißer kreide
das wort glück auf den
rissigen asphalt
und warte
bis der neue morgen
alte wunden heilt

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Rok: „Die Zärtlichkeit des Schneemanns“
Eigenverlag € 10,00

„ich schneide dir ein stück / aus dem gewitterhimmel / und lege es dir auf deinen tag / und aus schwarz wird grau / aus rot wird blau“ – „Messer“ heisst dieses Gedicht und zeigt, wie der Ulmer Lyriker arbeitet. Zak nennt er sich. Nicht, dass er unerkannt bleiben möchte. In Ulm kennt man ihn. Er tritt als Foto- und Videokünstler auf und organisiert Konzerte in der Hudson Bar.
Das schmale Bändchen mit 42 Gedichten hat er 2017 im Eigenverlag herausgebracht und seitdem steht es bei uns im Lyrikregal.
Wortfetzen nennt er seine Verse. Kurze Texte, die er auch schon mal ins Handy getippt hat. Seit seiner Jugend schreibt er, viele Texte gingen verloren. Um diese Gefahr zu umgehen, nun dieser Weg der Konservierung. Melancholisch klingen die Zeilen, sie sprechen von „Kälte“, von „fremden Melodien“ und sind „zerbrechlich“. Aber auch das Wort „Glück“ taucht auf.
Schnee fällt in Ulm vom Himmel und vielleicht passt jetzt gerade dieser Lyrikband mit dem Schneemann im Titel und seinen Gedichten über die Nacht, die Kälte, den Schnee und die leeren Straßen gut in die Jahreszeit.

In den nächsten Tagen finden Sie hier weitere Gedichte aus dem Buch.

Dienstag, 8.Januar

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Heute haben
Wilkie Collins * 1824
Paul Scheerbart * 1863
Leonardo Sciascia * 1921
Juan Marsé * 1933
Stephen W.Hawking * 1942
Gudrub Mebs * 1944
Geburtstag
und David Bowie und Sarah.
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Paul Scheerbart
Dicker roter Mond

Ach, ich kann ja gar nicht schlafen!
Über dem dunkelgrünen Myrtentor
Thront ein dicker roter Mond. —
Ob es später wohl noch lohnt,
Wenn man auf dem Monde wohnt?
Über dem dunkelgrünen Myrtentor?
Wär’s nicht möglich, daß uns drüben
»Längre« Seligkeiten küßten?
Wenn wir das genauer wüßten!
Hier ist alles zu schnell aus.
Jeder lebt in Saus und Braus.
Wem das schließlich nicht gefällt,
Hält die ganze große Welt
Auch bloß für ein Narrenhaus!
Ach, ich kann ja gar nicht schlafen!
Alter Mond, ich lach dich aus!
Doch du machst dir nichts daraus!
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Buchpräsentation am Freitag, den 8.Februar um 19 Uhr.
Das Buch liegt jetzt schon zum Anschauen in der Buchhandlung aus.

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Theodor Trampler & Ulrich Balß:
„New York
Past & Present 1928 – 2018“

160 Fotos, Briefe, Dokumente und Musik auf einer beigelegten CD.
Jaro Verlag € 30,00

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Eine Buchvorstellung und Zeitreise in das New York des Jahres 1928 . Geschichten und Briefe gelesen vom Autor Ulrich Balß sowie historische Fotos aus New York.
Dazu werden auf Leinwand über 50 historische Aufnahmen projeziert.

Der rote Faden beginnt 1928 mit Theodor Trampler aus Leipzig und endet 2018, 90 Jahre später mit der Fertigstelung dieses Buches durch seinen Enkel. Das Buch ist auch ein Dokument über die Lebensumstände eines Arbeitsemmigranten in New York 1928. Trampler schrieb über 100 Briefe nach Hause.Diese Briefe wurden mit dem Schiff über den Atlantik transportiert und Neuigkeiten waren damit schon Wochen alt, als sie in Leipzig bei seiner Frau und seinen Kindern ankamen. Als Buchbinder und Fotograf mit eigenem Fahrrad in New York unterwegs hinterließ Trampler ein herausragendes Dokument der Zeitgeschichte, einer Geschichte von Arbeitslosigkeit und Hoffnung, Flucht hier nach New York und nicht von Afrika nach Europa wie heute millionenfach praktiziert. Er dokumentierte und bewahrte all dies und jetzt 90 Jahre später ist daraus ein Buch entstanden.

Mit im Buch eine CD mit Musik aus New York von damals und heute.

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Hier geht es zu einem Radiobericht im NDR.

Freitag, 4.Januar

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Guten Morgen Ulm

Heute hat
Jacob Grimm * 1785
Geburtstag
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Wilhelm Busch

Wenn ich [im Januar] im Garten spazierengehe,
bemerk ich schon dies und das,
was sich langsam anschickt zu blühen,
z.B. die Christrose und der Seidelbast.
Noch immer,
so alt ich auch wurde,
erscheint mir dergleichen doch neu und spaßhaft,
wie vor 10.000 Jahren.
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Johannes Bröckers: „Ich kaufe nicht bei Amazon“
Vorsicht! Dieses Buch liefert überzeugende Argumente
Westend Verlag € 7,50

Ein kleines Büchle, das in den letzten Wochen und Monaten neben diversen Buchhandlungskassen zu sehen ist. Den Spruch: „Ich kaufe nicht bei Amazon“ hören wir oft und doch beherrscht Amazon einen Viertel des gesamten deutschen Onlinemarktes. Angefangen als sympatischer Buchversender, handelt er mittlerweile viel lieber mit Daten, als mit Waren. Deshalb auch die Frage, warum Alexa sieben Mikrophone hat.
Johannes Bröckers schreibt frech, sehr persönlich über diesen Versandriesen und uns als KäuferInnen.
Ob es etwas nützt? Ich glaube kaum. Aber höchstinteressant zu lesen ist es wirklich.