Dienstag, 17.Juli

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Heute haben
Samuel Agnoin * 1888 (Nobelpreis 1966)
Christiane Rochfort * 1917
Raiuner Kirsch * 1934
Geburtstag
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Heute auf dem Gedichtekalender:

Eduard Mörike
Lied vom Winde

Sausewind, Brausewind!
Dort und hier!
Deine Heimat sage mir!

„Kindlein, wir fahren
Seit viel vielen Jahren
Durch die weit weite Welt,
Und möchten’s erfragen,
Die Antwort erjagen,
Bei den Bergen, den Meeren,
Bei des Himmels klingenden Heeren,
Die wissen es nie.
Bist du klüger als sie,
Magst du es sagen.
– Fort, wohlauf!
Halt uns nicht auf!
Kommen andre nach, unsre Brüder,
Da frag wieder.“

Halt an! Gemach,
Eine kleine Frist!
Sagt, wo der Liebe Heimat ist,
Ihr Anfang, ihr Ende?

„Wer’s nennen könnte!
Schelmisches Kind,
Lieb ist wie Wind,
Rasch und lebendig,
Ruhet nie,
Ewig ist sie,
Aber nicht immer beständig.
– Fort! Wohlauf! auf!
Halt uns nicht auf!
Fort über Stoppel, und Wälder, und Wiesen!
Wenn ich dein Schätzchen seh,
Will ich es grüßen.
Kindlein, ade!«
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Antje Wagner:Hyde
Beltz & Gelberg Verlag  € 17,95
Jugendbuch ab 15 Jahren

Ein Jugendbuch, das von der ersten Seite fasziniert. Spannend, undurchsichtig, mystisch, starke Mädchencharaktere und eine Geschichte, die sich nicht geradlinig nacherzählen lässt. Was ist „Hyde“? Was hat es mit Katrina Verletzung auf sich? Ist das alles nur ein Traum, oder eine sehr bittere Vergangenheit, bei der noch alle Wunden offen sind? Seite für Seite entdecken wir mehr aus dem Leben der jungen Katrina, die auf der Walz ist und gleichzeitig auf einem Rachefeldzug. Was für einen, das erfahren wir Stück für Stück. Das Buch ist voller Geheimnisse, denen die junge Frau so ganz langsam auf die Schliche kommt.
Antje Wagner hat ein weiteres starkes Jugendbuch verfasst und nimmt uns mit auf eine
Reise, von der wir nicht wissen, in welche Richtung sie gehen wird. Vieles von dem, was wir beim Lesen vermuten, löst sich in einer anderen Art auf. Aus Gut wird Böse und umgekehrt. Ein Roman, übers Erwachsenwerden, über die Suche nach einem eigenen Weg, mag er noch so schwer sein. Auf wen kann ich mich verlassen und ist es nicht besser, tradierte Wahrheit zu hinterfragen?
Sie merken schon, ich mag nichts über den Inhalt erzählen. Ja. Das stimmt. Lassen Sie sich überraschen und nehmen Sie sich nichts anderes vor, denn Sie werden von dieser Lektüre nicht wegkommen.

Antje Wagner, geboren 1974, studierte deutsche und amerikanische Literatur- und Kulturwissenschaften und lebt in Hildesheim. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung nahm sie 2012 in den Kanon der 20 besten deutschsprachigen Schriftsteller unter 40 Jahren auf. Bislang erschienen u.a. ihre Romane »Unland« (ver.di Literaturpreis 2010, Prädikat »Beste 7 Bücher für junge Leser« (DeutschlandRadio/Focus)), »Schattengesicht« und »Vakuum« (u.a. ausgezeichnet mit dem Leipziger Lesekompass 2013).
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Dienstag, den 24.Juli ab 19 Uhr
Jastram, die letzte Buchhandlung vor den Sommerferien
Lassen Sie sich von unseren Buchtipps für Ihren Urlaub inspirieren.
Es liest Marion Weidenfeld.

Freitag, der 13.Juli

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Heute haben
Gustav Freytag * 1816
Isaac Babel * 1894
Georg Hensel * 1923
Wole Soyinka * 1934 (Nobelpreis 1986)
Helga Königsdorf * 1938
Milena Moser * 1963
Geburtstag.
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Conrad Ferdinand Meyer
Der schöne Tag

In kühler Tiefe spiegelt sich
Des Juli-Himmels warmes Blau,
Libellen tanzen auf der Flut,
Die nicht der kleinste Hauch bewegt.

Zwei Knaben und ein ledig Boot –
Sie sprangen jauchzend in das Bad,
Der eine taucht gekühlt empor,
Der andre steigt nicht wieder auf.

Ein wilder Schrei: „Der Bruder sank!“
Von Booten wimmelt′s schon. Man fischt.
Den einen rudern sie ans Land,
Der fahl wie ein Verbrecher sitzt.

Der andre Knabe sinkt und sinkt
Gemach hinab, ein Schlummernder,
Geschmiegt das sanfte Lockenhaupt
An einer Nymphe weiße Brust.
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Unser heutiger Buchtipp:

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David Hogg, Lauren Hogg: „#NEVER AGAIN
Das Manifest einer Rebellion
Aus dem Amerikanischen von Leena Flegler und Henriette Zeltner
btb € 8,00

„Bitte, ihr seid doch die Erwachsenen! Ihr müsst Haltung zeigen. Arbeitet zusammen und bewirkt endlich etwas.“, schrieb David Hogg.

Es reicht! “ A new generation draws a line“ heisst der Titel im Original. Ja, die SchülerInnen ziehen einen Schlussstrich. Sie haben genug.
Nach dem Amoklauf an der Marjory Stoneman Douglas High School in Parkland / Florida, bei dem 17 SchülerInnen und Lehrkräfte ihr Leben verloren haben, entstand spontan die Bewegung #NEVER AGAIN. Es muss eine Veränderung stattfinden, es müssen strengere Waffengesetze in Kraft treten. Es reichen nicht Trumps Worte, da er sofort danach der Waffenlobby den Rücken stärkte. Obama sagte seine Hilfe zu und aus einem Häuflein Betroffener wurde ein Bewegung, deren Thesen rund um den Erdball verstanden wurden.
In dem Taschenbuch können wir u.a. diese 10 Thesen der Bewegung nachlesen, inkl. einer 11. die erst später dazugekommen ist: „Geht wählen“.
Ein Buch, das wachrüttelt, betroffen macht und gleichzeitig die kontroverse Diskussion wiederspiegelt, die in den USA geführt worden ist. Auch sehr oft über Twitter.
Ein Buch, das in jeder Schule behandelt werden sollte.
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Bücherdepot Söflingen

Ab sofort können Sie Ihre Bestellungen im Jastram-Buchdepot im Erdapfel Bio-Bistro in der Ochsengasse 41 in Söflingen abholen, gleich hinter Erdapfel Naturkost.
Bestellen Sie bis 17 Uhr bei der Kulturbuchhandlung Jastram per Telefon, per Mail, oder über unseren Web-Shop (mit dem Vermerk: „Bücherdepot“)und wir bringen in den folgenden Tagen die Büchertüte nach Söflingen. Natürlich bekommen Sie eine Benachrichtigung von uns.
Wir legen eine Rechnung bei, buchen von Ihrem Konto ab, oder Sie bezahlen über unseren Web-Shop mit PayPal.

Kulturbuchhandlung Jastram, Schuhhausgasse 8, 89073 Ulm
Telefon: 0731 – 671 37
info@jastram-buecher.de
Web-Shop: www.jastram-buecher.de

Erdapfel Naturkost, Schlößlesgasse 10, 89077 Ulm
Telefon: 0731 – 386 893
http://www.erdapfel-naturkost.de

Erdapfel-Bio-Bistro, Ochsengasse 41, 89077 Ulm
http://www.erdapfel-bio-bistro.de

Donnerstag, 12.Juli

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Heute haben
Henry David Thoreau * 1817
Stefan George * 1868
Raoul Hausmann * 1886
Bruno Schulz * 1892
Günther Anders * 1902
Pablo Neruda * 1904
Adam Johnson * 1967
Johanna Moosdorf * 1971
Geburtstag
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Auf dem Gedichtekalender gefunden:

Gottfried Keller
Der Nachtschwärmer

Von heisser Lebenslust entglüht
Hab‘ ich das Sommerland durchstreift,
Darüber ist der Tag verblüht
Und zu der schönsten Nacht gereift.
Ich steige auf des Berges Rücken
Zur Kanzel von Granit empor
Und beuge mich mit trunknen Blicken
In die entschlafne Landschaft vor.

Am andern Berge drüben steht
Im Sternenschein der Liebe Haus,
Aus seinem offnen Fenster weht
Ein Vorhang in die Nacht hinaus:
Das ist fürwahr ein luftig Gitter,
Das mir das Fräulein dort verschliesst,
Nur schade, dass mir armem Ritter
Der tiefe Strom dazwischen fliesst!

So will ich ihr ein Ständchen bringen,
Das weithin durch die Lüfte schallt,
Und spiele du zu meinem Singen,
O Geist der Nacht, auf Tal und Wald!
Den Wind lass mit den Tannen kosen,
Die wie gespannte Saiten stehn,
Und mit der Wellen fernem Tosen
Der Nachtigallen Chor verwehn!

Im Osten zieht ein Wetter hin,
Das stellen wir als Helfer an,
Wie leuchtend schwingt sein Tamburin
Am Horizonte der Titan!
Die Mühlen sind die Zitherschläger
Beim Wassersturz im Felsengrund;
Im Wagen fährt mein Fackelträger
Hoch vor mir her am Himmelsrund!

Nun will ich singen überlaut
Vor allem Land, das grünt und blüht,
Es ist kein Turm so hoch gebaut,
Darüberhin mein Sang nicht zieht!
So eine kühne Brücke schlagend,
Such‘ ich zu ihrem Ohr den Weg;
Betritt im Traum das Seelchen zagend
Des wilden Lärmers schwanken Steg?
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9783630875132

Karl Ove Knausgård:Im Sommer
Mit Aquarellen von Anselm Kiefer
Aus dem Norwegischen von Paul Berf
Die Jahreszeiten-Bände (4)
Luchterhand Verlag € 24,00

„Die Zeit ist abgrundtief, die Sicht, die man als Kind hat, reicht nicht weit. Für mich war die Kindheit meiner Großeltern außer Reichweite, sie war etwas, worüber ich nichts wusste – und für meine Kinder ist die Kindheit meiner Eltern außer Reichweite! Von ihren Urgroßeltern in Westnorwegen, bei denen ich jeden Sommer verbrachte, haben sie keine Ahnung. Es nützt nichts, dass ich von ihnen erzähle, sie können das an nichts festmachen, die Menschen, die in den Geschichten auftauchen, sind tot und sind es während ihres ganzen Lebens gewesen. Der Keller mit den Steinwänden und dem oftmals feuchten Boden mit dem Abfluss, in den das Wasser rieselte, die weißen Schüsseln, mit den Bergen glänzend roter Johannisbeeren darin, die Milcheimer, der kleine Traktor und all die anderen Dinge, die in meiner Erinnerung leuchten, sagen ihnen nichts, denn die Welt wird von innen erleuchtet, von innen heraus entsteht die Bedeutung der Dinge und Orte.“

Die Jahreszeiten-Bände von Karl Ove Knausgård: „Im Sommer“ ist der vierte und letzte Teil, in der Knausgård seiner kleinen Tochter seinen Alltag, seine Umgebung, seine Familie, sein Denken, Fühlen und Tun erklären möchte.
Wird man von seinen dicken Romanen erschlagen von der Wucht der Sätze, der dicke der Bücher, so finden sich hier kleine Texte, kurze Essays, Gedanken und Reflexionen.
Knausgård schreibt über Wassersprenger und Schnecken, Rote Johannisbeeren und Tränen, über Weidenröschen, den Zirkus, Marienkäfer, das Fischen von Krabben und beginnt mit der Beschreibung, der Definition eines Campingplatzes. Passt also zum Sommer, zu den Ferien. Auch zur Auszeit im Kopf.
Dazu noch zwei lange Tagebucheinträge und ein literarischer Text.
Wir erleben hier einen anderen Knausgård, einer, der vielleicht zu sich selbst gefunden hat.

https://www.srf.ch/sendungen/kulturplatz/das-phaenomen-karl-ove-knausgaard