MONtag, 23.November

Unsere Abholstation ist geöffnet. Im Büro von Ralf Milde, am Judenhof.

Heute haben
Marieluise Fleißer * 1901
Paul Celan * 1920
Herbert Achternbusch * 1938
Geburtstag
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Johann Wolfgang von Goethe
Ein grauer, trüber Morgen

Ein grauer, trüber Morgen
Bedeckt mein liebes Feld,
Im Nebel tief verborgen
Liegt um mich her die Welt.
O liebliche Friedricke,
Dürft ich nach dir zurück!
In einem deiner Blicke
Liegt Sonnenschein und Glück.

Der Baum, in dessen Rinde
Mein Nam bei deinem steht,
Wird bleich vom rauhen Winde,
Der jede Lust verweht.
Der Wiesen grüner Schimmer
Wird trüb wie mein Gesicht,
Sie sehen die Sonne nimmer,
Und ich Friedricken nicht.

Bald geh ich in die Reben
Und herbste Trauben ein;
Umher ist alles Leben,
Es strudelt neuer Wein.
Doch in der öden Laube,
Ach, denk ich, wär sie hier!
Ich brächt ihr diese Traube,
Und sie – was gäb sie mir? 
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„Undine“
Regie: Christian Petzold
Darsteller: Paula Beer, Franz Rogowski, Maryam Zaree, Jacob Matschenz, Anne Ratte-Polle
BRD/Frankreich, 2020, 86 Minuten
Good Movies € 12,99

Undine lebt. Ja, sie ist mitten unter uns und arbeitet in Berlin als Stadthistorikerin. Ein kleines Appartment am Alexanderplatz, einFreund, Johannes. Er verlässt sie und Undine muss ihn, dem Mythos folgend, töten. Ungläubig hört er dies und geht.
Sie trifft auf Christoph, einem Industrietaucher, und verliebt sich in ihn. Er auch in sie, obwohl er merkt, dass Undine vor etwas wegläuft, ein Geheimnis verbirgt.
Paula Beer und Franz Rogowski spielen großartig (Vor Kurzem lief „Transit“ von Christian Petzold mit den beiden Schauspielern im TV und ist vielleicht noch auf der Mediathek nachzusehen). Christian Petzold hat diesen Mythos in die Gegenwart geholt und eine verspielte melancholische, märchenhafte Verfilmung in die Kinos gebracht, wie ich sie noch nie gesehen habe. Petzold bleibt seiner Linie treu und zeigt sich hier als großer Romantiker. Immer wieder Wasser, das Element von Undine, und es gibt unglaubliche Unterwasserszenen, die so im Kino selten zu sehen sind.
Wenn wir genau hinschauenwollen, ist natürlich nichts dem Zufall überlassen. Nicht umsonst heissen die Männer Johannes und Christoph, und und und.
Aber auch ohne dieses Wissen, ist diese Geschichte absolut lohneswert und durch den Lockdown im Frühjahr leider untergegangen.

Freitag, 16.Oktober

Der Sturm ist vorbei, die umngefallenen Bäume werden zersägt und der eine oder andere Stranbdkorb aus den Wellen gefischt. Auf Usedom kommt die Sonne raus und Internet gibts um die Ecke im Freien.

Ein tapferer Begleiter in dieser stürmischen Zeit ist Rico mit seinen neuen Aufzeichnungen.

Andreas Steinhöfel: „Rico, Oskar und das Mistverständnis“
Carlsen Verlag € 16,00
Keine Altersangabe. Wäre ja gelacht.

Rico erlebt stürmische Zeiten. Er ist verliebt in Sarah, er verkracht sich mit Oskar. Der Spielplatz der Gang soll bebaut werden und Frau Dahling besorgt sich ne Waffe und eine Zugfahrkarte, da sich ihr Geliebter nicht mehr aus der Kur meldet und sie sich denkt, er hat sich einen Kurschatten angelacht. (Hier müsste jetzt eigentlich Ricos Kommentar zu Kurschatten kommen!).
Die Besitzerin des Spielplatzgrundstückes ist die rote Frau mit der speziellen Frisur, die nicht mit sich reden lässt. Nur gut, dass es den Heinrich gibt, der Rico Tipps gibt, die hartherzige Dame rumzukriegen. Heinrich und seine Frau, die schöne Cilly, wohnen auf einem Hausboot mittemang in Berlin. Heinrich sortiert Fotos und Cilly schießt mit Erbsen auf Enten.
Gegen diese wilde Geschichte ist der erste Herbststurm auf Usedom ein leises Geplätscher.

Ich drücke Rico die Daumen, dass er es schafft, den Spielplatz zuerhalten, dass es mit Oskar zu einer Versöhnung kommt. Zumal das Buch ja auch Mistverständnis heisst.
Ach: Und hoffentlich benutzt Frau Dahling nicht ihre Waffe.

Mann, Mann, Mann!

Leseprobe

Mittwoch, 7.Oktober

Heute haben
Wilhelm Müller * 1794
Thomas Keneally * 1935
Jesús Diaz * 1941
Geburtstag.
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Wilhelm Müller
Am Feierabend

Hätt ich tausend
Arme zu rühren!
Könnt ich brausend
Die Räder führen!
Könnt ich wehen
Durch alle Haine!
Könnt ich drehen
Alle Steine!
Daß die schöne Müllerin
Merkte meinen treuen Sinn!

Ach, wie ist mein Arm so schwach!
Was ich hebe, was ich trage,
Was ich schneide, was ich schlage,
Jeder Knappe tut mir′s nach.
Und da sitz ich in der großen Runde,
In der stillen kühlen Feierstunde,
Und der Meister spricht zu allen:
Euer Werk hat mir gefallen;
Und das liebe Mädchen sagt
Allen eine gute Nacht.
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Sascha Lobo: „Realitätsschock“
Zehn Lehren aus der Gegenwart
Kiepenheuer&Witsch Verlag € 12,00
Inkl. kostenlosem E-Book-Download

Vor einem Jahr erschien Sascha Lobos Buch neu auf dem Markt. Es war ein paar Tage vor der großen Klimademo von Fridays For Future. Sehr passend, da uns der Autor zu zehn verschiedenen Themengebieten seine Analysen aufschreibt.
Klima, Migration, Integration, Rechtsruck, China, Künstliche Intelligenz, Gesundheit, Soziale Medien, Wirtschaft, Zukunft.
Und wenn wir meinen, unsere Welt ist aus den Fugen geraten, dann sind wir nicht alleine. Wer hätte schon gedacht, dass Trump Präsident der USA werden würde, dass der Klimawandel auf dem ganzen Erdball erkennbar ist. Wir leiden unter einem Realitätsschock, schreibt er. Unser Bild der Welt hat sich oft als kollektive Illusion entpuppt. Wir denken in Mustern des 20.Jahrhunderts, sind aber schon weiter und unsere technische Entwicklung befindet sich auf einer Ebene, die wie Science Fiction klingt und trotzdem schon Realität ist.
Lobo erklärt uns, woher diese drastische Veränderungen kommen und was wir daraus lernen können.

Leseprobe

FBM digital: Virtuelle Sprechstunde mit Sascha Lobo: Realitätsschock und Coronaschock

Moderiert von Sophie von Hoyningen-Huene und Daniel Erk
Online-Event 18.10.2020, 19:00 Uhr

FBM digital: Virtuelle Sprechstunde mit
Sascha Lobo: Realitätsschock und Coronaschock
Moderiert von Sophie von Hoyningen-Huene und Daniel Erk

Online-Event 18.10.202019:00 Uhr

Die Welt schien schon vor Corona aus den Fugen geraten zu sein. Doch die Pandemie hat viele Gegebenheiten in kurzer Zeit radikal verändert. Wie geht man mit der neuen Homeoffice-Realität um? Und wie wird sich unser Arbeiten nachhaltig verändern? Warum kann es uns nicht egal sein, wenn in Manhattan die Büromieten um 50% fallen? Und warum scheinen immer mehr Menschen auf absurdeste Verschwörungstheorien reinzufallen? Sascha Lobo findet Antworten auf Fragen, die wir uns vor einem Jahr so noch nicht gestellt haben. Die Veranstaltung finden Sie auf http://www.textouren.de