
Von Sebastian Lehmann
Autoland ist abgebrannt. Plötzlich unsichere Jobs allerorten. In Stuttgart befürchtet man gar, zum Detroit zu werden. Inmitten dieser ganzen Aufregung legt Mercedes Spannagel mit „Crashtest Dummies“ nun einen auf den Punkt passenden Roman zur Zeit vor: Innenansichten aus dem Großraumbüro eines großen deutschen Autokonzerns.
Erzählerin ist Cleo, die mit ihren Teamkollegen zusammen irgendetwas Unklares für ein E-Auto mit unklarer Perspektive im Konzern entwickelt. Cleo ist clever, aber auch haltlos und wenig ambitioniert. Ihr Ehrgeiz wird geweckt, als eine Karrierechance aufkommt: nach China gehen. Allerdings gibt es einen Konkurrenten um den Job. Cleo will nicht gegen den Mann verlieren. Und geht es der Firma überhaupt noch gut?
Man ahnt es: Im durchschnittlichen Konzernbüro auch von Spitzenindustrien wird viel gemobbt, intrigiert, gelogen, Unsinn geredet, Durcheinander produziert, in guten wie in schlechten Zeiten.
„Crashtest Dummies“ bietet treffende Milieudialoge, literarisch angereichert mit den Gedanken und Gefühlen seiner um ihren Job kämpfenden Protagonistin Cleo, so lustig wie böse, „Stromberg“ lässt grüßen. Die angehende Maschinenbauerin (!) Mercedes Spannagel hält den vielen verunsicherten Gutverdienern im deutschen Autoindustriekosmos so humorvoll wie ernst den Spiegel vor. Gut getroffen!
